Es
war irgend wann im Sommer 2001, ich saß mal wieder am Wasser und genoß die
Abendsonne. Zufrieden lies ich meine Blicke über die Landschaft schweifen.
Als mir meine Ruten ins Blickfeld gerieten, hielt ich einen Moment inne
und betrachtete sie etwas genauer. Dabei vielen mir einige Kratzer an den
Rutenbindungen auf, und auch die Duplongriffe ließen erkennen, das die
Ruten schon so einiges mitgemacht hatten, aber sollte ich mir aus diesem
Grunde etwa neue Ruten zulegen? Nein..., doch wie könnte ich nun aus
meinen alten doch schon etwas ramponierten Ruten wieder Neue machen? Man
müßte eine Rutenbaufirma wie „CMW“ in seiner Nähe haben, dann wäre das
Problem bestimmt schnell gelöst, dacht ich bei mir. Doch warum eigentlich
„CMW“, es gibt doch bestimmt auch in meiner näheren Umgebung jemanden, der
sich auf diesem Gebiet auskennt. Einige Tage später unterhielt ich mich
mit einem Angelkollegen über das besagte Thema, und wie es der Zufall so
will, kannte dieser einen Laden der sich auf diesem Gebiet spezialisiert
hat. Es handelte sich hierbei um „Angelsport Brüggemann“ in Emsdetten.
Einige Tage später stand ich nun im Laden von Herrn Brüggemann. Als Erstes
vielen mir eine Reihe von extravagant gestalteten Angelruten ins Auge, die
mit den verschiedensten Ringbindungen, hochwertigen Korkgriffen oder
ausgefallensten Edelstahlendkappen ausgestattet waren. Nachdem ich mich
erst einmal ordentlich umgeschaut hatte, kam ich auch schnell ins Gespräch
mit Herrn Brüggemann. Dieser verriet mir so einige Details über die
verschiedensten Materialien und Arbeitsgänge, die man beim Rutenbau zu
beachten hat. Diese Details möchte ich Euch nicht vorenthalten. Vorweg
möchte ich gleich erwähnen, daß ich das Thema Blank hier nicht anschneiden
möchte. Darüber könnte man schon alleine eine kompletten Bericht
schreiben, denn im Prinzip läßt sich jeder Blank auf verschiedenste Art
individuell gestalten.
Anfangen möchte ich nun mit der Beringung der Ruten. Wer nun glaubt, daß
es bei den Ringen kaum Unterschiede gibt, den möchte ich hiermit eines
Besseren belehren. Es gibt zwei Sorten von Ringen die sich auf den Markt
behauptet haben. Da wären als Erstes die „SIC“ (Silizium Carbid) Ringe zu
erwähnen. Diese Ringe verfügen über eine extrem hohe Oberflächenglätte.
Dadurch wird die Reibung zwischen Schnur und Ring auf ein Minimum
reduziert und somit eine größtmögliche Schnurschonung gewährleistet. Um
das Eigengewicht der Ringe so gering wie möglich zu halten, werden die
Stahlrahmen in denen sie gefaßt werden, in seinem Durchmesser so gering
wie möglich gehalten. Die extreme Härte der SIC- Einlagen und der robuste
Stahlrahmen prädestinieren sie zum fischen mit geflochtene Schnüren. Als
Zweites wären die“HARDLOY“Ringe zu erwähnen. Hierbei handelt es sich um
das etwas preisgünstigere Modell. Die Eigenschaften sind mit denen der
SIC- Ringe zu vergleichen, jedoch sind „Hardloy-Ringe“ im Design etwas
gröber gehalten. Beide Modelle sind als Ein- oder Zweistegringe zu
erhalten. Für welches der beiden Modelle ihr Euch entscheidet, ist jedem
selbst überlassen. Wer nun aber das Besondere sucht, wird auch bei den
Ringen fündig werden. Das „GOLD-CERMET“ Programm der Firma Fuyi bietet
Ring- Design der Extraklasse. Hierbei handelt es sich um goldfarbene
Einlagen in einem matt polierten Stahlrahmen.
Als
nächstes möchte ich zu den Handteil kommen. Auch hier haben wir die
Möglichkeit zwischen zwei Materialien zu wählen. Die wohl am häufigsten
verwendete Variante bei den Karpfenruten ist der zweigeteilte Duplongriff.
Duplongriffe sind leicht sauber zu halten und vor allem preisgünstig. Die
Alternative zum Duplon ist der Korkgriff. Hierbei gibt es diverse
Ausführungen und Möglichkeiten die es erlauben einer Rute eine persönliche
Note zu verleihen. Bei der Verwendung von Korkgriffen sei noch erwähnt,
das man sie vor dem ersten Gebrauch imprägnieren sollte, dadurch lassen
sich die Griffe später besser sauber halten. Von einer Lackierung von Kork
kann ich nur aufs Dringendste abraten, den dieses bewirkt, dass der Kork
seinen so typischen Charakter verliert.
Ein
weiter wichtiger Bereich sind nun die Schraubrollenhalter. Auch hier
sollte man darauf achten, dass man nicht unbedingt das billigste Produkt
wählt, welches gerade auf den Markt zu haben ist. Sie werden vielfachen
Belastungen ausgesetzt, sei es nun durch den gelegentlichen Rollenwechsel
oder das wir beim drillen immer um sie herumfassen. Aus diesem Grunde
sollten wir auch hier ein wenig auf die Qualität achten. Ebenfalls ist
noch zu erwähnen, dass es die Rollenhalter in verschiedenen Größen gibt
und nicht alle sind in der Lage Rollen wie die "SS3000“ aufzunehmen.
Qualitativ hochwertige Rollenhalter sind mit beidseitiger Schoneinlage für
den Rollenfuß ausgestattet.
Zum
Schluss kommen wir nun zu den Endkappen. Es gibt sie in zahlreichen
Ausführungen und Varianten. Sehr populär sind Abschlusskappen, die
kombiniert aus Alu und Holz hergestellt werden. Ebenfalls Materialien wie
Gummi oder auch Edelstahl finden hier Verwendung. Für welche Art man sich
nun letztendlich entscheidet ist reine Geschmackssache.
So nachdem ich hier
einige Komponenten vorgestellt habe, die man zum Rutenbau braucht kommen
wir nun zum Wesentlichen. Hat man vor eine Rute zu restaurieren, müssen
natürlich als Erstes die alten Ringe entfernt werden. Dazu schneidet man
mit einem scharfen Messer auf den Steg die Bindungen los und entfernt
vorsichtig das Bindegarn vom Blank. Ebenfalls muß nun das Handteil der
Rollenhalter und die Endkappen vorsichtig entfernt werden. Es ist hier
darauf zu achten, dass man den Blank nicht noch unnötig beschädigt. Hat
man nun den Blank von allen Ringen und Griffteilen befreit, steht uns nun
schon die Erste wichtige Entscheidung bevor. Es gibt die Möglichkeit den
Blank zu lackieren. Hierbei sollte man genügend Zeit in Anspruch nehmen,
denn eine vernünftige Rutenlackierung erfordert eine Menge Geduld. Es ist
nicht damit abgetan eine Lackschicht auf den Blank gleichmäßig
aufzutragen, sondern er muss auch über mehrere Stunden immer wieder
gedreht werden, ansonsten würden sich Tränen im Lack bilden. Auch muss der
lackierte Blank mindestens 24 Stunden trocknen, damit gewährleistet ist,
dass der Lack auch wirklich ausgehärtet und Griffest ist. Ist der Lack nun
soweit ausgehärtet, kann der nächste Arbeitsschritt folgen. Bevor die
Ringe am Blank angebracht werden, wird der Griff und der Rollenhalter auf
den Blank geschoben und mit Spezialkleber dauerhaft verklebt.
Um den Blank zu
schonen, gib es die Möglichkeit die Ruten mit einer Unterwicklung zu
versehen. Dieses bedeutet, dass der Blank an der Stelle wo später die
Ringe angebracht werden sie mit den passenden Rutenbindegarn umwickelt
werden. Ist dieses nun erfolgt, werden die Ringe mit Hilfe von einem Stück
Kreppband in der Ringflucht fixiert. Nun kann mit der Wicklung begonnen
werden. Es muß darauf geachtet werden, dass bei den Wicklungen keine
Spalten entstehen, dieses würde sich später bei der Lackierung negativ
auswirken. Sind nun alle Ringe am Blank so fixiert worden, wird noch
einmal überprüft ob sie alle passend zur Ringflucht angebracht wurden. Als
nächstes kommen wir nun zur Lackierung. Je nachdem welches Bindegarn
verwendet wurde, muß nun die Bindung mit Farbfixierer vorbehandelt werden.
Ist dieser getrocknet kann nun mit der eigentlichen Lackierung begonnen
werden. Die Lackierung erfolgt in mehreren Schritten. Bei der ersten
Lackierung ist darauf zu achten, dass der Lack ordentlich vom Bindegarn
aufgesogen wird und auch unter den Stegen der Ringe fließt. Nun läßt man
die erste Lackierung trocknen. Damit sich auch hierbei keine Tränen im
Lack bilden, muß der Blank wieder in regelmäßigen abständen gedreht
werden. Ist die Lackierung nach ca. 24 Std. so weit ausgehärtet, daß sie
grifftrocken ist, wird eine weitere Lackschicht aufgetragen und auch diese
wird unter ständigen drehen des Blanks getrocknet. Zum Schluß werden nun
noch die Endkappen angebracht. Um der Rute eine persönliche Note zu
verleihen, kann nun der Blank noch mit dem eigenen Namenszug versehen
werden.
So, so viel nun zur Theorie. Den Spaß den man mit einer nach seinem
persönlichen Geschmack gestalteten Ruten hatte, ist meines Ermessens
einfach unschlagbar und rechtfertigt auch die geringen Mehrkosten zu einer
„Rute von der Stange“. Ich muß zugeben, ein Jahr später nachdem ich meine
„Harrison“ habe restaurieren lassen, stand ich wieder im Laden von Herrn
Brüggemann und dieses mal lies ich mir ein Satz Ruten bauen.
Ein
kleiner Tipp von mir, solltet Ihr mit dem Gedanken spielen Euch neue Ruten
zu kaufen, schaut doch einfach mal in einem Angelladen vorbei der sich auf
dem Gebiet des Rutenbaus auskennt. Ihr werdet schnell feststellen, dass
die Mehrkosten einer Handbild-Rute gar nicht so gravierend sind.
Olav Haverkamp
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