von Max Nollert

Noch vier, drei, zwei, einen Meter - ich lege das Carp-GPS beiseite, und schon im nächsten Augenblick liegt die Montage genau am richtigen Platz, meinem Hot Spot. Es ist stockdunkel, ich befinde mich exakt 93 Meter vom Ufer entfernt. Mit wenigen Tastendrücken gebe ich als neues Ziel den zuvor abgespeicherten Standort meines Zeltes ein und fahre los. Dazu muss ich lediglich dem  großen Pfeil auf dem Display folgen, der mir genau die Richtung angibt in die ich steuern muss. Zudem hält mich das GPS immer auf dem Laufenden über die verbleibende Distanz sowie über die Geschwindigkeit, mit der sich das Boot bewegt. Die zielgenaue  Ankunft verblüfft mich jedes Mal aufs Neue ...

Was genau ist Carp-GPS, was kann es, und wie setzt man es sinnvoll ein? Stellt es eine Alternative zu Markern wie Bojen dar? Und vor allem: Ist es wirklich genau? Im Folgenden werde ich versuchen, anhand des Carp-GPS von Lowrance all diese Fragen im Detail zu beantworten! GPS steht für "Global-Positioning-System". Das heißt: Jede abgespeicherte Position lässt sich immer wieder exakt lokalisieren. Der jeweilige Standpunkt wird über Satelliten - bis zu zwölf Stück gleichzeitig - ermittelt.  In weiterentwickelten Versionen, wie dem Carp GPS, kommen zusätzliche Satelliten der US-Luftwaffe hinzu. Dazu aber später mehr.

Handlich und einfach. Das handliche Gerät besitzt nur wenige Multifunktionstasten, die eine übersichtliche Bedienung gewährleisten. Im Inneren befindet sich eine ausgefeilte Technik sowie eine selbsterklärende Benutzeroberfläche, die von der Menüführung her an ein Handy erinnert. Es lassen sich bis zu 1.000 so genannte Wegpunkte (Angelplätze; Hot Spots,  Parkplatz des Autos etc.) abspeichern, die dann jederzeit leicht und zielgenau wieder zu finden sind. Der Wegpunkt wird durch die exakte Angabe von Grad, Minuten und Sekunden eindeutig fixiert.

Das Carp-GPS mit Straßen- und Gewässerkartenoption zeigt immer und von jeder Position aus den direkten Weg zum auserwählten und zuvor abgespeicherten Wegpunkt und ist deshalb für die Benutzung auf dem Wasser hervorragend geeignet und lässt zudem  auch die detaillierte Navigation im Straßenverkehr zu. Mein erster Wegpunkt Schon viele Male zog es mich nach Spanien an den Lake Caspe oder den Ebro bei Mequinenza - im Dezember 2002 das erste Mal mit einem GPS in der Tasche! Wir waren ausschließlich zum Karpfenangeln angereist. Jetzt sollte die Praxis zeigen, wie sinnvoll das GPS für Karpfenangler ist. Bei meinem ersten Ausflug mit dem Schlauchboot begleitete mich mein Freund Claude Valette, der seit Jahren am Ebro lebt und der genau dann Bescheid sagte, als ich mit dem Boot über dem Platz war, an dem er in den beiden Wochen zuvor mit unseren Boilies angefüttert hatte. Schnell zweimal die Speichertaste gedrückt, und der Platz war für alle Zeiten markiert. Mein erster Wegpunkt! Mit Hilfe des Echolotes schaute ich mir den Untergrund dann genauer an und sah die von Claude beschriebenen Merkmale. Es ist unter anderem 10 Meter tief. Zum Abspeichern der Wegpunkte ist es ratsam, sich ein persönliches System zu überlegen,  ansonsten kann man schnell den Überblick verlieren. In den Namen eines Spots lasse ich deshalb immer auch die typischen Grundstrukturen wie Kanten oder Plateaus mit einfließen. Zudem schreibe ich die Fangergebnisse dazu, denn vielleicht entwickelt sich der Platz
ja zu einem echten Hot-Spot , den ich dann jederzeit leicht wieder finde ... Das GPS denkt dazu noch mit: Die so genannte "Nearest"-Funktion bietet die Möglichkeit, die zum momentanen Standort nächst gelegenen abgespeicherten Wegpunkte aufzurufen. Somit ergibt sich eine automatische Gruppierung, die selbst viele hundert Wegpunkte übersichtlich machen!

Wie genau ist GPS?
Als ich mich vor vielen Jahren zum ersten Mal für das GPS interessierte, sagten mir einige Händler, dass die Geräte damals maximal eine Genauigkeit von 20 bis 30 Metern, im schlechtesten Fall sogar nur von 50 Metern gewährleisteten. Dies hing nach ihren Angaben damit zusammen, dass die US-Amerikaner aus Sicherheitsgründen absichtlich Störsignale sendeten. Doch ich kann Sie beruhigen: Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurden diese abgestellt. Dazu eine kurze Geschichte: "Meine Wegpunktnummer '46' steht für einen Platz an einem großen See, an dem ich zuvor mit dem Echolot eine von drei auf fünf Meter abfallende Kante lokalisiert und mit dem Carp-GPS abgespeichert hatte. Ich steuere mit dem Schlauchboot diesen Punkt an. „Noch zwei Meter“ meldet das GPS. Das Boot wird langsamer, mein Blick wandert zum Display des Echolotes. Ich treibe noch zirka ein bis zwei Meter, bevor die Wassertiefe von drei auf fünf Meter abfällt – Bingo, das ist mein Spot! Jetzt noch zwei Handvoll Boilies gefüttert, und dann geht's zurück." Am Tage bedarf es für die Rückfahrt keine Hilfe des GPS, aber bei Nacht und vor allem bei Nebel hat man auch hier einen gewaltigen Vorteil. Mit einem leichten Schmunzeln und auch etwas Schauern über dem Rücken erinnere ich mich in diesen Momenten an die Nebelirrfahrten der vergangenen Zeiten, als wir uns durch Zurufen orientieren mussten und nur mit größter Mühe unser Zelt  wieder fanden.

Das Carp-GPS bietet eine hervorragende Annäherung bis zu einem halben Meter an jeden zuvor abgespeicherten Platz. Um einen Spot genau anzufahren, navigiere ich am liebsten mit der Kompassrose. Dazu folgt man einfach dem großen Pfeil im Display, der bei genauer Zielfahrt immer nach oben zeigt. Beginnt der Pfeil in eine andere Richtung zu drehen, korrigiert man entsprechend die Fahrtrichtung, bis er wieder genau nach oben zeigt. Zudem teilt einem das Gerät zu jeder Zeit die exakte Geschwindigkeit und die verbleibende Entfernung zum Ziel in Metern mit. Was will man mehr? Bei größeren Spots, bei denen es nicht auf den allerletzten Zentimeter Genauigkeit ankommt, können Sie sich immer auf das GPS verlassen, ohne überhaupt ein Echolot mitzunehmen. Dies ist natürlich auch an Gewässern interessant, an denen der Angler in Verbindung mit dem Angeln kein Echolot verwenden darf! Zudem ist die Boje als Markierung überflüssig.

Schnell und sicher ans Ziel:
Wie sieht es eigentlich mit Kurztrips an nicht zu weit entfernte Gewässer aus, an denen man gelegentlich nur eine Nacht verbringt und erst im Dunkeln am Platz eintrifft? Kein Problem: Rute aufstecken, Boilie aufs Haar, den gewünschten Wegpunkt auswählen, und schon kurze
Zeit später liegt die Montage goldrichtig. Vorbei sind die Zeiten, in denen man manchmal stundenlang damit verbringen musste, bekannte Spots weit draußen im Gewässer im Dunkeln wieder zu finden. Sie können also selbst in der Dämmerung ganz beruhigt an Ihren Platz fahren.

Überblick bewahren:
Sie werden sich eventuell fragen, wie es um die Übersicht bestellt ist, wenn man mehrere Ruten an neue Plätze auslegen möchte, aber keine Bojen zur Orientierung hat? Auch das ist mit dem Carp-GPS kein Problem! Den letzten neuen Wegpunkt (Angelplatz) lasse ich bei der Spotsuche als Ziel eingegeben, um immer informiert zu sein, wie weit ich von ihm entfernt
bin und in welcher Richtung er sich befindet. Bin ich der Meinung, dass die andere Rute mindestens 50 Meter von der ersten abgelegt werden soll, so ist nichts leichter, als diesen Mindestabstand einzuhalten. Zudem bietet die Plotterfunktion (Übersichtskarte mit Zoomleistung und Bewegungsanzeige) zu jeder Zeit einen Überblick über die abgespeicherten
Punkte eines Gewässers und die bislang gefahrene Strecke. Zwei Spots in unterschiedlicher Entfernung, aber in gleicher Flucht, wären ungeeignet und können damit leicht verhindert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die zuvor gefahrene Strecke exakt und mit allen Kurven wieder zurückzufahren.

Bei neuen Gewässerabschnitten ist es sinnvoll, zunächst Plateaus oder Rinnen zu lokalisieren und sich dann ein genaueres Bild über ihre Positionen zu machen. Mit sehr vielen H-Bojen, die aber leider alle gleich aussehen und keinen Rückschluss auf die Tiefe zulassen und zudem
mit viel Arbeit verbunden sind, wäre das zwar machbar, aber mit Carp-GPS geht es viel  leichter. So fährt man einfach im Zickzack-Kurs über das Gewässer, speichert die heißen Stellen ab und notiert sich zu jedem Spot die entsprechende Tiefe. Am Ufer angekommen, lässt sich dann vielleicht mit Hilfe der Plotterfunktion eine Linie von Erhebungen erkennen, die auf eine Mauer oder eine langgezogene, schmale Sandbank hindeuten könnte.


Distanzinformationen:
Von jedem Ort aus und zu jedem Zeitpunkt bietet das Carp-GPS die Möglichkeit, Distanzen zwischen zwei x-beliebigen Wegpunkten abzufragen. Dies kann in den unterschiedlichsten und zum Teil schon beschriebenen Situationen sehr nützlich sein. Ein weiterer Pluspunkt ist das exakte Ausreizen der vorhandenen Schnurkapazität. Einmal die Rolle auf dem Gewässer leergezogen, weiß man auf Tastendruck, wie viel Meter draufpassen. So gibt es beim Fischen auf extrem große Distanzen in keinem Fall die böse Überraschung, dass man für den  auserwählten Spot gar nicht genügend Leine auf der Rolle hat. Punkte einem guten Freund weiter geben. Sie haben einen neuen Platz gefüttert und wollen sich die Arbeit und den Ansitz mit einem Freund teilen? Geben sie die Koordinaten doch einfach Ihrem Angelpartner per Tel oder e-mail weiter. Im Handumdrehen hat er sie auf seinem GPS gespeichert und wird auf dem Selben Fleck weiter füttern können! Das neue Carp-GPS von Lowrance arbeitet auch mit Satelliten der amerikanischen Luftwaffe und einer weiterentwickelten Software. Man nennt das "WAAS" - dies wird auf dem Display angezeigt, sobald sich das Gerät eingeloggt hat. Die Folge sind wesentlich genauere Informationen, auch bei langsamen Bewegungen.

Carp-GPS hat bei mir bisher in allen Situationen Bojen ersetzt und bringt fast täglich neue Vorteile für das Karpfenanglen und den Alltag zum Vorschein. Es ist ein absolut effizienter Nutzen mit Carp-GPS – und das ohne jegliche weitere Nutzungsgebühr, so oft sie wollen.

Was freue ich mich schon auf den nächsten Herbst! Zu dieser Jahreszeit werden nämlich viele französische Stauseen abgelassen. Zu Fuß und mit Carp-GPS bewaffnet werde ich die markanten und sonst nicht direkt sichtbaren Plätze wie Plateaus oder Muschelbänke ablaufen und als Wegpunkte abspeichern. Es wird ein Leichtes sein, alle Spots (und das sind die Hotspots!) auch im nächsten Jahr sicher wiederzufinden, wenn der See wieder voll ist und
die Karpfen genau dort ihr Futter suchen und auch meine Boilies finden werden! An einem französischen Stausee, der wegen Hafenarbeiten um 14 Meter abgelassen wurde, konnte ich dies sogar schon Ostern 2003 durchführen und freue mich jetzt schon darauf, wenn der Wasserstand bald wieder normal ist ...

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Notieren Sie sich unbedingt die Koordinaten Ihrer wichtigsten Wegpunkte oder speichern sie sie einfach auf einem Computer, um bei Verlust des Gerätes nicht eventuell jahrelange Arbeit zu verlieren, die Ihnen niemand ersetzen kann! Die integrierten Max-Carp-Spots aus Frankreich und Deutschland werden vielen eine große Hilfe sein, um dem Traumfisch zielgenau entgegenzufahren. Diesen fangen müssen Sie selber, aber Sie können gewiss sein, dass er nicht weit entfernt ist...! 

Viel Erfolg dabei!
Max Nollert
Carp-GPS

 

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