Wenn man ein so zeitaufwendiges Hobby wie Karpfenangeln hat, bleibt wenig Zeit für andere Dinge. So merkte ich zum Beispiel, dass es mir immer seltener gelang meine Eltern zu besuchen. Schnell war eine Idee gefunden. In einer alten „Blinker - Wo angeln“ - Karte fand ich einen See in der Nähe meiner alten Heimat. Es war der Große Schachtsee in der Nähe von Wolmirsleben.

Beim alljährlichen Weihnachtsbesuch bei meinen Eltern sah ich mir den See zum ersten mal an. Vorher hatte ich schon ein wenig im Internet gestöbert und so herausgefunden, dass der See 34 ha haben sollte. Als ich dann selbst vor dem Gewässer stand, hatte ich jedoch ernsthafte Zweifel an der Flächenangabe. Ich schätze die Größe auf maximal 20 ha. Allerdings gibt es noch einen Nachbarsee. Vielleicht wurde dieser großzügig mitgerechnet.

Ich traf einen älteren Hechtangler, der direkt am See wohnte. Er berichtete mir von Karpfenanglern, die regelmäßig Fische von über 30 Pfund fingen. Na, wenn das mal keine Lust auf das Gewässer macht.

Endlich geht’s los

Am 28. August 2004 machte ich mich mit Familie auf den Weg. Sperrige Gegenstände, wie zum Beispiel den Kinderwagen, hatten wir bereits voraus geschickt. Wir fuhren zuerst zu meinen Eltern und schliefen hier auch die erste Nacht.

Am nächsten Tag fuhr ich zweimal zum Schachtsee, um alles was mit Angeln oder Kinderspielzeug zu tun hatte, vor Ort zu bringen. Wir hatten einen Bungalow gemietet und die erste Nacht verbrachte auch ich hier. Natürlich nachdem ich vorher sehr genau gelotet hatte.

Am nächsten Morgen ging es nun richtig los. Ich verpackte mein gesamtes Tackle auf meinem gehassten Fishhunter und fuhr über den See, an die ausgewählte Angelstelle. Hier sollte ich nun die nächsten 5 Tage angelnder Weise verbringen und dabei immer wieder Besuch von meinen drei „Frauen“ bekommen.

Der Angelplatz

Das Gewässer ist ziemlich gleichmäßig oval und sehr stark bebaut. Ein großer Teil des Geländes wird vom Campingplatz eingenommen. Direkt gegenüber vom Campingplatz befindet sich eine Angelstelle. Diese Stelle fand ich jedoch nicht so romantisch, weswegen ich in den hinteren Teil des Sees ging. Nach der Angelstelle gegenüber vom Campingplatz folgen auf dieser Seeseite noch zwei weitere „echte“ Angelstellen. Die zweite davon war meine. Nach meiner Angelstelle folgen einige Grundstücke, die bis ans Wasser gebaut sind. Anschließend folgt das Fischerheim. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich noch zwei weitere Plätze, die sich zum Angeln eignen, wobei einer davon als Badeplatz von Einheimischen benutzt wird. Sicher kann man sich hier und dort auch noch hinquetschen, aber richtig viele Angelplätze gibt es nicht. Andererseits muss man sagen, dass die vier bis fünf Stellen, die sich eigenen, wirklich sehr viel Platz bieten.

 

Nun zu der von mir gewählten Stelle. Ich errichtete mein Camp ungefähr in der Mitte, der dem Campingplatz gegenüber liegenden Seite.  Cirka 15 Meter vom Ufer weg, verläuft hier der ehemalige Schacht. Hier ist es bis zu 9 Metern tief. Weiter draußen bei vielleicht 150 Metern, was schon näher am anderen Ufer ist, befinden sich einige interessante Spots. Besonders auffällig war natürlich ein riesiges Plateau von 20 x 20 Metern. Das Plateau war zwischen 2 Metern und 1, 20 Metern flach. An der Kante des Plateaus war es 5 Meter tief. Etwas weiter rechts neben dem Plateau befand sich eine verkrautete Stelle, die bis zu 4,50 Metern tief war.

Die erste Nacht

Ich entschied mich in der ersten Nacht mit einer Rute auf dem Plateau zu fischen und mit der anderen an der Unterkante des Plateaus. Jetzt lag eine Rute auf 1,60 Meter und eine bei 5 Metern. Die flachere Rute bestückte ich mit einem „Garlic-Fish“-Boilie, die andere mit einem „Red-Birdy“. Beim Fischboilie fütterte ich Pellets zu, beim Birdy Tigernuts.

Das Warten konnte beginnen. Als es langsam dunkel wurde, zogen noch einmal die Gespräche des Tages an mir vorbei. Erst im Angelladen, als Besitzer Olli auch noch einmal auf die Kapitalen des Sees hinwies und andererseits die Karpfenangler, die ich an der Stelle traf, die dem Campingplatz gegenüber lag. Sie meinten, dass es selten genug der Fall sei, dass man mal einen Fisch über 20 Pfund fängt. Aber so ist das mit den Informationen: Der Eine will viele Karten verkaufen, die anderen wollen vielleicht nur ihr Gewässer vor anderen Anglern schützen.

0:30 Uhr: Die Rute auf dem Plateau läuft zum ersten Mal ab. Wie sich herausstellt, war der Anfang nicht mal schlecht, denn nach kurzem Drill gleitet ein Spiegler von 18 Pfund in den Kescher. Na also, wird ja wohl nicht der größte bleiben, oder?

Eine halbe Stunde später ein ca. 5-pfündiger Spiegler und noch eine Stunde später ein 6-Pfund Schuppi. Danach passierte mir das erste Missgeschick. Beim Anheben des Keschers (bei so einem kleinen Fisch geht das schon mal) bricht mir doch glatt der Kescher am Gewinde ab. Ich weiß nicht, was ich in dieser Nacht noch gefangen hätte, aber so war erst mal Schluss.

Kescher-Suche

Am nächsten Morgen fuhr ich nach Egeln zu Olli’s Angelladen. Beim ersten Besuch hatte ich ja nur eine Karte gekauft, was übrigens Mitglieder im DAV nicht müssen, aber wir armen Wessis müssen zahlen. So, diesmal sah ich mich richtig um und bekam es sofort mit der Angst zu tun. Ob ich hier wohl überhaupt einen Kescher finden würde?

Ich ließ mir den größten Kescher im Laden zeigen: Er hatte eine Bügelweite von vielleicht 60 Zentimetern. Ich fragte, wo denn ein Angelladen sei, der größere Kescher hätte. „Da musste schon nach Magdeburg.“ Na Klasse, gab es denn keine andere Möglichkeit? Doch: Olli holte seinen eigenen Kescher aus der Angeltasche vom Hof. Dieser hatte zumindest ca. 80 Zentimeter Bügelweite. Er knöpfte mir noch 30 Euro für das gebrauchte Ding ab und dann fuhr ich zurück.

Gegen 12:00 Uhr hatte ich endlich die Ruten wieder draußen und nur eine Stunde später lief wieder die Plateau-Rute ab. In der schönsten Mittagssonne konnte ich einen Spiegler von fast 19 Pfund fotografieren. Ich wusste doch, dass der erste noch nicht der größte war. Während meine Frau das Foto machte, passierte mir schon das zweite Missgeschick:: „Ähh, Ben dein Boot treibt ab.“ – Oh nein, das nicht auch noch. Endlich hatte ich wieder einen Kescher, wenn auch kein Glanzstück, da treibt das Boot ab. Ich lief vor zu dem Hechtangler vom Vorjahr, den ich auch diesmal wieder getroffen hatte. Schnell und problemlos lieh mir der nette Mann sein eigenes Boot und so war der nächste Fang den ich verzeichnen konnte mein Badeboot ... ähh Fishhunter.

Alles probiert

Immer gegen Abend half mir meine Frau noch einmal beim Ruten raus bringen, bevor sie sich dann mit den Kindern in Richtung Campingplatz verabschiedete. An diesem Abend wollte sie unbedingt auch beim Reinholen der Ruten helfen. Sie kurbelte die Plateaurute rein, ich die andere. „Da hängt was dran Ben.“

„Ja klar, Kraut!“
„Fühlt sich das so schwer an?“
„Ja!“

Doch kurz vorm Ufer begann das Kraut zu plantschen und so kam meine Frau zu ihrem ersten Karpfenfang. Ein richtig Dicker, dem nur 200 Gramm am ersten Kilo fehlten.

Leider leitete dieser Fang die Welle der kleinen Fische ein. Ich legte in der zweiten Nacht eine Rute auf 9 Meter in den Schacht, da bisher nur die Plateaurute gelaufen war. Aber es blieb auch so: In dieser Nacht hatte ich acht Läufe auf dem Plateau und konnte davon 7 Fische landen. Einer schlitzte leider kurz vorm Kescher aus. Es schien auch noch ein besserer zu sein. Hoffentlich lag’s nicht am Kescher. Ein Fisch war eine Brachse und ein einziger Fisch überschritt, und das nur knapp, die 10-Pfund-Marke.

Irgendwie schien mir das Plateau nur die kleinen Fische rauszurücken. Aber ich hatte nun mal die Nase voll von fast 10 Fischen in einer Nacht, die alle relativ klein waren. Ich musste wieder neue Plätze suchen. Diesmal sollte eine verrückte Idee her und so legte ich beide Ruten ca. 20 Meter voneinander entfern in Krautfelder ab, die auf ca. 4,50 Meter lagen.

Immerhin fing ich in der dritten Nacht auf beiden Ruten abwechselnd, also endlich auch mit „Red-Birdy“ und immerhin hatte ich wieder vier Läufe, von denen drei Fisch brachten, und immerhin waren diesmal zwei 16-pfündige Schuppis dabei.

Am vierten Tag meiner Sitzung hatte ich im Hellen nicht einen Biss. Nun würde bereits die letzte Nacht kommen. Da wollte ich es mir noch einmal richtig antun. Deshalb legte ich beide Ruten auf das Plateau. Eine bestückte ich mit zwei „Red-Birdy“- Boilies, die andere beließ ich bei einem „Garlic-Fish“. Zu guter letzt durfte meine große Tochter diese letzte Nacht mit mir unterm Schirm verbringen.

Gegen 21:00 Uhr kam dann der erste Biss dieser Nacht und brachte auf den Doppel-Boilie einen 5-Pfund-Schuppi.

Es sollte der letzte Fisch dieser Session werden. Schade, die Dicken habe ich nicht gefunden. Vielleicht sind auch gar keine drin? Vielleicht aber doch? Ich komme wieder.

Einige Infos

Es darf mit zwei Ruten gefischt werden. Boote dürfen benutzt werden und gegen einen Schirm mit Überwurf sagt auch niemand etwas. Die Karten für das Gewässer erhält man in „Olli’s Angelladen“. Aber vergesst nicht, dass es ansonsten schlecht mit Karpfentackle aussieht. Hier noch Olli’s Anschrift: Tarthuner Straße 16 A in 39435 Egeln, Telefon: 039268-33792.

Das Gewässer erreicht man am besten über die A2 Magdeburg/Hannover. Abfahrt „Eilsleben“ runter und dann bis nach Wanzleben. Hier dann abbiegen nach Wolmirsleben und schon ist man da. Die Karten kosten 20,- € pro Woche für „Nicht-DAV-Mitglieder“ und gelten dann auch für ca. 15 weitere Gewässer.

Ich habe den Aufenthalt sehr genossen und viele äußerst nette Menschen kennen gelernt. Sicher hat dieser See nicht enorm viel Platz für Angler, dafür ist er aber auch mit Sicherheit nicht gerade mit Riesen überbesetzt. So dass man sagen kann: Wenn alles auch in Zukunft in Maßen gehandhabt wird, findet man hier immer ein schönes Fleckchen.

Ben Boden
cipro.de
natural-carpbaits.de

 

 

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