Im Januar 2005 beschlossen wir mal wieder nach Frankreich zum Karpfenangeln zu fahren. An die großen bekannten Seen, mit ihren Nachtangelzonen und Verboten wollten wir jedoch dieses Mal nicht hin. Wir  wollten eher einen gemütlichen Angelurlaub erleben wie das große Abenteuer.

Durch die Internetadresse von Roland Dallanoce (www.angeln-frankreich.com) buchten wir sieben Tage in Longueil-Sainte-Marie, in der Nähe von Paris. Bei Roland kann man vier verschiedene Seen zwischen 7 und 18 Hektar buchen. Beispielsweise sei hier der Teich Attila (7 Hektar und 10 Angelplätze) aufgeführt, mit einem guten Besatz aus Karpfen von 10 Kilo und einigen größeren bis zu 19 Kilo. Wir entschieden uns aber für den Lac de Renard. Am Lac de Renard (16 Hektar) ist ebenfalls ein sehr guter Bestand etabliert. Die Gewichte liegen hier aber etwas höher. Es sind viele Karpfen über 15 Kilo und einige wenige der Topklasse mit 20+ Kilo vorhanden.

Gefischt werden darf standardmäßig mit drei Ruten - eine vierte kostet extra. Boote und Echolot sind für das Anfüttern und Loten jedoch nicht erlaubt. Anfang April liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren, Knödel rollen, Partikel kochen. Für das Frühjahr wählte ich einen Fisch-Mix. Die Knödel wurden jeweils gekocht, nur kurz getrocknet und anschließend eingefroren, so dass diese noch weich und aromaintensiv waren. Als Partikel wurde Mais, Weizen, Maples, Hanf  und Vogelfutter gekocht.

Und so fuhren wir am 16. April Richtung Paris. Nach 4 1/2 Stunden Autofahrt kamen wir am Ziel an. Im Clubhaus wurden wir sehr freundlich von Roland empfangen. Wir tranken zur Begrüßung zuerst einen Kaffee und zahlten anschließend unsere Angellizenzen. Zur Info bekamen wir eine Mappe mit Gewässerkarten und den geltenden Angelbestimmungen.

An allen Seen gibt es keine Reservierungen, also immer freie Platzwahl. Jede Stelle kann mit dem Auto gut erreicht werden und es darf auch direkt am Angelplatz geparkt werden. Wir fanden schnell einen gemütlichen Platz, an dem wir unsere Zelte aufbauen konnten. Nun ging es los. Auspacken und Tackel aufbauen.

Anschließend nahm ich die Lotrute in die Hand, um mir einen Eindruck über die Gewässerstruktur zu machen. Die Taktik lautete, für jede Rute zuerst einen eigenen Platz, um einen Überblick über das Gewässer und das spezifische Beißverhalten unserer Freunde im Frühjahr zu bekommen. Sollte sich daraus ein Hot Spot ergeben hätte ich mich auf einen Platz fokussieren können.

Nach kurzer Zeit fand ich drei Stellen, die mir als aussichtsreich erschienen. Diese lagen in unterschiedlichen Wassertiefen mit ca. 2,5 m, 3,5 m und 4,5 m. Die Plätze lagen fächerförmig mit Wurfweiten zwischen 30 und 90 Metern auseinander. Die Wurfweite konnte ich mit meinen 2 3/4 lbs Black Max Ruten spielend leicht erreichen.

Alle drei Plätze wurden zuerst mit einem Kilo Knödel und fünf Kilo Partikel bestückt. Als Rig wählte ich eine Safety Bolt-System mit einem Line Aligner als Hook Link. Ich verwendete 120 Gramm-Bleie sowie FOX Haken der Serie 2B Größe 4. Die Ruten wurden mit Boilies bestückt. Als Präsentation wählte ich einen Schneemanns, einmal Floater und einmal Sinker.

Nach erledigter Arbeit gönnte ich mir erst mal einen Cappuccino und erkundete im Anschluss die Einrichtungen. Das Clubhaus bietet einen Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen, die Tag und Nacht geöffnet sind. Für das leibliche Wohl wird ausreichend gesorgt. Man kann sich beispielsweise ein Mittag- oder Abendessen vorbestellen. Getränke oder andere Verpflegungen werden hier zu fairen Preisen angeboten. Falls Ausrüstungsgegenstände zu Hause vergessen wurden oder ein ungewöhnlich hoher Materialverschleiß entsteht, so gibt es die Möglichkeit im vorhandenen "Tackle Room" die Reserven aufzufüllen.

Die erste Nacht kam und ging mit ein paar Piepsern, aber ohne nennenswerte Karpfenaktivität. Am darauf folgenden Morgen wurden die Ruten mit neuen Köder versehen. Auf ein Nachfüttern habe ich aufgrund der mangelnden Beißlaune verzichtet. So blankte ich auch noch die nächsten drei Tage und Nächte. Meine Kollegen Steffen und Stefan hatten auch kein Glück.

Wir beschlossen daher, die letzten drei Tage an den 18 Hektar großen du Heron zu wechseln. Abbauen, Auto bepacken und weiter ging es die kurze Strecke zum nächsten See. Am du Heron gleiches Spiel, Tackel aufbauen, Plätze finden und füttern. Leider hatte ich auch in diesen drei Tagen und Nächten kein Glück. Stefan hingegen fing drei Karpfen. Der schwerste war eine schöner Spiegelkarpfen mit 12 Kilo.

Am See lernten wir einen Holländer kennen, der gab uns den Tipp, dass man am Renard nicht moven sollte sondern Sitzfleisch beweisen und auf die begehrte Beute warten muss. Dieser Tipp bewahrheitete sich schnell. Wie ich hinterher erfuhr wurden in diesen Tagen Karpfen auf dem von mir eingangs gewählten Platz gefangen.

Am 24. Mai ging es dann leider schon wieder nach Hause. Da ich während meines ersten Besuchs erfolglos war, mein Gespür aber sagte, dass es ein potentiales Gewässer ist, ging mir dieses nicht mehr aus dem Kopf. In den anschließenden Tagen und Nächten an meinen Hausgewässern machte es mir immer wieder Gedanken über diese Woche, diesen schönen See und die auf meinen Plätzen gefangenen Karpfen.

Restaurant, Club-Haus, Tackle-Shop aus der Vogelperspektive

Eine Perle der Natur

Um mein Gewissen zu beruhigen, beschlossen wir daher im August noch einmal einen Angriff zu starten. Also ging es am 13. August wieder nach Longueil-Sainte-Marie an den Lac de Renard. Nach der kurzen, ungeduldigen Fahrt, dem Willkommenskaffee und dem Bezahlen der Lizenzen ging es sofort ans Wasser. Die Stelle vom Frühjahr war erneut unbesetzt und so fuhr ich zielsicher hin.

Etwas hatte sich jedoch verändert. Ein großer Krautgürtel zog sich in ca. fünf Metern Entfernung parallel zum Ufer entlang. Aber wozu hat man denn das Auto überladen und somit auch die Watstiefel dabei. Nachdem alles so stand und vorbereitet war wie ich es wollte, fütterte ich die bei meinem ersten Trip ausgewählten drei Spots, auf denen jetzt jedoch etwas Kraut am Grund gewachsen war. Die ersten beiden wurden mit jeweils fünf Kilo Partikel bestückt. Der andere Platz wurde nur mit Knödel (1 kg) befüttert.

Meine Partikel beförderte ich wie im April mittels Groundbaiter und Bait Rocket ins Wasser. Futterboote sind nebenbei an allen Seen erlaubt. Auf den Partikel Plätzen fischte ich mit Mais und auf dem anderen mit Boilie.

In der ersten Nacht fing Kai einen 15 Kilo Spiegelkarpfen auf einen Bird-Food-Boilie. Bei mir und den anderen war leider wieder tote Hose. Kai fing in den nächsten zwei Nächten noch zwei Fische bis 16,5 Kilo. In der vierten Nacht wurden meine Gebete erhört. Ich bekam endlich auch das gewisse schlafraubende und adrenalinausschüttende Geräusch zu hören. Der Karpfen biss auf eine der Maisruten und zog sofort Schnur von der Rolle. Nach kurzem heftigen Drill konnte ich einen 12 Kilo Halbzeiler in meinem Kescher landen.

Der Krautgürtel stellte mit den Watstiefeln keine Schwierigkeit beim Landen dar. Jedoch fiel mir beim Drillen auf, dass der Renard einige Krautbänke im Freiwasser beinhaltet, in denen sich der Fisch kurz verfing. Bei konstantem leichten Druck löste er sich jedoch problemlos. Nach kurzer Zeit kam der zweite Biss erneut an der gleichen Stelle auf Partikel. Der Bann war gebrochen. Die Ruten mit dem Boilie blieb unberührt. Anschließend stellte ich sofort alle Ruten auf Partikel um und erhöhte gleichzeitig die Futtermenge an Partikels. Es war unglaublich, was die nächsten Tage bei mir abging. Es war fast nicht zu glauben, doch meine vier Ruten liefen auf einmal fast im drei Stunden-Rhythmus ab. Alle bissen nur auf Mais, so dass ich die Boilies lieber in der Tüte ließ.

Die Karpfen waren auf allen drei Plätzen voll da. Deren Fressgier hielt ich durch den Einsatz von 80 (!) Kilo Partikel in nur vier Tagen bei Laune. Um nicht gänzlich in einen Fangbericht abzurutschen, möchte ich euch gleich das gigantische Ergebnis dieses wohl unvergesslichen Trips berichten: In diesen verbliebenen vier Tagen fing ich 32 Carps, davon 12 Fische über 15 Kilo, der schwerste hatte 19 Kilo. Alle meine Fische konnte ich sicher landen und hatte keinerlei Aussteiger, obwohl die Krautbänke öfters für Aufregung sorgten.

Stefan überlistete neun Fische bis maximal 19 Kilo. Kai hatte vier Fische und Jürgen durfte leider nur einen in die Linse heben, jedoch mit 18 Kilo. Die eingangs erwähnte Taktik des Holländers hatte sich gelohnt. Sitzfleisch beweisen und auf die begehrte Beute warten! Nicht immer nur auf Boilies setzen, sondern reagieren und auch mal etwas ausprobieren, wie in meinem Fall. Bei Bedarf voll auf Partikel umstellen. 

Es war ein unvergessliches Erlebnis! Im Jahr 2006 werde ich wieder einen Trip an den Renard unternehmen, um die positive Atmosphäre zu genießen. Die Tatsache, dass am du Renard im Jahr 2005 ein 24 Kilo Spiegelkarpfen gefangen wurde, ist ein zusätzlicher Anreiz für meine nächste Tour.

„Nur Digge“ - euer Otze Vadder
Thomas Beck 

Infos unter:
www.angeln-frankreich.com
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Tel.: 00352/021248461