Titel: It´s unbelievable Autor: Thorsten Becker

Eigentlich wollte ich den Bericht ja “Anglerlatein” nennen, aber da dieses Wort sehr negativ behaftet ist, hättet ihr mir die folgende unglaubwürdige Story erst recht nicht geglaubt.

Es geht um den einen wunderschönen See in Bayern in der Nähe von Moosining, oder wie die netten Süddeutschen immer sagen: einen Weiher. Dieser Weiher ist ca. 30 Jahre alt und wird seit 1992 durch einen dort ansässigen Angelverein bewirtschaftet. Heute befischen den 4 ha großen Weiher 26 Angler aus der Umgebung, die teils auf Forelle, teils auf Schleie oder auf Zander ihr Glück versuchen. Der Besatz ist so enorm, dass man schon ganz schön Pech haben muss, um dort keinen der schleimigen Freunde zu landen ( Oder Wolfi ?). Neben Forellen, Zandern, Saiblingen, Aalen und Schleien soll es zudem noch eine Handvoll Störe und einen Waller geben. Natürlich durchstöbern dort auch viele Gras-, Spiegel- und Schuppenkarpfen bis zu einem Gewicht von ca. 30 Pfund den Seeboden, aber wenn ich euch die genaue Anzahl nenne, dann würden die ersten Leser hier schon eine Seite weiter blättern. Aber nun zum eigentlichen Teil der Story...dem ersten Teil der unglaublichen Geschichte. Viele von euch haben bestimmt schon einmal etwas richtig witziges, oder etwas sehr skurriles am Wasser erlebt, aber die folgenden wahren Begebenheiten schlagen dem Fass den Boden aus.

Der 12. Juli - das Jahr war schon vorangeschritten und die hohen Brennnesseln, die vollen Sträucher und die kräftigen Bäumen ließen den See wie im Bilderbuch erscheinen. Wenn die Mittagssonne auf dem Weiher steht, dann kann man die Graskarpfen an der Oberfläche beobachten, wie Sie immer wieder kleine Pflanzenstücke aufsammeln. Aber nicht nur die Flora, sondern auch die vielseitige Fauna in diesem Gebiet lassen das Herz eines jeden Naturliebhabers höher schlagen. Neben vielen kleinen Vögeln und Libellen, kann man auch Nattern beobachten, die den langen Weg zur Schattenseite über das Wasser abkürzen. Langsam schlängeln sie sich durch das aufgewärmte Nass, wobei nur ihr kleiner Kopf leicht herausragt. Ein perfekter Tag zum Fischen! Das dachte sich auch Sigi, ein Parkettleger aus der Nähe, der sich nach einer harten Arbeitswoche am Weiher für eine Nacht nieder lassen wollte. Am Ort der Ruhe angekommen, packte er seinen Trolli und lief am Ufer entlang bis zu seiner Stelle. Wie gewohnt, baute er alles an seinem dafür angestammten Platz auf. Die Ruten brachte er leise paddelnd an die Spots, an denen er schon so viele Fische überlisten konnte. Zurück am Ufer legte er sich auf seine Liege und genoss die Mittagssonne. Nach einiger Zeit jedoch, wurde seine Ruhepause durch ein Geräusch gestört. Irgend jemand lief durch das Gestrüpp und näherte sich ihm. Wahrscheinlich ein Vereinskollege, dachte sich Sigi, aber kurz darauf erschien ein gut gekleideter und stattlicher Mann. „Ich bin Fotograph und wollte hier ein paar Fotos machen“, sagte er, „ich habe eine schriftliche Erlaubnis von dem SFVM (Sport Fischerei Verein Moosininng)“, fügte er noch hinzu. Sigi gewährte ihm sein Vorhaben und fragte noch zum Schluss: „Von welcher Zeitschrift bist du denn?“. „Vom Playboy“, antwortete er.
 Vom Playboy, der Zeitschrift, der Zeitschrift für Leute, die gute, erotische Fotos schätzen, für Leute, die .................... die Titten sehen wollen...................für Männer!!
Er war Fotograph bei dem wohl bekanntesten Hochglanz-Blatt - neben der Gala versteht sich - das so viele Männerherzen höher schlagen lässt und schon so viele Träume hat wahr werden lassen. Man denkt automatisch an Pamela Anderson, Anna-Nicole Smith und all die anderen blonden und brünetten, hübschen Frauen, die immer so viel „Holz vor den Hütten“ haben. Natürlich waren auch ein paar Fehlschläge, wie Naddel oder Arabella Kiesbauer, dabei, aber so etwas verdrängt man(n) schnell. Vor Sigis Augen spielten sich die typischen Filme ab, er nackt ......., aber das tut hier nichts zur Sache. Gerade noch träumte er, als schon eine komplette Crew den Weiher besetzte. Ein Fotograph, vier Männer mit Leinwänden, Scheinwerfern und Lichtmessgeräten, einem großen und kräftigen Bodyguard und natürlich mit zwei Engeln. Die eine blond, schlank und mit langen Haaren und Körbchengröße DD. Die andere war brünett, hatte schmale Hüften und war RASIERT!! Wo, das überlasse ich jetzt eurer Phantasie. Sie hatten sich am gegenüberliegenden Ufer, hinter einem kleinen Vorsprung postiert. Auf dem Parkplatz stand ihr silberner Wohnwagen, wie man sie aus Hollywood und „Nur die Liebe zählt“ kennt. Sigi machte seine Kamera startklar und bewegte sich in Richtung Vorsprung, als plötzlich eine mit einem Akzent behaftete, tiefe Stimme zu ihm sprach: „Keine Fotos“. Nun noch einmal zum Anfang. Da ist ein Team vom Playboy an deinem See und zwei wunderschöne Bunnys ziehen sich in wenigen Minuten aus und man darf nicht fotografieren? Sigi stand auf und wollte dem Bodyguard gerade seine Leviten lesen, als er ihn in voller Größe sah. Die mächtigen Arme, die einmal Beine werden sollten, und der Stiernacken ließen ihn schnell wieder Platz nehmen. Der Riese fügte noch hinzu, dass man, neben dem Verbot des Fotografierens auch nicht näher kommen darf, damit die Modells nicht nervös werden. Das Schönste und das Schlimmste innerhalb von einer Minute – das kann man nicht verkraften. Aber Sigi als hartgesottener Bayer ließ nicht locker. Immer wenn der Bodyguard in Richtung Set verschwand, lenzte er durch die Büsche, um wenigstens einen kurzen Blick zu erhaschen. Und diesen Eindruck sollte er für die Ewigkeit behalten. Die beiden Mädels wurden von den Statisten am ganzen Körper bepudert und geschminkt. Ihre Haut schimmerte wundervoll braun. Nach und nach verschlungen sich die Frauen in den schönsten Posen. Mal lag die Blonde auf dem Bauch und die andere darüber und mal streckten sie ihre prallen Backen in Richtung Linse. Sigi bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Dann zogen die Hasen in ein Kanu um – die Ruder in der Hand und die Brüste herausgestreckt. Der See war schon immer ein echter Lichtblick, aber in diesem Moment wurde man durch die viele Schönheit fast geblendet. Aber nur fast, denn nun sah Sigi, wie die Frauen ins Wasser stiegen und begannen, ihre Körper vorsichtig mit ein paar Tropfen zu bespritzen. Der Fotograph verschoss einen Film nach dem anderen und Sigi würde inzwischen alles für ein Foto geben – wenn da nicht der Bodyguard wäre. Dieser kam nämlich von Zeit zu Zeit wieder zurück, um zu schauen, ob auch wirklich niemand durch geifernde Blicke die beiden Schönheiten nervös macht. Der Tag verging nun im Fluge, so dass Sigi gar nicht bemerkte, dass es langsam dunkel wurde. Die Sonne verschwand hinter dem kleinen Wäldchen und das Playboy-Team ebenfalls. Sie zogen sich in Ihre riesigen Wohnwagen zurück und somit kehrte wieder Ruhe ein – diese wunderschöne Ruhe. Ich denke, dass man jetzt als Leser dieser Zeitschrift überlegt, ob diese Story wohl wahr ist, oder ob es typisches Anglerlatein sein könnte!? Aber ich kann euch sagen: Diese Story stimmt und ich wäre sehr, sehr gerne an Sigi´s Stelle gewesen. Natürlich nur wegen der zwei Karpfen, die er in dieser Nacht noch landen konnte.

Die zweite Geschichte, die diesen Weiher zu einem so speziellen Spot werde lässt, begann am 19.09.02. Sigi hatte auf cipro.de zu einem kleinen Angeltreff geladen und entgegen aller Vermutungen dauerte es keine 2 Monate bis Heinz und ich und zwei weitere Nichtbayer die Sachen packten. Wolfi aus Salzburg reiste schon am Mittwoch an und hatte bereits eine erfolglose Nacht hinter sich, als Heinz, Dirk und ich am Wasser ankamen. Alles war perfekt geplant und neben den schönen Stellen bekam auch jeder eine Kiste Krombacher an das Zelt gestellt. Nun denkt sicher jeder, was Krombacher Pils in Bayern macht, aber so ist es nun mal, wenn die vorlauten Bazis Wetten verlieren.

Die erste Nacht war kurz und gut, da jeder seine Fische fing. Jeder? Nein Wolfi aus Österreich konnte auch im zweiten Anlauf keinen Fisch aus dem Weiher ziehen. Dieses sollte ihm noch zum Verhängnis werden.
Nach einem guten Frühstück und einem kleinen Vormittagsschläfchen wurden die Köder erneut ins Wasser gelassen. Jeder durfte mit zwei Ruten fischen, da wir eng aneinander saßen und sonst die Gefahr eines Megatötz bestanden hätte. Der ganze Tag war verregnet und durch das ständige Zischen des Hochspannungsmasten, der quer über den See führte, ließ auch die Laune etwas nach. Die kurzen Regenpause wurden immer wieder genutzt, um die neuesten Montagen und Rigs zu diskutieren und um sich über Wolfis Blanks lustig zu machen. Der Tag verging und man begab sich nach ein, zwei Flaschen Bier auf seine Liege. Die nächste Nacht sollte den Erfolg bringen, war man sich am Abend einig, aber wir wurden alle eines besseren belehrt, denn außer bei Sigi ging am ganzen See nichts mehr. Totaler Stillstand!

Das Wetter ist schuld, oder vielleicht liegt es an dem Lärm mit dem Boot, oder der Mond war zu hell – all das waren die Sprüche, von denen man am nächsten Morgen geweckt wurde. Der Samstag brachte neben einer heißen Tasse Kaffee und einer laufenden Nase endlich schönes Wetter mit sich. Die Temperaturen stiegen auf knapp zwanzig Grad und die ersten wollten schon in Richtung Wiesn, um sich den Frust von der Seele zu trinken. Doch wir hatten die Rechnung ohne Sigi gemacht, denn der Gaudi sollte erst noch kommen. Es war so gegen 17 Uhr – wir machten uns gerade wieder über Wolfis Fangkünste lustig, dem einzigen der noch nichts gefangen und der noch nicht einmal einen Pieps hatte. Alles hatte er schon versucht, andere Köder, andere Futtertaktiken, ja sogar auf Sigis Stelle durfte er schon fischen. Aber es half nichts! Wir saßen fast alle in meinem Zelt und fütterten Wolfi mit den Boilies von Klaus Broxtermann. Diese hatten mir in der ersten Nacht zu drei Grasern verholfen und Wolfi versuchte daran das Geheimnis des Erfolges zu schmecken. Da kam Sigi um den Vorsprung und wedelte wild mit seinem Armen. „Komm mal her“, flüsterte er. Dem Bayer war anscheinend langweilig und er kam auf die Idee, Wolfi etwas an seine Ruten zu hängen. Ich sollte ihn ablenken und richtig reagieren, wenn Sigi fertig war. Es dauerte ca. 10 Minuten und ich hatte es mir auf meiner Liege wieder gemütlich gemacht, als Sigi plötzlich wie am Spieß schrie: „Wolfi du hast nen Fallbiss!“ Wie von der Tarantel gestochen, sprang er auf und rannte mit einem Affenzahn durch das kleine Waldstück. Seine Ruten standen 40 Meter entfernt und Heinzi und ich hatten arge Probleme ihm zu folgen. Wolfi war völlig außer sich und riss seine Rute gen Himmel - sie bog sich bis zum Halbkreis. Ich denke, dass das schwierigste an der Situation war, das Grinsen zu unterdrücken, aber was tut man nichts alles für einen guten Joke. Wolfi hatte beide Hände voll zu tun, sein Gegenüber zu bändigen und es in Richtung Kescher zu führen. Heinz und Sigi unterstützen ihn noch mit lautstarken Zurufen: „Das muss ein Großer sein, ich habe schon die Blasen gesehen“; „Da, was ein Schatten, das ist bestimmt kein Kleiner“. Mir tat der kleine Wolfgang schon fast leid, aber nur fast. Nach unendlich vielen Fotos von diesem einmaligen Drill, stand ich mit dem Kescher zwischen meinen Händen neben ihm. „Mein Gott, hat der Kraft“, schrie er über den See, als er das letzte mal pumpte.
Was dann aber zum Vorschein kam, war kein 30 Pfünder, kein Karpfen oder geschweige denn überhaupt ein Lebewesen. Sigi hatte ihm seinen eigenen Klappspaten an das Vorfach gehängt. Dieser bewegte sich in dem mit Kraut und Steinen übersäten Weiher wie ein echter Fisch. Der Blick – ich glaube, ich werde ihn nie vergessen. Erst dieses Fragezeichen auf der Stirn, dann die Enttäuschung in den Augen und dann zum Schluss die totale Verzweifelung. Wir krümmten uns alle vor Lachen. Heinz kniete am Ufer und Sigi standen die Tränen in den Augen. Wir haben gegrölt, gekichert und uns fast in die Hosen gemacht. Gerd, der den Lärm am anderen Ufer gehört hatte, eilte dazu, aber keiner konnte ihm ruhig erklären, was passiert war. Der arme Wolfi!!!

Aber der liebe Gott hat es wohl sehr gut mit ihm gemeint, denn als er mit seiner Rute und dem Klappspaten in Richtung Zelt verschwinden wollte, hinderte ihn etwas daran. Der Klappspaten hatte sich unter Wasser in einer alten Angelschnur verhakt und diese mit an das Ufer gezogen. Wolfi spulte sie mit seiner rechten Hand um den linken Arm, bis plötzlich.........“Da ist irgendetwas dran“, rief er uns zu. Wir wischten uns die Tränen aus dem Gesicht und erblickten ihn mit seiner Monofilen in der Hand und tatsächlich – irgendetwas zog am anderen Ende. Also ging ich Wolfi mit dem Kescher zur Hilfe und nach ein paar Fluchten erschien ein Fisch an der Oberfläche. Ein Schuppenkarpfen landete im Netz, ein Karpfen von genau 5,3 kg. Wolfis erster(!) und obwohl die Umstände etwas mysteriös waren, konnte man den Stein hören, der mit voller Wucht von seinem Herzen fiel. Die anderen, mich inbegriffen, waren sprachlos. Da will man diesen Österreicher veräppeln und dem fällt nichts anderes ein, als mit der Hand einen Karpfen zu fangen, einen Karpfen, den irgendein trotteliger Angler zuvor Doch diese habe ich selbst erlebt und ich wüsste nicht, ob ich es geglaubt hätte, wenn es mir jemand erzählt hätte.

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Diese Geschichten, die am und um das Wasser herum geschrieben werden, bleiben immer unglaublich, bis man sie einmal selbst erlebt. Ein Gebiss, was jemand vor Jahren im Meer verloren hat und nun beim Dorschangeln wieder im Magen seines Fisches findet; Der riesige weiße Hai, der während dem Drill eines 1 ½ Meter langen Riffhaies biss. Tausende von Fotos und mehrere Zeugen können keinen Menschen davon hundertprozentig überzeugen, dass es solche Zufälle gibt - aber ich bin mir jetzt ganz sicher. Es gibt sie! Und die nächste unglaubliche Geschichte, von der ich höre, die werde ich .......... glauben.

Viel Spaß beim erzählen wünscht euch
Thorsten Becker

P.S. Die Fotos vom Playboy - Shooting sind leider noch nicht veröffentlich worden!

 

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