Alles war in Ordnung, alles war perfekt. Die letzten Spots im vergangenen Jahr hatten viele Fische hervorgebracht, die mir schöne und erlebnisreiche Sessions lieferten. Viele makellose Karpfen, schnelle Runs, starke Drills und schlaflose Nächte. Nur fehlten leider noch die Großen. Die, von dem jeder Angler träumt und dessen Ziel es ist, wenn er sich ans Wasser begibt. Nicht, dass mir Fänge von „kleineren Karpfen“ nichts mehr geben oder dass ich nur noch auf die „Big One´s“ schiele. Das Fischen macht mir nach 17 Jahren immer noch  Spaß und ich genieße jede Nacht, die ich draußen in der Natur verbringen kann und in der ich mein geliebtes Hobby ausführen kann. Die Sessions mit meinen Freunden, der Cappuccino am Abend, die Tütensuppe zum Mittagessen und das Rascheln der kleinen Tiere am Ufer möchte ich nie missen.

Unser Hobby hat schon etwas Besonderes. Zuerst die Planung der  Gewässer und Spots, das Erarbeiten der perfekten Köder bis hin zur Hektik vor dem lang ersehnten Wochenende. Dem Wochenende, an dem es endlich wieder einmal ans Wasser geht. Dem Wochenende, in dem man den Stress Stress sein lassen kann und den Ärger der Arbeitwoche vergisst. Dem Wochenende, an dem man die Seele getrost baumeln lassen kann. Man taucht ein in eine andere Welt mit anderen Prioritäten und anderen Zielen.

Aber eben diese Ziele bringen oft eine gewisse Anstrengung und Aufopferung mit sich. Eine Aufopferung, die nur wenige Außenstehende verstehen werden. Denn wie oft musste ich mir schon die Sprüche meiner Eltern anhören - wenn ich wieder meine Sachen packte - mit denen sie mir zu verstehen geben wollten, dass es auch noch etwas anderes außer Angeln gibt. Und wie oft musste ich schon das Grinsen meines Nachbarn ertragen, wenn ich ohne Erfolg die Wohnungstür aufschloss. Doch trotz dieser Aufopferung hinderte mich irgendetwas daran, mein Ziel zu erreichen, dem ich schon so lange nacheiferte – das Ziel vom regionalen deutschen Dreißiger.

(Eine Anmerkung: „Ohne Erfolg die Wohnungstür aufschloss“ – das heißt, du hast es nicht geschafft, sie aufzuschließen. Besser also: „Wenn ich, ohne Erfolg gehabt zu haben, am nächsten Tag wieder die Wohnungstür aufschloss und...

Ich habe mit vielen Leuten über dieses Ziel und die daraus entstandene Problematik gesprochen und fast alle gaben mir die gleiche Antwort: „Der erste Dreißiger ist oft sehr, sehr schwierig, aber wenn du den Bann einmal gebrochen hast, dann fängst du sie öfter.“

Den Bann brechen…den ersten Dreißiger fangen…das Ziel erreichen…und dann auch noch mehrmals…ein schöner Gedanke, ein schöner Traum. Doch träumen hilft uns in unserem Hobby nicht weiter, zumindest, wenn es um das Fangen der Fische geht und aus diesem Grunde zog ich aus, um ein oder mehrere Gewässer in meiner weiteren Umgebung zu finden, die den König der Unterwasserwelt beherbergen sollten. Um den Fisch zu überlisten, der meine Fangstatistik endlich um diese mysteriöse Marke erweitern sollte.

Für viele mag dies sehr einfach klingen und nichts Besonderes mehr sein, doch in meiner fast 14-jährigen Karpfenanglerlaufbahn blieb diese Marke immer unerreicht. Vielleicht lag es an der Region, die ich anfänglich mit meinem Hollandrad und dem dazugehörigen Anhänger mühsam erstrampeln konnte. Vielleicht an den Gewässern, welche ich mir Jahr für Jahr ausgesucht und mühsam vorbereitet habe. Vielleicht an den Ködern, die ich in Mutterns Küche in backfreudiger Stimmung nach Geheimrezepturen erschaffen habe. Vielleicht an den Spots, die ich ausgelotet und für gut befunden habe und vielleicht lag es sogar letztendlich an mir. Vieles habe ich in den Jahren versucht und in jeder Nacht, die ich an meinem Element erwartungsvoll saß, habe ich wieder gedacht, dass alles richtig ist und der große Fisch diesmal bestimmt kommen würde. Die Ruten waren perfekt abgelegt, die Köder perfekt präsentiert, die Stelle perfekt vorbereitet und die Karpfen aktiv - aber nichts! Der „Große“ ließ noch auf sich warten.

Lag es wirklich an mir? Kann es überhaupt an dem Mann (oder der Frau) hinter den Ruten liegen. Welchen Einfluss hat er/sie überhaupt. Ist er/sie nicht nur Werkzeug in einem nicht beeinflussbaren Spiel.

Fehlersuche…
Im Millenniums-Jahr sollte alles besser werden! Über den Winter hatte ich die besten Rezepte herausgesucht und die dafür benötigten Zutaten aus allen Teilen Deutschlands besorgt. Mithilfe meiner inzwischen halbprofessionellen Boilieküche drehte ich daraus voller Eifer die fängigsten Köder, die schon kurz nach dem Kochen unwiderstehlich auf der Decke lagen. Sind die nicht lecker, sind die nicht nahrhaft, riechen die nicht super – wenn ich Karpfen wäre, könnte ich nicht widerstehen. So schön rund und voller feinster Zusatzstoffe, ein Festmahl für jeden Flussbewohner. Dazu passend hatte ich Feldstrategien ausgeklügelte, die Karl den Großen vor Neid hätte erblassen lassen. Zusätzlich habe ich mir viel hilfreiches Wissen von all den bekannten `Stars´ angelesen, so dass ich jeder noch so schwierigen und unerwarteten Situation gewappnet war. Auch bei der Gewässerwahl schien ich durch wochenlange Arbeit und hunderten von zurückgelegten Kilometern mehrere ´absolute Hot Spots` entdeckt zu haben. Alles war perfekt! Doch die Saison fing an, wie die andere endete – nur noch schlechter. Der Juli, der August und der September brachten zwar viele lustige, spannende und schöne Abende, aber keinen `Großen´. Und die Saison endete im November auch ohne den Fisch, auf den ich schon so lange gewartet habe. Und nicht nur dies! Meine Fänge generell gingen auf ein Minimum zurück und somit kam ich letztendlich auf 10 Karpfen mit einem Durchschnittsgewicht von 10 Pfund.

„Pech“ war nicht das Wort, welches ich dazu von meinen Freunden hören wollte, denn Pech kann man nicht beeinflussen, Pech ist nicht akzeptabel für mich. Pech ist eine unbekannte Größe, der kein Zeitraum zugeordnet werden kann und vor allem ist Pech gleich Scheiße. Also was kann man ändern, damit man im nächsten Jahr kein Pech mehr hat? Hoffen? Das reicht mir nicht!

Der Winter 2000/2001 gab mir dann viel Zeit zum Nachdenken. Ich ließ die Karpfenruten im Keller stehen und ging stattdessen Hechtangeln, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Eine Winterauszeit mit meinem guten Freund Frank, den ich eh schon viel zu lange vernachlässigt und mit dem ich schon so viele nette Angeltage verbracht hatte. Es tat richtig gut, mal wieder die Stellruten aufzubauen und mit eiskalten Händen ein totes Köderfischchen an das Stahlvorfach zu binden. Der müde Blick auf die vom Nebel umringte Zigarrenpose und das Eis an den Rutenringen brachten den gewünschten Ausgleich. Doch anhand der Optonics unter jeder Angel und den Freilaufrollen an jedem Griff erkannte man schnell meine Berufung. Mit dieser Erkenntnis halb erfroren zu meiner Süßen zurück gekehrt und dem heißen Pott Kaffee in der Hand ließ ich das Badewasser ein. Eine alte Karpfenszene auf dem Rand und um mich herum der Duft eines Erkältungsöles stimmten mich dann völlig ein und ich fasste mein neues Konzept zum Saisonstart:

Festbeißen…
Also suchte ich mir ein Gewässer in meiner näheren Umgebung, ein Gewässer mit großen Karpfen, ein Gewässer, welches ich ständig beobachten konnte und das ich für meine Zwecke gut vorbereiten konnte. Der Saisonstart war in diesem Jahr generell sehr hart in unserer Gegend. Die Fänge ließen auf sich warten und mein Gewässer gab auch noch keinen Fisch preis.  Aus diesem Grunde wich ich kurzzeitig im Frühjahr auf fängigere und einfachere Spots aus, die mir den Einstieg erleichtern sollten.  Stellen, auf die ich mich in den letzten Jahren immer wieder verlassen konnte und die mir so manch schöne Nacht bereitet haben. Der Sommer kam dann sehr schnell und an dem Spruch meines Nachbarn – „Und schon wieder nichts gefangen!“ - erkannte ich, dass meine Pechsträhne noch längst nicht vorbei war. Ich war mit meinem Latein gänzlich am Ende und wusste keinen Rat mehr. Keinen Karpfen bis zur Jahresmitte! Das hat es bei mir noch nie gegeben. Unmut machte sich bei mir breit und die ganzen Wochen lang dachte ich an nichts anderes mehr, als an die Lösung für mein Problem. Hinzu kam, dass meine Probleme sich vervielfältig hatten. Denn während ich auf die großen Fische wartete, blieben auch noch die kleineren Karpfen mit ihrem langen und gierigen Rüsselmäulern weit entfernt von meinen Ködern, um an anderer Stelle zu asen. Und die Lösung schien nirgends zu finden zu sein, denn bis zum Ende der Saison stand mein Zähler bei 3 niedlichen Karpfen, die eher an Besatzfische erinnerten, als an ausgewachsene kampfstarke Unterwasserriesen. Und mein neues Gewässer brachte außer Erholung und viel Schlaf auch keine Erfolge.

So langsam verzweifelte ich, ich wollte aufgeben! Die Zeit, der Aufwand, die Arbeit, die ich für dieses Hobby investiert hatte, brachten mich fast zur völligen Resignation. Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Tun und das Winterfischen an einem erfolglosen Warmwassereinlauf gaben mir den Rest. Kann denn ein Mensch so viel Pech haben? Kann ein Angler nach 14 Jahren so ein schlechter Angler sein? Wo bleibt der Instinkt, den man mit der Zeit angeblich entwickelt und wo das Glück, das mancherorts angeblich auf der Straße liegt. Entwickelt sich bei mir denn tatsächlich nichts mehr und fahre ich immer wieder über die Kisten voller Glück, anstatt sie aufzusammeln?

Die Wahrheit tut manchmal weh…
„Auf ein Neues, auf eine gute Saison, auf einen schönen dicken Karpfen“ war der Trost, den ich um 24 Uhr am Sylvesterabend zu meinen Freunden schwallte. Der Sekt und mehrere Liter Bier brachten mich zu dieser späten Euphorie. Die Schmach der vergangenen Nächte war vergessen und der Alkohol trieb mich zu Vorhersagen, die mir nicht einmal eine Wahrsagerin für 200 €uro machen würde. Von meiner verkümmerten Erfolgslinie auf meiner Handinnenfläche mal ganz abgesehen, sprachen die Ergebnisse der letzten Sessions gegen mich und somit erntete ich Spott und Hohn aus einer nicht ganz nüchternen Runde, die sich meine Freunde nannten, als ich mein Ziel als fast schon für erreicht erklärte: „Der Dreißiger wird kommen und das ganz bestimmt!“

Saisonbeginn - Das Gewässer stand fest. Ich wollte mich letztes Jahr schon dort festbeißen und dies schien auch trotz meiner Misere am effektivsten. Zusammen mit einem guten Freund begannen die Vorbereitungen, jene, die das Pech endlich abwenden sollten. Ich fing früh an meinen Spot hart zu befischen und auch die ersten miserablen Fangergebnisse der Münsteraner Kollegen ließen mich nicht davon abbringen, den Fisch einfach auszusitzen. Ich sah ihre Schatten, ich sah, wie sie Futter suchten, ich sah, wie sie sich unter Wasser bewegten, ich sah, wie sie sich an der Oberfläche in der Mittagshitze sonnten.  Zum Greifen nah, aber doch so unscheinbar wirkten die Riesen auf mich. Nichts störte sie in Ihrem Tun und mit gar nichts konnte man Ihre Aufmerksamkeit erregen. Ein Stückchen Brot, eine Hand voll Rosinen oder ein paar Pellets sanken genauso langsam auf dem Grund des Gewässers, wie die Karpfen, die an ihnen vorbeischwammen. Doch in dieser Saison zog ich alle Register, um meinem Ziel näher zu gelangen. Ich schlich ans Wasser, ich spielte verschiedene Taktiken durch, ich versuchte skurrile Köder und Montagen und verfolgte die Wege der Fische, um ihren Rhythmus zu erfahren. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie dies manch anderer tun würde, doch konnte und wollte ich bestimmte zwischenmenschliche Beziehungen nicht einfach verkümmern lassen. Dies brachte mir inzwischen eine wunderschöne Hochzeit und eine wundervolle Frau, aber noch lange nicht den gewünschten Erfolg beim Fischen. Doch Zweiundvierzig Nächte, viele Stunden der Beobachtung, viele Meter Vorfachmaterial, mehrere Hakenpackungen und zig Träume später kam er…

…der lang ersehnte Biss
Um kurz vor acht lief die Spule meiner US Baitrunner und der Optonic heulte durch den Wald. Ich stand gerade zum abendlichen Klöneritual (klðnrîtuàl = Ideenaustausch zwischen Münsteranern) vor dem Zelt meines Freundes und sprintete a
ngespannt sofort los. Ein kurzer Griff und der Anhieb saß fest. Der Fisch kämpfte kurz und hart und blieb nach einigen Metern im Kraut stecken. „Bitte nicht verlieren“, dachte ich vor mich hin und erhöhte den Druck während das Boot von meinem Leidensgenossen startklar gemacht wurde. Doch ein Schlag in der Rute und das Bewegen der Schnur nach links verrieten mir, dass der Fisch wieder frei war. Nach einigen Metern war aber klar, dass dieser Ciprinius carpio weit unter dem Durchschnittgewicht dieses Gewässers lag. Ein kleiner Schuppenkarpfen landete darauf in dem viel zu großen Unterfangkescher. Beim Herausheben des Netzes sah man den Fisch kaum und die fehlende Anspannung in meinem rechten Arm verstärkte meinen Verdacht. Sechs Pfund zeigte die Waage an und das wollte ich auch gar nicht bezweifeln. Sechs Pfund, die auf einer Skala bis 50 eher mickrig wirkten. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge gab ich den Fisch wieder in sein Element. Mein Ziel habe ich für diesen Moment vergessen, den großen Karpfen einmal aus meinen Gedanken verdrängt, den Druck nicht mehr gespürt. Ich habe mich einfach nur gefreut. Gefreut, einen Fisch aus diesen ach so schwierigen Gewässer überlistet zu haben. Dennoch -  ein fader Nachgeschmack blieb. Denn warum war der Fisch „nur“ so klein, warum biss nicht der Große? Konnte ich nicht einmal Glück haben? Oder ließ sich hier das Glück schon einmal kurz blicken?

Das Resümè…
der letzen drei Jahre umfasst vierzehn Karpfen von kleinerem Ausmaß, vierzehn Karpfen in knapp 150 Nächten. Das heißt im Schnitt einen Fisch auf zehn Nächte mit einem Durchschnittsgewicht von knapp zehn Pfund!  Ich könnte euch jetzt auch den Verlauf dieser Saison erzählen und schildern, wie ich versucht habe das Pech von mir abzuwenden, allerdings könnte ich euch auch von den vielen schönen Erlebnissen am Wasser erzählen, der Schleie, die ich letztes Jahr per Zufall auf Boilie gefangen habe und die über sechs Pfund wog und die so goldig in der Sonne glänzte oder von einem tollen Angelurlaub am Niederrhein mit einem guten Freund und einem Herbststurm, der seinesgleichen sucht oder einer mit grellem Mondlicht ausgeleuchteten romantischen Session mit meiner Frau… aber es würde nichts ändern. Es hat sich auch nicht viel geändert. Meine Freunde nennen mich jetzt Fangnix und wollen mich ständig zu neuen Top-Gewässern führen an denen sie mir eine Fanggarantie geben, meine Montagen sind fast dieselben, bis auf die feinen Änderungen, die man von Zeit zur Zeit tätigt, die Köder liegen schon längst wieder aus und ein neues schwieriges Gewässer habe ich auch gefunden. Die Karpfen beißen immer noch nicht und mein Ziel habe ich auch noch nicht erreicht. Aber seit letztem Wochenende bin ich um eine Erfahrung reicher.

Denn letztes Wochenende habe ich Freunde in Süddeutschland besucht, die einen schönen Privatsee haben. Dort bin ich ganz unbefangen an ein neues Gewässer gekommen. Ich habe seit langem mal wieder völlig frei meine Montagen gebunden, meine Köder montiert und mich auf meine innere Stimme verlassen. Ohne den Hintergedanken, mein Ziel zu erreichen. Einfach nur ein Wochenende mit guten Freunden an einem schönen See verbringen, den Stress der letzten Monate vergessen, kein Update im Kopf zu haben, keinen Druck zu spüren. Nur Fischen – und fangen!

Fangen? Ja!! Denn mitten am Tag und kurz nach dem Aufbau des Nachtplatzes zog plötzlich ein starker Fisch mehrere Meter Schnur von meiner Baitrunner. Der Anhieb in der gleißenden Nachmittagssonne wurde sofort durch eine kräftige Gegenwehr vereitelt. Der Fisch raste durch das Gewässer und ließ sich nicht aufhalten. Eine Flucht nach rechts und einen Flucht nach links. Meine neue Maxum von der Watersportcentrale bog sich zum Halbkreis. Eine Wahnsinns-Aktion und ein Wahnsinns-Drill. Oli stand schon mit dem Kescher in der Hand im Wasser. Immer wieder schlug der Fisch in die Tiefe ohne dass ich ihn irgendwie aufhalten konnte. Diese Kraft und diese schnellen Kehrtwendungen kannte ich noch und habe sie sofort instinktiv mit der Rutenspitze verfolgt. Eine kurze Atempause des Fisches brachte mich schon fast in Siegeslaune, wurde aber durch eine weitere 20 Meter Flucht schnell wieder…gebremst…durch den Finger auf der Spule hielt ich den Riesen an der Oberfläche. Nach knapp einer halben Stunde blubberte das Wasser vor mir und ein großer Schatten durchzog die Uferregion. „Ein Waller“ schrie Flutschi, der das Treiben beobachtete. Ein Wels, ein Waller, ein Catfish, ein Fisch der in Münster doch eher selten vorkommt und somit ein großes Grinsen auf mein Gesicht zauberte. Ein Waller der sich mit seinen 1,60m und 25 kg kurze Zeit später auf meiner Matte ergab. Ein wunderschöner Fisch, der mir wieder Auftrieb gab. Kein Karpfen, aber ein „Großer“! Nach einer Fotosession landete er wieder im Wasser und zog langsam zurück in die Tiefe. Ich war fröhlich und ich war aufgeregt. Endlich wieder einmal einen Fisch und dann gleich mit einem solchen Gewicht. Erfolg auf der ganzen Linie und eventuell auch ein bisschen Glück. Ich glaube, dass ich auf dem weiten Rückweg von Ulm nach Münster nicht ein einziges Mal mit dem Grinsen aufgehört habe.

In diesen zwei Tagen fing ich insgesamt vier Karpfen zwischen 2 und 15 Pfund und zwei Waller von 1,30 und 1,60m. Zwar nicht vor meiner Haustür aber ich fing Fische, die mir gezeigt haben, dass ich angeln kann, dass auch ich Glück haben kann, dass eine Pechsträhne nicht ewig anhalten kann und ich für meinen Einsatz irgendwann belohnt und mein Ziel irgendwann erreichen werde.

In den letzten Jahren standen mir meine Freunde immer zur Seite. Freunde, die mich aufheiterten, wenn es nötig war, Freunde die mich auf den Boden der Tatsachen brachten, wenn ich zu euphorisch war und Freunde, die mich ständig mit Rat und Tat unterstützten. Ich danke euch! Ich danke euch für die schönen Stunden am Wasser, für die guten Tipps, für die tollen Sessions und die Hoffnung, die ihr mir immer wieder gegeben habt. Auch danke ich euch für ein klein wenig Sarkasmus, ohne den ich den Spaß am Fischen bestimmt schon längst verloren hätte. Und natürlich danke ich meiner Frau, die mich in meiner Sache voll und ganz unterstützt und auf die ich mich immer verlassen kann.

Nun habe ich schon wieder meine Sachen für das nächste Wochenende gepackt und Stellen für die nächsten Sessions überlegt, in denen ich meine Jagd fortsetzen werde und in denen ich jede einzelne Stunde genießen werde, auch wenn ich noch lange auf meinen großen deutschen Karpfen warten muss. Bis dahin werde ich auf meiner Liege sitzen, auf das Wasser starren und an all die letzten Jahre denken, mit all den Höhen und Tiefen - denn Eines habe ich gelernt und werde es nie vergessen…

…Die Hoffnung bleibt !

Euer Thorsten Becker
www.cipro.de

Anmerkung der Redaktion:
Thorsten Becker hat es endlich geschafft! Thorsten konnte in der letzten Woche seinen Personal Best vier mal überbieten und somit hat er seinen hart erarbeiteten Namen "Fang nix" nicht mehr verdient. Sorry Thorsten ... wie gewonnen, so zerronnen.

 

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