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Autor: Lars Priebe
Man war das für ein Sommer, fast jeden Tag
Temperaturen über 30°C und die Wassertemperaturen stiegen und stiegen. Trotz
dieser Hitze hatte ich mir vorgenommen am Samstag den 19.7.2003 mal wieder
loszuziehen und ein paar Carps auf die Matte zu legen. Eine Woche lang fuhr
ich jeden Tag nach der Schule zu meinem 140 ha großen Hausgewässer,
schipperte mit dem Boot bis zu meiner markierten Stelle und lies täglich
mein Futter ab. Einen Futterplatz mit ca. 5 Kilo gekochtem Hartmais,
Erdnüssen und Hanf und einen separaten Futterplatz nur mit Boilies.
Der Wetterbericht für den Tag X sah mal wieder angeltechnisch alles andere
als rosig aus. 32°C und natürlich wolkenlos. Egal, ich fuhr trotzdem los.
Um 10 Uhr kam ich an unserem Verein an und belud
mein Boot, nach einer halbstündigen Bootsfahrt mit kurzem Badestopp kam ich
endlich an meiner Stelle an. Hier hatten wir die letzten Wochen ziemlich gut
gefangen, zwar keine Riesen aber schöne Fische. Nachdem ich alles Tackle
gemütlich aufgebaut hatte brachte ich die Montagen mit dem Boot raus, allein
macht sich das schwierig, aber es ist machbar! Dann begann das elendige
Warten auf den ersten Biss, die Sonne knallte mir nur so auf den Buckel und
ich fragte mich wie ich das noch länger aushalten sollte. 2 Stunden, 4
Brassen und 10 Liter Schweiß später entschied ich mich die Angeln erst
einmal sein zu lassen und ein wenig schwimmen zu gehen - man tat das gut!
Als ich vom Schwimmen zurück war und gerade Richtung Pod lief schlug der Swinger auf der 2. Rute ohne Vorwarnung an den Blank und der Fisch zog in
einem Höllentempo Schnur von der Rolle. Geschockt fing ich an durch das
Wasser zu sprinten, aber ich musste noch ein paar Meter zurücklegen. Wer
schon einmal durch Wasser gesprintet ist weiß dass dies nicht gerade
angenehm ist und kann verstehen, dass ich mich auf 10 Metern 2 mal
langgelegt habe :-)
Endlich angekommen nahm ich dir Rute in die Hand und setzte den Anschlag …….
“Na ja“, dachte ich, das war wohl doch wieder nur ein kleiner Carp! Langsam
pumpte ich ihn heran. Ich nahm den Kescher ihn die Hand und ging dem Fisch
ein wenig entgegen, als ich dann den Kescher unter den vermutlich
halbstarken Carp schieben wollte explodierte dieser urplötzlich und riss in
einem Höllentempo 70 Meter Schnur von der Rolle, schnell warf ich den
Kescher aus der Hand und konzentrierte mich wieder auf den Drill. Ich zwang
ihn wieder vorsichtig in meine Richtung und gewann Meter für Meter zurück.
Kaum war er bis auf 10 Meter herangedrillt wiederholte sich das
Spektakel,
nur zog er dieses Mal direkt ins Schilf hinein. Bremse zu und halten was das
Material hergibt!!! Ich gewann keinen Millimeter, ich dachte nur hoffentlich
hat er sich nicht festgesetzt!“ doch plötzlich machte der Fisch kehrt und
ließ sich langsam aus dem Schilf herausbugsieren. Jetzt zog er dicht unter
der Oberfläche seine Bahnen, ab und zu ragte seine Riesen-Schwanzflosse aus
dem Wasser. Nachdem ich annahm er sei ausgedrillt nahm ich den Kescher
wieder zur Hand doch kaum hatte ich den Fisch auf Keschernähe explodierte er
erneut, das Wasser flog mir nur so um die Ohren. Diese Flucht währte
allerdings nicht allzu lang, so konnte ich ihn schon nach ca.25 Metern
stoppen. Nun kam er an die Oberfläche und ich konnte ihn zum ersten Mal
sehen- EIN GRASER ein wenig Enttäuschung machte sich in mir breit, da ich
mit einem großen Spiegler gerechnet hatte. Trotzdem war dieser Fisch immer
noch der Hammer. Vorsichtig kescherte ich ihn und begab mich zur
„Wiegestation“. Schon das Heraufheben auf die Abhakmatte gestaltete sich
schwieriger als normal, da ich mit Fischen dieser Größenordnung noch nicht
allzu oft zu tun hatte. nach dem ich dann ihn dann in den Wiegesack hievte
traute ich meinen Augen kaum, 39 Pfund wog dieses Schwein, bei einer Länger
von 1,19 Meter!!!
Schnell schoss ich ein paar Fotos und ließ ihn dann wieder in sein Element
zurück- GEIL!!!!! Darauf musste ich mir erstmal noch ein Bad gönnen, ich
glaube ich hatte kein Blut mehr in den Adern, nur noch Adrenalin! Nachdem
ich die Montage wieder raus gefahren hatte legte ich mich ein wenig ins
Wasser und ließ den Drill noch einmal Revue passieren.
Bis 19 Uhr tat sich nichts mehr, auch die
Brassen hatten sich verzogen. Ich kontrollierte noch einmal alle Ruten für
die heiße Phase der Dämmerung, also alles neu beködert, PVA mit Forelli
gefüllt und rundum noch ein paar Partikel und Boilies verstreut.
Mittlerweile hatte sich auch schon ein Boot eingefunden dessen Passagiere es
auf Aal abgesehen hatten, zu meinem Missmut ankerten sie relativ nahe zu
meinen Montagen. Als ich ihn klarmachen wollte, dass sie sich bitte einen
anderen Platz suchen sollten riefen sie nur „Du Spinner, als ob du was
fangen würdest, hier gibt’s gar keine Karpfen!“, dazu muss man sagen, dass
in diesem Gewässer so gut wie nie auf Karpfen geangelt wird, mein Kumpel und
ich sind die einzigen die gezielt auf Karpfen angeln. Da nicht gezielt
geangelt wird werden auch keine Karpfen gefangen, also heißt es, der See
beherberge keine Karpfen, aber weit gefehlt…. Da ich öfter Hohn und Spott
wegen der Karpfenangelei über mich ergehen lassen muss ließen mich die Rufe
der beiden Angler relativ kalt, ich hoffte nur, dass sich die Jungs auf dem
Boot ruhig verhalten würden, damit meine Fangchancen noch bestanden
blieben.Ca. eine halbe Stunde später begann mein rechter Swinger langsam zum
Blank zu wandern, fiel aber wieder auf seine Ausgangsposition zurück. Ich
stand langsam auf uns stieg ins Wasser zu den Ruten.
Wieder begann der Swinger nach oben zu wandern, machte aber kurz vor dem Blank halt um danach
das restliche Stück nach oben zu schießen und den Bissanzeiger laut
aufheulen zu lassen. Bevor ich die Rute in der Hand hatte waren schon wieder
etliche Meter von der Rolle. ANHIEB, sofort merkte ich, dass ich es mit
etwas Großen zu tun habe und der Fisch nahm sofort Schnur. Gegen so eine
Wahnsinns Power konnte ich erst einmal nichts ausrichten, deswegen ließ ich
ihn ziehen. Plötzlich stoppte er und zog diagonal Richtung Ufer, ich
versuchte Druck aufzubauen, aber es war als versuche ich eine Wand zu
verrücken! Doch der Druck seinerseits wurde nach einiger Zeit schwächer und
ich gewann die Oberhand, ich dirigierte ihn in meine Richtung. er startete
noch eine kürzere Flucht die ich jedoch schnell stoppen konnte. kaum war er
nach ca. 25 Minuten endlich in Ufernähe, umschlossen ihn schon die Maschen
meines Keschers. Schon beim ersten Blick in den Kescher konnte ich meine
Jubelschreie nicht mehr zurückhalten, ich dachte nur „Was bist du denn für
ein Schwein?“ Die Waage blieb bei krassen 35 Pfund stehen!!!!!!! Kaum hatte
ich ihn gewogen zog die verbleibende Rute ab, das war die Rute, die in der
Nähe des Aalanglerbootes war. Schnell legte ich den Karpfen zurück in den
Kescher und setzte ihn ins Wasser, ich dachte nur „ganz ruhig, erstmal den
Karpfen hier versorgen und dann zur Rute“, nur wie soll man ruhig bleiben
wenn der Pod kräftig am wackeln ist, der Bissanzeiger Dauerton gibt und das
Surren des Freilaufs sich schon fast überschlägt. Den Karpfen sicherte ich
im Kescher, da ich keinen Karpfensack besitze. Nach dem Anhieb nahm der
Fisch erneut unaufhörlich Schnur, doch nach einer Zeit wurde er langsamer
und zog Richtung Oberfläche, immer noch 100 Meter vom Ufer entfernt. Er
tauchte in direkter Nähe des dort verankerten Bootes auf und schwamm
parallel zum Ufer eine riesige Bugwelle vor sich herschiebend. Die beiden
Aalangler kippten fast vom Boot als sie diese Bugwelle neben ihrem Boot
sahen! Nachdem ich den Fisch auf ca. 50 Meter herangedrillt hatte begann
dieser die 2. Flucht. Der Karpfen im Kescher blieb zum Glück ganz ruhig,
sodass ich mir um den keine Sorgen machen musste. Sorgen musste ich mir nur
um den Fisch am anderen Ende der Leine machen, da ich ihn immer noch nicht
unter Kontrolle hatte. Doch ganz plötzlich machte er kehrt und schwamm auf
mich zu, ich hatte Mühe den Druck aufrecht zu erhalten, doch kaum hatte ich
wieder genügend Druck aufgebaut wechselte er erneut die Richtung und schwamm
zurück, ich wurde fast hinter ihm hergezogen. Wieder flogen etliche Meter
von der Rolle und ich konnte diese schier endlose Flucht erst nach 15
Minuten stoppen. Doch langsam ging meinem Gegner die Puste aus und ich
konnte ihn nun relativ leicht ans Ufer pumpen, doch nun stellte sich die
Frage“ Wie kescherte ich ihn?“, der Kescher war ja immer noch „besetzt“. Ich
kletterte ans Ufer , die Angel fest in der Hand und griff nach meinem Handy,
schnell hatte ich die Nummer meines Freundes gewählt und ihm die Situation
geschildert, da er nur weniger 100 Meter von der Angelstelle entfernt wohnt
war er innerhalb von anderthalb Minuten da! Er nahm den Karpfen im Kescher
vorsichtig heraus und legte ihn auf die Abhakmatte, schnell kescherten wir
den anderen Fisch und wogen ihn. Dieser Fisch brachte doch tatsächlich 36
Pfund auf die Waage, einen Pfund mehr als der Karpfen davor. Was für ein
Doppelschlag!!!!!!! Nun kam die Fotosession und die beiden wurden wieder
releast. Mein Freund war außer sich vor Begeisterung, so was hatte er noch
nicht gesehen.
Da meine Pellets leider während der Drillhektik
ins Wasser gefallen waren beschloss ich einzupacken und nach Hause zu
fahren, doch erst einmal war ich noch zu aufgewühlt zum Einpacken, also
setzte ich mich ins Wasser und genoss für ein paar Minuten die wunderschöne
Abendstimmung. Als ich dann die Heimreise antrat fuhr ich noch einmal an den
Aal-Kumpanen vorbei, diese richteten sofort ihre Lampe auf mich fragten mich
sofort „Ey was hast denn du da vorhin am Haken gehabt, das war ja der
Wahnsinn, war das ein Karpfen?“. ich grinste sie nur an und sagte: „Ach was,
hier gibt es doch gar keine Karpfen!“
Lars Priebe
(Graser)
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