Baggerseen stellen für uns Karpfenangler, seit jeher ein bevorzugtes Revier dar. Alleine deren zahlenmäßiges Vorhandensein, in den unterschiedlichsten Formen und Tiefen, erlaubt uns ein, mehr oder weniger, erfolgreiches Angeln über viele Jahre. Da ich sehr oft an Baggerseen fische, möchte ich hier meine Erlebnisse und Erfahrungen der vergangenen Jahre weitergeben und versuchen, dem einen oder anderem ein wenig Hilfestellung zu geben, um einfach besser zu fangen.

Das Angeln an Baggerseen kann sich mit unter als sehr erschwerlich erweisen. Vor allem wenn diese Seen sehr alt sind und kaum besetzt wurden. Diese Seen haben meistens ein Überangebot an natürlicher Nahrung, was einerseits gut für die Fischgewichte, andererseits aber schlecht für den Fang dieser Fische sein kann. Erschwerend kommt hinzu, das Baggerseekarpfen sehr launisch sein können, bzw. sehr stark auf Wettereinflüsse reagieren. Die meisten von mir beangelten Baggerseen weisen fast alle die gleichen oder ähnliche Bedingungen auf, so das ich davon ausgehe, das man zumindest einen großen Teil der Charakteristik auch auf andere Baggerseen übertragen kann. Andererseits gibt es auch hier keine Regel ohne Ausnahmen, aber das trifft beim Karpfenangeln auf alle Bereiche zu. Letztlich können die folgenden Zeilen nur eine Orientierung geben, die aber sicherlich den einen oder anderen Fisch bringen werden.

Die folgenden jahreszeitlichen Abgrenzungen sind nicht statisch, sondern als fließend anzusehen. Das Frühjahr, wozu ich die Monate April bis Juni zähle kann unter bestimmten Bedingungen sehr Erfolg versprechend sein. Besonders gut hat sich bei mir eine Wetterlage mit starkem Wind aus Süd-West erwiesen. Das typische Aprilwetter wie wir es alle kennen, also Wind, Regen, Sonne und dies abwechselnd, macht die Fische nun richtig munter. Wer zu dieser Zeit am Wasser ist, hat sehr gute Chancen einen Karpfen zu fangen. Die Wassertemperatur sollte mittlerweile über 12 Grad liegen. Meine erste Wahl sind dann Plateaus, of Top oder die Ufer die genau im Wind liegen. Ich erinnere mich noch sehr genau an eine Session an meinem Vereinspool im Frühjahr 2003. Ein Plateau in Wurfdistanz brachte mir innerhalb von wenigen Tagen 23 Fische bis knapp über 30 Pfund. Gerade die Nähe zum Ufer scheinen die Fische in dieser Jahreszeit besonderes zu bevorzugen. Oft ist es auch so, das sich zu dieser Jahreszeit die Fische durch Springen bemerkbar machen. Einige Plateaus habe ich so erst gefunden und anschließend mit großem Erfolg beangelt. Allerdings sollte man aufpassen, das man die neu gefundene Stelle nicht gleich „Totangelt“. Soll heißen, maximal eine Rute auf diesem Spot. Dies gilt im Übrigen für alle Gewässer und Angelstellen. Mehrmals habe ich es erlebt, das ein Platz der gut lief, durch eine zweite Rute unproduktiv wurde. Der Spatz in der Hand, ist eben doch besser als die Taube auf dem Dach.

Uwe Rädel

Schuppen Karpfen mit 19,2 kg

Der Sommer, wozu ich die Monate Juli bis September zähle, wird im Allgemeinen für ehr unproduktiv gehalten. Meine Erfahrungen zeigen allerdings, dass dies nicht so sein muss. Die Fische verteilen sich zu dieser Jahreszeit großflächig im See. Mitteltiefe Bereiche um Inseln, kleinere Plateaus und deren Ausläufer sind nun erste Wahl. Die Wetterlage spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Egal ob Hoch oder Tiefdruck, es zählt konstantes Wetter. Die konstante Wetterlage im Sommer 2003 bescherte mir in 3 Sitzungen über 60 Fische bis knapp unter 40 Pfund. In dem Katastrophen Sommer 2004, welcher mit Temperaturschwankungen bis 20 Grad zu glänzen wusste, brachte mir dagegen nur 8 Fische bis 27 Pfund, bei fast doppeltem Zeitaufwand. Aber auch in dieser Jahreszeit sollte man unbedingt auf Aktivitäten von Fischen achten.

Der Herbst, wozu ich die Monate Oktober bis Dezember zähle, ist vielleicht die beste Zeit des ganzen Jahres. Die Fische suchen jetzt rund um die Uhr nach Futter. Das Wetter spielt zwar immer noch eine große Rolle, die Fische stecken Schwankungen aber leichter weg. Fällt die Session in einen Wetterwechsel, können immer noch vereinzelt Fische gefangen werden. Hat man das Glück bei konstantem Wetter zu fischen, gibt es fast Fanggarantie! Die Fische stehen jetzt wieder näher am Ufer und können gut in Wurfdistanz überlistet werden. Die stetig fallenden Wassertemperaturen zeigen den Fischen an, dass es nun Zeit wird sich für den Winter zu rüsten. Ich konnte dabei feststellen, dass solange die Wassertemperatur fällt, die Fische regelmäßig fressen. Bei einer Session Anfang Dezember 2004 konnte ich bei einer konstanten Wetterlage mit starkem Ostwind und einer Wassertemperatur von 5,5 Grad, 5 Fische bis Mitte 30 Pfund fangen. Einige hielten es für Zeitverschwendung bei diesem Wetter angeln zu gehen, trotzdem war ich Erfolgreich und konnte erneut meine Theorien untermauern.

Der Winter, wozu ich die Monate Januar bis März zähle, birgt die Chance auf die ganz dicken Brummer. Ich bin mir sehr sicher, das der Karpfen zu dieser Zeit sein höchstes Gewicht hat. Die Meinung, dass die Karpfen ihr Höchstgewicht vor oder zur Laichzeit haben, kann ich nicht teilen. Als Beispiel möchte ich hier einen berühmten Fisch aus dem Cassien erwähnen. Banana, übrigens nicht weil er so aussieht, sondern weil er öfters in der Nähe des Banana Plateaus (Hurenplateau) gefangen wird, steigert sein Gewicht jedes Jahr aufs Neue zur kälteren Jahreszeit. Anfang September wog er die letzten Jahre meistens knapp unter 30 Kilo. Dies steigerte sich dann bis Januar zu einem Gewicht von knapp unter 33 Kilo. Vielleicht eine Ausnahme? Wohl ehr nicht! Bei den Baggerseen die ich befische konnte ich die gleiche Entwicklung beobachten. Aber zurück zum Winterangeln.

Spiegler 19,6 kg

Schuppi 16,6 kg

An Baggerseen mit stark abfallenden Ufern ziehen die Fische im Winter oft direkt in Ufernähe entlang. Wer es einrichten kann, sollte an dem Tag fischen gehen, an dem das Gewässer eisfrei wird. Dieser und die nächsten 2-3 Tage können die dicksten Fische eines Gewässers bringen!!! Eine Angeltiefe von 2-4 Meter brachte mir hier die besten Ergebnisse. Die richtige Taktik ist zu jeder Jahreszeit von großer Bedeutung. Ich sehe es für mich als Vorteil an, an einem See zu fischen, der 350km weit entfernt liegt. Durch diesen Umstand, fällt das gezielte anfüttern eines Platzes weg. Die Platzwahl versuche ich schon einige Tage vorher durch die Wetterbeobachtungen im Internet, einzugrenzen. Somit habe ich fast immer ziemlich genau eine Vorstellung davon, was mich am See erwartet. Sollte es wiedererwartend einmal anders kommen, bin ich immer noch frei in meiner Entscheidung und wähle den Platz dann meistens aus dem Gefühl heraus.

Die Futtertaktik ist ebenfalls Jahreszeitlich abhängig. Die folgenden Angaben beziehen sich pro Rute und Platz um den Hakenköder. Im Frühjahr füttere ich ca. 150 Gramm Boilies in einem Durchmesser von 10-20 Meter um meinen Spot. Bei kleineren Plateaus direkt oben drauf und an Ufern den Hang abwärts. An den Haken kommt dann noch ein Stringer mit 4-6 halben Boilies, mehr muss nicht sein.

Im Sommer füttere ich großflächig, in einem Durchmesser von 30-60 Meter bis zu 250 Gramm Boilies. Auch darf es im Sommer schon einmal ein etwas größerer Hakenköder sein. Standard ist bei mir 18mm. Im Sommer aber gerne auch 22mm oder 24mm. Im Herbst ändere ich meine Taktik komplett. 50-80 Gramm Boilies in einem Durchmesser von max. 15 Meter um den Spot. Dazu ein Stringer mit 5-6 halben Boilies. Da die Fische fast den ganzen Tag fressen, erhöhe ich mit dem wenigen Futter meine Fangaussichten erheblich. Nicht selten konnte ich an einem Tag bis zu 10 Run´s. verbuchen.

Im Winter sieht es dann wieder anders aus. Nun füttere ich etwas mehr. Ca 100 Gramm sehr großflächig verteilt, waren immer ein guter Anhaltspunkt. Dazu ein Stringer mit 2-3 halben Boilies haben sich bei mir bewährt. Zum Winterfischen sind allerdings einige Anmerkungen zu machen. An Baggerseen die vorwiegend Krebse als Nahrungsgrundlage bieten, ist das Angeln zu dieser Jahreszeit sehr schwierig. Krebse sind im Winter kaum Aktiv und somit geht der Drang der Fische, etwas Fressbares zu suchen fast gegen Null. Meist verharren sie im Umkreis von wenigen Metern. Gewässer die Muscheln als Nahrungsgrundlage bieten, sind wesentlich einfacher und vor allem erfolgreicher zu befischen. Die Karpfen fressen hier mit Sicherheit auch im Winter regelmäßig, was die Chancen auf einen Fang natürlich erheblich steigert. Bei Regen konnte ich feststellen, das Pop Ups besser fangen. In so einem Fall präsentiere ich den Köder zwischen einem und 15cm über dem Boden. Der Rand und der Fuß eines Plateaus, oder der Hang am Ufer, brachten mir dabei die meisten Aktionen.

Eine weitere Besonderheit die ich in Baggerseen feststellen konnte, waren gute Fangbedingungen bei konstantem Wetter und Wind aus östlichen Richtungen. Dort konnte ich auf der Windseite in direkter Ufernähe sehr gute Fische fangen. Zu den Ködern möchte ich sagen, dass ich zu 99% mit Boilies fische. Ich bin absoluter Anhänger von Mikrowellen Boilies und könnte mir ein Angeln ohne, nicht mehr vorstellen. Microwaves sind immer frisch, ohne Konservierer und in meinen Augen um Längen besser als gekochte Boilies. Besonders bewährt haben sich bei mir Boilies mit einer sehr hohen Instand Lockwirkung, also Zutaten die sich schnell im Wasser lösen können, wie z.B. Leberextrakt oder Fischprotein um nur 2 zu nennen. Gerade dieser Umstand macht es mir möglich, im Verhältnis, sehr wenig zu füttern, was natürlich die Fangchancen erheblich steigert. Denn mit jedem Köder den ich zusätzlich ins Wasser bringe, fische ich gegen meinen Hakenköder!

 

Einfach mal drüber nachdenken…. Bis(s) zum nächsten mal,

Uwe Rädel
 

Home