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Es ist Januar 2002, jeden Morgen wenn
ich zur Arbeit fahre, sehe ich die vereisten Kanäle in Berlin. Was machen
wohl meine Lieblinge da unterm Eis? Wahrscheinlich träumen sie, genau wie
ich vom Frühjahr, wenn alles bei steigenden Temperaturen wieder los geht. Für dieses Jahr habe ich mir viel
vorgenommen, ich meine nicht, dass ich aufhöre zu rauchen und vielleicht ein
paar Kilo abnehme, dass habe ich meiner Frau zwar versprochen - wenn das
mal so leicht wäre! Nein ich denke an mein liebstes Hobby,
das Karpfenfischen.
Seit gut 30 Jahren gehe ich nun schon fischen, wobei ich mich die letzten 10
Jahre fast nur noch um meine Carps gekümmert habe. Viele Fische bis 29 Pfund
konnte ich in unseren vielen Seen in Berlin und Brandenburg auf die Matte
legen, aber wo blieb der lang ersehnte 30er? Es war im Sommer 2000, ich wartete
auch da schon auf den 30er, dann war es endlich so weit, 3
Wochen Urlaub in Ungarn. Jedes Jahr im Sommer geht es an diesen wunderschönen See. Ich hatte
hier schon viele Fische gefangen, aber einer von den großen war noch
nicht dabei.
Dieses Jahr sollte aber alles anders werden und so hatte ich mich gut
vorbereitet . Also Frau und Hunde ins Auto, dann wurden alle freibleibenden
Ritzen mit Angelzeug, Boilis, Megamais, Tigernüsse usw. ausgefüllt. Zum
Schluss wurde noch der Dachkoffer montiert, weil der Platz wie immer nicht
reichte. Ich weiss bis heute nicht, was Frauen so alles mit in den Urlaub
nehmen, ein Glück sind wir Carphunter, da ist alles ganz anders!!! ;-)
Aber egal, nach 12stündiger Fahrt
waren wir endlich da und der Anblick des Sees am frühen Morgen war
überwältigend. Das Beste waren die vielen großen Ringe an der
Wasseroberfläche, also die Graser waren schon mal da. Da kann ja nichts mehr
schief gehen, dachte ich. So schnell es ging wurde das Auto ausgeladen, das
Haus bezogen und das Tackle aufgebaut. Nach dem Frühstück schnappte ich mir
das Boot, das Echolot und suchte mir die Kante,
die ich schon im Vorjahr befischt
hatte. Marker setzen, füttern und ab zum nächsten Hot Spot. Nach 2 Stunden
waren alle 3 Ruten rausgebracht und ich konnte es mir auf der Liege gemütlich
machen.
Das große Warten
begann, wobei die Hitze immer schlimmer wurde . Mittags waren es dann fast 36°
Grad im Schatten und man konnte es fast nur noch im Wasser aushalten. Und so
verging ein Tag nach den anderen, meine Hunde verwandelten sich langsam
zu Seehunden und meine Urlaubslaune sank auf den Tiefpunkt, nur meine Frau
freute sich über das tolle Urlaubswetter. Nach einer Woche ohne den kleinsten
Zupfer fing ich an, an mir zu zweifeln. Was mache ich nur falsch? Die Köder
lagen an Top Stellen, ich hatte genug gefüttert, aber nichts tat sich. Aber
sie waren da, jeden Abend wenn die Sonne unterging, rollten sich die dicksten
Karpfen und Graser an der Oberfläche. Bis spät in die Nacht hörte man das
Klatschen draußen auf dem See, es war zum verrückt werden.
Ich suchte neue Spots, versuchte andere
Köder, aber nichts passierte. Zu meiner Beruhigung wurden bis auf ein
paar kleine Graser von den Einheimischen auch nichts gefangen. So etwas hatte
ich noch nicht erlebt - seit 14 Tagen lagen meine 3 Montagen unberührt im
Wasser. Mein ungarischer Nachbar tröstete mich, dass die Karpfen
schon bald wieder beißen würden.
Aber wann ist Bald? In 5 Tagen ist
mein Urlaub zu Ende.
Inzwischen hatte ich meine Karpfenliege auf dem Steg mit dem Doppelbett im
Haus getauscht. Na ja,
ein bisschen was wollte ich ja nun doch vom Urlaub haben. Über diese
Entscheidung war ich abends ganz froh, denn es zog ein mächtiges Gewitter auf.
Am nächsten Morgen war es spürbar kälter und endlich wehte auch eine leichte
Briese. Auch abends hörte der Wind nicht auf und in mir glomm doch noch ein
Funke Hoffnung. Sicherheitshalber legte ich mir die Funkbox von meinen Microns
neben das Kopfkissen, als ich mich hinlegte. Kurz nach Mitternacht stand ich
im Bett, die kleine schwarze Kiste leuchtete mich böse mit roten Augen an und
pfiff wie verrückt. In den Bruchteilen einer Sekunde warf ich mir meine Jacke
über, stürzte die steile Treppe hinunter, rannte auf den Steg und riss die
noch immer ablaufende Rute hoch. Freilauf zu und los ging der Tanz. Ich
kletterte ins Boot, legte mir den Kescher zurecht und wurde langsam aber
stetig auf den See hinaus gezogen. Keine Schläge, kein Rucken und Schlagen,
nur ein gleichmäßiger Zug ließen mich stutzig werden, hatte vielleicht einer
von den großen Wallern die Tigernuss genommen? Nach über 40 Minuten war es
endlich soweit, langsam bekam ich den Fisch an die Oberfläche. Was ich dann
sah, war gigantisch - ein Spiegler von dem wohl jeder Hunter träumt. Meine
Arme zitterten wie Espenlaub, hoffentlich schlitzt er im letzten Moment nicht
noch aus! Ich glaube, ich wäre hinterher gesprungen. Beim zweiten Anlauf lag
er im Kescher, ich legte die Matte auf den Bootsboden und legte ihn vorsichtig
darauf. Was für ein herrlicher Fisch! Erst jetzt merkte ich, dass ich fast 500
m vom Haus entfernt war, also Elektromotor an und so schnell wie möglich
zurück. Meine Frau lag natürlich noch im Bett, aber als sie hörte, dass ich
endlich was gefangen hatte, kam sie doch ganz schnell runter. Vorsichtig legte
ich den Karpfen in den Wiegesack und hängte ihn an die Waymaster. Bei 24,6
kg blieb der Zeiger stehen, ich war erst einmal sprachlos. Inzwischen hatten
sich die Nachbarn eingefunden. Nachdem der Karpfen eingesackt war (mit 3
Knoten) wurde erst einmal
richtig angestoßen, natürlich mit Sekt
und Selbstgebrannten. Nach dem Frühstück knipste meine Frau einen ganzen Film
leer, um diesen Fisch für immer festzuhalten. Dann ging es Schlag auf Schlag, endlich
hatten meine Lieblinge wieder Appetit. Ein schöner Graser von 35 Pfd. und ein
paar Carps von knapp 20 Pfd. ließen die letzten Tage schnell vergehen und
schon war ich wieder dabei, das Auto zu beladen. Die ersten 2 Wochen waren
weg, es hatte sie für mich im Nachhinein nicht gegeben, nur diese letzte
fantastische Woche werde ich nie vergessen.
Also denkt daran, der große Dicke kann
immer kommen, in der ersten oder in der letzten Minute.
PS. Auf meinen 30er warte ich immer
noch, obwohl ich mich 2001 schon an 29 Pfd. herangetastet habe.
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