Entwicklung und Fortpflanzung:

Der Karpfen ist ein besonders fruchtbarer Fisch der in der Lage ist je kg Körpergewicht zwischen 100.000 und 300.000 Eier zu produzieren. Seine Geschlechtsreife erreichen die Milchner (Männchen) im dritten Lebensjahr. Die Rogner (Weibchen) brauchen ein Jahr länger um die Geschlechtsreife zu erlagen. In den Monaten Mai bis Juni, manchmal auch noch im Juli laichen die Karpfen bei einer Wassertemperatur von 18 bis 20 °C ab. Dafür benötigen sie pflanzenreiche Flachwasserzonen, in denen sie ihr Laichgeschäft nachgehen können. Sollten diese Umstände nicht gegeben sein oder sind die Wassertemperaturen zu niedrig, tritt eine so genannte Laichverhaltung ein und die Rogner bilden dann die angesetzten Eier wieder zurück. Um ihre Paarungsbereitschaft anzuzeigen entwickelt die Milchner einen Grieskornartigen, weißlichen Ausschlag auf Kopf und Brustflossen. Dies signalisiert den Rogner das ihr Partner nun bereit ist sich fortzupflanzen. Karpfen verhalten sich nicht monogam, und so tummeln sich immer mehreren Milchner um ein Rogner. Kämpfe finden jedoch unter den Milchner nicht statt. Hier gilt die alte Regel wer zu erst kommt und das Interesse des Rogners auf sich lenken kann, der kommt auch zum Zuge. Um die Aufmerksamkeit des Rogner zu gewinnen findet ein förmliches Liebesspiel statt. Dabei umkreist der Milchner werbend den Rogner und gelegentlich stupsen sie die Rogner mit ihren Maul zärtlich an. Sind Rogner und Milchner bereit zur Eiablage, schwimmen sie mit dem Kopf auf gleicher Höhe, dicht über den Grund, um dann mit krampfartigen Vorwärtsbewegungen die Eier und den Samen auszustoßen. Ist die Paarung vollzogen ziehen die Fische von dannen und überlassen die befruchteten Eier sich selbst. Eine Brutpflege wie es z.B. die Stichling praktizieren kann man beim Karpfen nicht beobachten. Drei bis acht Tagen nach der Eiablage schlüpfen die 4 bis 5,5 mm langen Larven. Noch nicht Schwimmfähig heften sich die Larven mit Hilfe von Klebedrüsen an Pflanzenstängel und Steine fest. Hier verharren sie nun einen Tag und mobilisieren all ihre Kräfte um mit unbeholfen wirkenden Schwimmbewegung an die Oberfläche zu streben. Diese doch sehr kraftaufwendige Akt dient dazu die Schwimmblase mit Luft zu füllen. Ist die Schwimmblase endlich mit Luft gefüllt ist das winzige Geschöpf nun in der Lage richtig zu Schwimmen. In den ersten 8 Tagen brauchen sich die Larven noch keine Gedanken über ihr Futter zu machen. Sie ernähren sich aus einen Dottersack, in den sich die Nahrung für die ersten Tage befindet. Dieser Dottersack ist bei den Karpfenlarven sehr charakteristisch und ähnelt in der Form einer Birne. Nach einigen Tagen beginnen die nun fressfähigen Larven sich von winzigen tierischen und pflanzlichen Organismen zu ernähren. Es dauert ein paar Wochen bis man deutlich erkennen kann das es sich um Karpfenbrut handelt. Mit zunehmenden Alter und Gewicht ändert sich auch das Fressverhalten der Fische. Haben sich die Larven in den ersten Tagen ausschließlich vom Plankton ernährt so beginnen sie nun ihren Nahrungsgewohnheiten zu ändern. Den Plankton folgen nun Wasserflöhe, Hüpferlinge und Mückenlarven. Weitere Monate später beginnen die Jungkarpfen gezielt im Schlamm nach etwas Essbaren zu suche. Würmer, Schnecken, Egel Libellenlarven, kurz alles was ein verborgenes Leben im Schlamm führt, steht nun auf ihrem Speisezettel. Es kann auch vorkommen das sich größere Karpfen an kleine Fische vergreifen, doch das ist eher die Ausnahme.

Sind die äußeren Bedingungen für den Karpfen gut, so wachsen sie in den ersten Jahren rapide ab. Ist ausreichend Nahrung vorhanden und die durchschnittliche Wassertemperaturen ist nicht zu niedrig, können sie nach drei bis vier Jahren schon eine Körperlänge von 35 bis 45 cm und Gewichte von zwei bis vier Pfund erlangen. Ging man früher davon aus, das Karpfen ein „Patriarchenalter“ von hundert Jahren erreichen können, so weiß man heute das sie im schnitt nicht älter als 35 bis 40 Jahre alt werden. Sind die Umstände optimal, können die Karpfen ein durchschnittliches Höchstgewicht von bis zu 60 Pf und eine Länge von 1,30 m erreichen. Durch zahlreiche Altersuntersuchungen anhand der Jahresringe auf den Schuppen, weiß man heute, dass schwere Fische nicht unbedingt auch alt zu sein brauchen. Es wurden schon viele Fische jenseits der 40 Pfundmarke gefangen, die nachweislich nicht älter als 15 bis 20 Jahren alt waren. Auch sind im Gegenzug im gleichen Gewässer Fische gefangen worden die schon 30 Jahre und älter waren und Gewichte um die 20 Pf auf die wage brachten. Verantwortlich hierfür ist das Wachstumshormon welche für die Wachstumsrate und das zu erreichende Endgewicht zuständig ist. Dieses Wachstumshormon ist bei jeden Fisch individuell, und erklärt somit die unterschiedlichen Gewichte der Fische.
 


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