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Flugzeuge kreuzen den blauen, ja wolkenlosen Himmel. Eine leichte Briese lässt die 30 °C verdammt gut ertragen. Grillen zirpen auf der von der Sonne verbrannten Wiese. Eine junge Frau treibt Tag für Tag eine Herde Schafe zum weiden durch die karge Landschaft. Lac de Saint de Croix liegt ca. 45 km und der Saint de Cassien ca. 35 km von diesem wundeschönen Fleckchen Erde entfernt. Urlaub ohne Rute in Süd-Frankreich! 14 Tage Erholung pur. Jeden zweiten Tag sitzen Denize und ich im Auto und erkunden dieses Paradies. Erst heute verstehe ich all die Karpfenangler, die immer und immer wieder an den Cassien wollen, denn kein Magnet dieser Erde hat solch eine anziehende Wirkung, wie dieser See in Süd-Frankreich. So sitze ich nun am 20. September 2007 auf der Terrasse eines alten Pfarrhauses aus dem 14. Jahrhundert und komme dem Wunsch von Achim Seiter nach, einen Beitrag für diese Ausgabe zu verfassen. Lieber Achim, an dieser Stelle gratulieren wir herzlich zu der 50. Ausgabe der Carp Mirror und wünschen Dir und dem Verlag weitere unzählige Ausgaben des aus der deutschen Szene nicht mehr wegzudenkenden Magazins. Die Einführung ist hiermit erledigt. Kommen wir zum eigentlichen Thema meines Beitrages zur Jubiläumsausgabe … Trööööt!!! Meine Saison 2007 neigt sich ganz langsam dem Ende, denn per SMS erfuhr ich, dass es am vorletzten Abend in Deutschland regnet und lediglich 4° C war. Von einem spätsommerlichen Herbst kann man da nicht reden und in Aussicht scheint er auch nicht mehr zu sein. Trotz des kühlen und verregneten Sommers, blicke ich auf eine atemberaubende Saison zurück. Im März zog es mich zum ersten Mal raus ans Wasser. Mein Ziel lag in Nord-Frankreich. Gut vorbereitet traf ich mich mit meinem Freund Armin Klein am See, der - wie so oft - sehr gut besucht war. Wir bezogen am Westufer unsere Plätze und legten unsere Ruten mit frisch gerollten Murmeln aus. Fast euphorisch warteten wir auf den ersten Lauf … aber dabei blieb es auch. Nichts ging. Kein Piep, kein Zupfer! Am Morgen erfuhren wir, dass Danny Fairbrass mit dem KORDA Team am Heron sitzen würde und 14 Tage lang mit einer Rute und unzähligen Kameras auf den ersten Karpfen für „Under Water 7“ ausharrte.
Neugierig, wie wir nun mal sind, statteten wir den Herrschaften von der Insel einen Besuch ab. Der „Drehort“ war großflächig abgesperrt und einige Leute waren mit einem Schlauchboot auf dem See. Andere saßen im und weitere Leute vor einem Zelt. Es war kein Rankommen, denn die Jungs von KORDA waren mit dem Aufbau des Equipment beschäftigt. Wir zogen von dannen und legten unsere Ruten erneut aus. Dieses Mal beköderten wir zwei Ruten mit dem legendären Frühjahrsköder Mais. Für uns perfekt und gut durchdacht, fuhren wir die Ruten auf die vermuteten Hot Spots. „Gleich rappelt es im Karton“, doch Armin wurde erneut eines Besseren belehrt. Schon wieder ausgeschlafen! Noch immer roch unsere Kleidung nach Waschpulver und nicht nach Fisch. Was machten wir nur falsch?! Beim ersten Biss in das so geliebte französische Frühstücksbaguette meldete sich erstmals eine von acht Ruten. Kein Run, lediglich ein zögerndes Zupfen, ließen meinen Delkim ertönen. Ein paar Minuten später lag ein schöner Fully-Scaled auf der Matte. „Jetzt geht es endlich los“. So dachten wir, doch es folgte schon wieder ein Tag der Erholung. Was machen wir falsch? Der Fully-Scalet biss auf drei Maiskörner. Gefüttert haben wir zwei Hand-Partikel-Mixe. Mais, Maple, Weizen und Hanf. Abgelegt haben wir die Ruten mit einem Futterboot. Direkt auf einer Kante zu einem Graben. Blauer Himmel und leichter Ostwind ließen keine Wünsche offen. Einige Fische rollten sich an der Wasseroberfläche. Es schien alles perfekt.
Am frühen
Nachmittag holten wir die Ruten ein, um diese neu zu beködern. Doch vorher
sollten wir doch noch einmal einen Blick zu Danny werfen. Dieses Mal
herrschte Ruhe am Platz. Zwei Kameramänner saßen in ihren Stühlen und
genossen die Nachmittagssonne. Ein weiterer Kollege bespulte gerade eine
Rolle mit frischer Schnur. Danny saß mit einem weiteren Kollegen in einem
Zelt. Wir staunten nicht schlecht, als wir uns diesem Lager näherten, denn
mit solch einer freundlichen Begrüßung haben wir nicht gerechnet. Nachdem
uns eine Tasse Tee angeboten wurde, kamen wir mit Danny ins Gespräch. Er
informierte sich nach unseren Erfolgen und wir berichteten von unseren
Anstrengungen, mehrere Karpfen zu überlisten. So saßen wir nun in einem
kleinem Zelt, voll gestopft mit Technik. Big Brother lässt grüßen! Über
einen Joy Stick ließen sich zwei Unterwasserkameras in alle
Himmelsrichtungen bewegen. Dank des kristallklaren Wassers lieferten die
Kameras gestochen scharfe Bilder ins Bivvy. Wir unterhielten uns gerade über
den Sinn oder Unsinn der unterschiedlichsten Bleiformen und Farben, als
plötzlich ein sehr schöner Spiegelkarpfen aus der Tiefe des Sees auf das mit
Kameras präparierte Plateau zu schwamm und anfing, die Partikel um den
Hakenköder aufzusaugen. Plötzlich schien der Fisch zu erstarren und stellte
sich leicht schräg über den Hakenköder, als er dann mit ein paar kräftigen
Flossenschlägen das Weite suchte. WARUM … was bitte ist passiert, dass der
Fisch nicht Mit den neuen Erkenntnissen wurde erst einmal komplett umgebaut. Da wir die Montagen ausschließlich mit dem Futterboot auf den See zogen, verzichteten wir ab sofort auf Antitangle Tube. Das Rig als solches ließen wir so wie bisher. Ein sechser Korda Wide Cape in vier Metern Tiefe konnte nicht aufblitzen. Geflochtenes Vorfachmaterial schien uns perfekt. Trotzdem verging eine weitere Nacht ohne Fisch. Resignation lauerte über uns. Was noch tun?! Wenn die blöden Fische unser Futter nicht wollen, dann haben sie halt Pech gehabt! So, oder so ähnlich, müssen die Worte in diesem Moment gewesen sein. Zu unserem „Glück“ bezogen zwei Belgier das Südufer und fuhren mit ihrem Futterboot gleich zwei Ruten vor meine Haustür. Was soll´s?! Übermorgen sind wir eh weg und da im Moment überhaupt nichts lief, <Ironie on> verzichteten wir auf das sonst so übliche Ritual eines Platzhirsches, welcher sein Revier durch lautes Brüllen und Röhren verteidigen würde. <Ironie off> Tatsächlich zog ich meine rechte Rute vom seit Tagen so erfolglosen Spod und stellte diese erst einmal vor das Zelt. Die Belgier gaben alles. Das Futterboot sprang nach Öffnung der Futterklappen knapp nen Meter aus dem Wasser. Voller Frust nahm ich meine Rig-Box und fing an zu tüfteln. So baute ich mir ein Pop Up D Rig aus einem 50 cm langem Stück Flour Carbon Soft in 20 lbs. Auf dem D lief ein Rig Ring, an dem ich ein Bait Band montierte. Nun nahm ich gelbes Foam und schnibbelte mit einer Schere maiskornähnliche Skulpturen. Erst zog ich einen dieser Foam Skulpturen auf das Bait Band. Es folgten zwei Maiskörner und zum Schluss ein weiteres Foam Maiskornimitat. Ca. 25 cm vor dem Haken die richtige Menge Knetblei und fertig war meine Verzweiflungsmontage. Drei Hände Partikel ins Boot und los ging es. Tja, nur wohin soll ich die Montage fahren?! Links Armin mit vier Ruten. Es folgen drei meiner Ruten, welche von den Ruten der Belgier mehr oder weniger im Falle eines Bisses, im Chaosradius lagen. Also weit, weit weg von all den anderen Ruten soll sie nun liegen. So steuerte ich das Futterboot am Ufer entlang. Nach ca. 70 Meter endete der See in einer kleineren Bucht, welche ich von meinem Standpunkt nicht einsehen konnte. Auf dem Echo erschien bei 4,20 Meter der Aufstieg des gegenüberliegenden Ufers. Genau an dieser Kante stoppte ich das Boot und ließ Futter und Montage ab. Ich nahm mein Futterboot aus dem Wasser und sagte noch zu Armin, dass diese Montage den Rest der Zeit liegen bleiben würde … da hörte ich auch schon die Bremse meiner Rolle singen, denn den Delkim hatte ich noch nicht einmal eingeschaltet! Wow … das ging aber zügig und nach einem netten Drill lag ein Prachtkarpfen von 18,6 kg auf der Matte. Tja, was soll ich sagen?! Es folgten in den kommenden 24 Stunden weitere 14 Karpfen bis 19,9 kg! Alle Fische bissen auf diese Mais-Pop-Up-Montage. Glücklich und zufrieden packten wir unsere sieben Sachen und traten die Heimreise an.
Danny fing in den 14 Tagen zwei Karpfen, wobei gesagt werden muss, dass er nur tagsüber und ausschließlich mit einer Rute gefischt hat. Danny erzählte, dass er noch eine sehr aufschlussreiche Beobachtung gemacht habe. Ein Fisch schwamm auf den Futterplatz zu und fing an zu fressen. Er näherte sich unaufhaltsam der Montage und auch dieses mal stoppte der Fisch kurz vor dem Hakenköder, um dann in der Tiefe des Heron zu verschwinden. Danny und Kollegen schauten sich immer und immer wieder diese Szene an und kamen zu dem Entschluss, dass der Fisch durch das Vorfach aufgeschreckt wurde. Mister Perfekto, Danny Faibrass, umwickelte nun sein komplettes Vorfach im dünnen Kraut, welches er aus dem See entnommen hatte. Der zweite und letzte Fisch biss tatsächlich auf dieses getarnte Rig!! Für Armin und mich ein weiteres Argument, unsere Techniken komplett zu überdenken, denn die Fische in den von uns befischten Seen, schienen überaus misstrauisch zu sein, was wohl aus dem hohen Angeldruck resultiert. Neue Produktmuster seien eingetroffen, und ich möchte doch bitte nach Genk kommen. So folgte ich vor einer Woche dem Ruf von Rudi de Zutter und fuhr an einem Samstag nach Genk zur Watersportcentrale (WS). Dort lag die neue aufblasbare Abhakmatte. Ich war sofort vom kleinen Packmaß angetan. Aufgeblasen bot sie Platz für die größten Karpfen dieser Erde und so nahm ich die Matte gerne mit, um diese bei meinem nächsten Frankreich-Trip auf Herz und Niere zu testen. Weiteres Thema unseres Gesprächs war der Erfolg der gelben Pop Ups. Rudi gab mir den Tipp, die Pop Ups mit Flavour zu bearbeiten. Da ich kein großer Freund von Geruchsstoffen bin, entschied ich mich für vier Sprühköpfe, die von der WS angeboten werden. Leider passen die Sprühköpfe nicht auf alle Flavour Flaschen und mir blieb lediglich eine geringe Auswahl von Geruchsstoffen übrig. Diabolo, Malt Spice, Pineaple und EMIC (Evaporated Milk and Ice Cream) fanden einen Platz in meiner Tüte mit Nachschub für die kommende Tour. April 2007, vier Nächte lagen vor uns. Dieses Mal sollte es mit Michi nach Nord-Frankreich gehen. Auf dem Weg nach Frankreich eine kurze Stippvisite bei der WS in Genk, da doch das Eine oder Andere aufgefüllt werden musste. Zu dem unzähligen Kleinzeug nahm ich mir eine Dose Fluoro Pop Up in gelb aus dem Regal. Ein paar Stunden später trafen wir am See ein und wir staunten nicht schlecht, denn der Platz am Westufer war tatsächlich frei. Überhaupt hielten sich sehr wenig Angler am See auf. Fünf Britten und zwei Holländer und bei keinem der Kollegen war Begeisterung zu sehen, oder zu hören. Michi und ich bauten erst unser Zelt auf, um dann alle Zeit der Welt für die Ruten zu haben. Zwei Kilo Boilies, 12 kg Partikel Mix und eine Dose gelbe Pop Ups sollten uns zum Erfolg führen. Acht Ruten mussten bearbeitet werden. Vier lagen zwischenzeitlich draußen im See und es folgte Rute Nummer fünf … tja, bei der fünften blieb es dann auch die nächsten sechs Stunden, denn kaum ließen wir die erste Rute ab, erfolgte schon der erste Lauf. Wir konzentrierten uns dieses Mal auf gelbe Köder. Schon im März war es Gelb, was uns zum Erfolg verhalf … so dachten wir zumindest. Zwei meiner Ruten waren mit dem schon so erfolgreichen aufgepopten Mais beködert. Nummer drei und vier mit einem selbst gerollten Boilie. Bei Michi setzten wir auf 100% gelb. Ein gelber Pop Up auf einem selbstgebauten „No Knot“. Das Pop Up wurde auf ca. 25 cm angeboten. Wir wählten für die erste Rute den Auslauf eines Grabens, welcher von 5,70 Meter auf ca. 2,50 Meter anstieg. Kraut war reichlich vorhanden, aber das war mir aus dem Jahr 2006 schon bekannt. So fuhren wir mit dem Futterboot auf den von uns gewählten Spod und stoppten das Boot. Erst als das Boot wirklich auf dem Wasser stand, ließen wir das Futter ab und kurz darauf die Montage. Die Hakenspitze haben wir mit einem High Riser versehen. So konnten wir uns sicher sein, dass die Montage sauber im Kraut eintauchte und sich nicht gleich im Kraut, unerreichbar für den Fisch, eingrub.
Es war warm, aber eine schwarze Wand zog über uns hinweg. Aus dieser schwarzen Wand fing es dann auch an zu regnen. Besser gesagt, goss es Bindfäden vom Himmel und Michi stand nun mit einer krummen Rute am Ufer. Ich saß unter dem Schirm und hatte so meinen Spaß, aber auch meine Bedenken. Michi drillte den Fisch für meinen Geschmack zu weich. Wie schon erwähnt, wucherte das Kraut und die Erfahrung der letzten Besuche zeigte mir, dass eine etwas härtere Gangart angebracht ist. Des Weiteren fischte Michi mit einem 100 g Inline-Blei. Dieses erwies sich mehr als falsch. Der Fisch zog seine Bahnen und das Inline-Blei folgte „gerade“ dem Fisch. Das Kraut am Blei wuchs mit jedem Meter, den der Fisch für sich gewann. Tja, irgendwann ist der Krautballen so groß und schwer, dass ein direkter Kontakt zum Fisch nicht mehr gewährt ist und so musste Michi, zwischenzeitlich bis auf die Unterhose durchnässt, den ersten Aussteiger dieses Jahres hinnehmen.
Wir bestückten die Rute auf ein Neues und fuhren sie an dieselbe Stelle. Boot zum Stillstand bringen, linke Futterklappe öffnen und dann die Montage lösen. Boot wenden und mit voller Kraft zurück zum Ufer. Rock´n Roll am Delkim und schon wieder rannte der Fisch seinen Weg. Michi schlug an und stand erneut mit einer krummen Rute am Ufer. Zwischenzeitlich verzog sich die schwarze Wand und der Lorenz brannte vom Himmel. Das montierte Zip Blei zeigte sofort seine Wirkung. Das Kraut konnte sich besser lösen und so genoss Michi seinen Drill bis zum Ende. Spiegelkarpfen mit 19,9 kg! Nachdem der Fisch für die Zukunft auf der Digitalkamera gespeichert war, erfolgte mit das schönste Prozedere. Michi ließ den Fisch zurück in die Freiheit. Rute montieren, Boot mit Futter füllen und raus damit. Erst mit der Dämmerung wurde es etwas ruhiger. Fünf gefangene Fisch und einen Aussteiger. Michi sah aus wie nach 10 Tagen Wildnis und seine trockene und saubere Ersatzkleidung reduzierte sich merklich. Gegen 22:00 Uhr saßen wir erstmals auf den Stühlen und genossen die Ruhe. Wir nutzten die Zeit und bauten neue D-Rigs. Alle Fische bissen auf einen gelben Pop Up. Ein kleiner Fisch gönnte sich den von mir präsentierten Mais. Die Nacht verlief ohne nennenswerte Ereignisse. Mit dem Morgen ging es dort weiter, wo wir am Abend aufgehört haben. Zu schnell vergingen die Tage und insgesamt fingen wir knapp 20 Karpfen. Alle guten Dinge sind Drei und so fuhr ich mit Armin im Mai erneut zu diesem See. Dieses Mal verzichteten wir auf den Mais. Für die folgenden drei Nächte hatten wir 10 kg Partikel Mix und zwei Kilo frisch gerollte Boilies dabei. Fünf Kilo Betain Pellets 8 mm, welche wir bei der Ankunft sofort in einen Eimer Wasser gaben und nach ca. vier Stunden zu Brei kneteten. Im Gegensatz zu der April-Tour, konnten wir in aller Ruhe die Ruten auslegen und das Lager für die nächsten Tage vorbereiten. Als Hakenköder wurden, wie soll es auch anders sein, sechs Ruten mit gelbem Pop Up montiert und zwei Ruten mit einem halben Sinker und einem halben, gelben Pop Up. Zwei Pop
Ups bearbeitete ich nachträglich mit Flavour. Da auf unseren Fisch Boilies
so gut wie nichts ging, entschied ich mich für Pineaple Es war vollbracht. Auch dieser Kampf ging zu unseren Gunsten aus und schon wieder auf eine schwimmende, gelbe EMIC Murmel. In einer Hand die Rute und mit der anderen half ich Armin aus dem See. Armin packte das Keschernetz und hob den Fisch aus dem Wasser. Dabei wäre er fast selbst wieder im See gelandet. Beim zweiten Anlauf hatte er mit zwei Händen das Keschernetz umfasst und stand nun mit großen Augen vor mir. „Und?!“ fragte ich. Armin starrte mich mit aufgerissenen Augen an und sagte: „Der ist verdammt schwer!“ Armin schleppte den Fisch zur Matte. Ich hing meine Waymaster an die Wiegestange und hob den Fisch an. Kaum hob sich die Wiegeschlinge von der Matte, kam Leben in den Fisch. Ich sah den Zeiger der Waage auf 17 Kilo fahren, als ich erstmals den Fisch wieder auf die Matte ließ. Dieser Vorgang wiederholte sich noch ein paar Mal und der Zeiger kam einfach nicht zum Stillstand. Mittlerweile wuchs in mir der Gedanke, meine persönliche Bestmarke vor mir liegen zu haben. Doch es blieb spannend. Auf ein Neues und dieses Mal traute ich meinen Augen nicht. Erneut hob ich den Fisch an und der Zeiger der Waymaster wanderte unaufhaltsam seine Runde, bis dass der Fisch erneut kräftig schlug. Schnell ließ ich die Wiegeschlinge auf die Matte, doch für den Bruchteil einer Sekunde sah ich, dass der Zeiger der Waage auf eine neue Runde wollte. Hossa … der Fisch hat über 25 Kilo. Viele Jahre hatte sie gereicht, doch an diesem Tag im Mai sollte meine 25 Kilo Waymaster nicht mehr ausreichen. Armin verwies auf seine 50 Kilo Waage … „welch ein Angeber“, dachte ich mir, aber immerhin hat er eine dabei! Letztendlich blieb die Wage bei 28,5 kg stehen. Für die Wiegeschlinge zog ich 1,2 kg ab und ich hatte endlich meinen ersten Fisch mit über 25 Kilo landen können. Die Fotosession verlegten wir auf den kommenden Tag, denn zwischenzeitlich war es mehr dunkel als hell und ich wollte perfekte Fotos von diesem Fisch. Nach einigen SMS und Telefonaten an und mit guten Freunden, folgte eine friedliche Nacht. Selten habe ich so gut am Wasser geschlafen, wie in dieser.
Ausgeruht und voller Power. So präsentierte sich das Wasserschwein zum Fototermin. Die Fotos sollten so schnell wie möglich getätigt werden, damit dem Fisch nicht unnötig Leid zugetragen wird. Wir bestimmten die Location und los ging es. Schwerstarbeit!!! Der Fisch hatte irgendwie keine Lust auf Fotos und das machte mir ganz schön zu schaffen. Nach einigen Serienaufnahmen entschied ich mich für weitere Fotos im Wasser, denn der Lorenz brannte früh am Himmel. Im See ging eh alles viel leichter und ruck zuck waren die gewünschten Fotos im Kasten. Vielen Dank Armin, dass Du die unzähligen Fluchattacken meiner Person ertragen hast! Es folgten noch einige Fische bis knapp 20 Kilo, doch es wurde sichtlich weniger. Der Fisch befand sich in der Laich und besser hätten wir den Termin für diese Tour nicht wählen können. Ende Juni fuhren Denize und ich mal wieder nach Nord Frankreich, doch es waren alle Plätze am Westufer belegt. Kein Karpfenjäger saß am Ostteil des Sees. So blieb uns keine andere Wahl und wir stellten uns auf ein paar gemütliche Tage ein. Doch es sollte anders kommen, denn kaum lagen die Eisen im See, lief die erste auch schon ab. Jetzt ratet doch mal auf welchen Köder?! Er war gelb … rund und roch verdammt gut. Richtig! Einem gelben Pop Up, mit nem Spritzer EMIC Flavour. Titi, einer der Aufseher der Domain, erzählte uns, dass es sehr schlecht laufen würde. Es wurden erst wenige Fische gefangen. Dies sollte sich mit unserem Auftritt aber ändern. Liest sich großkotzig, war es aber nicht. Vor ca. einem Jahr befischte ich mit Achim Seiter diesen See erstmals und wie der Teufel so wollte, blankten wir. Ich wusste von den vielen Plateaus an dieser Stelle, die bis zu einem knappen Meter unter der Wasseroberfläche gingen, um dann wieder auf bis zu sechs Meter zu fallen. Achim und ich haben zu der Zeit alles gegeben. Drei Nächte und vier Tage versuchten wir alles, aber es half nichts. Heute sieht die Welt ganz anders aus. Wir haben vor Monaten etwas versucht und damit den Schlüssel zum Erfolg gefunden. Denize und ich zogen regelmäßig unsere Fische. Erst als der Wind leicht auf Ost drehte, wurde es etwas ruhiger. Trotzdem blieb es auch auf der Westseite des Sees sehr ruhig. Trotz des Ostwindes fingen wir hier und da noch Fische. Dies beobachteten auch die Kollegen am Westufer und Chris, ein Hunter aus England, kam uns besuchen. Er wollte wissen, womit wir fischen, denn sie würden schon seit Tagen mit drei Leuten ohne einen Fisch die Zeit aussitzen. Wir erzählten Chris von unserem Erfolgsköder und gaben ihm drei EMIC Pop Up. Eine gute Stunde später kam Chris und sagte, dass er einen Fisch auf den Pop Up gefangen habe. Noch würde er es als Zufall bezeichnen und er würde ja noch zwei Murmeln haben. Kurze Zeit später kam Chris erneut und wollte uns die Pop Ups und den EMIC Flavour abkaufen. Musste er nicht, denn ich hatte jeweils zwei Dosen Pop Ups und zwei Flaschen EMIC dabei.
Am Morgen
des letzten Tages, es war genau 4:30 Uhr, wurden wir durch dicke
Regentropfen, die laut auf unser Zelt trommelten, geweckt. Denize und ich
gingen raus, um unser Tackle zu sichern, als Denize lachend auf das Wasser
zeigte. Erst wusste ich nicht, was sie mir damit sagen wollte, doch dann …
der Wind hatte gedreht und ein strammer Wind stand genau auf unsere Ecke.
Sofort fing die Diskussion an, ob wir nicht noch einen, oder sogar zwei Tage
bleiben sollten, denn wir hatten ja schließlich erst Donnerstag. Doch am
Freitag hatte ich in Münster einen Arzttermin. Wir zogen uns zurück in die
Schlafsäcke und verschoben die Antwort auf den Morgen. Der Morgen kam. Der
Wind stand immer noch stramm auf unsere Seite und es war stark bewölkt. Der
Regen blieb aber aus und so richtige Aktionen hatten wir seit dem Vorabend
auch keine mehr. Nach dem Frühstück fiel die Entscheidung. Wir fahren nach
Hause. Denize fuhr duschen und ich fing langsam aber sicher mit dem Abbau
des Zeltes an, als sich mein rechter Delkim meldete. Ich eilte zur Rute,
doch der Delkim blieb stumm. Als dann noch der rechte Delkim von Denize
einmal pie Genug von gelben Pop Ups und dicken Fischen geschrieben. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Besuchern von cipro.de für einen ganz besonderen Anlass bedanken. Seit nun fünf Jahren gibt es auf cipro.de das professionell geführte Message Board. Seit fünf Jahren haltet Ihr uns auf Trapp. Seit nun über fünf Jahren gibt es auch ein verdammt starkes cipro.de-Team! Hey Jungs, Euch allen vielen Dank für diese unvergesslich schöne, manchmal auch harte Zeit. Heute hebe ich einen auf die nächsten fünf Jahren und wer möchte, kann mit uns zusammen in Bonn nach der Messe einen Zug durch die Gemeinde wagen. Also, tight lines und immer schön durchs Höschen atmen, Euer Heinz
Kersten
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