Nach 500 Metern in der Kurve rechts abbiegen … So stand es in der Wegbeschreibung geschrieben. Es waren keine 500 Meter bis zur nächsten Kurve, sondern 1000 Meter. Wir bogen ab und vor uns lagen keine Seen! Dafür glotzten uns einige Kühe blöd an und nun ging die Suche los. Wo sind die Seen? Wir fuhren die Straße zurück. Im letzten Augenblick sah ich durch das Grün der Bäume einen offen stehenden Schlagbaum. Auf die Bremse, den Rückwärtsgang rein und schaue da … Sind wir am Ziel? Keine Schilder, aber auch wirklich kein Hinweis auf die von uns gesuchten Seen. Wir ließen den Schlagbaum hinter uns. Ein Schotterweg, kaum breiter als 3 Meter führte uns durch den Wald. Plötzlich lag er links neben uns. Ein See und was für einer. Wir hielten an und stiegen aus dem Wagen aus. Vor uns lag ein Holzsteg. Hier müssen wir richtig sein. Die Schönheit der Lage ließ uns im Inneren hoffen. Lass uns bitte am Ziel sein. Wir folgten dem Weg weiter. Nach einigen Metern stand ein Kleinwagen vor uns. Zwei Männer arbeiteten schweißtreibend an einem Holzsteg. Wir verließen das Auto erneut und erkundigten uns nach dem Namen des Sees. Willkommen am Domaine de Brocard. Wir waren am Ziel. In der Beschreibung des Brocards wurde die unbeschreiblich schöne Lage der 2 Seen beschrieben. Doch warum wurde so dermaßen untertrieben? Auszug aus der Beschreibung vom Domaine de Brocard hieß: Domaine de Brocard ist ein ehemaliges Jagdgebiet von ungefähr 300 ha Größe mit viel Wald und zwei Seen. Die Anlage liegt zwischen dem Lac du Der und dem Foret d´Orient. Hier herrscht absolute Ruhe. Der erste See hat 12 ha und vier Stellen. Der zweite See hat 16 ha und acht Stellen. Quelle: www.carpinfo.com

Anreise war von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Wir hatten also noch reichlich Zeit, um die Umgebung zu begutachten. So fuhren wir nach Montier-en-Der. Dort erkundigten wir uns nach einem Supermarkt und einem vernünftigen Restaurant. Wir haben sieben Tage Urlaub vor uns und dieser soll nach Möglichkeit auch dementsprechend beginnen. Nachdem wir uns beim Pizzabäcker gestärkt hatten, fuhren Oli und ich zum du Der. Dort wurden wir Zeuge einer atemberaubenden Fotosession eines 25 Kilo Karpfen. Ein Traum von Fisch! Der du Der führte sehr wenig Wasser und somit wurde zum ersten Mal der Grund des du Der für uns sichtbar. Wir verbrachten sehr viel Zeit mit der Situation vor Ort und machten uns reichlich Notizen über Sandbänke, Häuserruinen und anderen verlockenden Spots. Doch nun wurde es aber auch Zeit unser eigentliches Ziel, den Domaine de Brocard aufzusuchen und mit unserem Urlaub zu beginnen. Von Montier-en-Der fuhren wir in Richtung Brinne-le-Château. Im Ort Epothemont fuhren wir die erste Möglichkeit rechts ab. Laut Wegbeschreibung sollten wir in der ersten Kurve rechts abbiegen. Mit dem Begriff „Kurve“ war allerdings eine „Senke“ gemeint und am tiefsten Punkt der Senke ging rechts ein kleiner Schotterweg in den Wald. Nach der ersten Kurve kommt der Schlagbaum. Wenn Ihr Euch in Zukunft an diese Beschreibung haltet, dann braucht Ihr nicht lange suchen. Auf Wunsch versenden wir einen detaillierten Kartenausschnitt von der Region. Voraussetzung, dass Ihr uns eine Emailadresse nennen könnt. Die beiden Männer waren mit den Arbeiten am Steg fertig und somit konnten wir bis zur mobilen Anglerzentrale durchfahren. „Mobilen Anglerzentrale?“ So stand es geschrieben  und es handelt sich hierbei um einen großen Wohnwagen. Dort wurden wir von zwei Mitarbeitern (Franck und Luic) freundlich empfangen. Während die Formalitäten erledigt wurden, mussten wir eine längere Latte von Verboten und Vorschriften über uns ergehen lassen. Im ersten Moment fühlte man sich gedemütigt doch am Ende erfüllten wir jeden einzelnen Punkt und viele der Vorschriften sind für uns Karpfenangler selbstverständlich. Da die Vorschriften ausnahmslos kontrolliert werden, möchte ich die wichtigsten hier einmal nennen.

Eines möchte ich vorweg nehmen. Erfüllt Ihr diese Anforderungen ausnahmslos, so werdet Ihr zu keiner Zeit in ein Bedrängnis geraten. Allein im eigenen Interesse wäre darauf zu achten. Fangen wir mit der Anzahl der Angler an. In der Regel wird mit zwei Anglern von einem Steg aus gefischt. Der kleinere See wird „nur“ von einer Seite aus befischt. Alle Stellen sind mit dem Auto zu erreichen. Nach dem Entladen muss das Auto zur mobilen Anglerzentrale gefahren werden. Dort sind reichlich Parkplätze vorhanden. Zu jedem Steg gibt es ein Mountainbike. Somit ist das Thema Flexibilität erledigt. Zu jedem Angler gehören „ohne Ausnahme“ folgende Ausrüstungsgegenstände. Unterfangkescher, Abhakmatte der Firmen CIPRO, Pelzer oder ähnliche. Die Matten müssen mindestens 100 cm lang sein und mit Styropor gefüllt sein. Die dünnen Matten der Firma Hutchinson und Fox werden nicht akzeptiert. Karpfensäcke sind strengstens verboten. Wird ein Gast beim Einsacken eines Fisches erwischt, so muss dieser mit dem sofortigen Verweis vom Gelände rechnen. Jeder Angler hat eine Kopflampe mit sich zu führen. Als Wiegesack kommt bis jetzt nur der Safety Weigh Sling von der Firma Fox in Betracht. Pro Angler sind drei Karpfenruten erlaubt. Eine vierte Rute ist lediglich zum Stippen erlaubt. Der Domaine de Brocard hat einen großen Bestand von K1 und K2 Karpfen und hier macht das Fischen mit der Flocke noch besonders Spaß. Jetzt kommen wir zu einem sehr heiklen Thema. Der Haken! Die Tragkraft des Vorfaches muss geringer sein, als die der Hauptschnur. Dies versteht sich wohl von ganz allein und viele deutsche Vereine praktizieren dies schon seit Jahren. Es sind nur einfach Haken ohne Widerhaken erlaubt. Das Abkneifen des Widerhaken wird nicht geduldet und ist verboten. Vor Ort können bei den Betreuern neue Haken geordert werden. Während unseres Aufenthaltes am Brocard besuchte uns der Sohn des Besitzers. Paul Bachelier zeigte uns 6 Haken, welche er kurz zu vor bei 2 Österreichern in Einsatz sah. Der Haken hatte an der Hakenspitze drei Widerhaken. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Kaum zu glauben, dass es wirklich Karpfenangler gibt, die mit solchen Killerhaken auf die Jagd gehen. Die Österreicher erhielten eine mündliche Verwarnung und wurden in den folgenden Tagen des öfteren kontrolliert. Wir haben die Haken fotografiert und stellen die Fotos auf unserer Internetseite aus.

Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, machten wir uns auf den Fußweg und schauten uns den zweiten See an. Ein ca. 16 ha großer See lag nun vor uns. Große Seerosenfelder schienen das Fischen vorerst zu erschweren. Schlauchboote und ferngesteuerte Boote sind am Brocard nicht erlaubt. Jede Angelstelle ist mit dem Auto zu erreichen. Bei länger anhaltendem Regen wird der eine oder andere sicher ein paar Probleme mit der Wegbeschaffenheit bekommen. Aber auch dafür wurde eine Lösung gefunden. Ein großer Trolli steht für solche Situationen bereit. Einige Stellen befinden sich mitten im Wald. Jede dieser Stellen hat einen eigenen Holzsteg. Auf diesen ist Platz genug, um zwei Zelte aufzubauen. Eine saubere Lösung. Bis auf die Seerosenfelder gibt es kaum Hindernisse im Wasser. Während wir uns die Lage des Sees anschauten, bezogen zwei Österreicher den Platz 10. Nach kurzem smal talk verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zu unserer Stelle. Mit einem leichten Grinsen begutachteten wir den Platz, an dem wir nun sieben Tage und sieben Nächte verbringen würden. Da am Ufer kein Platz für die Zelte vorhanden war, wurde eine ca. 130 cm breite und fünf Meter lange Holzbrücke über einen mit Wasser gefüllten Begrenzungsgraben gelegt. Der Waldboden wurde mit Schotter planiert und ermöglichte ein sauberes Aufbauen der Zelte.

Irgendwie hatte die Stelle etwas „romantisches“ an sich.  Nach einer kurzen Diskussion war die Platzwahl perfekt. Olav entschied sich für die rechte Seite und ich hatte einen auf der anderen Seite des Sees ins Wasser gestürzten Baum ins Visier genommen. Beim Aufbauen der Ruten rollte sich am Baum ein schöner Carp. Ich entschloss mich dazu, mindestens eine Rute über die ganze Woche an diesem Spot zu fischen. Am Tage ist es nun wirklich kein Problem auf 80 - 90 Meter genau zu werfen. Doch wie bekommen wir das Futter auf die andere Seite? Zuerst versuchten wir mit Stringern zu werfen. Oli war mit seinen 3,5 lbs Ruten gut bestückt und die ersten Würfe gingen auch tatsächlich noch ein Stückchen weiter … Doch ich hatte da meine Problemchen. Ohne Stringer kam ich bis zum Spot. Mit dem Wurfrohr versuchte ich die andere Seite zu erreichen. Fehlanzeige! Erst mit der Unterstützung des Windes, konnte ich die Boilies bis auf 3 Meter an den Baum werfen. Die anderen Ruten verteilte ich im Freiwasser. Olav und ich versuchen immer wieder etwas Neues. Im Frühjahr hatte ich Boilies von Broxtermann auf meiner Ebro Tour dabei. Leider waren die damaligen Umstände sehr schlecht und ich kam nicht in den Genuss, die Murmeln von Kluse nach allen Regeln der Kunst zu versuchen. Dies sollte sich aber mit dieser Session ändern. Aus diesem Grund haben wir uns erneut mit den unterschiedlichsten Produkten der Firma KB Products eingedeckt. Hey, das ist ja Werbung. Yep, das ist Werbung. Wir haben schon einige Boiliehersteller versucht und warum soll man ein Produkt, mit dem man doch erfolgreich war/ist, der Öffentlichkeit vorenthalten?? Wer weiß, welchen Bait wir im nächsten Jahr fischen werden?!

Wir hielten uns mit dem Füttern sehr stark zurück.  Zwischenzeitlich wurden wir von vier holländischen Kollegen in die Zange genommen. Dies ließ unsere erste Euphorie gleich um ein ganzes Stück schrumpfen. Aber … wir haben Urlaub. Diesen werden wir genießen … mit oder ohne Fisch. Es dauerte noch seine Zeit, bis das wir uns auf die Stühle sacken lassen konnten und unsere erste Dose Bier in den Rachen gossen. Aber dann klingelte doch tatsächlich das erste Mal der Micron. Schaue da, das ging aber flott. Rechte Rute! Die Montage liegt am Baum. Es blieb beim einzigen Pieper und ich beobachtete wie so oft den Swinger. Dieser bewegte sich ganz eben nach oben und ich setzte den Anschlag. „Sitzt …!“ Die Rute bog sich zum Halbmond. Ohne größeren Widerstand, zog ich den Fisch vom Baum. Langsam aber stetig zog der Fisch nach links ins Freiwasser. Durch den permanenten Druck, erahnte ich die vermutliche Größe des Fisches. Komisch … kein Flattern in den Beinen. Was ist nur los? Kurz vor dem Kescherbügel gab Onkel Kuno noch einmal alles. Satan, damit hatte ich beim besten Willen nicht mehr gerechnet. Ahhh … jetzt hatte ich auch wieder dieses Flattern in den Beinen. So soll´s sein! Das Kampfschwein ließ den Zeiger der Waage auf 18,5 Kilo einpendeln. Wir fotografierten den Fisch noch im hellen und setzten ihn behutsam zurück. Ganz langsam … aber wirklich gaaanz langsam, schwamm der Fisch in Richtung Seemitte. Was für ein Abschied am Anfang einer Session. Prost Oli!

Somit verabschiedete sich ein sehr schöner Tag. Die Sonne verkroch sich hinter den hohen Bäumen auf der anderen Seite des Sees. Kaum waren die letzten Sonnenstrahlen verschwunden, wurde es merklich kühler. Wir saßen vor unseren Zelten und tranken den wohl beliebtesten Cappuccino „Wiener Melange“ von Onkel Albrecht. Im Hintergrund säuselte das Radio. Französische Schmusesongs und das schummrige Licht unserer Gaslampe, ließen uns philosophieren. Solche Gewässer müsste es in Deutschland geben. Gibt´s die? Die Nacht kam zügig. Es wurde sehr, sehr dunkel. Es wurde so dunkel, dass man seine eigene Hand vor Augen nicht sehen konnte. Wir saßen mitten im Wald. Der See war von dichten Bäumen umgeben. Irgendwie kam die Müdigkeit über uns. Wir bereiteten alles für die Nacht vor. Kopflampe dort hinhängen, wo man sie sofort ergreifen kann, wenn der nächste Fisch an den Boilies nicht vorbei schwimmen kann. Dann kam die Frage auf, wie man die Brücke etwas sicherer machen könnte. Wir konnten uns sehr gut vorstellen, dass wir uns in die Schlafsäcke zurückziehen würden und in null komma nix in das Land der Träume fallen würden. Wenn dann irgendwann der Micron brüllen würde … rennst Du wirklich über die Brücke? Oder rennt man im Schlaf erst einmal geradeaus? Das wäre fatal. Sicher auch amüsant, doch bevor sich einer die Knochen brechen würde, legten wir zwei Knicklichte auf die Brücke. Kaum lag ich im Schlafsack, draußen war es nun schon ein Grad unter Null, war ich hell wach. War da was? Da war doch was! Ich war sofort hellwach und meine Lauscher registrierten jedes Geräusch. Mittlerweile hörte ich das leichte Schnarchen von Olav. Der Typ kann aber auch immer und überall. Knack … das war gleich hinter meinem Zelt! Ich stellte fast das Atmen ein. Dafür hörte ich Schritte. Diese gingen unmittelbar an unseren Zelten vorbei. Ich erstarrte und langsam zog ich den Schlafsack immer weiter über mein Gesicht. Durch das schrille Pfeifen meiner Micron wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Schlafsack auf, Schuhe an und beim Losrennen noch eben den Griff zur Kopflampe … welche ich, wie soll´s auch anders sein, knapp verpasste. Beim Laufen hörte ich lautes Stöhnen aus dem Zelt von Olav. Warum soll es dem besser gehen als mir?! Die Brücke habe ich ohne große Probleme im dunklen überstanden. Doch kurz vor den Ruten … -2 Grad und der Steg war feucht … verabschiedeten sich meine Beine und ich lag wie so ein oller Kartoffelkäfer auf dem Rücken. Nun könnt Ihr Euch sicher das laute Lachen meines lieben Kollegen vorstellen! Dieses Lachen hallte über den ganzen See und es schien mir so, dass er gar nicht mehr aufhören wollte. Mit einem leichten Brennen am Gesäßteil hob ich die rechte Rute vom Pod und setzte den Anhieb. Dem Fisch schien der Anhieb wohl nicht die Bohne zu interessieren und so nahm er Meter für Meter Schnur von der Rolle. Diese Situation ließ sogar Olav verstummen. Oli rannte zurück zu den Zelten und kam mit Fotoausrüstung zurück. Auch an meine Kopflampe hatte der Gute gedacht. Der Himmel war sternenklar. Kurz blieb mein Blick am Himmel hängen. Der Fisch gab sich nur sehr zögernd geschlagen. Langsam konnte ich die zuvor von der Rolle gerissene Schnur wieder zurück gewinnen. Draußen auf dem See hörten wir einen lauten Schwall. „Das muss er sein … rief ich Olav zu. In der Regel lassen Olav und ich das Licht bis zum Schluss aus. Doch solch eine Situation hatten wir beide noch nie erlebt und ich bat Olav seine Kopflampe auf das Wasser zu richten. Tatsächlich war der Fisch noch einige Meter vor dem Steg. Irgendetwas schien nicht zu stimmen. Im gedämpften Licht konnte ich schemenhaft den Verlauf meiner Schnur sehen. Diese ging leicht nach links obwohl der Fisch leicht rechts von mir an der Wasseroberfläche am wälzen war. Die Schnur hatte sich irgendwo verfangen. Ich überlegte keine Sekunde, wäre im Nachhinein sinnvoller gewesen. Ich sprang vom Steg in den See. Die Rute immer noch in der Hand. Sch…., war das kalt! Zu meinem Glück hat sich die Schnur sehr schnell lösen könne und der Fisch war nun wieder frei. Vorsichtig zog ich den Fisch über den von Oli geführten Kescher. Ich kroch aus dem Wasser. Mir war sau kalt. Olav hatte schon wieder dieses dämliche Grinsen aufgesetzt. Man, was kann der Mann nerven! Mit einem Eimer voll Wasser befeuchtete ich die Matte. Nun ist es soweit. Ich löste die Kescherarme und rollte das Netz auf den Stangen zusammen. Irgendwie bekam ich das Netz nicht aus dem Wasser. Ja, ja … es hat schon etwas länger gedauert bis ich geschnallt habe, dass der Fisch noch eine Nummer größer war als der erste am Nachmittag. Die Waage blieb diesmal bei 21,5 kg stehen. Geil! Ist das eine Nummer! Begeistert, und mir war plötzlich gar nicht mehr kalt, ließ ich mich von Olav mit dem Fisch ablichten. Nachdem ich den Fisch in die Freiheit entlassen hatte und das Material wieder seinen Platz gefunden hatte, schlug ich Olav vor, mit mir eine heiße Tasse Kakao zu schlabbern. Kaum zu glauben. Wir waren noch keine 12 Stunden am Wasser und meine erste Klamottengarnitur war mit Fischschleim und Dreck eingesaut. Wie soll das hier nur weitergehen?

Langsam kehrte wieder Ruhe ein. Im Hintergrund säuselte schon wieder das Radio von Olav. Muss wohl ein Schmusesender gewesen sein. Ich erkundigte mich bei Olav nach den Schritten im Wald. Olav schaute mich sehr nachdenklich an und irgendwie gab er mir das Gefühl, mich nicht für voll zu nehmen. Na gut, war ja auch ein anstrengender Tag. Wer weiß, was ich gehört hatte?! Hmm, er kann ja auch recht haben und wir verkrochen uns ein weiteres Mal in die Schlafsäcke. Diesmal ging es auch ruck zuck und ich hatte noch nicht einmal das Schnarchen von Olav wahrnehmen können. Gegen 9:00 Uhr wurde ich durch das Säuseln eines Vier-Zylinders geweckt. Luic, einer der Betreuer, brachte uns die bestellten Croissants und Baguetts. Wir erzählten ihm von unseren ersten Fischen. Da Olav bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal einen Pieper wahrnehmen konnte, versuchten wir mit Händen und Füßen, mehr über den See zu erfahren. Wir wollten wissen, warum auf der rechten Seite nichts ging. Luic konnte uns keine plausible Erklärung geben und somit standen wir wieder da mit unseren drei Problemen. Ich hatte Fisch … Oli wollte Fisch … und die Schritte hinterm Zelt. Nachdem Frühstück kontrollierten wir alle Ruten. An allen Ruten waren die Murmeln noch vorhanden. Wäre es jetzt schon zu früh, den Erfolg oder Misserfolg am Bait fest zu machen? Beide Fische bissen auf einen Boilie. Dieser war mit Kot-ze und Bloodworm Stinker geflavourt. Auf den anderen Ruten hatten wir den legendären Himbeer-Sahne und Mega Scopex in Verbindung mit einem Pop up (Snowman). Lag es am fischigen Bait? Wir wollten uns nach der ersten Nacht nicht verrückt machen lassen. Trotzdem köderten wir von nun an zwei Ruten mit den Stinke-Boilies, und der Himbeer-Sahne wurde vorerst ausgemustert. Der Tag verlief sehr ruhig. Immer wieder sah man auf dem See einige Karpfen rollen. Am frühen Nachmittag unternahmen wir eine Unterstunde. Was für ein Wort?! „Es gibt keine Session ohne Unterstunde“ meinte Olav und verkroch sich ins Zelt. Warum eigentlich nicht und ich legte mich auch auf die Liege und schloss meine Augen. Sofort erinnerte ich mich an diese Schritte der letzten Nacht hinter meinem Zelt. Schon wieder war ich hellwach. Ich stand auf und begutachtete die nahe Umgebung hinter den Zelten. Es war nicht möglich, 20 Meter in den Wald zu gehen. Umgestürzte Bäume aus den letzten 100 Jahren machten den Wald unbegehbar. Es waren auch so keine Spuren zu erkennen. Wer weiß, vielleicht hatte ich alles nur geträumt?

Am späten Abend, es war gegen 21:00 Uhr piepte mein, wie kann es auch anders sein, rechter Micron. „Auf ein neues“ dachte ich mir und nach kurzem Drill konnte ich einen schönen Spiegler landen. Nach einer kurzen Fotosession stand ich schon wieder am Steg. Nicht um meine Rute auszuwerfen, sondern um einen anderen Fisch zu drillen. Dieser nahm den stinkenden Bait aus dem Freiwasser. Olav hatte bis dato immer noch keinen Piepser. Ich kam mir schon mies vor und nachdem der Fisch ordentlich versorgt wurde, machte ich Olav den Vorschlag, den nächsten Fisch zu drillen. Den Vorschlag wies er mit der Begründung „auch seine Stunde würde noch kommen“ zurück. Nun stand es 4:0. Es folgte ein feucht fröhlicher Abend. Lecker Bierchen und die schmusigen Klänge der Celine Dion ließen uns die letzten Jahre Revue passieren. Lang nach Mitternacht zog es uns in die Zelte. Es wurde ruhig … mit dem Löschen meiner Gaslampe wurde es dunkel … dunkel und sehr still. Vereinzelt hörte man die von den Bäumen fallenden Eichen auf den Boden schlagen. Auch ein Uhu war aus der Ferne zu vernehmen. Aber da war es schon wieder! Es knackste und ich hörte sie erneut. Keine Frage, es sind Schritte. Diesmal  kamen die Schritte aus der Richtung von Olavs Zelt. Die Schritte waren gleichmäßig und fest. War es Olav? Bier treibt und so oft wie Olav im Laufe des Abends schon gelaufen ist, könnte es sein. Als ich aufwachte, war die Nacht vorbei. Die Sonne kämpfte sich durch dichten Nebel. Es schien ein schöner Tag zu werden. Während des Frühstücks konnte ich einen weiteren Karpfen auf die Matte legen. Nummer fünf. Warum war die Nacht so ruhig? Oli erzählte mir von einer kleineren Piepaktion seines Bissanzeigers. Der Anschlag ging aber leider ins Leere und somit war Olav immer noch ohne Fisch. Trotzdem war die Aktion von der letzten Nacht und die am Morgen an einem der stinkenden Baits erfolgt. Aus diesem Grund ließen wir vom süßen Bait von nun an ganz ab. Wir gingen noch einen Schritt weiter und packten die Dose IBM (Insectus BetaMino) aus, die uns Kluse so empfohlen hat. Das Zeug stank noch schlimmer als die Boilies. Aber dafür ist Herr Broxtermann ja nun wirklich bekannt. Das Zeug muss nicht nur schmecken, nein, es soll auch stinken. Auf der Dose stand: Türkish Delight ist besonders für Langzeitmixe auf Fisch Basis oder High Protein Mischungen geeignet. Ein echter Sommer und Winter Catcher. Ideal auch für Welse, Barben, Schleien, Monster Brachsen etc. Hihi, Türkish Delight, was für ein Name?! Nun, wir legten jeweils eine Rute mit diesem super Puder (Achtung: Ironie) aus. Wenn ich ehrlich bin, sah schon viel versprechend aus. Je öfter man den Bait in dem Puder wälzt, desto dicker wird die Schicht des IBM´s auf dem Boilie.

Mittlerweile sprachen sich die guten Fangerfolge am See herum und wir bekamen öfters Besuch von unseren holländischen Kollegen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Fisch unter 15 Kilo. Olav hatte noch immer eine 0 auf seiner Fangstatistik. Bei den Holländern zu meiner linken Seite lief es wohl etwas besser. Dort wurden auch schon ein paar Fänge gemeldet. Doch die Kollegen zu Olis rechten Seite hatten auch keinen großen Erfolg. Nach drei Nächten konnten die Jungs erst zwei Carps überreden deren Bait zu kosten. Ansonsten wurde sehr gut geschlafen. Ein weiterer Tag schien sich dem Ende zu nähern und ich bot Olav nach einer weiteren, fischlosen Nacht an, die Pods zu tauschen. Olav nahm meinen Vorschlag an und seine Miene wurde langsam aber sicher auch wieder etwas freundlicher. Am Abend durfte ich zwei weitere Fische über meinen Kescher führen. Einen Fisch am Baum und der andere, oh schaue da, auf das Püderchen vom Kluse. Ich legte die gleiche Kombination erneut aus. Nun wollten wir auch gerne wissen, ob es nur ein Zufall war oder hat das Puder doch eine bestimmte Anziehung auf den Fisch. Gegen 1:00 Uhr piepte, Gott sei Dank, der Micron von Olav. Zwar nur ein-, zweimal, aber immer hin. Olav setzte einen gekonnten Anhieb (ich befürchtete, er habe es schon verlernt) und nach kurzem Drill … ja … lag ich am Boden! Da hat sich der Schuppi tatsächlich einen 20er Stinker, der vorher noch in unzähligen Vorgängen mit dem IBM behandelt wurde und somit die Größe eines Ping-Pong-Balles ereichte, genommen. Darf doch alles nicht wahr sein, dachte ich mir. Das Lustige an der Sache war, der Schuppi wog knappe 200 Gramm. Ehrlich! Immerhin, Olav war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr blank. Nach diesem Fang wurde erst einmal heißer Kakao zubereitet. Die Nächte waren alle sehr kalt. Doch durch den Wald wurden wir von dem im Morgengrauen aufkommenden Nebel verschont. Gegen die Kälte kann man sich bekanntlich schützen … von innen und von außen, gelle Dede?!

Ich weiß nicht wie lange ich schon im Schlafsack lag. Ich hörte schnelle Schritte und ein lautes Poltern. Sofort fing ich an zu grinsen und stellte mir vor, wie Olav auf den Weg zum Pinkelbaum sich hinlegte. Doch was war das, ich hörte links neben mir Olav leise lachen. Wenn Olav links neben mir lachen kann, dann frage ich mich, wer verdammt hat sich vor den Zelten gerade auf die Nase gelegt?! Zudem waren die Schritte nicht verschwunden. Leute, langsam aber sicher bekam ich ein unwohles Gefühl in meiner Magengegend. Ich kroch so leise wie nur möglich aus meinem Schlafsack. Vor den Zelten waren die stampfenden Schritte immer noch zu hören. Aus dem Zelt von Olav hörte ich einen Reißverschluss. Verdammt, wer war in unserem Lager? Werden wir bestohlen? Oder vielleicht doch nur kontrolliert? Mir soll es egal sein … wir wollen unsere Ruhe, denn wir haben Urlaub. Mit meiner Kopflampe in der Hand schlich ich langsam zum Eingang. Ich konnte lediglich den Rauch des Atem erkennen. Ich war hell wach. Verdammt, ich kam mir vor wie imblair witch project“. Ich zählte von drei runter und mit einem Sprung stand ich vor meinem Zelt. Die Ereignisse überschlugen sich. Gleichzeitig muss Olav fast identisch gehandelt haben und im Schein der Taschenlampe sah ich mit einem Stockmaß von ca. 160 cm, ein Wildschwein von hinten. Nun könnte ich an dieser Stelle fragen, wer von uns dreien hat sich wohl mehr erschrocken?! Olav … meine Wenigkeit oder das Monster von Wildschwein. Die Nacht war gelaufen. Oli und ich konnten an Schlaf nicht mehr denken. Ganz im Gegenteil. Olav hat den Bann des Nichtsfängers durchbrochen und zog in dieser Nacht drei wunderschöne Fische. Den letzten Carp zog er aus dem dichten Nebel. Was waren das für Augenblicke. Aber genau diese Momente machen das Leben doch lebenswert.

Wir näherten uns unaufhaltsam dem Ende eines unbeschreiblich schönen und aufregenden Urlaubs. Was haben wir doch gelacht und nach vielen Tagen ohne Dusche auch gestunken. Aus diesem Grund leben wir das Karpfenangeln nach allen Regel der Kunst.

Die Sonne stand am höchsten Punkt des Himmels und ein PKW parkte vor unseren Ruten. Ein Mann stieg aus dem Wagen und grinste uns an. Irgendwo habe ich diesen Kerl doch schon einmal gesehen. Der Mann begrüßte uns und stellte sich vor. My Name is David Payne…, aha … jetzt wusste ich auch woher ich das Gesicht kannte. David ist in England eine große Nummer. Er erzählte uns, dass er vor einigen Monaten nach Frankreich gezogen sei und nun für Patrick Bachelier tätig sei. Im gleichen Atemzug bat er uns, jeweils eine Rute einzuholen, um diese zu kontrollieren. Wir gingen zusammen zu den Ruten und kurbelten jeweils eine Rute ein. Nachdem David die Rigs und die montierten Haken für „gut“ befunden hatte, unterhielten wir uns mit ihm noch eine  ganze Weile über das Schwein im Lager. David erinnerte uns an das ehemalige Jagdgebiet. Na super … kommt die Sau jetzt öfters? Mit einem breiten Grinsen verabschiedete sich David und fuhr davon. Oli und ich montierten die Ruten auf ein Neues. Meine Montage schlug rechts neben den Baum ein … perfekt! Olav stand noch mit der Rute auf dem Steg. Es schien, als würde er sich konzentrieren, als ein sehr schöner Fisch links neben den Baum rollte. Oli drehte sich noch ein wenig nach links und zog durch. Seine Montage schlug exakt an der Stelle ein, an der noch vor wenigen Sekunden der Karpfen rollte. Ich weiß nicht, wie viele Kilo (Achtung: Witz) Blei er in den Wald gejagt hatte, aber der Wurf war 100 %tig. Olav wollte gerade seinen Swinger in die Schnur hängen, da lief die Schnur auch schon ab. Sofort setzte Olav einen Anhieb und der Fisch riss ohne größere Mühe weiter Schnur von der Rolle. Dieser Drill war mit der Schönste auf dieser Tour. Nach unzähligen Fluchten landete Olav einen traumhaften schönen Spiegelkarpfen.

Fazit: Wir haben auf dieser Tour nicht Massen fangen können. Aber dafür haben wir sehr schöne und makellose Fische gefangen. Alle Angler haben in der Woche am Brocard Fisch gefangen. Oli und ich hatten entweder den besseren Platz oder den besseren Bait. Diese Frage lassen wir am besten im Raume stehen und jeder kann sich ein eigenes Bild vom Domaine de Brocard machen. Aber eines ist ziemlich sicher … sie mögen die Murmeln vom Kluse. Weitere Infos über den Domaine de Brocard (Katalogbestellung ist möglich) erhaltet Ihr auf der Informationsseite www.carpinfo.com oder auf unseren Seiten www.cipro.de

Da nun der Platz sehr knapp wird, führen wir diesen Bericht auf cipro.de weiter. Olav hatte in der letzten Nacht noch eine Begegnung mit einer anderen Welt … aber dazu im Internet mehr. Wir wünschen Euch an dieser Stelle einen schönen Herbst und evtl. lernt man sich auf einer der unzähligen Messen einmal kennen. In diesem Sinne nur das Beste ...

Carpe diem,

Heinz Kersten & Olav Haverkamp
von www.cipro.de
 

Home