von Hendrik/Gerd & Sebastian/Jens
 

 

Wir hatten Weihnachten 2002, der Stress der Feiertage hatte sich gelegt und ich hatte endlich Zeit, in ein paar alten Carp Mirror zu lesen. In der Okt./ Nov.-Ausgabe fand ich einen Bericht über den Polish Carp Cup 2002. Leider waren bei diesen Cup nur drei deutsche Teams an den Start gegangen. Mein Interesse war erst einmal geweckt, ein Carp Cup in Polen, das war doch mal was anderes. Als erstes mussten Informationen her, wo findet der Cup 2003 statt, was gibt es für Bedingungen und was kostet der Spaß. Als nächstes war zu klären, wer diese Tour mitmacht, Polen ist nun mal nicht jedermanns Sache. Mein erster Anruf ging zu Sven, der hatte mir doch schon mal etwas über den Polen Cup erzählt, außerdem hat er gute Beziehungen nach Polen und kann sich gut in polnisch verständigen. Er setzte alle Hebel in Bewegung und auch sein polnischer Freund Tomek versprach, sich in den polnischen Medien umzuhören. Ein Mann fehlte nun noch, denn ein Team besteht ja nun mal aus zwei Mann. Für so eine Sache gab es eigentlich nur einen, der so einer Session in Polen ohne zu überlegen zustimmen würde, und das war Gerd. Er war sofort begeistert dabei und so nahm unsere Polen Session so langsam Gestalt an. In den nächsten Tagen gingen etliche Telefonate von Frankfurt am Main nach Berlin, von Berlin nach Tczew (Polen) und umgedreht. Endlich kamen die ersten Meldungen aus Polen, Tomek hatte große Probleme, etwas über den Cup 2003 in Erfahrung zu bringen. Da die dortige Carphunterscene, bis auf ein paar Ausnahmen, noch in den Kinderschuhen steckt und auch das Internet noch nicht solch eine große Rolle spielt, war an Informationen sehr schwer ranzukommen.

Eines Tages kam der erlösende Anruf, der Cup sollte vom 19. 05. 2003 bis 23. 05. 2003 wieder in Tychy stattfinden. Eine Sache war aber noch zu klären, wir sollten unsere Sponsoren bei der Anmeldung mit angeben. Die einzigen, die uns bis jetzt gesponsert hatten, waren wohl unsere Frauen, aber die zählten dort wohl nicht. Irgendwie  mussten wir eine Firma dazu bringen uns bei unseren Vorhaben zu unterstützen, man, wenn das mal so einfach wäre. Eines Tages sprach ich mit Gerd über das Problem und wir kamen auf die Idee, als Mitglieder von Cipro.de, mal den Häuptling von Cipro.de, Heinz Kersten  darauf anzusprechen. Heinz hörte sich die ganze Sache an und versprach zu helfen.

Ich glaube es verstrichen keine zwei Tage, da kam der erlösende Anruf. Cipro würde uns unterstützen und eine Baitsfirma zeigte auch Interesse. Super, das wäre nun auch geklärt. Nun müsste man nur noch ein paar Infos über den See in Tychy bekommen, um sich richtig vorbereiten zu können.

Mitte Januar bekamen wir endlich die ersten richtigen Informationen, und wir konnten unsere Anmeldungen per Mail abschicken. Die Startgebühr in Höhe von 230,- Euro wurde über Umwegen nach Polen überwiesen und das große Warten begann. Inzwischen bekamen wir auch ein paar Informationen über den See per Mail:

Hier noch ein paar Hinweise:

• Wir könnten oder besser sollten bereits einen Tag vorher anreisen, denn dann findet die offizielle kostenfreie Abendparty statt.

• Der Wettkampf findet statt am Paprocany See in Tychy (Region Silesia, im Süden Polens, 3-4 Autostunden von der Deutsch-Polnischen Grenze entfernt).

• Am ersten Wettkampftag (20. Mai) muss man bis spätestens 8:00 Uhr anreisen, denn der Wettkampf startet um 9:00 Uhr.

• Der See ist 120 ha groß.

• ca.1-2 Wochen, nachdem die Anmeldung und das Startgeld eingegangen sind, erhält man die Regeln.

• Pro Team sind 4 Ruten erlaubt

• Kein Boot

• Kein Echolot

• Fischen und Füttern ist ausschließlich von Ufer aus gestattet.

• Haken mit Widerhaken sind erlaubt.

• Zelte sind erlaubt, Wohnwagen nicht

Preise:  1- 3000,- Euro und Tackle

            2- 1500,- Euro und Tackle

            3-   750,- Euro und Tackle

für den größten Karpfen - 1 Woche fischen in Raduta/Rumänien

Sektorenpreise:

Die 3 besten Teams aus den 4 Sektoren erhalten ebenfalls Tackle.

Im See gibt es jede Menge Karpfen von 6-10 kg, einige von 12-16 kg und wenige über 20 kg. Der größte bisher hatte ein Gewicht von 25 kg. Vor dem Polen Cup werden noch mal 2 Tonnen Karpfen eingesetzt.

Verpflegung kann vor Ort täglich bestellt werden. Das Essen wird zum Platz gebracht und ist günstig - ca. 3,- Euro

Przemek Mroczek

Direktor des Carp Fishing Promotion Center.

Essen wird dir ans Zelt gebracht??? Wo gibt es denn so was, oh man, die Spannung wurde immer  größer.

Inzwischen machten wir die ersten Termine mit unserem Sponsor, der Firma Eurobaits, fest.

In Hannover sollte es zur Messe zu einem ersten Kontakt kommen. Wir haben schon in den letzten Jahren viel mit Eurobaits Produkten gefischt, und waren auch immer gut damit gefahren, aber zur Messe sollte ein neuer Köder auf uns warten. Die Messe sollte etwas Besonderes werden, Cipro hatte das erste Mal einen eigenen Stand und es gab eine Menge zu tun. Endlich konnten sich mal alle Cipro User auf dem Messestand treffen, die sich sonst nur täglich über das NET miteinander verständigten.

Viel später

So, jetzt sind wir wieder aus Polen zurück und es hat ein paar Tage gedauert, um die vielen Erlebnisse zu verarbeiten. Aber nun alles der Reihe nach.

Die Messe in  Hannover war wohl für alle ein großer Erfolg, Cipro.de konnte mit einem eigenen Messestand auftrumpfen und die nachträgliche Resonanz im Internet war überwältigend. Auf der Messe lernten wir den Sebastian von der Fa. Euro Baits kennen und konnten auch die neuen Boilies von ihm in Augenschein nehmen. Wie sich herausstellte, wollte Sebastian mit Jens auch zum Polen-Cup mitkommen.

So, nun konnte es eigentlich losgehen, alle Fragen waren geklärt und die Tage vergingen schnell beim Packen der wenigen Sachen, die ein Carphunter so braucht.

Am Sonnabend, den 17. Mai, kam Gerd aus Frankfurt zu mir und wir machten uns am Wasser mit zwei anderen Angelfreunden noch einen schönen Abend.

Am Montagfrüh, den 19. 05. 03, ging es endlich los, das Auto war bis zum Dach voll beladen, die Stimmung war super und so ging es los Richtung polnischer Grenze. Unterwegs bekamen wir die Schreckensnachricht, dass Sebastian und Jens auf dem Berliner Ring wegen Motorschaden festlagen. Na, das fing ja super an, hoffentlich konnte die Werkstatt etwas machen.

Am Grenzübergang Forst  ging alles super schnell und nach knapp 10 Minuten waren wir auf polnischem Boden. Was dann aber kam, war der Horror, eine Straße (Autobahn sollte man es nicht nennen), die es in sich hatte. Auf ca. 100 km Länge war die Straße in ein Stoßdämpfertestgelände verändert worden. Alles, was locker im Auto lag, fand den Weg nach unten und unsere Wirbelsäulen wurden mindestens 10 cm gestaucht.

Endlich, in der Höhe von Wroclaw, begann die richtige Autobahn und so konnten unsere geschundenen Glieder sich wieder in ihre natürliche Länge strecken. Von da ab ging alles super und nach sieben Stunden Fahrt hatten wir die 620 km geschafft.

Auf dem bewachten Parkplatz standen schon viele Autos und wir konnten die ersten deutschen Angler begrüßen. Auf dem Weg ins Wettkampfbüro konnten wir den See das erste Mal durch die Bäume sehen und waren von seiner Größe sehr angetan, irgendwie hatten wir ihn uns kleiner vorgestellt. Schnell waren die Formalitäten erledigt und so konnten wir uns auf einer Bank niederlassen und ganz in Ruhe das erste polnische Bierchen schlürfen. Es dauerte nicht lange und wir trafen Knuth, Michael, Sebastian und Stefan aus Döbeln, die wir schon von Cipro.de kannten.

Nach und nach gesellten sich andere deutsche Hunter an unseren Tisch und es endete alles in einer super- geilen Eröffnungsparty, an die sich alle noch lange erinnern werden. In der Nacht wurden alle Autos auf eine eingezäunte Wiese gefahren und zum deutschen Hoheitsgebiet erklärt. Um uns herum standen Polen, Tschechen, Ukrainer und alle bauten ihre Zelte auf, um darin die erste Nacht zu verbringen.

Irgendwann vor Mitternacht kamen dann doch noch Sebastian und Jens mit dem frisch reparierten Auto.

Am nächsten Morgen war alles sehr leise und in so manchem Gesicht zeigten sich noch die Spuren der vergangenen Nacht. Nach einem schönen heißen Kaffee kamen aber alle wieder zu Kräften und so konnten wir gemeinsam zur Verlosung der Angelplätze gehen.

Es folgte die Begrüßung durch die Veranstalter und wir konnten uns schon mal die Pokale näher anschauen. Der See war in vier Sektoren aufgeteilt, in denen sich die einzelnen  Angelplätze befanden. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal auch vier Angelplätze auf der kleinen Insel, die aber nur mit Booten zu erreichen war. Die ganze Begrüßung und die Verlosung wurde in polnischer und danach in deutscher Sprache abgehalten was für uns doch sehr hilfreich war.

Endlich waren wir bei der Verlosung an der Reihe und zogen den Platz 26, der schräg vor der Insel lag.

Sebastian und Jens zogen einen Platz auf der Insel und waren total Happy. Ganz in der Nähe von uns saßen Stefan und Sebastian, links neben uns Gregor und Uli. Wir waren froh, wenigstens ein paar Deutsche neben uns zu haben, um sich auch mal unterhalten zu können.

Nun kam der große Aufbruch, alle strebten zu ihren Autos, um möglichst schnell an den Angelstellen zu sein. Wir stiegen auch in unsere Wagen und reihten uns in die Kolonne, die sich den Uferweg lang zog, ein. Zuerst kam ein schöner  Asphaltweg, dann kamen Panzerplatten und dann kam die Grundprüfung, die wohl auch jeder Teilnehmer der Camel Trophy absolvieren muss. Wir waren heilfroh, als wir nach Schlamm und Pfützen unbeschadet unsere Angelstelle erreichten.

Schnell war das Camp aufgebaut und die Angelstellen ausgelotet. Es gab keine Kanten oder Löcher, bis zur maximalen Wurfentfernung nur wunderschöne Badewanne. Wir fanden mit der Lotrute ein paar harte Kiesstellen und setzten dort unsere Marker. Wir fütterten unsere Stellen sparsam mit Boilies und Pellets und  gingen dann aber schnell in Deckung, da unsere polnischen Nachbarn  zum alles vernichtenden Endschlag ausholten. Stundenlang flogen die Futterballen in Richtung Seemitte.  Da wir schon ahnten, dass die Carps noch nicht abgelaicht hatten, hofften wir, dass wenigstens einer zu unserem mickrigen Futterplatz durch- kommen würde. Um 13 Uhr begann der Wettkampf und rings um den See flogen hunderte von Montagen ins Wasser. So, nun begann das große Warten.

Im Laufe der nächsten Tage versuchten wir alles, was es eigentlich nur gibt, alles ohne Erfolg!

Es wurde auf allen erdenklichen Boilies gefischt, auf Büchsenmais, Teig, Pellets, The Method, Minniboilies und so weiter. Es half alles nichts, wir bekamen außer ein paar Brassenpiepsern nicht den kleinsten Biss. Uli, der neben uns stand, verlor zwei Fische, die er genau vor der Schilfbank der Insel gehakt hatte. Unsere polnischen Nachbarn konnten auch nur einen kleinen K2 Carp landen, obwohl sie wahrscheinlich den wöchentlichen Lebensmittel-Etat einer Großfamilie im See versenkt hatten.

Wir unterhielten uns über Funk mit den anderen Teams und erfuhren so, dass noch kein deutsches Team einen Karpfen gefangen hatte.

Jeden Tag kam ein Schiedsrichter vorbei, der uns die aktuellen Ergebnisse brachte. Mittags kam ein Auto und brachte das Essen und Getränke. Ein besonderes Erlebnis hatten wir noch, als die Frau von Gregor, die zu Besuch war, sich auf den Rückweg in einen Schlammloch festfuhr.

Wir brauchten über zwei Stunden, und nur mit Hilfe des Jeeps vom Becker Team, bekamen wir den Wagen wieder frei. Dass sich keiner der Verantwortlichen über den katastrophalen Zustand des Weges Gedanken machte, ärgerte uns doch sehr.

So vergingen die Tage sehr schnell und am Sonnabendfrüh war um 9.00 Uhr der Wettkampf zu Ende. Nur in Konvoi und mit gegenseitiger Hilfe schafften wir es, ohne große Probleme den Angelplatz zu verlassen. Den versprochenen Traktor, den die Wettkampfleitung uns zum Sonn-abendfrüh zugesagt hatte, suchten wir und viele andere vergebens.

Alle deutschen Teams trafen sich noch einmal oben an der Gaststätte und es wurden noch ein paar Gruppenfotos gemacht.

Da die Fa. Eurobaits auch als offizieller Sponsor beim Polen-Cup dabei war, blieben Sebastian und Jens bis zur Siegerehrung, während sich die anderen deutschen Teams langsam Richtung Heimat bewegten. Deshalb hier ein paar Zeilen von Jens zur Siegerehrung.

Die Siegerehrung begann gegen 13.00 Uhr. Zuerst bedankte sich der Veranstalter Przemyslaw Mroczek bei den noch anwesenden und bereits abgereisten Teams für den guten Verlauf des Carp Cups. Die Sponsoren wurden genannt und vorgestellt. Dann begann der Teil, auf den alle lange gewartet haben, es wurde erst die Ehrung für den schwersten Fisch vorgenommen, dieser wurde von  Igor Sitjashenko (10,6 Kilo) gefangen. Danach wurden die Sektoren- Sieger geehrt, bevor es dann mit dem 3. platzierten Team Eric Jakubowski /Michael Halet aus Belgien weiterging. Der 2. Platz ging an das polnische Team Krzysztof Kutnik / Grzegorz Dusza.

Das Siegerteam im Jahr 2003 kommt mit Stanislav Skacel / Cestmir Schütz aus der Tschechei. Die beiden konnten mit 5 Karpfen und einem Gesamtgewicht von 19,5 Kilo den Cup für sich entscheiden.

Nachdem allen Teams ausgiebig gratuliert wurde und jeder seine Fotos gemacht hatte, verabschiedeten sich die Teams voneinander und man verabschiedete sich auch beim Veranstalter. So traten dann auch Sebastian und ich die Heimreise an, die Gott sei Dank ohne jeden weiteren Zwischenfall oder Komplikationen verlief. Eines war sofort klar, wir sind 2004 wieder dabei.

Leider konnte sich kein deutsches Team platzieren, denn es wurde nicht ein einziger Carp von uns gefangen. Ja, woran lag es nun? Die Meisten hatten sich auf das Fischen und füttern mit Boilies eingerichtet, der einzige Fisch, der mit Boilies gefangen wurde, war ein Waller von 130 cm. Die Karpfen wurden alle auf kleinste Partikel gefangen. Wie wir im nachhinein erfuhren, wird in diesem See nie mit Boilies gefischt. Außerdem standen die meisten Karpfen im abgesperrten Schongebiet und zeigten sich dort desinteressiert an der Oberfläche. Sollte dieser Wettkampf einmal im Herbst ausgetragen werden, würden unter Garantie auch viel mehr und auch die vorhandenen großen Carps beißen.

Den meisten Teilnehmern hat der Polencup sehr viel Spaß bereitet, es wurden viele neue Freundschaften geknüpft und wir hatten für die Zeit am Wasser sogar einen Adoptivsohn (Uli, du brauchst nun nicht mehr Papa und Papa zu uns sagen). Der Teamgeist und das super Auskommen der deutschen Angler untereinander hat uns begeistert. Wir sind auf alle Fälle beim Polish Carp Cup 2004 wieder dabei und hoffen, viele der bekannten Gesichter wieder zusehen.

In gemeinsamer Zusammenarbeit

Team cipro.de: Gerd und Henne
Team Eurobaits
: Jens und Sebastian

 

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