Carpfishing am "kleinen Wiel"von Heinz Kersten

August 2000, kein besonders schöner Sommer dieses Jahr. Viel zu naß und zu kühl. Ein Grund, in diesem Jahr etwas mehr zu arbeiten als sonst. Doch irgendwann hängt einem die Arbeit mal wieder zum Hals raus. Die Decke fällt einem auf den Kopf. Man ist genervt ... Streß ...! Die Lösung heißt, Ruhe. Also, kurzentschlossen rufe ich meinen holländischen Angelkollegen Fred in Schagen an und mache mit ihm drei Nächte am Nord Holland Kanal klar. Fred ist Unternehmer und genau wie ich ein begeisterter Carpfisher.

Freitag morgen geht’s los. Nach knapp drei Stunden Autofahrt komme ich in Schagen an. Ich kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Hier scheint die Sonne und zu Hause gießt es Bindfäden vom Himmel. Nach einem heißen Kaffee geht’s ziemlich zügig ans Wasser. Nachdem das Tackle aufgebaut war und wir uns gemütlich ein Döschen Bier tranken, zog Fred ein paar Fotos aus seiner Tasche. Auf den Fotos waren mehrere Cipros über 25 Pfund zu sehen. Tolle Bilder und tolle Fische. Er erzählte mir von einem großen See in Nord Holland. Fred schwärmte die ganze Nacht und ich konnte eine leichte Nervosität bei mir feststellen. Mir war klar, da mußt du hin. Nach drei Tagen Ruhe und keinen Cipros verließ ich Holland. Doch auf den Weg nach Hause gingen mir die Bilder von Fred nicht aus den Kopf. Ich war noch nicht richtig in Münster angekommen, meldete sich Olav um sich nach meinen Fängen zu erkundigen. Gut gelaunt berichtete ich von meinem ciprolosen Wochenende und von dem "großen See" in Nord Holland. Oli war wie fast immer ... begeistert!!Am 2.Oktober in der Früh ging es endlich los. Nach ca. drei Stunden Fahrt kamen wir in Leeuwarden an. Wir folgten der Straßenbeschilderung "Camping". Fred sagte mir, dass es am "großen See" einen Campingplatz geben würde. An der Rezeption erhält man die Erlaubniskarte zum Fischen. Die Schilder führten uns aus Leeuwarden raus in Richtung Hurdegaryp auf die Bundesstraße N355. 

Nach ca. zwei Kilometern geht es rechts ab zum Campingplatz. Oli war vom kleinen Wiel sichtlich geschockt. Wie kann man so einen riesigen See "kleinen Wiel" nennen. Es ist unmöglich vom Anfang des Sees das Ende zu erblicken. Auch ich war sofort angetan. Riesen Sandstrände gehen flach abfallend in den See. Die Nordseite des Sees ist zum größten Teil für Angler tabu. Die Sandstrände gehören einem Freibad an. Das ganze Areal wird in den Sommermonaten von Erholungssuchenden aufgesucht. Hier boxt im Sommer der Papst im Kettenhemd. Doch die ganze Südseite steht dem Angler zu Verfügung. Wir stehen am Ufer und begutachten das, was wir sehen können. Große Buchten, die erwähnten Sandstrände, Holzbrücken deren Pfeiler mit Muscheln und Algen bestückt sind. Eine große und mehrere kleine Inseln mit einem breiten Schilfbewuchs. Anglerherz ... was willst Du mehr. Schnell zur Rezeption und die Angelerlaubniskarte (Vergunning) kaufen. Vor der Rezeption trafen wir einen holländischen Carphunter. Wir erkundigten uns, ob er schon Erfolg gehabt hat. Er erzählte uns, daß er erst eine Nacht am See sei und dass er und sein Kollege noch nichts gefangen haben. Wir plauschten noch eine Weile und erfuhren, dass auf dem Campingplatz eine saubere und günstige Sanitäranlage (Duschmarken an der Rezeption) vorhanden sei und des Weiteren ein kleiner Supermarkt in dem man das Notwendigste an Lebensmittel und Getränken erwerben kann.

Die Wochenkarte kostet 5,00 fl (fl=Gulden). Zudem benötigt man eine "Visakt". Diese bekommt ihr jedoch nicht am Campingplatz, sondern bei der Post oder beim Fremdenverkehrsverein (VVV). Die Visakt kostet 19,25 fl und ist für ein Kalenderjahr gültig. Die Visakt ist wie in Deutschland mit dem Jahresfischereischein zu vergleichen. Mit der Visakt ist es aber möglich ohne weitere Erlaubnisscheine in staatlichen Gewässern zu fischen. Diese stehen in einem kleinen Katalog den man beim Erwerb des "Jahresfischereischeins" erhält. Zudem hat man die Möglichkeit und dies gilt jetzt für ganz Holland, eine große Vergunning zu erwerben. Die große Vergunning kann man in jedem Angelgeschäft erwerben und beinhaltet auch die Visakt. Der Preis liegt bei ca. 60,00 fl. Doch Vorsicht. Holland ist in mehrere Provinzen aufgeteilt. In unserem Fall liegt der kleine Wiel in der Provinz "Friesland". Das heißt, daß eine in Leeuwarden erworbene Vergunning nur für die Provinz Friesland gültig ist. Hört sich alles sehr kompliziert an ... ist es aber überhaupt nicht. Zudem befindet sich in jeder großen Vergunning ein dicker Gewässer Katalog. In diesem sind alle Gewässer aus der Provinz aufgeführt.An der Rezeption erfuhren wir, dass der Campingplatz vom 1.April bis zum 1.Oktober geöffnet ist. Nur in dieser Zeit ist es möglich eine Erlaubniskarte zu erwerben. Es gibt aber auch Jahreskarten. Also, früh genug hinfahren, Jahreskarte kaufen und man ist aus dem Schneider.Genug gequasselt. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, nahmen wir uns die Zeit und schauten uns den See einmal genauer an.

Die Landschaft drum herum ist doch ein wenig trist. Ein holländischer Angler erzählte uns, dass der kleine Wiel ursprünglich wirklich klein war. Die anderen Seen wurden nach und nach künstlich angelegt. Auch in den nächsten Jahren sollen noch einige ha an Wasserfläche hinzu kommen. Cipros gibt es seit eh und je in diesem See. Das Durchschnittsgewicht der Cipros liegt bei 10 kg. Es sollen auch Fische weit über 15 kg im Wiel existieren. Doch diese gehören wohl nicht zum täglichen Programm. Hochmotiviert fuhren wir auf die Südseite des Sees. Es war so gut wie nichts los am See. Vereinzelt sahen wir ein paar Stippangler. Doch weit und breit keine Zelte zu sehen. Nach einer Stunde Begutachtung des Sees entschieden wir uns für eine Stelle am Südufer im Westarm des Sees. Wir schlugen unser Lager gegenüber des Freibades auf. Von dieser Stelle konnten wir mehrere Plätze anwerfen bzw. mit dem Boot anfahren. Der See hat eine Durchschnittswassertiefe von ca. 2-4 Metern. Mit dem Echolot konnten wir zudem zwei Trichter ausmachen, welche bis zu 5 Meter tief waren. Der Grund ist teilweise sehr schlammig. So entschieden wir uns für das Angeln im Uferbereich. Oli legte seine linke Rute auf den Sandstrand vom gegenüberliegenden Freibad. Unsere Vermutung war, dass die Karpfen bei ihrer Nahrungssuche dort auf alle Fälle langziehen würden. Seine rechte Rute postierte er an einen Brückenpfeiler. Der Wiel ist in mehrere kleinen sowie großen Seen unterteilt. Jedoch sind sie alle untereinander verbunden. Dadurch ergeben sich traumhafte und Hit verdächtige Stellen. Ich legte meine linke Montage in eine ca. 200 Meter entfernte Bucht. Meine rechte Rute fuhr ich mit dem Boot vor die Schilfbank einer großen Insel. Da die Außentemperatur knapp über 10 Grad betrug, hielten wir uns mit dem Füttern doch stark zurück. Pro Rute gaben wir ca. ein Kilo Partikel und ca. 10 Boilies zum Locken der Cipros bei. 

Uns war klar, dass wir bei einer erfolglosen Nacht das Füttern noch stärker reduzieren würden. Es waren keinerlei Fischaktivitäten festzustellen. Der Wind kam sehr stark aus westlichen Richtungen. Leichte Bewölkung zog auf. Der Wetterbericht kündigte schlechteres Wetter mit Niederschlag an. Eigentlich gutes Cipro Wetter. Nun kehrte die gewünschte Ruhe ein. Bei einem heißen Cappuccino genossen wir die Umgebung. Mit der Dämmerung wurde es lausig kalt. Zudem zog starker Nebel auf. Der kleine Wiel liegt ca. 25 km Luftlinie von der Nordsee entfernt. Zum späten Abend legte sich der Wind und vor uns lag ein spiegelglatter See. Von der großen Insel waren nur noch die Silhouetten zu sehen. Fette Nebelschwaden zogen bedrohlich über das Wasser. Es wurde stock dunkel. Oli und ich waren kurz davor uns in die Domes zu verziehen, als plötzlich mein rechter Micron ein Piep von sich gab. Da wir teilweise über 200 Meter Entfernung fischten, stellten wir unsere Bissanzeiger auf Vibration ein. Die Dinger waren nun so scharf, dass wenn ein Cipro unsere Boilies nur falsch anschaute der Micron sofort Fischalarm brüllen würde. Also hockten wir vor dem Rod Pot und warteten auf einen Abgang. Der Swinger hing ruhig in der Schnur. Ein weiterer Piep ertönte. Im Reflex riss ich die Rute vom Pot und setzte den Anhieb. Ich kurbelte wie ein Irrer, da ich keinen Kontakt zum Fisch hatte. Doch dann bog sich endlich die Rute zum Halbkreis. Yippi Yähh ... ich hab ihn. Es dauerte auch nicht lang und ein Cipro von 6400 gr. lag auf der Matte. Ein schöner Schuppi. Doch was ist das?? 

Beide Brustflossen waren bis zur Wurzel eingeschnitten. Der Fisch war sehr dunkel. Also, ein Fisch der schon einige Jahre im Wiel leben muss. Im Maul waren zwei gut verheilte Einstiche zu sehen. Demnach hat dieser Cipro bestimmt schon öfters Bekanntschaft mit einem Hunter gemacht. Doch für die Verletzung haben wir keine Erklärung gefunden. Wir fotografierten den Fisch und setzten ihn behutsam in sein feuchtes Element zurück. Gegen 23:00 Uhr ließen wir das Boot zu Wasser. Ich entschied mich dafür, bis auf einen Stringer, kein weiteres Futter zur Montage hinzuzugeben. Oli öffnete die Bremse meiner Rolle und ich fuhr die Montage vor die Insel. Es ist schon ein tolles Gefühl der Freiheit ... ganz allein auf dem See ... du siehst fast nichts ... diese Ruhe. Kaum lag die Montage im Wasser und ich startete den Motor, als kein Meter neben dem Boot ein lautes Platschen die Ruhe durchbrach. Guter Dinge fuhr ich zurück zum Camp. Kaum lag das Boot am Ufer, bekam Oli einen heftigen Fallbiss. Beim hektischen Verlassen des Bootes wäre ich fast noch baden gegangen. Oli stand einige Meter von mir weg. Immer wieder sagte er, dass der Fisch auf ihn zukommen würde und er noch keinen Kontakt zum Fisch habe. Plötzlich bog sich die Rute von Oli zum Halbkreis und keine Sekunde später war alles vorbei. Die Rute federte zurück, die Schnur fiel locker aufs Wasser. Oli schaute mich mit seinen großen Augen an. Er verstand die Welt nicht mehr. Was ist passiert?? Der Fisch kam zuerst mit einem Höllentempo auf ihn zugeschwommen. Demnach kurbelte Oli auch ziemlich zügig die Schnur auf die SS 3000. Doch dann drehte der Fisch ab und schwamm wohl mit dem selben Tempo in die entgegengesetzte Richtung. Wohl ein Tacken zu schnell. Zu wenig Zeit zum reagieren?? Keine Ahnung. So einen gemeinen Abgang haben wir beide noch nie erlebt. Es blieb keine Zeit zum abfrusten. Ruckzuck beköderte Oli seine Montage neu. Eben noch einen Stringer und schon saß er im Boot und war auf den Weg zurück zur Holzbrücke.Die nächsten Stunden vergingen ruhig. Gegen 2:00 Uhr verkrochen wir uns in die Domes. Es dauerte auch gar nicht mal so lang und ich viel in das Land der Träume. Ich weiß nicht warum, doch einige Zentimeter vor der Kescherung meines 60 Pfünders wurde ich durch einen schrilles Piepen aus meinem Traum gerissen. Shit ... Reißverschluss klemmt.

Ich kam mir vor wie beim Sackhüpfen. Doch irgendwie habe ich es mal wieder aus dem Schlafsack geschafft. Der Fisch war diesmal ein ganzes Stück kräftiger. Einige Meter Schnur gingen von der Rolle. Doch dann tat sich nichts mehr. Verdammt, was ist passiert. Oli hat es mittlerweile mitbekommen, dass ich einen Fisch haken konnte. Ich gab etwas mehr Druck auf die Schnur und spürte ein leichtes Vibrieren am anderen Ende. Sofort ließ Oli das Boot zu Wasser. Gemeinsam fuhren wir in Richtung Fisch. Das Übel war schnell ausgemacht. Das Ufer ist mit mehreren Pfählen befestigt worden. Unser Cipro hatte nichts Besseres zu tun, als einmal im Slalom diese Pfähle zu umschwimmen. Oli brachte nach einigen Handgriffen den Fisch wieder frei. Nun ging’s ab in die letzte Runde. Diese dauerte auch gar nicht mal so lange. Ein schöner 15 Pfünder lag im Kescher. Am Camp angekommen schauten wir uns den Fisch genauer an. Schon wieder diese verstümmelten Brustflossen. Trotz dieser "Verletzung" gab der Cipro ordentlich Gas. Wir hälterten den Fisch bis zum Morgengrauen. Wir wollten wissen, wie er mit den dreigeteilten Brustflossen wegschwimmt. In der Restlichen Nacht passierte nichts mehr. Am frühen Morgen kümmerten wir uns sofort um unseren Cipro. Ich legte den sichtlich erholten Fisch auf eine Cipro Matte. Diese legte ich aufs Wasser und führte den Fisch behutsam zurück in den See. Langsam schwamm der Cipro in Richtung Seemitte. Die geteilten Brustflossen schienen ihm keine Probleme zu bereiten. Beim Frühstück besprachen wir neue Taktiken. Da wir bis jetzt noch keinen von der größeren Sorte überlisten konnten. Oli entschied sich für das Fischen im Mittelwasser. Die linke Rute wurde von dem wirklich Hit verdächtigen Sandstrand in einen von den Trichtern gelegt. Oli fütterte ein wenig Partikel und verzichtete deshalb auf den Zusatz von Boilies. Seine rechte Rute war mit zwei Sinkern bestückt. Für die kommende Nacht soll es ein Snowman sein. Dieser wird wieder vor der Brücke platziert. Meine Montagen ließ ich bis zum frühen Nachmittag im Wasser liegen. Gegen 13:00 Uhr montierte ich meine Montagen neu. Zuerst fuhr ich die linke Rute zur kleinen Bucht. Ich verzichtete auf das Füttern mit Partikel und gab zum Stringer lediglich noch eine Hand voll Boilies bei. Meine rechte Rute legte ich diesmal rechts neben der Insel vor versunkenen Bäumen. Große Äste ragen bedrohlich aus dem Wasser. Dahinter ein meterbreiter Schilfgürtel. Zudem war in diesem Bereich das Wasser ca. 1,80 Meter tief. Das Fischen direkt am Ufer ist bestimmt im Frühjahr und im Sommer interessant. Doch jetzt war es vermutlich zu kalt dafür. Nachdem meine letzte Montage versenkt war, fuhr ich mit dem Boot einmal um die Insel. Am Ende der Insel teilte sich der See. Vor mir lag der ursprüngliche "kleine Wiel". Ca. 30 ha Wasserfläche. Kein Camp weit und breit. So etwas kann es nur noch in Holland geben. Die Auswahl der Seen ist gigantisch groß. Und fast überall trifft man auf unsere geliebten Schuppenträger. Zudem sind die Holländer ein sehr gastfreundliches Volk. Solang die Cipros nicht in die Bratpfanne kommen und darauf achten die Holländer sehr stark, geben sie gerne Informationen über neue Seen, neue Plätze usw. Sehr aufgeschlossen wird über neue Fangplätze diskutiert. Man ist Gast und solang man sich dementsprechend verhält, wird man mit offenen Armen empfangen. Einen kleinen Hinweis noch: Setzkescher sollten in Holland mitgeführt werden. Dort gehören die Setzkescher zur Ausrüstung wie bei uns die Ruten. Zurück zum Wiel. Mit dem Boot fuhr ich rechts in einen ca. 3 ha großen See. Bis auf zwei Stellen am Ufer war kein Rankommen ans Wasser. Dichter Baumbewuchs umsäumte das Ufer. Viele Bäume wuchsen in das Wasser rein. Mir war sofort klar, dass ich diesen Teil des Wiels eines Tages befischen werde. Langsam fuhr ich zurück zum Camp. Ich berichtete Oli von dem kleinen See. Vom Land aus war er fast nicht auszumachen.

Wir saßen beim Kaffee als mein Handy klingelte. Es war unser holländischer Tackle Dealer Gerard Wennekes aus Winterswijk. Inhaber eines Angelgeschäftes nahe der deutschen Grenze. Gerard verfügt über sehr gute Kontakte zu diversen Großhändlern. Demnach kann er und sein Mitarbeiter Eddi, Vorstandsmitglied der Sportfischervereinigung der Provinz Gelderland, Tackle, welches in Deutschland schwer oder gar nicht zu erhalten ist, in kürzerster Zeit besorgen. Ok. die beiden sind keine Götter, doch sie versuchen alles Mögliche und spielen von Anfang an mit offenen Karten. Wenn es Probleme geben sollte, gewisses Tackle zu organisieren, dann wird sofort darauf hingewiesen. Ich bestellte mir vor einigen Wochen drei LXR mit Receiver. Gerard versprach mir, dass er die Ware binnen 10 Tagen im Laden haben würde. Mir ging es mal wieder nicht schnell genug und ich fand doch noch einen Händler in Deutschland, der die Microns auf Lager hatte. Ich bestellte sofort und musste im Endeffekt 120,00 DM zuviel zahlen. Ärgerlich für mich, denn Gerard hatte tatsächlich nach 9 Tagen die Microns. In diesem Sinne noch einmal ... SORRY.

Gerard informierte sich nach unseren Erfolgen. Wir berichteten ihm kurz von dem, was bisher geschah und dies war ja nicht gerade wenig. Eine Nacht lag schließlich noch vor uns. Gerard hatte noch einen Knaller zu verkünden. Denn bis jetzt war das Nachtfischen am legenderen Twentekanal bis heuer nur für drei Monate im Jahr erlaubt. Viele Bußgelder wurden ausgesprochen. Tackle wurde beschlagnahmt. Damit ist ab dem 01.01.2001 endlich Schluss.

Ab dem 01.01.2001 ist das Nachtfischen am Twentekanal uneingeschränkt erlaubt. Hey, hör ich da ein Jubeln ... Speedy?? Vor unserer Tour zum Wiel erhielten wir die Info, dass das Angeln mit drei Ruten in ganz Holland ab nächstes Jahr erlaubt sein soll. Dieser Sache gingen wir sofort nach und folgendes ist Fakt: Jeder Angelverein in Holland ist autonom. Es gibt einige Vereine, die das Fischen mit drei Ruten zulassen. Doch dafür benötigt man die "große Sportvisakt". Diese kostet ca. 95,00 DM zuzüglich der Erlaubniskarte des Vereines. Für weitere Informationen über das Karpfenangeln in Holland, speziell über die Provinz Gelderland, stellen sich Gerard und Eddi zur Verfügung. Einer von beiden ist immer unter der Telefonnummer 0031 (0)543 51 80 56 zu erreichen. Auch ein Besuch lohnt in jeder Hinsicht. Eddi ist ein professioneller Rutenbauer. Hengelsport Wennekes, Verlengte Ratumstraat 14, 7101 Winterswijk (Holland).

Das Gespräch mit Gerard war keine 30 Minuten beendet, da ging mein rechter Micron ab wie ein Zäpfchen. Ich nahm die Rute auf und setzte einen heftigen Anschlag. Der Fisch ging ab wie eine Chilischote. Mit die schönsten Minuten dieser Session begannen. Die Cipros im Wiel haben teilweise Schwanzflossen, so groß wie Mutters Bratpfanne. Nach für mich unendlich langen Minuten hatte ich einen Traumcipro im Kescher. Keine Macken am ganzen Leib. Die Flossen waren nicht wie bei den anderen zuvor gefangenen Cipros beschädigt. Die Waage blieb bei 26 Pfund stehen. Verdammt ... was habe ich mich gefreut. Wie immer behandelte ich das durch den Haken verursachte loch mit Klinik ... ob es was bringt? Ich vertraue in dieser Hinsicht einmal der Industrie, denn sie wissen was sie tun!? Langsam setzte die Dämmerung ein. Es wurde sehr kühl. In der Hoffnung auf eine anstrengende Nacht gingen Oli und ich früh zu Bett. Gegen 1:00 Uhr konnte ich noch einen Cipro von 7,5 Kilo landen. Oli bekam diesmal nichts mit. Weiß der Teufel, wovon der mal wieder geträumt hat. Dat is nen Typ ... der Oli. Am frühen Morgen kroch eine Kaffee Fahne in meine Nase. Gegen meinen Willen verließ ich meinen kuschelig warmen Schlafsack. Ein breites Grinsen und ein überfreundliches "guten Mooorgen" empfing mich. Häää ... was hat der für Glückspillen eingeworfen?? Oli berichtete von einem spektakulären Drill eines schönen 22 pfündigen Schuppenkarpfen. Dieser sei einmal um einen Brückenpfeiler geschwommen. Nach einigen Minuten löste sich der Fisch selbstständig aus seiner misslichen Lage. Angeblich hat Oli den halben Norden Hollands zusammengebrüllt, doch weiß der Geier warum ich das nicht gehört habe. Beim Frühstück ließen wir die letzten Tage Revue passieren. Eines war sofort klar. Es hat sich gelohnt, diesen See zu besuchen. Langsam packten wir unser Tackle zusammen und verstauten es im Auto. Alles war nass und schmutzig. Wir ließen uns viel Zeit mit dem Einpacken. Es standen nur noch meine Ruten. Ich war gerade dabei mein Dome zu verpacken als meine rechte Micron noch ein letztes Mal zum Angriff schrie. Nach einem heftigen Anschlag nahm der Fisch sofort Schnur von der Rolle. Unermüdlich zog der Fisch Meter für Meter Schnur ab als plötzlich meine Rute stark zurückfederte. Ha, das kenn ich noch von gestern. Mit mir nicht. Wie eine Maschine kurbelte ich die Schnur zurück ... doch der Fisch ist ausgestiegen. Schade, aber irgendwie befriedigt packte nun auch ich meine Ruten in den Dachkoffer. Ein letztes mal drehte ich mich zum See und dachte mir " du kleiner Wiel, wir sehen uns wieder ... ganz bestimmt".

Zum guten Schluss möchten wir ein schon längst überfälliges Dankeschön an unseren heimischen Tackle Dealer Jürgen Sperling (Zoo Baehr) aussprechen. Junge, junge, was hat der arme Kerl in den letzten 11 Jahren alles mit uns durchgemacht. Jürgen, in diesem Sinne sagen wir vielen Dank und bleib uns bitte noch viele Jahre erhalten.

Tight Lines,

Heinz Kersten und Olav Haverkamp

 

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