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Angeln ist Grenzen testen, eigenes Vermögen erforschen, die Belastbarkeit herausfinden. Angeln ist Abenteuer, aber auch Niederlage und Erfolg. Eine Angelsession gleicht nie der anderen. Immer geschieht irgend etwas worauf wir reagieren müssen. Ein eingefleischter Angler, denkt selbst unabhängig vom Angeln, oft darüber nach, was man noch verbessern oder einfach mal anders machen könnte. Kräftig im Duft, stark in der Farbe Als wir Anfang des Jahres 2006 die Möglichkeit bekamen sehr günstig an Blutmehl zu gelangen und die ersten 100 Kilo erhielten, da war so ein Moment. Wie oft hatte ich schon von Blutmehl gehört, aber scheinbar war es zwischenzeitlich gar nicht mehr erhältlich und später dann bei den meisten Anbietern sehr teuer. Jetzt standen zwei 50-Kilo-Säcke vor mir und verbreiteten einen bestialischen Dunst. Dieses Blutmehl stammt direkt aus der Tierverarbeitung. Es ist ein grobes, sehr dunkles und extrem riechendes Mehl. Ja da kommen einem die tollsten Gedanken. Eines war klar, wir würden nicht einfach nur Blutmehl verkaufen, sondern schauen was sich sonst noch so damit anfangen lässt.
Teig-Spiele
Für den Teig nahm ich etwas „garlic-fish“-Mix und fügte dem Mix einen Anteil von 40% Blutmehl zu. Das mag für manche etwas hoch dosiert erscheinen, aber man sollte nicht vergessen, dass der Teig wirklich nur zum Locken dienen sollte und eben nicht in einem Boilie verarbeitet wurde. Die hohe Wasserlöslichkeit des Blutmehls sollte sich auszahlen, eben gerade bei kalten Temperaturen. Außerdem fügte ich noch eine Hand voll getrockneter Bachflohkrebse zu und selbstverständlich ein wenig frischen Knoblauch zu den Eiern. Überraschend war für mich eigentlich nur, dass der Teig kaum nach Knoblauch roch, das Blutmehl übertönte alles, dazu so ein feiner Hauch Bachflohkrebs, einfach lecker. Jetzt musste dieses Höllenzeug nur noch getestet werden. Leider hatte ich im Frühjahr, auf Grund des Hausbaus, was tut man nicht alles für den Familienfrieden, nur genau 3 Sessions Zeit bis ich mein anglerisches Glück in Texas probieren würde, aber vorher mussten noch ein paar deutsche Frühjahrskarpfen her.
Die erste Session fand an einem kleinen Waldsee statt und ich fing nichts, schnell war ich aber bereit den Blank auf die Umstände zu schieben, denn das Eis war noch nicht einmal ganz von der Oberfläche des Gewässers verschwunden. Vier Wochen später ging ich mit Thorsten an einen anderen See. Es war ganz plötzlich ein sehr warmes Wochenende, das Wasser jedoch war noch immer sehr kalt. Thorsten war bereits einen Tag vor mir da und als ich kam hatte Thorsten bereits eine Schleie und einen Spiegler mit 19,5 Pfund auf dem Konto. Als ich mit dem Aufbau fertig war, gab Thorstens Bissanzeiger erneut einen Ton von sich, gefolgt von einem kurzen Run. Die nächste Schleie? – Nein ein riesiges Rotauge konnte nicht vom Boilie lassen. Danach kehrte Ruhe ein. Es passierte den ganzen Freitag und den gesamten Samstag gar nichts. Erst am Sonntag morgen gab wieder Thorstens Bissanzeiger einen Ton von sich, aber nur einen. Allerdings war es die weite Rute. Nach einer kleinen Bedenkzeit stieg Thorsten mit Rute und Kescher ins Boot und kam tatsächlich mit einem 8-pfündigen Spiegler zurück. Gegen 11:00 Uhr begannen wir mit dem Abbau und eine halbe Stunde später erlöste mich endlich mein rechter Bissanzeiger. Schnell schlug ich an und sprang ins Boot. Doch trotz der Eile schwamm der Fisch in ein sehr frühzeitig gewachsenes Krautfeld. Letztendlich blieb ich Sieger. Mein erster Karpfen mit Hilfe von Blutmehl wog 23,5 Pfund. Als wir den Fisch nach ein paar Fotos wieder zurücksetzten bekam ich doch tatsächlich auch noch ein paar Piepser auf der anderen Rute. Schließlich endete das Wochenende für mich noch mit zwei Fischen, wenn auch der letzte eine 3-pfündige Schleie war; ich liebe die goldgrünen Schönheiten.
Gleich am nächsten Wochenende besucht ich einen Freund in Bayern. Wir waren an einer kleinen, idyllischen Kiesgrube. Jetzt wollte ich es aber genauer wissen und so fischte ich eine Rute mit einem „red-birdy“ über Partikeln und die andere mit einem „garlic-fish“ im Blutmehl-Mantel über Pellets.
Bereits in der ersten Nacht begann das Spektakel. Erster Biss, wie sollte es anders sein, auf der Rute ohne Blutmehl. Leider spürte ich bereits kurz nach dem Anschlag keinen Kontakt mehr. Also brachte ich die Rute einfach frisch raus und legte mich wieder hin. Doch ich war noch gar nicht ganz eingeschlafen, da lief dann auch die Rute mit dem Blutmehl. Diesmal ging alles gut und ich konnte einen Fisch mit 19,5 Pfund landen. In den nächsten zwei Nächten und zwei Tagen lief nur noch diese Rute und brachte insgesamt 6 Fische bis 22 Pfund. Natürlich blendet man bei solch einem Test alle weiteren Umstände wie Platzwahl etc. aus, aber Fakt bleibt, dass der mit Blutmehl ummantelte Boilie eindeutig genommen wurde und zwar in deutlich stärkerem Maße. Auch mein Freund Alex, der mich hierher eingeladen hatte konnte gut fangen. Vor allem auf seinen Graser war ich neidisch, denn ich hatte ja immer noch keinen. Auf jeden Fall war das Frühjahr für mich durchaus zufrieden stellend gelaufen und nun konnte ich mich einer anderen Art des Fischens in Texas widmen.
Die ersten Boilies
Gleich bei der ersten Session stellte ich fest, dass die Boilies nicht lange am Haar hielten. Es muss eindeutig so sein, dass Blutmehl den Boilie zwar oberflächlich aushärtet, dies aber durch die gegebene Wasserlöslichkeit mehr als aufgehoben wird. Letztendlich konnte ich nur einen Fisch fangen. Bei der zweiten Session war ich zu Gast in Nordrhein-Westfalen, dadurch konnte ich mit drei Ruten fischen. Um die schnelle Löslichkeit der Boilies zu umgehen, verwendete ich als Hakenköder ausschließlich Boilies, die ich vorher mehrere Stunden im „Batain-fish“-Dip hatte. In diesem Dip, wie in vielen anderen auch härten die Boilies nämlich weiter aus und so hatte ich das Problem mit der schnellen Löslichkeit vorerst besiegt. Ich fischte lediglich an einer Rute einen Blutmehl-Boilie und an den anderen Ruten andere Boilies. Ale drei Aktionen kamen auf Blutmehl und somit auch die zwei gefangenen Fische.
Die dritte Session fand am Neckar statt. Naja, was soll ich sagen, der Neckar meint es selten gut mit mir und so musste ich mit einer Brachse schon fast zufrieden sein. In der vierten Session hatte ich zumindest einen persönlichen Erfolg, denn nach zwei kleineren Karpfen konnte ich endlich meinen ersten Graser landen und dass in einem Gewässer, dass nicht gerade für Graser bekannt ist. Mann was war ich aufgeregt, als mir klar wurde, dass ein Graser am Haken hing. Mitten in der Nacht drehte der Fisch ein ums andere mal das Boot und die Rückenflosse schaute dabei „haifischmäßig“ aus dem Wasser. Letztendlich brachte der Fisch sogar 24 Pfund auf die Waage. Na, dass ist als Einstand doch nicht schlecht.
Die
Entwicklung geht weiter Mein nächster Test sollte an einem Gewässer stattfinden, welches ich schon zehn Monate nicht mehr besucht hatte. Dieses Gewässer ist für einen relativ dünnen Bestand an Fischen bekannt, dafür hat man selten kleinere Exemplare am Haken, wenn der Bissi dann mal schreit. Wenn man mich nach meinen durchschnittlichen Ergebnissen fragt muss ich antworten, dass man im Schnitt mit einem Fisch am Wochenende zufrieden sein muss.
Am Gewässer angekommen, stellte ich ein Krautaufkommen fest, wie ich es noch nie gesehen hatte. Ja der See hatte schon immer viel Kraut, oft fast durchgängig bis kurz unter die Oberfläche, aber diesmal schwammen zusätzlich noch massenhaft lose Krautfeder auf dem Wasser. Ich suchte nach einer Stelle die relativ krautfrei wirkte und richtete mich ein. Das Wetter war brutal heiß und in der ersten Nacht konnte ich bei immer noch 20° Celsius nicht vernünftig schlafen. Dadurch bekam ich um 5:00 Uhr morgens auch sehr gut den einen Piepser meiner Freiwasserrute mit. Bis ich am Pod war gab es noch zwei weitere Einzelpiepser. Tja, was auch immer, da war ein Fisch dran, der versorgt werden wollte. Von Beginn des Drills an, hatte ich nur das Gefühl gegen Kraut zu drillen und so pumpte ich mich Meter für Meter näher an den Ort des Geschehens heran. Das erste was ich sah, als mein Tube nach oben kam war dann auch Kraut, doch halt, war da nicht eine ziemlich gewaltige Schwanzflosse dabei. Beherzt kescherte ich das Kraut und steckte meinen Kopf in den Kescher. Na super, außer einer Schwanzflosse war da tatsächlich ein richtig dicker Kerl dabei. Am Ufer angekommen konnte ich den Fisch ohne Kraut wiegen und 31 Pfund feststellen. Der erste Dreißiger auf die neuen Boilies, na wenn das nicht positiv stimmt. In den nächsten beiden Nächten konnte ich noch vier weitere Fische bis 27 Pfund fangen, sodass diese Session für mich eindeutig zur erfolgreichsten an diesem Gewässer wurde, wenn da nicht die abgebrochene „X-Flite“ gewesen wäre, aber diese Geschichte gehört jetzt nicht hierher.
Gleich am nächsten Wochenende fuhr ich wieder an das Gewässer, welchem in diesem Jahr meine größte Aufmerksamkeit galt. Diesmal sollte sich der Blutmehl-Boilie einem Konkurrenten stellen. Ich suchte zwei ähnliche Freiwasser-Stellen und legte beide Ruten jeweils am Fuß eines Plateaus ab. An der einen Stelle fischte ich mit „yellow-birdy“, an der anderen mit „The Vampire“. Ich war mit meiner Familie am See und wir genossen das herrliche Wetter. Man kann das entspannend sein, die Kinder im Wasser die Frau bretzelt in der Sonne und man selbst kann alles oder auch nichts tun. Gegen 20:00 Uhr kam der erste Biss auf ... na..., okay es war „yellow birdy“. Ein 21-Pfund-Spiegler war das Ergebnis. Schon während des Drills wurde der Himmel schwarz und beim erneuten Rausfahren der Rute wurde ich bereits nass. Tja und schon war zumindest die Familienstimmung getrübt, denn nun war Schirmparty angesagt. Aber immerhin waren wir früh im Bett und so war ich beim zweiten Biss, wieder auf „yellow birdy“ schon recht fit. Aber mir gab natürlich zu bedenken, dass unser Prototyp noch immer unangerührt im Wasser lag und so war ich reichlich froh, als endlich auch dieser Boilie Erfolg brachte. Schon beim Drill spürte ich, dass diesmal mehr Kraft dahinter steckte und so war ich nicht verwundert, aber hoch erfreut, als ein 32-Pfund-Spiegler zu tage, oder besser gesagt zu „nachte“ kam.
Kaum lag ich im Schlafsack als mich wieder die andere Rute in die regennasse Nacht rief und einen 22-Pfund-Spiegler erbrachte und um 5:00 morgens war es wieder „The Vampire“ der einen kleineren Schuppi hergab. Ich war ernsthaft am überlegen die Rute nicht mehr rauszubringen. Ich fror, weil meine Klamotten klitschnass waren und ich wusste, dass meine lieben Töchter trotz allem die Nacht um 7:00 Uhr beenden würden. Aber dann sagte mir eine innere Stimme: „Und was, wenn auf dieser Rute noch ein Dreißiger kommen soll?!“ Und so brachte ich sie wieder raus. Vorerst passierte aber nichts, außer dass es unaufhörlich weiter regnete und der große Familienrat beschloss, dieses Angelwochenende nach dem Frühstück zu beenden. Aber was soll ich sagen, einer der Seebewohner hatte was dagegen und natürlich war es die Rute, zu der ich mich am frühen Morgen arg überwinden musste und der Fisch hatte 31,5 Pfund. Alles richtig gemacht! 3 Dreißiger in acht Tagen, in zwei verschiedenen Gewässern, auf den Prototyp, da kann man wohl kaum meckern.
Der
vorläufige Höhepunkt Gegen 11.00 Uhr lief die Rute ab und ich spürte recht bald, dass es kein kleiner Gegner war. Der Fisch zog mich im Boot quer über den ganzen See, irgendwann kam er in Nähe Oberfläche und ich konnte einen hellen Schatten erkennen. Ich dachte so bei mir: ‚Sah echt groß aus, aber das habe ich schon öfter gedacht, na ja auf jeden Fall ein Spiegler’. Kurze Zeit später durchbrach er die Oberfläche und nun wusste ich es war erstens ein Schuppi und zweitens er war verdammt groß. Immer wenn ich mir sicher bin einen großen Fisch zu drillen werde ich verdammt vorsichtig, geht euch das auch so? Jedenfalls hatte ich ihn dann irgendwann im Kescher und an Land blieb die Waage bei 17 Kilo und 500 Gramm stehen. In diesem Moment war es eigentlich schon die beste Session des Jahres denn es hatte 20 Monate gedauert, bis ich endlich wieder einen Schuppi von über 30 Pfund landen konnte, dass zusätzlich noch 12 weitere Fische bis 29 Pfund dazu kamen rundete das gelungene Wochenende zusätzlich ab.
Damit möchte ich enden, aber wir werden weiter testen, um zur Messesaison wieder mal einen Boilie zu präsentieren, von dem wir 100 % überzeugt sind. Ich hoffe, ich konnte euch ein paar nützliche Anregungen geben, falls ihr selber mal irgend etwas testen wollt und natürlich hoffe ich, euch ein wenig unterhalten zu haben, wobei das ja mittlerweile immer schwieriger wird. Ben Boden |