Jugendarbeit ist für mich eine wichtige Sache und so war ich sehr erfreut als der Jugendwart meines Vereins mit der Frage kam, ob ich seiner Jugendgruppe etwas über die Herstellung von Boilies beibringen kann. In den folgenden Tagen ging ich weit in meine Vergangenheit zurück, alte Mixe, Zutaten, was hatte man damals nicht alles getestet und probiert. Nach einigen Telefonaten mit Freunden landete ich auch bei Moppel der gleich Feuer und Flamme war. Selber Jugendwart in einem benachbarten Angler Verein bot er an seine Jugendlichen mit einzubeziehen und es gemeinsam durchzuführen. Manchmal passt eben alles zusammen und so saß ich ein paar Tage später bei Moppel und ließ mir seinen Cappo schmecken. Gemeinsam besprachen wir nun die Einzelheiten für unser Vorhaben.

Das große Rollen
Günstig sollten die Boilies sein und leicht zu beschaffen. Forellie, Grieß, Maismehl und alles was der Küchenschrank so zu bieten hatte, sollte in die Boilies rein. Ein paar Boilieroller besaßen wir beide aber auch mit der Hand sollte gerollt werden. Um auch etwas mehr zu schaffen wollte ich meine Druckluftpresse nebst  Kompressor mitnehmen. Das Forellie würde ich in meiner großen Kaffeemühle mahlen aber auch die Kleine zur Vorführung mitnehmen. Moppel bot an eine Auflistung über verschiedene Zutaten, deren Eigenschaften, Art der Dosierung und Beschaffung zu machen. Ein paar Buchtipps und interessante Internetadressen durften in der Liste ebenfalls nicht fehlen. Um den Jugendlichen keine Kosten auf zu bürden wurden die Vereine zum Eierkauf verpflichtet. Außerdem beschlossen wir unsere Verbindung zu zwei Baitfirmen zu nutzen um noch einige Kilo hochwertige Mixe zu bekommen. Tod und Ben von Natural-Ccarpbaits und Mario von Best-Baits waren sofort bereit uns mit ihren Mixen zu unterstützen.

An einem Samstagmorgen Ende April war es dann soweit, unter der großen Überdachung unseres Vereinsheims hatten Moppel und ich schon alles aufgebaut als ein Mädchen und elf Jungs eintrafen, dabei waren auch noch Oliver, der Jugendwart und Helmut, einer der Gewässerwarte von Moppels Verein. Nach kurzer Begrüßung begannen wir mit der Theorie, mit Hilfe von Moppels Liste die alle Jugendlichen Teilnehmer zum Mitnehmen bekamen erklärten wir alles Wichtige über Boilies, ihre Herstellung und deren Zutaten. Dann ging es endlich los, Moppel mischte für die Jungangler den Forelliemix an und zwei kräftige Jungs mixten alles in einer großen Tüte zusammen während andere schon die Eier in eine Schüssel aufschlugen. Um den Jugendlichen nicht gleich teure Flausen in den Kopf zu setzen benutzten wir Maggie, leicht zu beschaffen aus Mutters Küche, als Flavour. Die ersten Murmeln wurden mit der Hand gedreht, so haben wir wohl alle mal angefangen. Dann kamen die kleinen Rollbretter dran, mit deren umgedrehten Oberteil lassen sich hervorragende Würste herstellen. Damit am Ende auch für jeden genug Boilies vorhanden waren kam auch die Druckluftpresse zum Einsatz, abgerollt wurde dann mit Mammutroller und einer Maschine. Da wir im Harz viel an tiefen Talsperren und somit direkt unter den Rutenspitzen fischen  kam nun auch das Nudelholz zum Einsatz, zwischen zwei Leisten wurde der Teig ausgerollt und mit einem Messer zu Würfeln geschnitten.

Solch eckigen Boilies halten sich bestens an steilen Ufern und dürfte auch die einfachste Art sein Boilies herzustellen. Oliver hatte in der Zwischenzeit den Gaskocher angemacht und das Wasser begann zu Kochen. Während Oliver und Moppel anfingen die Baits abzukochen machte ich mit der Jugendgruppe noch einen Bindekurs und zeigte ihnen die gängigsten Montagen. Nach und nach füllten sich die Siebe und am Ende bekam jeder seinen Anteil von den Baits mit nach Hause. In den Sommerferien wollten wir alle zusammen fischen gehen, doch an dieser Stelle übergebe ich an Moppel.

Endlich Angeln
Danke Jörg! - Nachdem wir die Jugendlichen mit dem nötigen Grundwissen und vor allem mit reichlich Boilies versorgt hatten, machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Gewässer für ein erstes gemeinsames Angeln auf Karpfen. Bei meiner Suche bin ich dann auch recht schnell fündig geworden. In meinem Heimatverein gibt es einen ca. 5ha großen See mit ausgedehnten Schilfzonen, einer Insel die durch einen Steg begehbar ist und einen recht guten Karpfenbestand. Zwar war mir schon im Vorfeld klar dort nicht die ganz großen Karpfen fangen zu können,  aber um das Karpfenangeln für die Jugendlichen anschaulicher zu machen war dieses Gewässer genau das richtige für unser Vorhaben.

An diesem Gewässer gibt es für alle Teilnehmer ausreichend Angelplätze die alle recht leicht zu befischen sind. Nach einem kurzen Gespräch mit Jörg war dann auch alles in Sachen Gewässer und Termin geklärt. An einem Juli Wochenende trafen wir uns am Nachmittag am See und legten vor Ort fest wer mit wem wo angeln sollte. Die Jugendlichen konnten es kaum abwarten ihre Plätze zu beziehen und ihre Ruten auszulegen, so hielten wir die Begrüßung so kurz wie möglich. Um die Gemeinschaft unter den zwei Jugendgruppen zu stärken kamen wir gegen Abend alle zusammen und nahmen leckere Sachen vom Grill zu uns. Auch die Kosten von den Getränken und Grillsachen wurden von unseren Vereinen prompt übernommen! Wir erklärten sehr viel von den verschiedensten Möglichkeiten der Köderpräsentation und von Futterstrategien, so dass jeder neue Erkenntnisse mit auf den Weg nehmen konnte. Da es in den letzten Wochen sehr heiß gewesen ist haben wir jedem geraten pro Rute sparsam zu füttern und zwar nur zwei bis drei Hände voll Boilies. Gegebenenfalls könne man immer noch nachlegen. Jörg und ich haben an diesem Abend so manche Runde um den See gedreht, und hier und da Hilfestellung geleistet. Bei diesem Angeln konnten wir insgesamt 5 Schuppenkarpfen von durchschnittlich 6 Pfund fangen. Leider hatte sich keiner der etwas größeren Schuppenträger des Sees an unseren Ködern vergangen. Na ja, dass Wetter ist aber nun wirklich nicht auf unserer Seite gewesen ...

Der spektakulärste Fang in dieser Nacht ist aber noch eine sehr schöne, bissige Schildkröte gewesen! Das kleine gepanzerte Tierchen ist über seinen unfreiwilligen Landgang aber nicht sehr erfreut gewesen, und zeigte uns dies durch heftige Gegenwehr beim Versuch ihr den störenden Haken zu entfernen. Nach etlichen fehlgeschlagenen Versuchen gelang es uns glücklicherweise doch noch sie von dem Eisen zu befreien. Jörg und ich sind über dieses Ergebnis natürlich nicht wirklich zufrieden gewesen. Aber was soll man machen, man fängt halt nicht immer gleich beim ersten Anlauf die größten Carps des Sees, auch wenn diese maximal 18-20 Pfund auf die Waage bringen! Auf Bitten einiger Teilnehmer beschlossen wir sie auch über dieses Angeln hinaus am Wasser ein klein wenig zu betreuen, und ihnen noch weitere Erfahrungen mit auf de Weg zugeben. Jörg verbrachte einige Abende mit Patrick und Donatus an einem ihrer Vereinsgewässer der Odertalsperre. Dennis und mich zog es allerdings an einige etwas kleinere Harzteiche an denen wir unser Glück versuchen wollten. Nach einigen Monaten und etlichen Telefonaten mit Jörg kristallisierte sich mehr und mehr heraus das unsere Schützlinge immer kontinuierlicher Fische fingen, und auch das Durchschnittsgewicht ihrer Fänge stieg merklich an! Es freut uns aber ganz besonders zu sehen mit welcher Begeisterung die drei unserem Hobby nachgehen. Zum Schluss möchte ich mich auch im Namen von Jörg beim ASV Bad Lauterberg für die Benutzung ihrer Räumlichkeiten so wie beim AV Osterode am Harz für die kostenlose Nutzung des Vereinsgewässers recht herzlich bedanken! Ebenfalz bedanken wir uns bei Mario (Best-Baits), Torsten und Ben (natural-carpbaits) für die vielen Kilos Boiliemix die sie uns bereitwillig zur Verfügung gestellt haben!

Jörg Preimann – cipro.de / Team Best Baits
Moppel (Markus Wolff) –
cipro.de / Team natural-carpbaits