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Das
Telefon klingelt. Na super, raus von der Couch, hin zum Hörer. "Ja?"
Nichts... "Hallo, wer ist da?" Wieder nichts ... "Was soll denn das?"
Egal, von so was lass ich mir nicht den Tag verderben! Ich leg mich wieder
auf die gemütliche Couch und gucke den Film weiter, bis das Telefon schon
wieder klingelt. "Ja?" " Ja, hi, hier ist Marius, wie sieht´s aus? Mal
wieder Lust auf ne Session?" Ne Session? Na ja,
nicht übel, das Wetter ist ganz gut, nach meinen Informationen läuft´s am
See einigermaßen rund, warum also nicht? "Ok, wann soll's losgehen? Wir
haben immerhin sechs Wochen Ferien!" Kurze Stille, aber dann: "So gegen
15:00 Uhr? Wir können ja mit dem Fahrrad fahren, sind schließlich Ferien,
wir haben ja viel Zeit, und ich hab eh nichts anderes zu tun! Mein Zeug ist
schon gepackt! Bis nachher dann!" Typisch, es war mal wieder der erste
Ferientag und mal wieder kein Tag zum ausruhen! Ich wollte einfach nur ein
bisschen relaxen, aber was tut man nicht alles für sein Hobby? Also gut,
Sachen packen, Ruten sind soweit fertig, Rod Pod, Bissanzeiger, Bivy, und so
weiter und so fort... Punkt 15 Uhr bin ich, natürlich abgehetzt, wie nicht
anders zu erwarten, war ja nur der erste Ferientag, fertig und warte auf
Marius.
Tja, ich warte wie gesagt immer noch auf Marius, als es an der Tür klingelt.
Ok, schnell Schlüssel einpacken, dem Hund Ciao sagen und weg - denkste. "Hi
Moritz!" Oh, meine Freundin. Da fällt´s mir ein, um 16:00 Uhr verabredet im
Kino. "Ähm, du, ich glaub das mit dem Kino, das klappt heute nicht. Marius
kommt gleich und wir fahren an den See. Aber nicht böse sein, wir holen´s
nach, ok?" Glück gehabt, Freundin zwar verladen, aber im Guten auseinander
gegangen. Dann kam auch endlich Marius und wir fuhren los zum See unseres
Lebens! Als wir dann eine Stunde später ankamen, (super Idee mit den
Fahrrädern Marius) realisierten
wir wohlwollend das unser "Stammplatz" frei war, welches wir auch gleich zum
Aufbauen des Camps nutzten! 18:00 Uhr. Endlich, so wie immer beginnen wir
unsere Session mit einer Eins A Maggi Suppenterrine! Da erzähl mir doch
einer, es bedarf viel, einen Magen glücklich zu machen. Als Marius sich
gerade auf den Weg machte, um für kleine Jungs zu gehen, rast auf einmal
mein rechter Swinger in die Höhe und mein Bissanzeiger fängt an zu
kreischen! Einen großen Schritt nur noch und ich bin bei der Rute! Ich will
den Anhieb setzen und ... nichts.
Na ja, blinder Alarm, kann mal passieren! Marius geht weg und ich hole die
Montage rein um neu auszuwerfen, als ich etwa auf der Hälfte des Weges einen
Widerstand in der Rute spüre. Vorsichtig mache ich noch eine Umdrehung an
der Rolle und ANHIEB, der Fisch sitzt, von wegen Fehlbiss, eher Fallbiss!
Jetzt hat der Kollege an der anderen Seite allerdings keine Scheu mehr sich
zu verstecken! Er zieht wie wild in Richtung Seemitte und ich bin gezwungen
ins Wasser zu gehen! Problem nur, wo sind meine Watstiefel? Ich will mich
gerade umdrehen als Marius mit den "Erlösern" kommt und ich sie mir schnell
anziehe! Danach schnell ins Wasser und gib ihm! Nach etwa 20 Minuten hörte
ich eine Stimme hinter mir sagen: "Der ist gut, der hat mindestens 25
Pfund!" Hinter mir, direkt am Ufer, hatten sich vier Leute postiert und
schauten mir beim Drillen zu. Nach wiederum etwa fünf Minuten wurden sie
fürs lange Warten belohnt und Marius kescherte einen 26er Schuppenkarpfen!
Was für ein Auftakt!
Gut gelaunt, und voller Zuversicht auf die Nacht legten wir uns ins Bivy und
schliefen trotz der Hitze relativ schnell ein. Meine letzten Gedanken
drehten sich um den vorherigen Drill und ich dachte darüber nach, was Marius
und ich doch eigentlich für ein Team sind. Wir könnten mit verbundenen Augen
angeln gehen und bei einem Biss würden wir uns gegenseitig helfen einen
Fisch an Land zu holen! Das geht jetzt schon seit 1,5 Jahren so, fast jede
Session wird mit Marius "abgehalten". Irgendwann entwickelt sich ein
Vertrauen in den anderen, das, aus welchem Grund auch immer, sehr beruhigend
ist!
PIEEEEEP: Augen auf, aus dem Schlafsack, Reisverschluss auf, raus in den
Regen. Verdammt, was für ein Regen, ab an die Rute, ein Anhieb ist dieses
Mal gar nicht nötig, sofort fängt der Karpfen an, Schnur von der Rolle zu
ziehen, Meter für Meter. Es dauert seine Zeit, bis ich ihn unter Kontrolle
habe, ab dann allerdings kein aufregender Drill mehr, etwa 5 Minuten. Und
das Ergebnis? Ein 17 pfundiger Spiegler. Ist ganz passabel. Kurzes
Foto-Shooting im Regen und unser Freund darf wieder zurück, und wir auch,
nämlich in unsere Schlafsäcke!
Ich wachte so gegen elf Uhr morgens auf, als meine Nase einen Geruch von Ei
mit Speck wahrnahm. Und sie sollte sich nicht irren! Marius hatte ein nettes
Frühstück zubereitet, welches bei einem wunderbar lustigen Gespräch zu sich
genommen wurde! Was ich leider
erst gegen 12:00 Uhr merkte war, dass ich vergessen hatte letzte Nacht neu
auszuwerfen nach de m Biss des Spieglers. Shit Happens... Den ganzen Tag
passierte abgesehen davon, das Marius´ Rod Pod wie von allein ins Wasser
flog, er daraufhin wie ein Verrückter hinterher sprang, nicht wirklich viel!
Das Wetter war wieder besser geworden und die ersten Luftblasen taten sich
auf, als ich plötzlich eine SMS von meiner Freundin bekomme in der steht: Na
du, ich fliege jetzt doch mit nach Italien, bin in 2 Wochen wieder da, bis
dann, ich liebe dich! Italien, da wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt lieber
nicht, denn es gibt, auch wenn das ein bisschen verbohrt klingt, nichts
Lustigeres als abends mit Marius über dies und das zu quatschen und immer
mehr Suppenterrinen zu essen! Ich machte mir keine weiteren Gedanken um
meine Freundin. Ich wusste, sie respektiert mein Hobby, also hatte ich auch
kein schlechtes Gewissen, dass ich an Wochenenden oft nicht zu Hause bin. Es
war halt so, und es klappte ja auch seit 1,5 Jahren.
In der zweiten Nacht geschah ungefähr so viel wie in einem Stadion an einem
Montag, nämlich gar nichts! Erst um zehn Uhr morgens gelang es Marius einen
schönen Schuppi von knapp 21 Pfund auf die Matte zu legen. Den Rest des
Tages verbrachten wir damit, neue Rigs zu binden, Rezepte für neue Boilies
zu entwerfen und, wie nicht anders zu erwarten, uns mit 5 Minuten-Terrinen
die Bäuche voll zu schlagen! Abends um 21:00 Uhr dann ein zaghaftes Pieps
vom Bissanzeiger! Da es schon dunkel war, leuchtete ich mit meiner Kopflampe
auf den Swinger, welcher mir nichts ansagte. Ich setz keinen Anhieb, dachte
ich mir, wenn was dran ist, wird er sich schon melden! Etwa zehn Minuten
später wieder ein Piep, aber dann PIIIEEEEEEP, um Gotteswillen, was war das?
Ich stürme raus, springe an die Rute, setze einen schwachen Anhieb und die
Rute krümmt sich zum Erbrechen! Das einzige, was in den nächsten 5 Minuten
zu hören war, war die Bremse meiner Shimano-Rolle, welche langsam aber
sicher kapitulierte. Gedanken schossen mir durch den Kopf: Wird´s ein neuer
Personal Best? Vom Widerstand her möglich, hier gibt´s größeres als 35
Pfünder! Etwa eine halbe Stunde später, ich schwitzte mitten in der Nacht,
konnten wir den Karpfen dank der Taschenlampe von Marius das erste Mal
sehen. Es war ein Schuppenkarpfen, ein großer Schuppenkarpfen...
"Marius, schnell hol den Kescher, ich hab ich ihn gleich im Uferbereich!"
Marius holte den Kescher und anstatt abzuwarten, zog er sich die Hose aus
und stiefelte halb nackt in den See! Verrückt der Junge, aber genial! Als er
nämlich gerade den Kescher unter dem Karpfen hatte, schlitzte mein Haken aus
dem Maul des Rüsslers! Das wär´s gewesen ohne Marius, aber wie gesagt, der
ist ja fast immer dabei! Voller Euphorie legen wir den
Carp
auf die Abhakmatte! Länger ist er schon mal! Etwas schlanker vielleicht,
aber mal sehen! Marius holt die Waage und: Ich beobachte den Zeiger der
Waage und probiere ihn irgendwie zu puschen! 28, 29, 30, 31, 31,5 - Schluss.
31,5 Pfund, kein neuer PB, aber trotzdem ist die Freude riesengroß, denn
endlich hab eich meinen ersten 30+x Schuppi gefangen! Im Dunkeln wird
schnell ein Foto gemacht, da ich dem Karpfen nach diesem Stress nicht
zumuten will, noch etliche Stunden im Karpfensack zu verbringen! Glücklich
und hundemüde lege ich mich auf meine Liege und gucke auf das Display meines
Handys: Eine Kurzmitteilung erhalten. Ich überlege kurz und beschließe die
SMS nicht zu lesen, was auch immer es war, jetzt war ich vom Carp-Fever
ergriffen, eine Phase, in der mich die Außenwelt nicht mehr interessiert, in
der ich ohne Sorge fischen kann! Völlig weg von der Realität. In der Nacht
passierte nichts mehr, Marius fing noch einen Spiegelkarpfen von sage und
schreibe 5 Pfund!
Am nächsten Morgen packten wir dann langsam ein, immer noch abgeschottet von
der "Realität", mit ausgeschaltetem Handy, nur die Karpfen und wir!
Gegen 13 Uhr kam ich dann völlig glücklich, innerlich immer noch schwärmend,
nach Hause und packte meine Sachen aus, ich hasse das, denn dann weiß man,
dass wieder mal eine einzigartige Session vorbei ist! Damit fertig, ließ ich
mir Badewasser einlaufen und machte mein Handy an. Immer noch eine
Kurzmitteilung, jetzt könnte ich sie ja öffnen: Und sie schrieb: "Du, ich
halt das so nicht mehr aus, ich habe hier in Italien jemanden gefunden, der
sich viel Zeit für mich nimmt, jemanden den ich richtig lieben kann, es tut
mir leid, aber ich mache Schluss."

... und die Realität hatte mich wieder eingeholt.
Viele Grüße und nur
Dicke,
Master Mo alias Moritz B.
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