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von Heinz Kersten und Thorsten Löw
Was für ein
Sommer, der Sommer 2003. Anfang Juli und ich habe mir vorgenommen, ein
paar Tage nach Frankreich zu fahren. Ein kurzes Telefonat mit Martin Komen
von Fisherman Holidays und ich habe 14 Tage Urlaub am Domain de Brocard.
Richtig, ich habe in der ??? Ausgabe der Carp Mirror über diesen See schon
einmal berichtet. Doch dieses mal möchte ich über eine ganz besondere
Situation berichten, welche wir in den 14 Tagen vorfanden. Fangen wir
vorne an.
Wir haben doch keine Zeit
Alleine reisen macht bekanntlich keinen
Spaß und in wenigen Tagen soll es ja auch schon losgehen. Nur wer kann
sich so kurzfristig frei nehmen? Ich setzte mich ans Telefon und rief
meinen Kollegen Thorsten Löw an. Thorsten war
von dieser kurzfristigen
Aktion alles andere als begeistert ... wollte jedoch unbedingt mit zum
Domain de Brocard. Nach wenigen Stunden bekam ich den ersehnten Anruf von
Thorsten, dass er 10 von den 14 Tagen dabei sein würde. Nun schön und gut,
aber was mache ich mit den ersten vier Tage der Session. Da fiel mir noch
der vom Karpfenvirus befallene Armin Klein ein. Armin sagte sofort zu und
somit stand der Tour nun wirklich nichts mehr im Wege. Am frühen Morgen
des 12. Juli 2003 ging es dann auch schon los und wir kamen am späten
Mittag am Brocard an. Zu unserem Erstaunen war die von mir reservierte
Stelle 3 belegt. Da meine Buchung sehr kurzfristig bei Martin Komen
einging, wurde diese in der EDV zu spät berücksichtigt und für zwei Nächte
an ein paar Franzosen verbucht. Nach Klärung der Sachlage mit dem
Aufseher, wichen wir auf Stelle eins aus. 13:00 Uhr und uns lief das
Wasser im wahrsten Sinne des Wortes den Ar... runter. Was für eine Hitze
... aber die Fische ließen sich hier und da schon einmal blicken. Als
würden sie das tolle Wetter genießen, sprangen und rollten sie sich im
See. Wegen den Witterungsbedingungen verzichteten wir auf die Zelte und
bauten lediglich Ruten und Liegen auf.
Badewanne
Mit der Lotrute checkten wir die Wasserfläche und staunten nicht
schlecht. Die Wassertiefe betrug keinen Meter und vermeintliche Hot Spots
konnten wir auch nicht ausmachen. Die Stelle eins ist eine sehr gute
Frühjahrsstelle, da sich das Wasser durch die geringe Wassertiefe sehr
schnell erwärmt. Mittlerweile lag das Thermometer schon einige Zeit in der
Seemitte. Wir holten das Thermometer ein und erschraken, als wir die
Temperatur sahen. 27 ° und der Lorenz soll die nächste Zeit ohne
Unterbrechung vom Himmel brennen. Uns war nun mit diesen Informationen
klar, dass diese Tour kein leichtes Unterfangen werden sollte. Bis auf
einen kleinen Stringer verzichteten wir auf die Zugabe von Futter. Langsam
färbte sich der Himmel rot und die erste Nacht hielt Einzug. Machen wir es
kurz ... es lief nichts ... aber auch wirklich gar nichts. Die Fische
waren da. Sie sprangen und die Blasenspuren verrieten uns, dass sie sich
auch in der Nähe unserer Montagen aufhielten. Aber auch die zweite Nacht
verlief ohne jegliche Aktion. Ich konnte und wollte es einfach nicht
glauben.
Der
Umzug
Endlich, Montagmorgen und wir können auf die Stelle 3 moven. Das
Abtackeln wurde zu einer schweißtreibenden Aktion. Wir ließen uns viel
Zeit. Erst am späten Nachmittag hatten wir das Lager einigermaßen
eingerichtet und nun konnte es auch richtig losgehen. Weiterhin
verzichteten wir auf größere Futteraktionen und beschränkten uns auf eine
der besten Entwicklungen der Industrie, dem PVA (Stringer/Bag). Kaum hatte
die Sonne sich hinter den Bäumen zurückgezogen, meldete sich einer meiner
Pieper und ich konnte einen kleinen Schuppi von 7,5 Kilo auf die Matte
legen. Gott sei dank, der erste Fisch ... jetzt konnte es nur noch besser
werden und wir richteten uns auf eine heiße Nacht ein. Unsere Ruten waren
logisch positioniert und rein theoretisch gesehen, konnte kein Fisch an
unseren heißen Eisen vorbei schwimmen, ohne die verlockenden Baits nicht
wahr und logischerweise auch aufzunehmen. Ha ... was sind wir gut ...
Ich öffnete
meine Augen. Ein grelles Licht ließ mich blinzeln. „Armin, mach das Licht
aus!!“ Tja, es war nicht Armin. Nein, wir hatten mittlerweile 9:00 Uhr und
der Lorenz gab mal wieder alles. Wir wollten es nicht glauben, aber die
Nacht verlief ungewöhnlich ruhig. Langsam aber sicher gingen uns auch die
Ideen aus, womit wir die Carps noch positiv hätten beeinflussen können.
Wir stellten uns die Frage, ob wir mit der richtigen Strategie fischen
würden. Wir entschlossen uns, dass jeder eine Rute mit ein paar Murmeln
als Beifutter veredeln sollte. Zudem bauten wir uns neue Montagen. Die
geflochtenen Vorfächer wichen den monofilen Materialien. Zudem
verlängerten wir sämtliche Montagen auf gute 30 – 40 Zentimeter. Zudem
legte jeder von uns eine Rute mit einem Pop Up aus. Dieses Umdenken
brachte neue Hoffnung und irgendwie musste es doch möglich sein, die Carps
zum fressen zu animieren.
Backofen
Mittagszeit am Brocard. Wir sitzen im Wald. Jede Bewegung wird zur
Qual. Loic, der Aufseher vom Brocard, machte mal wieder einer seiner
Runden und er berichtete, dass es zur Zeit 37° C im Schatten sei und ein
Ende des Temperaturanstiegs sei noch nicht in Sicht. Diese Aussage ließ
unsere Hoffnung auf reichlich Fisch stark schrumpfen. Aber was soll´s? Wir
sind ja schließlich nicht zum Spaß hier und somit konzentrierten wir uns
auf das Wesentliche an so einem Tag ... dem Nichtstun! Oh Mann, was fiel
uns das schwer. Der Tag wollte einfach nicht zu Ende gehen. Das
Quecksilber kratzte an der magischen „40°-Celsius-Marke“ im Schatten.
Die Hitze
zwang uns zu kriminellen Handlungen. Wir stiegen verbotener Weise ins
Wasser und verweilten dort für ein paar Minuten. Was tat das gut!! Am
späten Nachmittag brachte uns Loic einen erneuten Schocker. Der Damm sei
undicht und das Wasser würde unaufhaltsam aus dem See laufen. Wir trauten
unseren Ohren nicht und ich fragte mich, was ich in der Vergangenheit
angestellt haben muss, damit uns der liebe Gott so schlecht aussehen
lassen würde. Nach kurzer Zeit waren wohl alle Aufseher und Fischwirte aus
der nahen Umgebung am Brocard eingetroffen. Schnell wurde die undichte
Stelle lokalisiert. Die Lage entspannte sich, als festgestellt wurde, dass
das Wasser nicht ganz ablaufen könne, da sich die undichte Stelle kurz
unter der Wasseroberfläche befand. Eines war nun klar, wäre der Damm an
einer tieferen Stelle von den hier zahlreich ansässigen Fischottern
durchwühlt worden, dann wäre es sicherlich zu einer Katastrophe gekommen.
Durch die starke Hitze wäre das umsetzen der Fische unmöglich gewesen und
man hätte einem Fischsterben nicht aus dem Wege gehen können.
Professionelles Handeln der Crew ließ aber die schlimmste Befürchtung
weichen. Für uns lagen nun aber paar harte Tage vor uns. Zu der
Witterungsbedingten schlechten Lage stellte sich jetzt auch noch die
Frage, wie wird der Fisch den Wasserverlust wegstecken?
Der Fight der Giganten
Langsam kehrte Ruhe ein ... schnell ergriff uns die gewohnte Stille
des Brocard und wir genossen die Kühle der einziehenden Nacht. Zum ersten
Mal seit Ankunft brutzelten wir uns ein Abendmahl, welches mit einem
kühlen Bierchen doppelt so gut mundete. Armin und ich unterhielten uns bis
weit nach Mitternacht und entschieden dann, auf den Liegen gleich neben
den Ruten zu schlafen. Es war immer noch sehr warm und Regen war weit und
breit nicht in Sicht. Gut gesättigt und von der Hitze gezeichnet legten
wir uns gegen 1:00 Uhr auf die Liegen und es dauerte auch
nicht lange, da
schnarchten wir um die Wette. Doch ein Piep aus dem Pieper von Armin
ließen uns aufschrecken. Was geht ...? Beide schauten auf den Micron und
warteten sehenssüchtig auf einen weiteren Ton. Doch statt dessen bildete
ich mir ein, dass sich der Swinger doch tatsächlich einen Millimeter nach
oben bewegt haben könnte. Ich schlich von meinem Bedchair und kniete mich
neben dem Rod Pod. Ich ließ den Swinger keine Sekunde aus den Augen, als
dieser schon wieder ohne einen Ton der Bissanzeiger in Richtung Blank
wanderte.
Ohne zu zögern setzte Armin einen Anschlag, der auch gleich saß. Die
vierte Nacht ... der zweite Fisch. Der Fisch kam dem Druck von Armin sehr
schnell nach und schon nach wenigen Minuten schlossen sich die Maschen des
Keschers um seinen athletischen Körper. Als ich den Fisch aus dem Wasser
hob, schlug das Herz gleich schneller. Dieser Fisch war ein „Guter“ und
tatsächlich blieb der Zeiger der Waymaster bei exakt 15 Kilo stehen.
Gratulation Armin! Der Karpfen lag auf der Matte und nun kam das, was in
der Regel bei einem 15 Kilo Fisch halt kommen muss. Die Fotosession!
Frisch geschminkt und gestylt hockte sich der Armin vor den Karpfen und
hob ihn an. Die Fotos wurden mit einer Sony F 717 Digitalkamera gemacht.
Der Vorteil liegt nun in der Technik dieser Kamera. Bei herkömmlichen
Spiegelreflex und Digitalkameras mussten wir immer improvisieren, dass man
auch etwas vom Fisch und dem Fänger sehen konnte. Bei der F 717 schaltet
man die Nachtsichtfunktion ein und schon wird die Nacht zum Tage. Auf
Taschen- und Gaslampe kann nun verzichtet werden. Der Fisch bleibt ruhig
und fängt nicht an zu schlagen.
Nach der Fotosession durfte der Fisch zurück in sein Element. Nun wurde
die Rute eben noch mit einem neuen Red Bull von Euro Baits beködert.
Diesen hat Armin in der Mitte geteilt und mit einer dünnen Scheibe WS
Foarm zum schweben gebracht. Sollte diese Art der Präsentation zu weiteren
Fängen führen? Nach kurzer Überlegung einigten wir uns darauf, dass Armin
weiterhin mit dem Red Bull fischen sollte, ohne dass wir jetzt gleich alle
Ruten ebenfalls mit dem Köder bestückten. Nun, Armin legte die Rute erneut
aus. Keine 10 Meter vom Ufer entfernt. Lediglich ein Stringer führte zu
diesem schönen Fisch. Nach einer Tasse Kaffee legten wir uns wieder ab.
Mittlerweile hat sich die Luft auf angenehme 15 Grad abgekühlt. Ich hatte
das Gefühl, dass ich gerade erst die Augen geschlossen habe, als schon
wieder ein Piep aus den Bissanzeigern von Armin uns aufschrecken ließ.
Schon wieder fand ich mich kniend neben dem Rod Pod von Armin wieder.
Dieser stand schon für den Anhieb bereit ... doch es tat sich nichts mehr.
Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass schon wieder zwei Stündchen seit
dem letzten Fisch vergangen sind. Ja ja, so schnell vergeht die Nacht und
der Gedanke an den kommenden heißen Tag ließ mich die momentane Situation
genießen. Armin hat seine Haltung schon wieder gelockert, da setzte der Swinger seinen Weg zum Blank fort und tatsächlich zog der Fisch sogar so
viele Millimeter Schnur durch die Schnuraufnahme der Micron, dass ein
weiterer Piep ertönte. Armin nahm die Rute von Pod und setzte einen
heftigen Anhieb ... einen Anhieb in eine vermutliche Wand! Die Rute bog
sich komplett durch. Ich schaute Armin an und dieser mich. Was ist das?
Ein Hänger? Wir fingen gerade an, unsere Gedanken in Worte umzusetzen, da
kam der Hänger in Bewegung. Meter für Meter wurde Schnur von der Rolle
gezogen. Na endlich ... Armin hat in seiner letzten Nacht doch noch einen
der schon bekannten Größen aus dem Brocard gehakt. Klasse Sache! Die
Müdigkeit verschwand nun vollends und es war Genuss dem Armin bei seinem
Kampf zuzuschauen. Nach ca. 15 Minuten kamen aber schon einige Fragen auf.
Haben wir es da nicht doch mit einem Wels zu tun? Die Antwort war klar und
deutlich, denn Armin hat in seinem Leben schon einige Waller aufs Kreuz
legen können. „Nein, auf keinen Fall! Ich vermute, dass einer der ganz
großen Carps den Boilie genommen haben.“ Loic hat uns vor ein paar Stunden
noch erzählt, dass vier Fische über 25 Kilo im kleinen Brocard schwimmen
und dass in diesem Jahr noch keiner davon gefangen wurde. Na klar ...
Armin hat einen von den vieren und das machte die Situation noch
interessanter. 20 Minuten waren nun seit diesem vorsichtigen Biss
vergangen. Manchmal hatten wir den Eindruck, dass der Fisch mit Armin eine
Art „Armdrücken“ veranstaltet. Armin holte 6 – 7 – 8 Meter ein, da zog der
Große 9 – 10 – 11 Meter Schnur von der Rolle. Die Bremse fast auf Null
zugeknackt und trotzdem hörte man das Knattern der Feder. Es ist schon
verrückt, was da einem durch den Kopf geht. Hält das Material? „Verdammt
... monofiles Vorfachmaterial! Ich lockere etwas die Bremse! Ich habe
Angst, dass der Fisch das Vorfach sprengt.“ Kaum hat Armin eine viertel
Umdrehung an der Kopfbremse seiner Infinity getätigt, da zog der Fisch ab
wie ein angeschossenes Wildschwein. Meter für Meter und genau unter alle
noch im Wasser befindlichen Ruten. Klasse Sache das ... schoss es mir
durch den Kopf. Armin reagierte sehr gut und drückte die Spitze seiner
Rute unter das Wasser. Da ich die Stelle 3 sehr gut kenne, erinnerte ich
ihn an einen ca. 5 - 6 Meter langen Baum, der wohl bei einem starken Wind
stumpf ins Wasser gekippt ist. Das gefiel dem Armin überhaupt nicht und er
schraubte seine Kopfbremse zurück. Das leise Knistern der bis auf das
Maximum überdehnten Schnur hörte sich grausam an, doch der Fisch drehte
sich langsam um und folgte zum ersten Mal dem ungeheuren Druck von Armin.
Einige Augenblicke später befand sich der Fisch mal wieder in der Nähe des
Keschers. Gott, gleich haben wir
es geschafft. Der Fisch kam an die
Wasseroberfläche. „Ja, das war es dann wohl!“ rief Armin und tatsächlich
wurden die kommenden Fluchten immer kürzer. Endlich ... nach der aller
letzen Flucht konnte ich den Kescher unter den Fisch schieben. Wir haben
ihn und Armin legte total erschöpft von 40 Minuten Drill seine Rute auf
den Pod ab. Ausruhen ist nicht und so wurde die Abhakmatte mit Wasser
getränkt.
Es ist
soweit. Ich schaltete meine Kopflampe ein und hob den Kescher behutsam aus
dem Wasser. In meinem Strahl der Kopflampe traute ich meinen Augen nicht
und ließ laut lachend den Kescher zurück ins Wasser gleiten. Armin schaute
mich fragend an und er muss wohl an meinem Lachen erkannt haben, dass da
etwas Besonderes im Kescher liegen muss. „Armin, bitte hilf mir mal.“ Und
ich musste immer noch herzhaft lachen. Gemeinsam nahmen wir die
zusammengerollten Kescherbügel und hoben den Fisch aus dem Wasser auf die
Matte(n). Gratulation Nummer zwei, denn Armin hat den Seerekord ganz
sicher vor sich liegen. Das Metermaß zeigte 181 cm und die Wage ... ach
ja, meine geht ja nur bis 25 Kilo. Ein Franzose auf der 2 bekam das
Spektakel mit und hatte sich zwischenzeitlich bei uns eingefunden. Mit
seiner 50 Kilo Wage konnten wir den Fisch wiegen und der Zeiger pendelte
sich bei stolzen 43,5 Kilo ein. 43,5 Kilo ... was für eine Marke! Nach
einer netten Fotosession brachte Armin den Fisch höchst persönlich zurück
in den See. Die Nacht war für uns vorbei und wir genossen den
Sonnenaufgang und ließen diese „heiße“ Nacht noch einmal Revue passieren.
Schließlich fängt man nicht alle Tage einen Waller auf Boilie, aber in
diesem Fall liegt der Erfolg doch auf der Hand ... Red Bull verleiht
Flüüüügel! Tja, die Nacht geht und damit endet auch der Trip für Armin.
Doch noch Regen
Loic konnte den Fisch von Armin noch gar nicht richtig verarbeiten, da kam
er auch schon mit einer guten Nachricht, welche meine Hoffnung auf ein
paar Bisse mehr, steigen lies. Eine starke Gewitterfront sei im Anmarsch.
Starke Winde und Regen sollen eine erwünschte Abkühlung bringen.
Tatsächlich kam gegen Mittag starker Wind auf und mit dem Wind, der
komplett aus West Süd/West kam, zeigten uns die Carps, wo sie sich
vermehrt aufhielten. Nach ein kurzer Diskussion und einem Telefonat mit
Thorsten, packten wir das Tackle zusammen und movten auf die 4. Im
Handabschlag gaben sich Armin und Thorsten (Stiff Master) die Schranke in
die Hand. Nun mussten wir doch tatsächlich mit Regen rechnen. Bedrohliche
Wolken zogen über die Region und der Wind wurde teilweise zum Sturm.
An dieser Stelle möchte ich mich bei Euch verabschieden und übergebe das
Wort Thorsten Löw, mit dem ich nun noch weitere zehn Nächte am Domain de
Brocard verbrachte. Gleich nach meinem Dienst war ich von Heilbronn aus ins vollbepackte Auto
gestiegen und erreichte (mit 1000 Gedanken im Hinterkopf) nach 4,5 Stunden
endlich den Brocard. Heinz (Tuffi) hatte mir im Vorfeld erzählt, dass seit
einigen Stunden ein recht starker Wind direkt auf Stelle 4 stand. Dort
wiederum würden die Fische im Minutentakt springen. „Was meinst Du ?“ „Moven“
war meine eindeutige Antwort und war mir sicher, dass der Wind (Stärke
5-6) die Fische munter machen und an den Platz brin gen würde.
Als ich nach der schweißtreibenden Fahrt auf der Autobahn endlich am Brocard ankam staunte ich nicht schlecht. Das letzte Mal hatte ich dieses
Gewässer Ende März diesen Jahres befischt. Zu dieser Zeit war es
(abgesehen von den ca. 25 Grad C weniger) noch sehr karg. Jetzt blühte der
Wald um den See herum in einem dichten, satten Grün. Ich war überwältigt –
ein kleines Paradies lag vor mir.
Armin war so nett und wartete bis ich am See ankam. Schnell wurden die
neusten Infos ausgetauscht, bis Armin schweren Herzens seine Heimfahrt
antrat. Heinz bat mich etwas „Außergewöhnliches“ an Baits von zu Hause
mitzunehmen. Vor meiner Abfahrt wurden also noch kurz 5 Päckchen
Kichererbsen in mein Auto gepackt. Der langsam nachlassende Wind lies das
Aufbauen einigermaßen erträglich werden. Wir befischten die Uferregionen
und zwei der sechs Ruten fanden ihren Weg ins Freiwasser. Am eigenen Ufer
(in ca. 70 cm Wassertiefe) bot ich 2 Kichererbsen am Haar an. Die
restlichen Ruten waren mit Red Bull und einem Prototypen auf
Fischmehlbasis (Microwave) bestückt. Wir fütterten nur sehr wenig und so
kamen letztendlich pro Rute höchstens 10 Freebaits und einige Pellets zum
Einsatz, da die Fische insgesamt sehr lethargisch waren. Als die Sonne
endlich hinter dem Wald verschwand und es etwas kühler wurde, ließen wir
uns erleichtert in unsere Stühle sinken.
Bei 2 - 3 Bierchen unterhielten wir uns noch lange über die vergangenen
heißen und schwierigen Tage. Der Wind machte uns allerdings Hoffnung und
als Heinz mich fragte, welche Prognose ich für die kommende Nacht hätte,
gab ich unter anderem an, dass die Rute mit den Kichererbsen
wahrscheinlich einen Biss bringen würde (vermutlich aber erst gegen
Morgen). Mit einem „Bis später“ begaben wir uns kurz darauf auf unsere
Bedchairs und schliefen völlig erschöpft ein.
„...Piiiieeeeep...“ Ich wurde von einem schrillen Ton jäh aus dem Schlaf
gerissen. Ein kurzer Blick und ich war echt baff. Es war tatsächlich die
Particlerute am Ufer! Nach heftigem Drill konnte ich den ersten „besseren“
Schuppi aus dem See landen. Wir beschlossen gleich wach zu bleiben und
genossen an diesem herrlich frischen Morgen die Atmosphäre am See. Nach
einem ausgiebigen Frühstück konnte Heinz gegen 9:00 Uhr noch einen
Spiegler der 20 Pfd.-Klasse überlisten, welchen er kurze Zeit vorher
gezielt angeworfen hatte. Der Himmel blieb im Laufe des Tages wechselnd
bewölkt und es wehte ein mittelstarker Wind, welcher die Temperaturen
erträglich machte. Wir waren weiterhin sehr optimistisch, doch obwohl den
ganzen Tag über Fische an unserem Spot sprangen, konnten wir bis zum
nächsten Morgen keinen Fisch mehr landen.
Die Entscheidung
Nach der zweiten Nacht an diesem Spot und somit mittlerweile 24 Stunden
ohne Run, dem ausgebliebenen Regen und keiner Aussicht auf Abkühlung
beschlossen wir gegen Mittag, diesen See zu verlassen und die
verbleibenden 8 Nächte am großen Brocard zu verbringen. Die Woche zuvor
wurde zwar auch nicht wahnsinnig viel gefangen, jedoch schienen die
Voraussetzungen an diesem, mit großen Seerosenfeldern bewachsenen See
insgesamt bei der Hitze etwas besser zu sein. Im wahrsten Sinne im
Schweiße unseres Angesichts packten wir unsere beiden Autos voll und
begutachteten zunächst mal die Stellen an diesem ca. 16 ha großen
Gewässer. Da es erst Freitag war, die 4 Belgier aber schon abgereist waren
und die neuen Angler erst am nächsten Tag anreisen würden, hatten wir in
dieser Nacht den See ganz für uns allein. Nach längerer Überlegung stand
für uns fest: Bei diesem Wetter wird nicht mehr gemoved! Letztendlich
entschieden wir uns bei noch 3 freien Stellen für den Platz Nr. 8.
Dem Kreislaufkollaps gefährlich nahe tackleten wir im Zeitlupentempo
unsere Ausrüstung auf, um gegen Spätnachmittag die Flucht in den Wald
hinter unseren Zelten anzutreten.
Beim Ausloten stellte sich heraus, dass der Grund des Sees überwiegend
schlammiger Natur war, mit wenigen Ausnahmen in der Nähe der Seerosen.
Heinz plazierte seine Ruten links im Freiwasser und ich meine 3 auf der
rechten Seite am Rand der Seerosen.
Voller Hoffnung warteten wir auf den Anbruch der Nacht, von Fischen zu
diesem Zeitpunkt fast keine Spur. Der See lag in der Hitze da wie Blei. In
dieser Nacht lauschten wir etwas früher an unseren Kopfkissen mit
Monsterkarpfen und schönen Frauen (was sonst?) im Kopf.
Aus beiden wurde nichts und als gegen Morgen die Sonne aufging, hatten wir
erneut keine Aktion gehabt. Das gab es doch nicht! Womit hatten wir das
verdient? Alle Theorien, die uns durch den Kopf gingen, führten letztlich
zum immer gleichen ernüchternden Ergebnis: Ohne Wetterwechsel würde sich
an der Situation nicht viel ändern. Der französische Wetterdienst (der
laut Loic noch unzuverlässiger ist als die Post) meldete zwar
Wärmegewitter, von diesen blieb der Brocard jedoch weiterhin verschont.
Es war Samstag und somit der Tag der Anreise. Gegen Nachmittag wurde es
kurzzeitig etwas unruhig am See, da ein Engländer, zwei Franzosen, zwei
Holländer und ein deutsches Pärchen ebenfalls ihr Glück an diesem See
versuchen wollten. Gegen Abend schlenderte ich zu den zwei Deutschen
hinüber. Dort angekommen begrüßte ich sie mit einem freundli chen „Hallo!“
sekundenlanges Schweigen. „Wo kommt ihr her?“, kam schließlich von mir
die Frage. Man konnte den Beiden ihr Erstaunen ansehen, hatten sie wohl
nicht damit gerechnet, hier einen Deutschen anzutreffen. Die beiden waren
mir auf Anhieb sofort sympathisch und nach längerem Gespräch lud ich sie
für den nächsten Nachmittag zu einem kleinen Carptalk mit Kaffee zu uns an
den Platz ein.
Etwas später ging ich wieder zu unserem Platz hinüber. Heinz zauberte uns
ein Münsteraner Gericht namens „Hoppel Poppel“, welches trotz des
bescheuerten Namens hervorragend schmeckte (Respekt Heinz!). Nach längerem
Carptalk harrten wir in dieser Nacht erneut den Dingen, die da
(hoffentlich) kommen sollten. Gegen 7:00 Uhr des nächsten Tages wachte ich
auf und drehte mich frustriert nochmals auf die Seite. Ich war gerade
wieder richtig eingeschlafen, als meine Rute am kleinen Seerosenfeld
einige Piepser von sich gab. Den Puls auf 120 bis nicht mehr messbar
hechtete ich an die Rute und schlug an. Ja, das fühlte sich gut an! Der
Fisch kämpfte zwar nicht übermäßig, dennoch war ein schwereres Kaliber an
der Rute zu spüren, der langsam seine Bahnen zog. Wenige Minuten später
zog ich ihn über den Kescher. Wir freuten uns tierisch über unseren ersten
Fisch an diesem Gewässer und als sich die Waage bei etwas über 32 Pfd.
einpendelte, konnte ich mir ein „Yes“ und „strike“ nicht verkneifen.
Heinz freute sich mit mir, obwohl seine Nerven langsam nicht mehr die
Besten zu sein schienen, hatte er doch mittlerweile drei Moves bei dieser
Hitze und einen Blank an einem schwierigen Gewässern in France im Frühjahr
hinter sich und noch keinen erhofften „Biggie“ fangen können. Daher
entschloss ich mich, ihm den nächsten Fisch zu überlassen.
Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns nieder und so begaben wir uns (wie
jeden Tag) relativ früh in den geschützten Wald. Gegen 15:00 Uhr kamen
Maria und Chris zu uns herüber, die an ihrem Platz überhaupt keinen
Schatten hatten und ließen sich bei uns nieder. Wir redeten über Gott und
die Welt und Chris erzählte uns, dass er in der ersten Nacht zwei schöne
30-er landen konnte, wovon einer sein Personal best war. Super Start!
Mitten im Gespräch (es war so gegen 18:00 Uhr) pfiff erneut meine rechte
Rute am Seerosenfeld ab.
Wie elektrisiert spurtete ich aus dem Wald zu meinem Pod. Kurz davor
bremste ich und überlies Heinz den Vortritt. Bei sengender Hitze landeten
wir kurz darauf einen wunderschönen Spiegler mit 28 Pfd. Heinz war
sichtlich erleichtert und eine tonnenschwere Last schien (zumindest
teilweise) in diesem Moment von seinen Schultern gefallen zu sein.
Der Bann schien endlich gebrochen! Jeden Tag erwarteten wir ein heftiges
Gewitter, welches jedoch weiterhin auf sich warten lies. Die Fische bissen
nach wie vor nur sehr sporadisch und größere Beißpausen von 24 Stunden
oder mehr kamen vor. Am Abend des 4. Tages zogen endlich dichte
Gewitterwolken über den See. Eine Stunde lang ergoss sich ein wahrer
Prasselregen über den Brocard. Danach war wieder Schluss und der Himmel
war wieder sternenklar. Ob das ausreichte, um die Fische zum Fressen zu
animieren? Wir waren uns nicht sicher. In dieser Nacht bekam ich gegen
1:00 Uhr einen Run auf einem sinkenden Microwave-Prototypen, der zuvor in
Indian Spice gedippt war. Wieder stand der Fisch relativ schwer auf dem
Grund. Unsere Einschätzung bestätigte sich mit einem massiven 37-er Spiegler. Wahnsinn! Die Nacht verlief ansonsten ruhig und erst gegen
Mittag des nächsten Tages kam Heinz große Stunde. Er fing seinen ersten
Dreißiger in diesem See nach all den Strapazen: Ein Fisch mit knapp über
31 Pfd. Die Tage vergingen ähnlich wie zuvor. Tagsüber schmachtete man im
Schatten, wobei Sonnencreme und literweise Getränke die besten Freunde
waren und wartete auf den Abend. In den letzten 2 Tagen wurde es etwas
kühler und windiger, jedoch immer noch zu wenig, um den großen Durchbruch
zu bringen. Wir fingen bis zum letzten Morgen noch 2 weitere Fische mit
Ende 20. Nach der letzten Nacht saßen wir morgens bei unserem letzten
Kaffee. Wir wollten gerade beginnen abzubauen, als eine Rute im Freiwasser
abging. Wir schauten uns ungläubig an. Dem Wahnsinnsrun folgte ein harter
Drill und ein gelungener Abschluss der Session lag auf
der Matte (mit 22 Pfund der Leichteste von uns aus diesem See).
Nachdem wir alles abgebaut hatten, fuhren wir noch in den nächsten Ort, um
ausgiebig zu duschen und annähernd wieder wie Menschen auszusehen und
trafen uns zum Abschluss noch in einer Pizzeria in Montier en Der, bei der
sich fast alle Angler der kommenden Woche zu einer netten Runde
zusammenfanden.
Resumee
Abschließend noch einige Infos zum See:
Der große Domain de Brocard hat 16 ha und 7 Stellen, die jeweils für
maximal 2 Angler ausgelegt sind. Momentan schwimmen dort ca. 400 Karpfen
bis über 50 Pfund, einige Graskarpfen und ein paar kleinere Störe. Was
trotz des guten Bestands nicht vergessen werden sollte, ist der enorme
Angeldruck an diesem Gewässer. Die Fische lernen sehr schnell und zu
bestimmten Zeiten ist etwas weniger Futter sicherlich von Vorteil. Man
kann nie sagen, was und wie viel der Vorgänger gefüttert hat- deshalb
anfangs lieber etwas weniger füttern. Wir fingen unsere Fische fast alle
auf Singlehookbaits (meist pop-ups) oder fischige Microwaves, wobei man
ganz klar sagen muss, dass die Fische in der Woche aufgrund der extremen
äußeren Bedingungen nur sehr sporadisch fraßen. Das beste Beispiel für
übermäßiges Füttern war der Engländer neben uns. Er fütterte von Anfang an
ziemlich stark und fing (trotz der vielen Fische auf seinem Spot nur 3
Fische). Ganz gut liefen Dips in Spicerichtung. An einigen Stellen am See
können die Seerosen zum Problem werden (v.a. weil Schlagschnüre und Boote
verboten sind). Einige Fische sind bei anderen Anglern auf diesem Weg
leider verloren gegangen. Insgesamt wurden in der Woche ca. 25 Fische (von
8 Anglern) gefangen. Etwa die Hälfte davon war über 30 Pfd. schwer. Der
schwerste in der Woche war der 37-er. Für diese „Saure Gurkenzeit“ immer
noch ein ganz akzeptables Ergebnis.
Zu guter letzt möchte ich mich noch bei meinem Mitschreiber Heinz
bedanken, mit dem ich (trotz der Strapazen) einen wahnsinnig schönen (und
v.a. lustigen) Trip erleben durfte – hab jetzt noch `nen Waschbrettbauch
vom Lachen. Unser Dank gilt auch wieder der Firma Eurobaits, die uns mit
Baits für den Trip versorgten. Heinz und ich haben hoffentlich bald ein
paar neue Mixe für Euch!
Herzlichst grüßen möchte ich noch die beiden netten Deutschen – Chris und
Maria. Wir haben selten so nette, sympathische Leute am Wasser kennen
gelernt! Macht weiter so und Chrissi: Der nächste Francetrip kommt
bestimmt! Unsere Grüße gehen auch an die Carp Mafia Rhein-Main und Carp
Section Luxemburg. War echt klasse mit euch in der Pizz!
Für uns steht eindeutig fest: Uns hat dieses Gewässer nicht zum letzten
Mal gesehen (vielleicht das nächste Mal bei etwas gemäßigteren
Temperaturen).
Es grüßen Euch (and many big carps),
Heinz Kersten und Thorsten Löw (www.cipro.de)
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