Autor: Wolfgang Wendl

Die Anreise
„A 8 München Richtung Stuttgart bei Ingolstadt mehrere km zäh fließender Verkehr!“ …na toll denke ich und fahre schon auf das Ende der Blechschlange zu.
Ich bin gerade auf dem Weg zu meinem Kumpel Thorsten Löw nach Heilbronn, denn Morgen wollen wir zu meinem ersten Trip nach Frankreich, genauer gesagt an den Etang de Baudet, durchstarten. Ca. viereinhalb Stunden später erreiche ich mein Ziel und werde von Todds´ Freundin Tanja am vereinbarten Treffpunkt abgeholt. Als wir bei der Wohnung eintreffen gibt es erstmal eine herzliche Begrüßung. Nach etwas Carptalk und einem Video über einen La Horre Trip beschließen wir unser Tackle im Astra Kombi zu verstauen. Dabei brennt der Planet immer noch unbarmherzig auf uns herab – hoffentlich beeinträchtigt dieser rekordverdächtig heiße Sommer das Beißverhalten der Karpfen nicht zu sehr! Nach dem Abendessen in einer Pizzeria und einem Besuch der Eisdiele heißt es um 01:00 Bettruhe, denn Morgen müssen wir um 5:00 aus den Federn. Um 4:00 hält es mich nicht mehr auf dem Sofa und ich beginne ein paar Rigs zu binden und etwas im Mirror zu schmökern. Kurz nach 5:00 steht dann auch Todd auf. Nach einer Dusche und einer Tasse Kaffe kann es endlich losgehen! Am 08.08.03 kurz nach 11 Uhr stehen wir am La Horre und ich schüttle Patrice die Hand. Ich habe schon einiges über ihn gehört, nicht immer nur Gutes, aber auf mich macht er einen sehr sympathischen und fachkundigen Eindruck. Nach dem Lösen der Karten fährt er mit uns die 35 km zum Etang de Baudet. Zuvor zeigt er uns aber noch ein anderes Gewässer den Jonchery und den Badestrand am Orient, an dem man bei Bedarf auch Duschen kann.

Endlich am Baudet
Dann kommen wir endlich dort an, wo es uns hinzieht – an die Ufer des Baudets. Dieser 8 ha große See liegt in Mitten eines Waldgebietes. Die Ruhe dort ist einfach unglaublich! Patrice zeigt uns noch die Angelplätze, dann heißt es aber – ran an die Arbeit!
Auf Anraten von Patrice entscheiden wir uns für den Platz am Damm, er bietet links ein kleines Seerosenfeld und ab Mittag Schatten am eigenen Ufer, was uns und auch den Fischen bei dieser Hitze gut tut! Nachdem wir unsere Pods aufgebaut haben, checken wir noch den Gewässergrund, können aber leider keine versteckten Spots mehr finden, also fischt Todd am kleinen Seerosenfeld, während ich rechts das Freiwasser, sowie das Ufer befische. Was das Füttern betrifft halten wir uns bei dieser Hitze natürlich sehr zurück und so bieten wir neben Single Hookbaits noch je eine Rute mit PVA-Netz und eine mit 20-30 Freebies an. Zum Fischbestand des Baudet: Wir wussten, nach den Infos, die wir erhalten hatten, dass es ca. 150 Schuppis gibt, welche Gewichte von Anfang 20 bis Mitte 30 Pfund auf die Waage bringen sollen und fünf dicke Spiegler von 30 bis Mitte 40 Pfund! Graser gibt es laut Aussagen mehrerer Personen nicht. Wir erhoffen uns für diese Woche 10 – 15 Fische von Mitte 20 Pfund und vielleicht einen „Biggie“.

Ein Problem?
Gegen 20:00 kommt Paul Bachelier mit einem Kumpel vorbei und meint: „We have a problem!“ Oh! Denke ich und harre der Dinge, die da kommen werden. Es geht darum, dass die Angler normalerweise erst samstags ab ca. 14:00 anreisen würden und Morgen die Entenjagderöffnung stattfinden wird. Es heißt, dass es sein könnte, dass wir alles abtacklen müssen bis diese Eröffnung von statten gegangen ist.
Paul wollte uns aber noch am Morgen bescheid geben. Verständlicher Weise hebt das Ganze nicht gerade unsere Stimmung, aber was will man machen?!

Die Nacht bricht heran
Die erste Nacht nähert sich unaufhaltsam und unsere Spannung steigt… ob wir wohl Aktionen bekommen werden? Diese Frage beantwortet sich gegen 23:15 von selbst. Meine Uferrute, die ca. 5 m seitlich vom Pod entfernt unter einem Busch platziert ist, bringt auf einen Microwave Fischboilie den ersten Run! Es ist ein Drill mit heftigen Fluchten, wie man es eigentlich von normalen Karpfen gar nicht gewohnt ist. Im Schein der Kopflampe blitzt die Flanke des Fisches kurz auf. Moment… das kann nicht sein! War das eben ein Graser? Nein, die gibt es ja hier gar nicht! Aber was waren das für heftige Fluchten? Kurz darauf haben wir die Gewissheit, dass es doch Graser im Baudet gibt, denn vor uns liegt einer mit 78 cm und 12 Pfund. Ein wahrlich überraschender Auftakt! 

Die Stechmücken fliegen Attacke um Attacke auf unsere Luxuskörper, doch darauf habe ich eine Antwort parat (denke ich zumindest). Ich zücke eine gelbe Dose mit Insektenabwehrspray der Drogeriekette mit dem blauen Logo. Die freundliche Verkäuferin hatte sie mir mit den Worten: „Nehmen sie doch die Eigenmarke, die ist genau so gut, kostet aber weniger!“ in die Hand gedrückt. Ich sprühe mich ein und bin siegessicher, doch die Mücken lassen sich davon nicht beeindrucken und so geht unser erstes Duell mit ca. 30:0 Beulen an die kleinen Vampire (obwohl das Zeug angeblich ja genau so gut wie namhafte Marken ist)! Zum Glück hat Todd dann doch noch ein ordentliches Mittel mit und ich verschaffte mir in dieser Woche durch meine Säuberungsaktionen im Dome den Namen „Mückenterminator“! Die Nacht bringt  noch zwei weitere Fische, die uns ebenfalls zu denken geben, denn es handelt sich um Schuppis von 15 und 10,5 Pfund. Wurde uns nicht gesagt, dass sich in diesem Pool ausschließlich Carps über 20 Pfund befinden sollten? Um 06:15 reißt uns abermals ein Fisch aus unseren Träumen. Es ist ein Schuppi von knapp 20 Pfund, der meinem Boilie nicht widerstehen konnte. Kein Riese aber immerhin sind vier Fische in einer Nacht bei diesen Wetterverhältnissen nicht schlecht.

Entwarnung
Wie versprochen kommt Paul um 10:30 vorbei. Er hat eine erfreuliche Nachricht für uns. Wir können unser Camp stehen lassen und sollen nur unsere Ruten für kurze Zeit an Land ziehen.
Als er uns nach dem Ergebnis der letzten Nacht fragt ist er über unseren Graser sehr überrascht. Im weiteren Gespräch stellt sich außerdem heraus, dass im Frühjahr mehrere kleine Karpfen besetzt wurden. Wie viele kann er uns aber leider auch nicht sagen. Nach einer kurzen Kontrolle der Montagen ist er auch schon wieder weg. Kurz darauf können wir die Montagen wieder in Position bringen. Todd und ich wählen die gleichen Spots wie am Tag zuvor. Ich mache mir noch schnell ein Fertiggericht um meinen Hunger zu stillen, dann zieht es mich aber wieder auf meinen Bedchair. Gegen 13:00 werde ich durch einen Fallbiß auf Thorstens´ Rute geweckt, leider ist es wieder ein eher kleiner Schuppi von 15,5 Pfund. In den nächsten 2 Stunden folgen noch weitere 2 kleine Karpfen auf seinen Spot am kleinen Seerosenfeld. Der weitere Nachmittag und Abend gestaltet sich ruhig uns so genießen wir die herrliche Natur und plaudern über Gott und die Welt. Es ist einfach genial zu sehen wie unberührt die Natur in diesem kleinen Paradies noch ist. Tausende Libellen fliegen umher und landen auf unseren Ruten, Heerscharen von Fröschen veranstalten ein Konzert, kleine Fische zeigen sich an der Oberfläche, Karpfen rollen und nicht zuletzt das Rudel Wildschweine, welches ein Bad an den Ufern des Baudets nimmt, doch dazu später noch mehr… In dieser zweiten Nacht bekommen wir noch fünf Runs, leider landen wir aber nur 3 davon. Der schwerste Fisch bringt knapp 24 Pfund auf die Waage. 

Verpennt
Als ich aufwache schaue ich auf die Uhr… 12:30!!!! WAAAAS?!?!?! Tja, die vielen Drills der letzten zwei Tage zeigen offensichtlich ihre Auswirkung auf uns.
Eigentlich sollten schon am Vortag zwei Franzosen anreisen, da diese aber 24 Stunden nach der geplanten Ankunft noch immer nicht da waren gehen wir davon aus, das wir weiterhin alleine hier angeln können. Wunderbar denke ich, jetzt kann ich die ganze restliche Woche das große Seerosenfeld am anderen Ufer befischen! Gesagt, getan! Ich nehme jeweils eine Rute, ein paar Boilies und das Wurfrohr auf der Abhakmatte mit ins Wasser und wate dem Seerosenfeld entgegen (was nur möglich ist, da der Wasserstand 40 cm unter dem Normalniveau liegt). Nachdem ich einige Meter in den Baudet  hinein gegangen bin, werfe ich mein Ziel an. Während ich gerade meine dritte Rute ausbringe bekommt Todd einen Run. Wieder brachte ein Berkley Sweet Scarpex den Erfolg. Das Ergebnis ist ein schöner Schuppi von 24,5 Pfund.

Ein Riese?!
Um 00:30 bekomme ich einen Biss auf meine linke Rute, die ich zwischen zwei kleinen Inseln aus Seerosen vor dem großen Feld abgelegt habe. Der Fisch sitzt sofort fest! Doch mit etwas Druck kommt er frei. Der Widerstand, den mir der Fisch bietet ist gewaltig. Klasse denke ich, das muss ein echt Dicker sein, vielleicht sogar einer der Spiegler. Ich gebe alles und gehe ins Wasser. Dann kurz vor dem Kescher – KACKE!!! – nein der Fisch ist nicht ausgeschlitzt, aber was ich da vor mir im Wasser sehe ist eine Überraschung! Der Fisch ist an der Bauchflosse gehakt! Die Waage zeigt 15,5 Pfund an – NAJA!
Bis zum Morgen haben wir noch drei weitere Fische bis gut 23 Pfund und einige Rattenaktionen mit gekapptem Haar. Da unsere Vorräte langsam zur Neige gehen steht heute ein kurzer Einkaufstrip auf dem Programm. In der Nähe von Troyes stoßen wir auf ein Gewerbegebiet in dem man alles bekommt, was man zum Überleben benötigt. Eine Tankstelle, einen „Leclerc“ (Supermarkt), einen Mc Donalds, und und und…

Die Begegnung der dritten Art
Diese Nacht hören wir die Wildschweine besonders laut, d. h. sie sind heute sehr nah. Todd kennt keine Furcht und will unbedingt ein Foto ergattern, so zieht er also von dannen. Ich kann immer wieder seine Kopflampe zwischen den Bäumen durchscheinen sehen. Auf einmal blitzt es, darauf folgt ein lautes „QUIIIIIIEEEEEK“ und heftiges Gepolter im Unterholz. Kurz darauf dasselbe Spiel noch einmal. Ich kann hören wie die schweren Körper der Schweine sämtliches Geäst zum Bersten bringen. Wenige Minuten später kehrt der „Schweinepriester“ in das Basiscamp zurück. Ein Foto hat er keines machen können, da der Blitz zu schwach dazu war, dafür hatte er bei der Begegnung der dritten Art mächtig Muffensausen. Kein Wunder wenn links und rechts von einem diese Tiere die Flucht ergreifen! 

In der restlichen Woche können wir noch 18 Fische bis 25 Pfund überlisten. Wir machten die Erfahrung, dass es zwei Hauptbeißzeiten gibt. Eine mittags bis ca. 16:00 und eine mitten in der Nacht bis in die Morgenstunden. Als gute Baits kristallisierten sich selbstgedrehte Fischbaits mit würzigem Aroma, sowie die Sorten White Chocolate, Banane und Jointed Vanilla der Firma Eurobaits heraus. Immer wieder war auch ein Berkley Carp Bait im Freiwasser einen Versuch wert.

Resümee
Wir nehmen an, dass die Fische aufgrund des offensichtlich schlechten Nahrungsangebotes seit dem Besatz an Gewicht verloren haben, denn viele der Mitte 20 Pfund-Fische haben zwar die Länge für einen 30er, aber waren sehr schlank.
Insgesamt konnten wir in einer Woche 33 Fische zwischen 9 und 25 Pfund landen, 14 davon waren über 20 Pfund schwer. Leider hatten wir (im speziellen ich) auch einige Aussteiger zu beklagen. Ist man auf der Jagd nach Rekordgewichten, so ist der Baudet sicher das falsche Gewässer, wenn man aber Entspannung sucht und nebenbei ein paar schöne, kampfstarke Fische fangen will, so ist man hier sicherlich richtig. Bedenkt man, dass unser Trip während eines rekordverdächtigen Sommers statt fand, so ist das Ergebnis sicherlich mehr als nur gut. Wird dieses Gewässer beispielsweise im Herbst befischt, so stehen die Chancen sicherlich noch besser.

Info
Der Etang de Baudet liegt in der Nähr von Troyes bei der Ortschaft Lusigny direkt neben dem Lac d´Orient.
Er hat eine Größe von 8 ha und ist im Durchschnitt 1,5 – 2 m tief. Es gibt 3 Plätze an denen man angeln kann, 2 davon sind mit dem Auto zu erreichen. Die Woche kostet 150 Euro pro Person. Platzreservierungen und Karten gibt es bei Patrice am Etang de la Horre (0033/325/271626).

Es gelten die gleichen Bestimmungen wie an allen bekannten Pay-Gewässern. Am Lac d´Orient besteht im Strandbad die Möglichkeit zu duschen, nach Absprache mit Patrice ist dies auch am Jonchery möglich.

TIGHT LINES,

Wolfgang Wendl
CHGM – TEAM CIPRO.DE

 

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