von cipro-Admin alias Brassengott


 

RUMS! Und wieder geht ein Blitz in der Nähe unseres Autos nieder und der anschließende Donnerschlag lässt den ganzen Wagen erschüttern. Es ist Donnerstagabend und ich befinde mich gerade auf dem Weg zum diesjährigen Junior-Carping des Carp Mirrors und um mich drum herum wütet gerade das schlimmste Gewitter, das ich jemals erlebt habe. Ich hoffe, dass das Gewitter kein Zeichen für den „reibungslosen“ Ablauf des kommenden Wochenendes sein soll und versuche, meine Augen zu schließen um noch ein wenig Schlaf zu bekommen, da die letzten 10 Stunden doch recht anstrengend waren.

Nach einigen steilen Abfahrten in die Tiefen bayrischer Sackgassen aufgrund eines nicht ganz so funktionierenden Navigationssystems kamen wir so gegen 23:00 Uhr an unserem Ziel an. Auch hier hatte das Unwetter anscheinend gewütet. Jens von JR-Tackle, Thorsten Löw und Achim Seiter waren bis eben noch damit beschäftigt, sich mit aller Kraft ans Mannschaftszelt zu hängen, da dieses sonst zum Spielball des bis eben vorherrschenden Sturms geworden wäre. Kurze Zeit später traf auch Detlef Grainer vom Hutchinson-Team ein, Thorsten Becker wollte erst am Freitagmorgen kommen. Nach einer Pizza und einem kleinen Klönschnack holte uns alle die Müdigkeit ein und (fast) keiner konnte mehr der weichen Matratze seines Bedchairs widerstehen. Die Nacht unter freiem Himmel war sehr erholsam, auch wenn ich in der Nacht noch mehrmals geweckt wurde durch das holzfällerartige Schnarchen von Heinz „Ich schnarche nie beim Angeln“ Kersten.

Morgens kurz nach 8 Uhr ruderte Detlef schon mit seinem eigens dafür mitgebrachten Boot und Echo über den See und suchte für seine Jungs schon mal ein paar viel versprechende Hot-Spots und ich konnte zum ersten mal den See in Augenschein nehmen. Es war ein ca. 8ha großer Pool mit sehr schönem Naturbewachsenem Ufer und einer Waldseite. Gegen 10 Uhr trudelten so langsam die Teilnehmer aus Deutschland Österreich und der Schweiz ein. Die Stimmung war prächtig. Nach einer Ansprache von Achim, der noch mal auf den Sinn des Junior Carpings hinweisen wollte, schnappte sich Jeder Teilnehmer ein für ihn bereitgestelltes Paket mit Boilies, Haken, T-Shirts, Caps, end-Game-Tackle, etc. und anschließend wurden die Teams gebildet. Jedem Team, bestehend aus zwei Jugendlichen wurde ein Betreuer zugeteilt. Mir wurde mein alter Bekannter Steffan “Steffi“ Schipper als Teampartner „aufgezwungen“... J . Anschließend machten sich die Teams mit ihren Betreuern auf den Weg zu ihren Angelplätzen.

Das Aufbauen ging bei allen Teilnehmern recht schnell von statten, da die aus Süden kommende Regenfront so ziemlich jeden ordentlich motivierte. Beim Grillen am Nachmittag wurde kräftig über Karpfen & Co gefachsimpelt und Achim verwöhnte uns alle mit seinen Grillkünsten. Fische konnte bis zu diesem Zeitpunkt nur das Team von Detlef Grainer verbuchen, ein schöner Spiegler von 8 Pfund ist auf den Boilie seiner Jungs reingefallen. Nach dem Essen machten sich alle Teilnehmer, angespornt durch Fabians Erfolg schnell wieder auf den Weg zu ihren Ruten. Das Wetter war auf unserer Seite uns so wurden wir nicht durch weitere Regenkapriolen gequält. Steffan und ich verbrachten zusammen mit unserem Betreuer Todd und dem von Heinz betreuten Jugendlichen Andreas Knies und Peter, einen sehr angenehmen Abend in gemütlicher Runde.

Unsere Seeseite war auch leider nach der ersten Nacht noch ohne Erfolg. Es schien so als könnte nur ein Team Fische fangen, nämlich das von Detlef, seine Jungs hatten in der Nacht wieder zugeschlagen. Kurz nach dem Aufstehen wurden wir von unseren Betreuern zum Mannschaftszelt chauffiert um unser „Täglich Brot“ zu uns zu nehmen.

Aufgrund unserer mehr als miserablen Ausbeute entschlossen sich unser Team und Heinz, sich das Boot von Detlef zu leihen und um unsere Carps zu „fighten“, getreu dem Motto „Fisch um jeden Preis!“. Nach einigen Manövern auf dem Wasser kristallisierten sich 2 schöne Plateaus ziemlich in der Mitte des Sees heraus. Penibel genau wurden die Ruten auf den höchsten Teil der Plateaus abgelegt, welche gerade mal ½ qm² groß waren und versorgten unseren Hakenköder mit ordentlichem Futternachschub. Gen Mittag kam es dann zu einer eher unfreiwilligen Badeaktion meinerseits, bei der von Heinz kräftig mitgeholfen wurde. Damit nicht genug, nun flogen nacheinander alle ins Wasser, die in der Nähe unseres Camps standen, ob sie wollten oder nicht. Das Ganze ging natürlich nicht in angemessener Lautstärke von statten, sodass wir mit dieser Aktion wahrscheinlich alle Fische so dermaßen erschreckten, dass sie alle total verängstigt und mit nachbleibenden Schockschäden in die tiefste Ecke des Sees flüchteten ... denkste, plötzlich pfiff mein Bissanzeiger ab und die Bremse kreischte lautstark. Ich kraxelte so schnell es meinem Körper möglich war (Anmerkung der Redaktion: „und der Körper war langsam“!) aus dem Wasser das glitschige und steile Ufer hoch zu meinem Pod, um den Kampf zu beginnen. Gefühlvoll aber mit der nötigen Härte versuchte ich den Fisch in Richtung Ufer zu führen, was mir auch gelang, da er nicht allzu viel Gegenwehr leistete. Es schien ein etwas kleinerer zu sein, aber das war mir egal, meinen ersten bayrischen Karpfen wollte ich nicht durch überhastete Aktionen verlieren, außerdem, stille Wasser sind tief! Im Wasser stand Steffan bereit, um den Fisch mit den Maschen des Keschers zu umschließen. Die Spannung stieg, der Fisch war nicht mehr weit vom Kescher weg, als ich plötzlich seine „Ausmaße“ erkennen konnte.....Meine Stimmung stieg sofort in die Höhe, da mein erster Karpfen gar kein Karpfen war, sondern eine eklige Schleimbomber-Brasse. Aber egal, immerhin schon mal so was wie ein AHA-Erlebnis.

Anschließend ereilte uns eine erneute Fangmeldung von Detlef, diesmal hatte der Schweizer Part seines 4-köpfigen Teams mit einem 25 Pfund Schuppi zugeschlagen, das war außerdem gleichzeitig der neue PB des Fängers- Petri Heil! Kurz zuvor wurde von einem anderen Team noch ein 14 Pfund Schuppi gefangen. Kaum war ich vom Fotografieren wieder zurück, da zog meine Rute wieder ab. Diesmal war es ein „richtiger“ Karpfen von 8 Pfund. Steffan konnte am Abend auch noch einen Karpfen überlisten.

Beim allabendlichen Grillen kamen plötzlich seit langem die ersten Regentropfen nieder, die mich nachdenklich werden ließen...“hast du eine Zelttür zugemacht?“ ein scharfer Blick rüber auf die andere weit entfernte Seeseite brachte Klarheit, nein, ich hatte sie natürlich nicht zugemacht. Als hätte es Gott nicht anders gewollt, begann kurz nach Ende meines Gedankens ein Amazonasartiger Platzregen, der mich zu einem spontanen Panikausbruch verleitete, da mein Zelt mit der Tür auch noch schön im Wind stand und ich Sachen wie z.B meine Kamera und mein Handy direkt in Eingangnähe platziert hatte. Nach einigem Gebettel konnte ich Thorsten dazu überreden, mit mir rüberzufahren um noch das zu retten, was zu retten war. Ich ging gerade durch das Gebüsch zu meiner Behausung, da hatte ich das nächste Schreckenserlebnis. Ich und Steffan hatten unsere Ruten im Wasser gelassen, da wir ja nur kurz zum Essen wollten und das Ruten-Rausrudern immer ziemlich anstrengend war. Gott bestrafte dies natürlich sofort mit einem Durchhängen meines linken Swingers.

Der Fisch war mir schon so um die 30 Meter entgegengekommen, sodass ich erst mal ordentlich Schnur kurbeln musste, bevor ich Kontakt zum Fisch hatte. Es regnete weiter in Strömen und mein Zelt war immer noch auf. Egal, Fisch vor Zelt. Und wie hätte es auch anders sein sollen, Gott war anscheinend immer noch nicht fertig mit seiner Rache und so entpuppte sich mein dritter Fisch wieder einmal als kapitale Brasse. Nachdem mich der Fisch ordentlich eingeschleimt hatte konnte ich mich endlich meinem Dome widdmen. Es war alles zu spät, Pfützen hatten sich unter der Liege gebildet, aus Schlafsack und meine Matratze hatte der Regen ein Wasserbett gemacht und meine Klamotten waren auch schon mal trockener.

Den zweiten Abend verbrachten wir genauso wie den ersten Abend, im gemütlichen Zusammensein mit unserem Partner-Team. Philip, der Jugend-Betreuer konnte auf seine Raubfischrute einen Zander verzeichnen, und unser Partner-Team hatte auch Erfolg in Sachen Karpfen. Nachts um 2 wurde ich durch das Geräusch eines nicht zu schreien aufhörenden Bissanzeigers geweckt, allerdings gehörte der weder mir noch Steffan, sondern einem Team auf der rechten Seeseite. Als der Bissanzeiger nun schon die dritte Minute lang durchlief, fing ich an mir Gedanken zu machen, warum die Herren auf der anderen Seite es nicht für nötig hielten zu der abpfeifenden Rute zu eilen.

Als sich auch in der vierten Minute nichts tat, blieb mir nichts anderes übrig als rüberzulaufen und die Schlafmützen zu wecken. Auch ihr Betreuer war ziemlich am Ende und bekam von dem Biss ebenfalls nichts mit. Man, was gab es da bloß zum Abendbrot J  . Bei der Aktion kam zum Schluss ein ca. 10 Pfund großer Schuppi raus, der total am Ende war, da er ja schon fünf Ehrenrunden durch den See gedreht hatte.

Für mein Team blieb die Nacht ruhig, allerdings konnten fast alle anderen Teams einen weiteren bzw. ihren ersten Fisch verbuchen. Nach dem Frühstück am nächsten Morgen entpuppte sich die Frau von Heinz, beim Einpacken als wahrer Sklaventreiberin, da sie meine Einpack-Devise „In der Ruhe liegt die Kraft“ überhaupt nicht verstehen wollte. Am Ende des Events durfte Jeder Teilnehmer noch eine Losnummer ziehen für die große Tombola, die großzügig mit Sachpreisen gefüllt war.

Detlef Grainer bekam zum Schluss im Namen aller Cipro-Mitglieder ein komplettes Pelzer-Outdoor-Set von uns geschenkt, da wir sein Boot benutzen durften wann wir wollten. Mein Dank geht an Achim Seiter und alle Betreuer des Junior Carpings, die uns ein wunderschönes Wochenende beschert haben, dass wir so schnell nicht vergessen werden. Special thanks an Heinz Kersten, ohne den ich die weite Anreise gar nicht geschafft hätte!

Patrick Meier
 

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