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Ich
liege unter meinem Ovalschirm und betrachte den sternenklaren Himmel. Durch
die Helligkeit des Vollmondes kann man fast alles erkennen. Mittlerweile
scheint Stille auf meinem Spot eingekehrt zu sein, so genieße ich eben die
Ruhe der Natur. Wo tagsüber noch dutzende Badegäste herumtollten, gleiten
nun lautlos vereinzelt Enten durch das Wasser, wo ein Handtuch neben dem
anderen lag kann ich eine Ratte im Mondschein umherhuschen sehen. In solchen
Momenten realisiere ich immer wieder, wie viel Glück ich habe, in so einer
wundervollen Gegend wohnen zu dürfen! Es ist hier die Rede vom Salzkammergut
in Österreich. Diese Region wurde schon früher als Kulisse für diverse
Heimatfilme geschätzt. Das Panorama, welches sich einem hier bietet, ist
nahezu unvergleichlich und nur schwer in Worte zu fassen. Es sind die großen
Alpenseen, die diese Region prägen, wie zum Beispiel der Mondsee (1420
Hektar), der Attersee (4590 Hektar), der Traunsee (2450 Hektar) oder der
Wolfgangsee (1350 Hektar). Diese Seen sind allesamt sehr tief und den
Großteil des Jahres relativ kalt. Dies sind nicht gerade die Besten
Voraussetzungen für unseren Zielfisch, doch ein See unterscheidet sich von
den anderen, es ist der Irrsee (auch Zellersee genannt - aber nicht mit dem
Zellersee in Salzburg zu verwechseln).
Er liegt
cirka fünf Minuten vom Mondsee entfernt. Dieses Gewässer weist eher die
Charakterzüge eines Moorsees auf, ist fast gänzlich von Schilfwäldern
eingesäumt und erwärmt sich relativ schnell. Mit seinen 350 Hektar und 32 m
Tiefe besitzt er aber dennoch eine stattliche Größe.
Zurück zum Irrsee
Ich beangelte diesen See bereits Jahre zuvor zwei Saisonen lang, damals
jedoch ausschließlich auf Renken und Hechte. Denn auch diese zwei Fischarten
gibt es hier in einer guten Bestandsdichte und mit ansprechenden Gewichten.
Doch letzte Saison kehrte ich an die Ufer des Irrsees zurück. Die erste
Saison gestaltete sich etwas durchwachsen und es dauerte einige Zeit bis
mein Angelkollege und ich die ersten Cipros auf die Matte legen konnten.
Das größte
Problem stellte für uns die Wahl des Angelplatzes dar, da der Großteil des
Sees Privatgrund ist. Laut oberösterreichischem Fischereirecht hätte man als
Angler zwar die Berechtigung auf nicht bebauten und nicht eingezäunten
Grundstücken unserem Hobby nachzugehen, aber wer will schon Streit in seiner
Freizeit? Ich jedenfalls nicht! Zu Beginn kam es auch oft vor, dass ich
einen Spot über einige Tage hinweg fütterte und dieser dann von anderen
Anglern besetzt wurde. Ein klasse Gefühl, welches ich euch wohl nicht
genauer beschreiben muss. Auch die Durchschnittsgröße der Karpfen ließ zu
wünschen übrig, so bewegte sich das Gros der Fische zwischen 8 und 13 Pfund.
Die Stückzahl jedoch war für einen großen Natursee mit durchschnittlich zwei
bis fünf Runs pro Nacht recht ordentlich.
Nachtschicht
Damit wären wir auch schon beim nächsten Thema angelangt. Zu 90% fingen wir
unsere Fische nachts - ohnehin ist es im Sommer aufgrund der vielen
Badegäste nahezu unmöglich tagsüber zu angeln. Die heiße Jahreszeit hindurch
hielten sich die Fangergebnisse konstant, doch leider auch die
Durchschnittsgewichte. Da wir aufgrund des großen Aufkommens von Badegästen
und der beschränkten Zugangsmöglichkeit zum Ufer nur wenige Spots zur
Auswahl hatten, wurden diese umso öfter befischt. Vielleicht auch ein Grund
dafür, dass die „Dicken“ noch auf sich warten ließen…
Im Herbst
entspannte sich die Lage wieder und wir konnten endlich andere Spots
befischen. Ich fütterte stets einige Tage vor und wir konnten Fische bis 27
Pfund landen, was aber immer noch nicht wirklich zufrieden stellend für uns
war.
Neue Saison - neues Glück
Im Winter schloss ich durch meinen Freund Heinz Kersten Bekanntschaft mit
Ralf von der Fa. JR-Tackle. Nach einigen Gesprächen wurde ich als Testangler
engagiert und fischte fortan mit den Produkten von Jens und Ralf. Der Winter
legte dieses Jahr besonders lange seinen Mantel der Stille über unsere
heimischen Gewässer und so war der Irrsee Anfang März noch immer von einer
Eisschicht gefangen.
Als der See
endlich wieder eisfrei war, begann für mich die neue Saison, die mir mehr
Erfolg bringen sollte. Doch zu Beginn zog ich leider zwei Blanks, was für
mich aber nebensächlich war, da ich froh war, endlich wieder am Wasser
gewesen zu sein. Mitte April brach ich zur dritten Session auf, diesmal
befischte ich ein Plateau in etwa 230 m Entfernung. Um 1:30 Uhr durchbrach
plötzlich wie aus dem Nichts mein Lieblingsdauerton die Stille der Nacht.
Wenig später schlossen sich die Maschen des Keschers über einem 18 Pfund
Spiegler - für den ersten Fisch dieser Saison ganz OK.
Drei
Stunden später riss mich abermals ein Run aus meinen Träumen, dieses Mal
handelte es sich aber um einen kleinen Karpfen von etwa sieben Pfund. Ich
war gerade dabei, alles für das neuerliche Ausbringen meiner Montagen
vorzubereiten, als abermals ein Biss folgte. Das Ergebnis war ein lang
gestreckter Schuppenkarpfen von 86 cm und 19,5 Pfund. Da diese Nacht recht
ordentlich verlief, entschloss ich mich auch noch die zweite Nacht dieses
Wochenendes zu bleiben die mir zwei weitere Fische brachte. Die Feuertaufe
hatten die neuen Baits von JR-Tackle also mit Bravour bestanden.
Wrong Time - Wrong Place
Der Wettergott schien uns Karpfenanglern dieses Jahr einigermaßen gut
gesinnt zu sein und so verzögerte er durch ständige Schlechtwettereinbrüche
die Badesaison einige Zeit hinaus. Somit konnten mein Kollege und ich noch
länger ungestörte Sessions durchführen. Mit durchaus ansehnlichen
Ergebnissen, so wurden Carps bis 31 Pfund gelandet. Als ich eine Woche
pausierte, konnte ein Kumpel meines Angelpartners, der für mich einsprang,
sogar einen 36er Schuppi landen. Offensichtlich hatte ich mir das falsche
Wochenende zum Fortgehen ausgesucht!
Doch die
Zeit strich ins Land und auch in der Voralpenregion kehrte schließlich der
Sommer ein, was uns wieder dazu zwang, unsere Sitzungen spät abends zu
starten und früh morgens zu beenden. Die Ideallösung für diese Situation
hatten zwei befreundete Carphunter, diese bauten eine Holzzille so weit wie
möglich aus, um darin den Karpfen nachstellen zu können, was aber sicherlich
auch nicht jedermanns Sache ist.
Never give up!
Mittlerweile ist es Mitte August und die Badesaison hat ihren Zenith
erreicht. Nichtsdestotrotz werden kapitale Fische gelandet, so erreichte
mich vor einigen Tagen die Meldung über einen 36er und 46er! Leider blieb
mir dieses Glück bisher versagt und ich werde noch weiter die Spuren lesen
müssen, um dem Irrsee solch einen Fisch entlocken zu können. Aber ich werde
es schaffen, denn eines ist sicher, dieser See beherbergt noch eine Menge
verborgener Riesen und der Herbst steht immerhin erst noch vor der Türe!
Mittlerweile ist der Mond hinter den sanften Bergen rund um mein Gewässer
verschwunden und ich kann wieder einige Fische am Spot rollen hören… Wer
weiß, vielleicht liegt der Gigant näher als man denkt…
Info:
Der Irrsee hat 350 Hektar und liegt ca. 30 km östlich von Salzburg. Von der
A1 kommend nimmt man die Abfahrt „Mondsee“ und fährt anschließend Richtung
„Zell am Moos“. Nach wenigen Kilometern erscheint auf der linken Seite der
See. Karten gibt es bei vielen Bauern und Wirtshäusern rund um das Gewässer
zu kaufen. Die Preise liegen zwischen 20,- Euro für eine Tages- und 120,-
Euro für eine Jahreskarte vom Ufer, die Bootskarten liegen zwischen 20,-
Euro und 240,- Euro. Als gute Baits haben sich bei mir fischige Boilies wie
Super Whitecrab, Muschel oder Banane Fisch herausgestellt. Als Montagen
kommen hauptsächlich Bolt Rigs zum Einsatz, wahlweise mit D-Rigs oder
herkömmlichem Line Aliner.
TIGHT
LINES
Wolfgang Wendl
JR Tackle / CIPRO.DE
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