von Matthias Wachholz


Die Zeit der ersten Winterkarpfen ist gekommen, wenn nachts die Temperatur deutlich unter Null Grad sinkt, die Natur ihren eindrucksvollen Glanz an den Bäumen, an Sträuchern und am Gewässerrand verloren hat und die Wasseroberfläche tagtäglich so trist vor einem liegt, als sei jegliches Leben im Wasser erloschen. Große Futterkampagnen sind nun fehl am Platz und es gilt, die bevorzugten Standplätze der Moosrücken zu lokalisieren. Der Mythos beim Karpfenangeln im Winter welcher lautet, dass sich die Karpfen immer an die tiefsten Stellen zurückziehen. Im Gegenteil, viele der von mir gefangenen Fische konnten in Tiefen von 1 bis 4,5 Meter überlistet werden. Dies auch bei nächtlichen Temperaturen von bis zu minus 8 Grad.

Bei vielen Anglern deutet die natürliche Stille der Gewässer zu der kalten Jahreszeit auf ein deutliches Signal hin. Winterpause für Angler und zugleich für die teure Gerätschaft. Die meisten argumentieren diesbezüglich stets mit der selben Begründung: „Es geht nichts mehr.“ Falsch! Gerade  meine persönliche Erfahrung gerade im Winter hat mir gezeigt, es geht beinahe immer etwas, wenn man einige Dinge berücksichtig und sich nicht an der Allgemeinheit orientiert. Das Leben unter Wasser geht einen ähnlichen Weg im Winter wie der bei den Menschen:

Der Metabolismus verlangsamt sich = Die Nahrungsaufnahme erfolgt dadurch in größeren Zeitabständen = Die Fische suchen die wärmeren Gegenden im Gewässer auf = Die Trägheit nimmt fortwährend zu. All diese Faktoren sprechen gegen jegliche Sitzungen bei extremen Temperaturen. Doch jeder Carphunter, welcher sich den Fang eines so herrlich glänzenden Winterkarpfens in den Kopf gesetzt hat, harrt verbissen aus, bis die lang ersehnten „Sounds of Life“ in seinem Ohr erklingen. Um stundenlangen oder tagelangen Sessions ohne jegliche Aktionen entgegenzuwirken, gebe ich in den nachfolgenden Zeilen einige meiner Erfahrungen in Sachen Minusgrade wieder.

Folgende Gesichtspunkte treten im Winter verstärkt in den Vordergrund als im Sommer oder Herbst:

• Wahl des Gewässers

• Lokation 

• Futterkampagne

• Köderwahl

Wahl des Gewässers
Generell sollte jeder Angler kleinere Gewässer von einer Größe von bis zu 12 Hektar jedem Großgewässer bei seiner Winterangelei vorziehen. Warum gerade Kleingewässer? In Kleingewässern hat jeder die Chance, nach den nachfolgenden Regeln die Karpfen schneller ausfindig zu machen. Achtung! Mit Kleingewässern sind nicht etwa überbesetzte Karpfenteiche mit einer durchschnittlichen Tiefe von 2 Metern gemeint, nein Baggerseen, Lehmseen oder Kiesgruben mit bis zu 40 Metern Wassertiefe. Hier spielt nicht nur die Fläche eine wesentliche Rolle sondern auch die Tiefe trägt zum erschwerten Auffinden der Fische bei.

In Flüssen oder Kanälen gelten Warmwassereinläufe als Trumpf überhaupt. Doch Vorsicht! Meist halten sich die Karpfen nicht direkt im warmen ausströmenden Wasser aus, sondern sind erst einige hundert Meter stromab anzutreffen, wo sich das extrem warme mit dem extrem kalten Wasser diffundiert hat. Interessante Stellen können auch Hafenbecken mit der vielen natürlichen Nahrung wie Muscheln an den Spundwänden oder an den eisernen Pollern sein.

Die Strömung in Flüssen oder Kanälen darf ein hart gesottener Karpfenfreak bei seinen Winterturns nicht außer Acht lassen. Da bei stetiger Strömung ein Bewegen der einzelnen Fische von Nöten ist, muss auch auf kurz oder lang eine stetige und kontinuierliche Futteraufnahme selbst bei Wassertemperaturen um die 4 Grad erfolgen. Die Wahl der Gewässer fällt diesbezüglich bei 70% der Winterangler auf den Fluss oder Kanal.

Hat man sich für ein Gewässer entschieden, beginnt man mit der Lokation.

Lokation
Der wichtigste Aspekt in Sachen Lokation ist das richtige Know How  des zu befischenden Baggersees oder des Flusses. Erstmaliges Fischen im Winter an einem noch neuen und noch niemals zuvor befischten Gewässer bringt meist nur lange Nächte ohne Biss mit sich.

Deshalb gilt: Untiefen, Sandbänke, Plateaus, Steilkanten oder Muschelbänke sollten geläufig sein. in der Regel nutzt jeder die Erfahrungen, welche er über Jahre hinweg an einem See gesammelt hat nun im Winter aus. Nicht selten sind die Fische an den gleichen oder ähnlichen Plätzen wie in den restlichen Jahreszeiten anzutreffen. Da sich in vielen heimischen Seen der Pfanzenbewuchs unter Wasser bis in den Winter hinein aufrechterhält, muss ein genaues Abtasten der Bodenbeschaffenheit mittels Lotrute und geflochtener Schnur an einen 150 g Kugelblei vonstatten gehen. Schließlich macht es keinen Sinn, einen Platz über Tage mit Futter aufzubauen und beim Fischen stellt man missmutig fest, mitten in einem dichten Krautfeld gefüttert zu haben - ärgerlich.

Die zu befischenden Wassertiefen im See sollten je nach Wetterlage zwischen 1 und 8 Metern gewählt werden. Bei länger anhaltendem Sonnenschein und Hochdruckeinfluss sollten die Futterplätze durchaus bei einem Meter Wassertiefe beginnen. Da sich die Wassertemperatur in flachen ruhigen Zonen bei mehrstündiger Sonneneinstrahlung wesentlich schneller erwärmen als in tieferen Stellen, suchen die Cipros in den langen Nachtstunden bevorzugt in den flachen Regionen nach tierischer Nahrung. Ich spreche hier ausschließlich von mehreren Futterplätzen, da so eine größere Gewähr beim Auffinden der Tiere gegeben werden kann. Windstille Buchten mit viel Einstrahlung der kräftigen Mittagssonne gelten auch zu Zeiten mit Tiefdruckeinfluss und Regen zu einem wahren Karpfenmagneten, da sich hier die Wassertemperatur in Tiefenbereichen von 2 bis 5 Metern, wenn auch nur geringfügig, den gesamten Winter hindurch von den restlichen Temperaturen geringfügig hervorhebt. Schon Zehntelunterschiede können zum ausschlaggebenden Erfolg beitragen. 

Im Fluss oder Kanal stellen strömungsarme Stellen oder absolut stillstehende Abschnitte die größte Bedeutung dar. Hierzu zählen vor allem Buhnenfelder hinter Warmwassereinläufen oder tiefe Löcher oder Gräben am Rande der Hauptströmung. Da Karpfen äußerst träge Tiere in den Wintermonaten sind würde kein Fisch die Hauptströmung als Standort auswählen und somit einen wesentlich höheren Energiebedarf zu decken müssen.

Hafenbecken zählen aufgrund des hohen Nahrungsreichtums unter Wasser und dem extrem ruhigen Wassers als schlicht und ergreifend Winterunterstand für Fluss- und Kanalfische.

Im Gegenteil zum See sollten im Fluss durchaus die tiefen Stellen bevorzugt befischt und befüttert werden. Ein Boot mit Echolot trägt gerade im Fluss häufig zum Erfolg bei. Mit ihm können Bodenstrukturen und Löcher besser registriert und ausgekundschaftet werden. Wurden dieser Gesichtspunkte Einhalt gewährt, kann die eigentliche Futterkampagne starten.

Futterkampagne
Futterkampagne im Winter? Generell mit ja zu beantworten, sei es am Fluss oder am See. Nur das Maß spielt eine ausschlaggebende Rolle beim Erfolg. Die Gewässerbiologie darf natürlich wie auch der Sättigungsgrad der einzelnen Futtermittel außer Acht gelassen werden. Das gilt vor allem für kleinere Seen. Je mehr Biomasse und Nährstoffe dem kalten Wasser zugeführt werden, desto schneller verschlechtert sich gerade im Winter die Wasserqualität. In den Wintermonaten gilt bezüglich füttern, weniger bringt in den meisten Fällen mehr. Die Futtermengen sollten pro Futterplatz 200 g pro Tag und Platz im See nicht überschreiten.

Meist greife ich ausschließlich auf das Füttern qualitativ guter Boilies mit extrem hohen Samenanteil zurück. Der hohe Samenanteil im eigentlichen Boilie bewirkt die schnellere Verdauung der einzelnen Köder. Der Karpfen wird automatisch gezwungen, binnen kürzeren Zeitabständen auf den Futterplatz zurückzukehren und die erneute Aufnahme der Boilies zu beginnen. Zudem geben die einzelnen Sämereien einen sehr hohen Eigengeruchsanteil an das Wasser frei. Zu diesem Zweck empfehlen sich die Starbaits Boilies Totally Seed in jeder der erhältlichen Geschmacksrichtungen. Ein Samenanteil von 45,5 % pro Boilie gewähren ein absolut schnelles Verdauen. Sehr wichtig in Bezug auf Erfolg ist das kontinuierliche und dauerhafte Füttern eines Platzes ausschließlich mit Boilies. Wer hat schon Lust, sich bei minus acht Grad in einen Brassendrill zu begeben.

Im Fluss oder Kanal tragen nicht selten neben Boilies auch Partikel wie Vogelfutter oder Hanf zum Erfolg bei. Gerade leichte Körner werden von der leichten Strömung über mehrere Meter vom eigentlichen Futterplatz fortgetragen und dienen somit als „Fischstraße“ hin zum Futterplatz. Die Futtermenge im Fluss sollte ebenso reduziert werden. Im Gegensatz zum See wird im Fluss lediglich ein Futterplatz angelegt. Dieser wird jedoch der Länge nach vergrößert, so dass beim Fischen die Rute auf dem eigentlichen Platz in unterschiedlichen Längen positioniert werden kann.

Selbiges gilt für einen Hafenbereich. Hier sollte die Futterspur jedoch leicht schräg verlaufen, so dass die Montagen nicht nur auf unterschiedlichen Entfernungen sondern auch auf unterschiedlichen Höhen präsentiert werden können. Ein Füttern von Partikeln kann ich hier jedoch nur abraten, da sich neben Karpfen ein sehr hoher Weißfischanteil in den ruhigen Hafenbecken aufhält.

Wurden diese Dinge berücksichtigt, steht der Angler vor der Qual der Köderwahl.

Köderwahl
Einer der wichtigsten Gesichtspunkte neben der Köderwahl stellt die Ködergröße dar. In den Monaten Dezember, Januar, Februar und März nimmt der Karpfen nachweislich bevorzugt kleinere Nährtiere zu sich. Diesem Verlangen sollte jeder Angler entgegenkommen, indem er auf kleinere Durchmesser wie 14er Boilies zurückgreift. Die kleineren Boilies haben zudem den Vorteil, einen weit aus größeren Futterteppich gestalten zu können, als mit einem herkömmlichen Standartboilie der Größe 18 oder 22 mm. Die kleinen samenreichen Boilies bewirken bei Nichtverzehr in der ersten Nacht ein langsames Zerfallen in der darauffolgenden Nacht und können somit ohne Probleme von Weißfischen aufgenommen und verzehrt werden. Somit bleiben keine unnötigen Futterreste von dahinfaulenden Boilies am Futterplatz und die Wassergüte wird auch nicht in Mitleidenschaft ge-zogen. Dieses Argument hat schon bei manch negativ eingestellten Vorstandsvorsitzenden einzelner Vereine großen Zuspruch und positive Reaktionen bewirkt.

Ich persönlich füttere im Winter meist 2 unterschiedliche Futterplätze mit unterschiedlichen Aromen. Meist verwende ich jedoch und das mit ausgesprochen gutem Erfolg den Starbaits Spicy-Fisch Boilie und den Totally-Giant-Prawn (45.5 % Samenanteil). Beide in 14 mm Durchmesser.

Zusätzliche Erfolgsfaktoren sind proteinhaltige Kleinstköder wie Cushed Boilies oder Crumby-Baits im PVA-Bag, um den Hakenköder zu präsentieren. Diese entsprechen im wesentlichen der natürlichen Nah-rungsgröße, welche ein Karpfen in der kalten Zeit zu sich nimmt. Ein zusätzliches Dippen des Hakenköders erbringt nicht selten den langersehnten Winterrun. Pop up Boilies gehören genauso zum Erfolgsprinzip wie Schneemänner, da diese die Aufmerksamkeit des Karpfens zu einem weitaus früheren Zeitpunkt weckt als die restlichen Futterboilies.

Im Fluss oder Kanal schwöre ich auf den Einsatz von schnell löslichen Pellets wie die 20 mm Starbaits  Pellets in den Geschmacksrichtungen Fisch, Frucht, Scopex, Erdbeer und Hanf.

Vorteilhaft in der Verwendung sind die schnell löslichen süßen Partikel, welche mit der Strömung etliche Meter stromab mitgetragen werden und so eine süße Spur zu den Hakenködern hinterlassen. Loses Friedfischfutter hat eine ähnliche Wirkung. Hierzu empfiehlt sich die Verwen-dung von Gros-Carpes von Sensas. Der Vorteil in der Verwendung liegt nahe. Die Futterballen können über Stunden verteilt gefüttert werden. Somit hat der Angler die Voraussetzung geschaffen, dass am Futterplatz und stromab der fressende Karpfen stets Nahrung in Form von kleinen Partikeln oder Mehlen vorfindet. Letztendlich führt die Spur automatisch zum Köder.

Viel Erfolg bei etlichen Wintersessions

Matthias Wachholz
 

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