Zeitreise

Unfruchtbares, sumpfiges Land, soweit das Auge reicht. Wir schreiben das 12. Jahrhundert. Mönche kamen auf die Idee, dieses, doch so nutzlose Land, zu bewirtschaften, in dem sie mit einfachsten Mitteln begannen, die Wasservorkommen zu kanalisieren. Unzählige Teiche und Seen wurden in einer Art Kettenformation erstellt und bilden heute den Naturpark Brenne (französisch: Parc naturel régional de la Brenne). Vorhandene Wälder wurden gerodet, damit ein neuer See seinen Platz finden kann. Über Wasserstraßen wurde das Baumaterial nach Paris transportiert und überwiegend als Baustoff für Brücken und Gebäude verwendet. Kulturelle Ursprünge und meisterliche Werke der Holzarchitektur sind heute noch in einigen Teilen von Paris zu finden.

Der Karpfen wurde im frühen 13. Jahrhundert als Speisefisch in „la Brenne“ angesiedelt. 700 Jahre später hat sich in der Region nicht sehr viel geändert. Noch heute werden jedes Jahr neue Seen und Teiche gegraben. Mittlerweile sind es über 2200 Seen und Teiche, welche sogar vom Satteliten auszumachen sind. 1989 wurde die Region Brenne zum Naturpark ernannt und umfasst aktuell eine Fläche von 167.000 Hektar. 46 Gemeinden mit einem Einzugsgebiet von ca. 30.000 Bewohnern bilden den heutigen Park. Kaum zu glauben, dass gerade mal eine Hand voll der vorhandenen Gewässer mit der Angel befischt werden dürfen. Über 90% aller Gewässer befinden sich in privaten Besitz.

Auf den Weg nach Frankreich Es ist nicht mehr weit bis zum Ziel

Im „Hier und Heute“ angekommen

August 2008 … vier Autos, vollgepackt mit modernster Angelausrüstung, befinden sich auf den Weg zum Naturpark. Das Ziel ist ein ca. 150 ha. großer See, mit dem wunderschönen Namen „Bellebouche“ (übersetzt: Schöner Mund). Bellebouche liegt nordöstlich im Naturpark „la Brenne“ und ist ein beliebtes Ausflugziel der Franzosen. Im Sommer, schönes Wetter vorausgesetzt, strömen die Menschen aus den umliegenden Großstädten in den Naturpark. Aus diesem Grund wird der Nordteil vom Bellebouche ab Mitte Mai für die Angler gesperrt. Eine wunderschöne Badebucht mit Sandstrand lädt zum verweilen ein. Tretboote können gemietet werden. Doch ist der Badespaß durch Bojen begrenzt, denn der Rest des Sees gehört den Anglern. Bellebouche wird von der Gemeinde Mézieres-en-Brenne bewirtschaftet und die Angler sind sehr willkommene Gäste.

Es regnet in strömen. Knapp 1000 Kilometern liegen nun hinter uns und wir wollen endlich fischen. Freundlichst werden wir von den Aufsehern David, Eric und Philip empfangen. Wir haben vor einigen Wochen unseren Besuch per Telefon angekündigt.  David nimmt sich die Zeit und erzählt uns etwas über den See und den vorhandenen Fischbestand. Eine gut zwei Meter lange Liste mit Fischen über 20 kg hängt an der Wand. Daneben unzählige Fotos von der begehrten Kreatur Karpfen. Leichte Nervosität macht sich breit. Wie kleine Kinder vor dem Weihnachtsbaum, Minuten vor dem Geschenke auspacken, steigt die Vorfreude vor dem, was da gleich passieren wird. Nach gut einer Stunde geht es endlich los. Über einen Schotterweg fahren wir unsere Plätze an. Der Bellebouche ist nur von der Ostseite zu befischen. Die Westseite ist Naturschutzgebiet und dies kommt uns Anglern nur zu gute, denn von der anderen Seite kann uns keiner in die Quere kommen.  Mein Freund Pavel und ich haben uns den südlichsten Angelplatz gegönnt. Dieser nennt sich 00 und liegt gleich am Vogelschutzgebiet, welches durch drei Bojen markiert ist. Die 00 liegt mitten im Wald. Natur pur. Pinien und Heide geben der Umgebung das richtige Flair. Ein breiter Schilfgürtel, welcher auf gut 10 Metern unterbrochen ist, ziert das Ufer des von uns gewählten Platzes. Ganz leicht fällt der sandige Boden in den See. Das Wasser hat gut 22 °C. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir Karpfen  aus dem Wasser springen. Das „Klatschen“ der massigen Körper auf die Wasseroberfläche schallt über den ganzen See. Ich mache mir gleich in die Hose! Verdammt, welche Schönheit hier noch besteht. Nichts ist zu hören. Lediglich das Knacken der hier vorkommenden Eidechsen ist im Unterholz ist zu hören. Vereinzelt hört man Wasservögel, die ihren Weg durch das dichte Schilf suchen. Doch immer wieder schallen die Klatscher aus der Seemitte zu uns.

Bellebouche und seine wunderschönen Fische

Eine Kehrseite der Medaille gibt es allerdings auch. Unsere Fahrzeuge stehen gute 100 Meter von Angelplatz entfernt. Das ganze Tackle muss durch den Wald zum Platz getragen werden. Der Schweiß läuft den Rücken runter. Beim schleppen zweier Bootsbatterien zwirbelte es vom feinsten im Rücken. Zu unserem Leidwesen verstärkt sich der Regen und der liebe Gott scheint mal wieder alles zu geben. Pavel legte mir einen 20 kg Sack Boilies auf die rechte Schulter und einen weiteren auf die linke. Am Platz angekommen wird es auf der linken Seite plötzlich so leicht und ich traue meinen Augen nicht. Die Naht des Boilie-Sacks hat sich gelöst und der Inhalt hat sich auf den nassen Waldboden verteilt. Na ja, was solls?! Wir haben ja nichts Besseres zu tun. Also, ab in die Hocke und gut 15 Kilo braune Fischmurmeln auflesen. Es gibt Momente in meinem Dasein, da würde ich am liebsten … ach lassen wir das!

Lagebesprechung David Garside kennt den See wie seine Westentasche

Nachdem die Zelte endlich stehen und auch das restliche Tackle seinen Platz für die nächsten Tage gefunden hat, richtet sich augenblicklich alles dem Wasser zu. Die Rod Pods sind schnell aufgebaut. Um wirklich jeden Winkel des für uns zu Verfügung stehenden Wassers nutzen zu können, bauen wir die Pods im See auf. Gute 15 Meter von Ufer entfernt. Jetzt nur noch das Echolot und den iFinder am Spiegel montieren und los geht´s. Pavel übernimmt das gegenüberliegende Ufer und ich schaue mir die Strecke an den Bojen entlang an. Wir haben Funkgeräte mitgenommen und die erweisen sich sofort als sehr nützlich. Der Grund verläuft fast unauffällig. Keine Löcher, keine Hindernisse, keine Wasserpflanzen. Total unspektakulär. Zudem pendelt sich die durchschnittliche Wassertiefe auf gut einen Meter ein. Am Ufer befinden sich sehr große Seerosenfelder, doch die Wassertiefe variiert an den Seerosen bei knapp 40 – 50 cm! Über Funk verfolgen wir den Funkverkehr zwischen Armin und Ben. Die Zwei haben sich ein paar hundert Meter nördlich von uns niedergelassen. Auch bei denen scheint es nicht viel besser auszusehen. Gute 30 Minuten sind vergangen, als sich Pavel zu Wort meldet und eine Vertiefung auf dem Echo meldet. Es handelt sich hierbei um  das alte Flussbett, welches sich durch den ganzen See schlängelt. Endlich Tiefen von über 2 Meter. Auch ich wurde nach der Meldung schnell fündig. Nach gut zwei Stunden Arbeit lagen alle Marker im See. Teilweise bis zu 330 Meter von unserem Camp entfernt. Erstmals haben wir uns geflochtene Schnur auf die Rollen spulen lassen. Unsere Wahl viel nach langen Recherchen im Internet auf die SpiderWire „Stealth“ in 0,20 mm Stärke. Mein Vertrauen hielt sich am Anfang doch sehr in Grenzen, denn ich bin doch meiner 35er Mono seit vielen Jahren treu gewesen.

Das kann mal passieren Es ist vollbracht!

Das Fischen beginnt

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Die grauen Regenwolken weichen der Sonne und der Himmel verwandelt sich vom so schmutzigen grau in ein wundervolles blau. Unsere Ruten sind montiert. Wir setzen auf 28er Fischmix Boilies, die zum Teil aus Bens Hexenküche stammen und auf Tigernüsse. Um Zeit und Batterie zu schonen, nahm ich eine Montage und eine komplette Rute mit ins Boot. Pavel blieb am Pod und dirigierte mich zu seinen Marker. Nun, nach seinen Kommentaren zu urteilen, fuhr ich wie ein schwer alkoholisierter in Richtung Marker. Kaum zu glauben, aber auf 300 Metern hatten wir guten Kontakt zwischen Rolle und der Montage. So konnte Pavel die Schnur perfekt abspannen und erst nach seinem „okay“ legte ich das 200-Gramm-Blei vor den Marker ab. Pavel entschied sich für zwei Ruten direkt an den Seerosen. Eine weiterte Rute soll ich in den Graben in Richtung zum gegenüberliegenden Ufer ablegen und die vierte und letzte Rute in den Graben, aber auf seiner Seite. Gesagt, getan. Nun sind meine Ruten an der Reihe. Meine rechte Rute lege ich an die gelben Boje auf der anderen Seite an einen riesengroßen Seerosenfeld ab. Die Wassertiefe beträgt ca. 90 cm. Bei meiner zweite Rute entscheide ich mich für das „Niemandsland“! Einfach auf einen Meter und rein gar nichts macht diesen Spot attraktiv. Auf dem Weg zurück traute ich meinen Augen kaum, denn Pavel stand mit einer krummen Rute im See. Auf halben Weg zurück saß Pavel nun im Boot und kam mir entgegen, was mich jedoch ein wenig irritierte. Warum kommt er auf mich zu. Seine linke Rute liegt doch gut und gerne 200 Meter von meiner rechten Rute entfernt? Ja ne … is klar! Es ist meine vor wenigen Minuten abgelegte Rute. Es dauerte einige Minuten bis Pavel mit einem breiten Grinsen zurück kam. Ein wunderschöner Spiegelkarpfen mit knapp 18 kg hat die Murmel genommen. He he he, was kommt da bloß auf uns zu? In den nächsten 60 Minuten bin ich mit den Ruten beschäftigt. Auf jede Montage lege ich zwischen einem und drei Kilo Futter, bestehend aus Tigernüssen und Boilies.

Gleich macht es wieder "Pieeeeep" Für die Zeit zwischendurch

Es ist vollbracht. Alle Ruten liegen „messerscharf“ im Bellebouche. Die letzten Sonnenstrahlen streifen unsere Zelte. Mit der Dämmerung wurde es merklich frisch. Die Autofahrt hängt uns in den Knochen und jetzt eine Mütze voll Schlaf käme sicher gut. So taten wir es auch. Nur einige Pieper in der Nacht ließen uns kurz aufschrecken, jedoch war weiteres Handeln nicht nötig.

Hier fühlt man sich „sau-wohl“

Die folgenden Tage vergingen wie im Fluge und brachten hier und da auch einige schöne Fische auf die Matte. Vom ersten bis zum letzten Biss haben wir folgendes durchgeführt:

Kein Fisch wurde vom Ufer aus gedrillt. Die Boote haben wir neben den Pods festgemacht. Jeder Fisch wurde von uns im Boot ausgedrillt. Jede Rute wurde nachdem der Fisch versorgt wurde, sofort wieder ausgelegt, denn nur die Montage im Wasser fängt den Fisch. Welch Weisheit, gelle?!

Bei der Ankunft wurden wir gefragt, ob wir Baguette zum Frühstück haben möchten. Wir bejahten diesen Service mit großer Freude, denn das nächste Einkaufscentrum war gut und gerne über 25 Kilometer vom Bellebouche entfernt und keiner von uns wollte die Angelstelle länger als nötig verlassen. Des Weiteren dürfen die Fahrzeuge nicht am Angelplatz stehen bleiben, sondern müssen auf einen großen Parkplatz am nördlichsten Teil vom Bellebouche geparkt werden. Dort befindet sich auch eine Sanitäranlage, welche ausschließlich für die Angler zu Verfügung steht. Zum Glück haben wir uns ein Fahrrad auf die Heckklappe geschraubt. Frischwasser entnahmen wir aus der Außenzapfstelle am Sanitärhaus. Es folgt ein großes Kompliment an die Herren Aufseher, denn diese nahmen immer wenn nötig die erschöpften Bootsbatterien mit zum „Clubhaus“ und brachten diese nach 24 Stunden Ladezeit  zurück zum Platz! Diesen Service erhalten alle Angler am See!

Da liegt das Schwein Pavel hat gut Lachen

Donnerstag, den 21. August 2008 werden Pavel und ich sicher niemals mehr in unserem Leben vergessen. Verzeiht mir folgende Ausschweifung, doch Ihr werdet die folgenden Zeilen so besser verstehen. Im April 2007 hat ein User auf cipro.de ein Thema mit der Überschrift „Wildschweinangriffe vermeiden“ eröffnet. Mir standen beim Lesen der Antworten teilweise die Tränen in den Augen. Kaum zu glauben, was den Jungs alles einfällt, um vermutliche Wildschweinangriffe zu vermeiden. Am 21. August saßen Pavel und ich unter dem Schirm, mit Blick auf den See. Die Wathose hing in der Kniekehle und immer bereit zum Run in den See. Nun, wir haben in den letzten 100 Stunden einiges mitgemacht. Bis jetzt können Pavel und ich auf ca. 30 Karpfen zurück blicken. Sehr schöne Fische bis knapp über 20 kg. So saßen wir unter dem Schirm und dösten so vor uns hin. Dünne Schleierwolken verdeckten die Sonne, doch es war angenehm warm. Wie ein altes Ehepaar saßen wir da und hatten auch wenig zu besprechen, als es links neben uns im Gebüsch knackte. Da es zu jeder Tages- und Nachtzeit im Gebüsch knackte und raschelte, schenkten wir den Geräuschen keine weitere Aufmerksamkeit, bis plötzlich zwei Wildschweine ca. 8 Meter neben uns ins Lager trabten. Pavel und ich rieben uns die Augen, denn wir haben ja mit vielen gerechnet, aber nicht mit solch seltenem Besuch. Unsere Kameras lagen gleich neben uns und so konnten wir das Geschehen gleich festhalten. Den Schweinen war unsere Anwesenheit eigentlich total egal. Ein Schwein hatte nichts besseres zu tun, als meinen Kescherstab „anzulüllen“. Nach einigen Minuten hatten wir genug von dem außergewöhnlichen Besuch und wir erhoben uns von den Stühlen, in der Hoffnung, dass die Schweine uns jetzt endlich sehen und das Weite suchen würden. Fehlanzeige! Während das eine Schwein dem anderen den Rücken freihielt, „lüllte“ das andere immer noch an meinem Kescherstab. Heute vermuten wir, dass das Schwein den Fischschleim abschleckte. Sicher sind wir uns aber nicht! Nun auch egal, denn wir hatten nun ein etwas anderes Problem. Zwei Schweine die sich bei uns „sauwohl“ fühlten.

Echt lecker ... und dann noch im Doppelpack!

Da bekommt das Wort „sauwohl“ auch wieder eine ganz neue Bedeutung!! Mir gingen die ganzen Tipps der User auf cipro.de durch den Kopf, doch kein Tipp war für die nun reelle Situation greifbar. So redeten wir etwas lauter und gingen auch ein paar Schritte auf die Schweine zu. Tatsächlich ließ das eine Schwein endlich meinen Kescherstab los und drehte sich langsam, aber sicher in Richtung Wald und trabte mit dem anderen Schwein in die Tiefe des Waldes … dies dachten wir zumindest in diesem Moment. Pavel und ich ließen uns wieder auf unsere Stühle nieder und ließen die letzten Minuten noch einmal Revue passieren, als es dann hinter uns erneut anfing zu knacksen. Wir schauten uns an und erhoben uns erneut von den Stühlen, um nach dem rechten zu schauen. Die beiden Kollegen von vorhin kamen doch tatsächlich zurück und befanden sich nun ca. 1,50 Meter hinter uns. Jetzt überkam uns doch ein etwas mulmiges Gefühl, denn diese Schweine hatten alles, aber keinen Respekt vor uns. Was tun?! Rückwärtsgang und ab ins Wasser, oder doch lieber nach alter Indianertradition mit lautem Geschrei den Angriff eröffnen?! Wir entschieden uns für Möglichkeit Nummer 2! Attacke und auf die Schweine losgerannt. Die haben dann den Ernst der Lage erkannt und verschwanden erneut im Wald. Liebe Leser, nun können wir sicher sagen, dass es keine Wildschweinangriffe gab. Okay, die Schweine hatten keine Frischlinge im Schlepptau, denn sonst hätten wir uns sicher für die Möglichkeit Nummer 1 entschieden, aber etwas lauter sein als normal und wild mit den Armen rumfuchteln hat uns letztendlich zum Ziel geführt. Wildschweine weg, Kescherstab blieb angesabbert zurück und eine Menge Spaß hatten wir auch noch! Als wir den Aufsehern von unseren außergewöhnlichen Begegnung berichteten, wollten Sie uns erst nicht richtig Glauben schenken, denn dies wäre tatsächlich die erste Begegnung am Tage zwischen „Schweinepopofleisch“ und dem Angler! Erst nachdem wir die Fotos zeigten, glaubten  uns die Franzosen.

SpiderWire „Stealth“ in 0,20 mm Genuss, Genuss, Genuss

Endlich wieder Karpfen

Die kommende Nacht verlief, Gott sei Dank, nicht so ruhig und wir hatten alle Hände voll zu tun. Es verging kaum eine Stunde ohne Biss und so waren wir fast die ganze Nacht mit dem Fischen beschäftigt. Die ganze Nacht mit den Ruten zu arbeiten war uns lieber, als unruhig auf den Bedchairs zu liegen und auf einen Racheangriff der zwei Wildschweine zu warten, die vermutlich dann mit der Großfamilie als Verstärkung angerückt wären.

Im Morgengrauen verließ Pavel mit einer krummen Rute unseren Platz. Den Motor auf kleinster Stufe und immer dem Fisch entgegen. Ich machte zwischenzeitlich alles an Land für den Fisch fertig. Eine längere Zeit ist nun vergangen und ich stand zwischen den Pods Spalier um Pavel zu unterstützen. Der kam aber nicht wieder. Auch konnte ich ihn auf dem See nirgends ausmachen und so stieg ich ins Boot und fuhr in Richtung gegenüberliegendes Ufer. Mittlerweile sind gut 30 Minuten vergangen und das war eine sehr lange Zeit. Über Funk rief ich Pavel und prompt kam auch eine Antwort. „Ich bekomme ihn nicht vom Grund!!“ Pavel, ich komme in Deine Nähe. Wo bist Du?!“ Pavel gab mir ein paar Anhaltspunkte und schließlich sah ich seine Silhouette auf dem See. Einige hundert Meter vom Fangplatz entfernt! Aus sicherer Entfernung beobachtete ich den Kampf und schnell kam mir der Gedanke, dass am anderen Ende der Schnur ein Wels sein Leben verteidigen würde. Es gab Momente, wo ich wirklich an einen gehakten Wal dachte, jedoch nie an einen Karpfen. Der alte Mann und das Meer?! Ne, Pavel mit einem verdammt starken Schuppenträger am Haken. Nach weiteren Minuten verließ Pavel das Boot, denn der Fisch hat ihn mittlerweile weit ins Naturschutzgebiet gezogen. Seerosen und Holz ohne Ende und sicher ein verdammt guter Platz, um einen Fisch zu verlieren. Da das Wasser bekanntlich nicht tiefer als einen Meter ist, entschied sich Pavel die nächsten Minuten nicht vom Boot aus zu drillen. Nach sage und schreibe 55 Minuten schloss sich das Keschernetz endgültig über den Fisch. Wir schauten uns an und irgendwie kam keiner von uns auf die Idee nach dem Fisch zu schauen. An Land kam dann die Wahrheit ans Licht. Ein Spiegelkarpfen mit einer Schwanzflosse, so groß wie ne Bratpfanne. Kein Wunder, dass dieser Fisch so lange ausgehalten hat! Die Wage blieb bei 23,8 kg stehen. Herzlichen Glückwunsch Pavel, denn dies war der größte Fisch dieser Tour.

Morgengrauen am Bellebouche Ben mit seinem sehr schönen Fisch

Ben und Armin fingen in den Tagen auch einige Fische bis über 15 Kilo. Sicher könnte ich an dieser Stelle noch einige Erlebnisgeschichten niederschreiben, doch das Wesentliche wurde auf den letzten Seiten erwähnt. Ein paar Tipps zum Ende: Große Boilies sind klar im Vorteil, denn man selektiert von Anfang an die Fischgröße aus! Im Bellebouche schwimmen unzählige Fische und sehr viele sind verdammt groß. Nachweislich gibt es zwei Fische über 30 Kilo. Meidet Futteraktionen mit Partikeln, denn die wurden von unseren belgischen Kollegen im Mai angewandt und die Erfolge ließen doch sehr zu wünschen übrig. Die belgischen Kollegen mussten sich durch viele kleine Karpfen fischen. Letztendlich fingen sie bis über 25 Kilo, doch erst nachdem das Füttern von Partikeln eingestellt wurde. Wir empfehlen für den Bellebouche geflochtene Hauptschnur. Als Shockleader knoteten wir 70 Meter Mono vor und diese Kombination hat sich bewährt! Auch sind wir mit der SpiderWire „Stealth“ mehr als zufrieden gewesen! Diese geflochtene Schnur hat uns zu keiner Zeit im Stich gelassen!! Wir verwendeten ausschließlich Mixe und Zutaten von der Watersportcentrale Genk! Unsere Murmeln rollten wir in den Größen 22 und 28 mm ab.

Sicher werden jetzt einige von Euch diesen See besuchen wollen. Liebe Kollegen, Bellebouche ist in Deutschland ein unbekannter See. Wir haben den See in den letzten Monaten einige Male besucht und werden ihn auch im nächsten Jahr erneut besuchen. Wir haben mit den Aufsehern zwischenzeitlich sogar privaten Kontakt und ich appelliere an Euch alle. Seit fair zur Flora und Fauna. Behandelt den Fisch nach besten Wissen und Gewissen. Bitte akzeptiert das Schutzgebiet, denn wer am Bellebouche die Vorschriften ignoriert, hat mit den Konsequenzen zu leben und die sind „extrem“!

Wir kommen wieder ... keine Frage!

Bei Interesse dürft Ihr Euch gerne an David Garside wenden. David ist vor vielen Jahren aus England in den Naturpark la Brenne ausgewandert und betreibt unmittelbar neben dem Bellebouche eine Fischzucht. Ihr erreicht David unter folgender Nummer: +33 6 82 38 39 14

Wir wünschen Euch eine schöne Zeit am Bellebouche.

Tight lines,
Heinz Kersten

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Team Watersportcentrale Germany
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