Beginnen wir unsere Geschichte mit einer kleinen Zeitreise: Wir schreiben das Jahr 1989, ich bin erst 15 Jahre alt und liege auf meiner Luftmatratze unter einem von Oma grün eingefärbten und imprägnierten „Ernte 23“-Angel/Sonnenschirm. Till, Matthias und ich sind an einem See im Wolfsburger Raum unterwegs und wollen ein paar Karpfen fangen. Unser damals noch neuer Angelfreund Matthias kommt zu mir rüber und drückt mir ein Buch in die Hand, und meint, dass ich dieses Buch unbedingt einmal lesen müsse. „Willst du mit mir einen Traum verwirklichen“Später habe ich mir dieses Buch selber gekauft, und seit vielen Jahren liegt dieses besagte Buch, wie in einem Hotel die Bibel, auf meinem Nachtschrank. „Carp Fever“ von Kevin Maddocks, ein revolutionäres Karpfenangler-Buch! Ich verschlang in den nächsten Tagen am Wasser förmlich dieses Buch, und gelangte schließlich zum Kapitel 6 Lac de Saint Cassien „Die Entdeckung von Cassien“. (Kein gutes Deutsch, heißt aber so!) Dieses Kapitel beeindruckte mich so sehr, dass ich sofort den Entschluss fasste eines Tages einmal selbst an diesem Stausee meine Ruten auszuwerfen.

„Ich wusste, dass er schön ist, aber nicht, dass er so schön ist!“


Mittlerweile ist es Winter 2008/09 und ich stecke Kopf über in der Planung für das kommende Angeljahr. Sehr viel habe ich in den vergangenen 20 Jahren durch unzählige Berichte in Magazinen und durch Erzählungen von Freunden und Bekannten an den „Heiligen See“ in Süd Frankreich denken müssen. Aber mit einem Trip an den Cassien hat es bis zu diesem Zeitpunkt komischerweise noch immer nicht geklappt. Irgendwie taucht in diesem Winter immer wieder in meinen Gedanken der Name Lac de Saint Cassien auf. Ja warum denn auch nicht, höre ich mich laut sagen! Ich schwinge mich also gleich ans Telefon und rufe meinen Freund Ben auf der Arbeit an. Ben war 2007 schon einmal am Cassien und da wir im kommenden Jahr sowieso wieder einmal gemeinsam losziehen wollten, war er genau der richtige für mein Vorhaben. Nach einer kurzen Begrüßung begann ich unser Gespräch mit meiner kleinen Geschichte und frage ihn am Ende ob er mit mir meinen kleinen Traum verwirklichen wolle. Bens Antwort kam ohne zu zögern und wie aus der Pistole geschossen, und die lautete „JA!“ Wir telefonieren sowieso fast täglich und von nun an gab es fast nur noch ein wirklich interessantes Thema für uns: Cassien!Nach ein paar Monaten intensiver Vorbereitung und vielen Telefonaten mit befreundeten Karpfenanglern, um ja genügen Informationen zu haben, war es dann auch endlich soweit. Wir verließen nach gut 1350 km Autofahrt die Autobahn Richtung Fayence / Lac de Saint Cassien.

Was für ein Anblick

Ich glaube die folgenden Zeilen schon mal irgendwo gelesen zu haben: „und nach ein paar hügeligen Kurven tauchte er dann endlich auf der linken Seite auf, der Südarm das legendären Saint Cassin. Ich wusste von Fotos und unzähligen Erzählungen, dass er schön ist, aber nicht, dass er sooo schön ist!“

Ein Traum geht in Erfüllung
Das Material ist verpackt, jetzt geht’s los!

Schnell kauften wir die letzten Lebensmittel und ein paar 5-Liter-Wasserkanister im Supermarkt ein und besorgten uns die nötigen Angellizenzen. Auto ausladen, Boote aufpumpen und anschließend mit unserem gesamten Tackle beladen, fiel uns nach gut 28 Stunden auf den Beinen nicht gerade leicht, aber wir waren heiß darauf nun endlich unsere Ruten auszulegen. Bei unserer Stellensuche hatten wir unheimliches Glück, im Nordarm wurden am Morgen gleich drei schöne Stellen frei, von denen wir natürlich sofort eine bezogen. Nachdem wir die Boote entladen hatten, begannen wir gleich mit dem Suchen nach geeigneten Spots, wobei wir uns aber richtig Zeit genommen haben. So verteilten wir die Ruten auf Wassertiefen zwischen 8 und 14 Metern! Gegen Abend hatten wir dann alle Ruten auf ihren vorgesehenen Stellen liegen und unsere Schirme waren errichtet. Nach einem leckeren Abendessen bestehend aus französischer Salami und leckerem Stangenbaguette legten wir uns nach nun mehr als 40 Stunden auf den Beinen erwartungsvoll schlafen.

Die Katastrophennacht

Ich hatte meinen Schirm direkt an einen kleinen Abhang gestellt und nachdem Moppel sich in den Schlafsack verkrochen hatte, prägte ich mir noch einmal genau ein, wie es hier runter ging, um im Falle eines Bisses nicht zu stürzen. Dann legte auch ich mich schlafen und war dank der bisherigen Anstrengungen sofort im Reich der Träume. Mitten in der Nacht natürlich das Geräusch des Carp Sounders:

Ich will den Schlafsack aufreißen, aber der klemmt! Oh nein! Ich werde nervös, reiße am Reißverschluss rum, verliere die Brille und der Sounder  brüllt. Schließlich wühle ich mich nach oben aus dem Sack, noch immer schreit der Bissanzeiger um Hilfe, ich lasse die Clocks stehen und entscheide mich, fataler Weise, für die Luftlinie zur Rute.

Krachend stürze ich den Abhang hinunter und spüre unsägliche Schmerzen, doch noch immer läuft die Rute ab. Ich beiße mich durch, schlage an und kaum bin ich drillend im Boot, sind die Schmerzen vergessen! Vorrübergehend jedenfalls, denn als ich die Stirnlampe einschalte um nach der Richtung der Schnur zu schauen, sehe ich Blut im Boot, alles voller Blut, der gesamte Boden rot.

Da ist er wieder der Schmerz. Ich muss meine Gedanken zum Drill zwingen, um den Schmerz beiseite zu schieben. Es gelingt nur schwerlich, doch plötzlich kann ich einen hellen Schatten im Wasser sehen. Hell? Ich werd’ verrückt, es ist ein Koi. Wieder sind die Schmerzen weg, ich drille nicht nur meinen allerersten Koi, nein das tue ich natürlich im Cassien. Diesen Fisch darf ich nicht verlieren und dann ist er auch recht bald im Kescher.

Bis das die Fetzen fliegen
Zum Arzt gehen wollte ich nicht

Doch da sind sie wieder, die Schmerzen und jetzt habe ich richtig Zeit mich um sie zu kümmern. Mit jedem Ruderschlag in Richtung Ufer nehmen die Schmerzen zu. Mir tut dieser scheiß rechte Fuß dermaßen weh, dass ich Angst bekomme. Muss ich zum Arzt? Ich will zu Moppel, ich brauche jetzt jemanden um mich. Endlich das Ufer. Beim Aussteigen meine ich sterben zu müssen. Ich schreie Moppels Namen, doch der hat seinen seligen Schlaf. Irgendwie kämpfe ich mich zu seinem Schirm und schreie immer wieder lauthals seinen Namen. Als ich dann Geräusche in seinem Schirm höre, lasse ich mich einfach hinter seinem Zelt fallen.
“Ben was ist los“?
“Moppel, ich habe mich böse verletzt, aber bitte kümmere dich erst um den Fisch“!
“Was für ein Fisch?“
“In meinem Boot, ich habe einen Koi gefangen, einen Koi im Cassien“, sage ich in meinem Adrenalin-Wahn.
Moppel marschiert los. Ich sammle mich, bleibe kurz hintern Zelt liegen, dann humple ich zu den Stühlen, die wir am Ufer stehen lassen haben und setze mich. Als Moppel kommt und sich alles ansieht, ist er fix und fertig, dass wiederum macht mich ruhiger, der arme Kerl ist völlig fertig. Was wir sehen sind zwei abgerissene Zehennägel und eine ca. 6qcm große Schnittwunde an der Fußsohle, sie ist es auch, die die höllischen Schmerzen verursacht. Nachdem ich mich verbunden habe und mir eine Tablette eingeworfen habe, lege ich mich hin und versuche weiterzuschlafen.

„Bankestone“

Am nächsten Morgen musste ich mir eingestehen mächtig Mist gebaut zu haben. Ich konnte nur mit Hilfe eines Banksticks laufen und hatte trotzdem unbeschreibliche Schmerzen. Moppel drängte mich zum Arzt zu gehen, aber ich wusste, dass dann diese Session vorbei ist und vor allem Moppel ohne Fisch wieder nach Hause fahren müsste. Ich nahm den Verband ab, schaute mir alles an und sah, dass die Wunden schon abzuklingen begannen, nur der vordere Bereich des Fußes war dick geschwollen. Ich entschied mich nicht zum Arzt zu gehen. Ich kenne meinen Körper, weiß dass er so funktioniert wie er soll. Ich beschloss die Wunde durch viel Cassien-Wasser sauber zu halten und mich zu schonen. Dass musstte ich allerdings mit Moppel absprechen, denn wenn wir blieben, hing vorerst die meiste Arbeit an ihm. Moppel war wahrscheinlich insgeheim froh, dass ich es weiter versuchte, denn er wollte schließlich den einen Fisch aus dem Cassien.

Carp Sounder, made in Germany, zuverlässig
und perfekter Service!
Auch in Frankreich darf der Weißherbst der WG
Lehrensteinsfeld nicht fehlen
Den Traum erfolgreich umgesetzt!


Der Cassien schonte mich für über 48 Stunden und in dieser Zeit normalisierte sich einiges, zumindest gewöhnte ich mich an einiges, zum Beispiel an meinen neuen Spitznamen, den mir zwei deutsche Angler verpassten: „Bankestone“, danke Micha und Max.

Moppels erster Streich

Meine ersten Fische aus dem Cassien waren ein paar Brassen. In der dritten Nacht konnte ich dann einen schönen Waller von über 150 cm Länge und 48 Pfund  fangen. Kein schlechter Beifang wie Ben und ich fanden. Mein angestrebtes Ziel für diesen Trip war es, zumindest einen Cassien-Karpfen zu überlisten, egal wie schwer dieser auch sei! Klingt vom Prinzip her nicht schwer, aber ich wusste, dass schon sehr viele vor uns den Cassien nach ein oder sogar zwei Wochen, ohne einen Fisch gefangen zu haben, wieder verlassen hatten. Und das ganze sogar mehrmals! In der vierten Nacht war es dann aber soweit, mein Traum sollte in Erfüllung gehen. Wir wollten uns gerade schlafen legen als ich hörte wie Ben seine Funk-Box einschaltete, nichts ungewöhnliches, nur das dass anfängliche Testsignal der Carp Sounder Funk-Box einfach nicht verstummen wollte? Biss, beim Einschalten der Funk-Box, verrückt! Da wir uns auf solchen Trips immer beim Drillen abwechseln, und nur bei einem gelandeten Karpfen wechseln, war ich nach Bens Koi ja noch immer an der Reihe. Schnell waren wir dann beide im Boot und rudertem dem Fisch entgegen. Nach einem schönen Drill konnte Ben meinen ersten Cassien-Spiegelkarpfen von 20 Pfund 200 Gramm sicher keschern! Mein Ziel war erreicht, man was war ich happy! In dieser Nacht fing Ben noch einen weiteren schönen Spiegelkarpfen von 17 Pfund. Ansonsten verlief diese Nacht relativ ruhig. Beunruhigend war eigentlich nur, dass wir alle Karpfen bisher auf der gleichen Rute gefangen hatten und alle Fische ausnahmslos auf Birdfood-Boilies, obwohl wir Hälfte/Hälfte fischten und scheinbar alle anderen Angler am See nur mit fischigen Baits erfolgreich waren.

Auch wenn ich mittlerweile durch Bens Sturz sehr viel alleine machen musste, wollte ich aber um nichts auf der Welt mit ihm tauschen. So gab es ständig etwas für mich zu erledigen. Erst verreckte uns am zweiten Tag die Batterie vom Echolot. Wir konnten sie beim späteren Durchmessen in Deutschland nur noch entsorgen lassen, sie war kaputt. Also musste das Echolot irgendwie an die Batterie vom E-Motor angeschlossen werden. Klingt wieder einmal in der Theorie ganz einfach, war es aber nicht. Trotzdem gelang es mir das Echolot wieder mit dem nötigen Strom zu versorgen. Wir suchten dann auch gleich ein paar neue Plätze, unter anderem fanden wir eine alte Straße, die in den See führte. Hier legten wir zwei Ruten ab, auf 11 und auf 13 Metern.

Kein schlechter Beifang
Mein erster Koi stammt aus dem Cassien!
Für die Schuppis war Moppel zuständig.

Dann brach uns zu allem Überfluss auch noch die Querverbindung vom linken Ruder! Ich schnitzte hierfür ein passendes Ersatzteil aus Holz, das ich zuvor im umliegenden Wald gesucht hatte. Und dieses Provisorium hält sogar noch über diesen Trip hinaus! Ben half natürlich so viel, wie für ihn möglich war, aber es tat mir sehr weh ihm zusehen zu müssen wie er sich streckenweise ganz schön abquälte. Jeder Schritt tat ihm sichtlich weh! Ich weiß gar nicht wie oft ich ihn vergebens wie eine Mutter gebeten habe doch bitte einen Arzt aufzusuchen. Aber Ben ließ sich da einfach nicht überreden. Na ja, er ist schließlich alt genug und sollte wissen was er macht. In der fünften Nacht war es mir schließlich vergönnt nach den ganzen anfänglichen Strapazen einen wunderschönen Spiegelkarpfen von 32,5 Pfund zu fangen! Wahnsinn, die 30-Pfund-Marke war geknackt, ich war im siebten Himmel, nicht Herr meiner Sinne, einfach trunken vor Glück! Es konnte einfach nicht besser für uns laufen. Übrigens wieder der von Ben aus Zutaten der Watersportcentrale kreierte Birdfood-Boilie mit einem Nussmehlanteil.

Lohn der Mühe

Ich freute mich tierisch für Moppel, was hatte er immer von diesem Trip geschwärmt und nun hatten wir bereits richtig gut zugeschlagen, meine Fische waren zwar bisher etwas kleiner, aber hallo, es war ein Koi dabei. Trotzdem hatte ich die Hoffnung auf einen größeren Fisch, als knapp eine halbe Stunde nach Moppels 30iger wieder der Bissanzeiger aufheulte und um Hilfe bat. Der Fisch fühlte sich wie eine Wand an, nur hin und wieder ein Rucken in der Rute. Ich drillte schon eine ganze Weile, als plötzlich ein Blasenteppich aufstieg. Mir schwante da etwas und tatsächlich kam nur etwas später ein ca. 1,20 Meter langer Waller zum Vorschein. Ich war ziemlich enttäuscht, eigentlich habe ich nichts gegen Beifänge, aber wenn jeder Drill unter heftigen Schmerzen abläuft, ist es umso enttäuschender, wenn dann nicht der Zielfisch zum Vorschein kommt.

mein größter Fisch aus der erfolgreichsten
Nacht hatte über 38 Pfund!
43 Pfund geballte Cassien-Power!

Mein Pearly von knapp 30 Pfund


Noch in der gleichen Nacht war ich erneut beim Drillen und alles kam mir so bekannt vor: Gleicher Platz, wieder Drill gegen eine Wand und nach langer Zeit wieder Blasen. Moppel sah die Blasen ebenfalls und ich sagte zu ihm „Scheiß drauf, jetzt genieße ich den Drill." Keiner von uns sagte auch nur ein Wort, als plötzlich der Schatten eines gigantischen Spieglers unter Boot hervorschoss, aber natürlich wusste ich, dass war wohl für mich der Fisch dieser Tour und so wurde mein Drillverhalten gemäßigter, diesen Fisch durfte ich nicht verlieren. Nur kurze Zeit später lag er sicher in den Maschen des Keschers und das Wiegen ergab 21 Kilo! Und das war noch nicht der letzte Fisch dieser Nacht, nein auch Moppel konnte noch einen Schuppi mit knapp über 20 Pfund auf der Habenseite verbuchen. Wir hatten den Platz zum Laufen gebracht, das bewiesen auch die nächsten drei Fisch, von denen wieder zwei die 30-Pfund.Schallmauer knackten.

Was für ein tolles Wasser!
Der erste Sonnenaufgang am Cassien.

Aber der Reiz dieses Gewässers geht nicht nur von den wunderbaren Fischen aus, sondern auch von der tollen Atmosphäre am See. Irgendwie gehören alle zu einer Familie, wenn sie denn schon mal da sind und so lernten wir nach Micha und Max auch noch Peter den netten Holländer kennen und auch Jan und Jeanine, ein wahnsinnig nettes Pärchen und Patrick den Franzosen der am See wohnte und nichts mit Fischen am Hut hatte. Aber er war ein super netter Kerl, ist ja klar wenn ein Franzose schon mal auch englisch spricht. Jeden Tag besuchte er uns und eines Tages fragte er, der Einheimische, uns, die Besucher, ob er seine Feriengäste mit an den Strand bringe dürfe, er würde auch Gin Tonic, Obst und Gemüse mitbringen. Wir konnten es fast nicht glauben, doch am Abend kam Patrick mit einem spanischen Pärchen, einem Korb Weintraube, einer Schüssel Cherry-Tomaten und drei Litern Gin Tonic an den Strand. Später gesellte sich auch Peter dazu und noch später tauchten Jan und Jeanine auf. Es war einfach nur Wahnsinn, eine Beach-Party mit karibischem Flair am Cassien. Es ist etwas Wahres daran, Angeln ist mehr, als Fische fangen!

Mehr geht nicht!

Unsere kleine Beach-Party neigte sich langsam dem Ende zu, nur noch Jeanine und Jan saßen bei uns als in dieser Nacht einer unserer Bissanzeiger zum ersten mal aufheulte. Ich war mal wieder an der Reihe, und stand auch sogleich in der Spitze unseres Bootes, Ben hinter mir am Ruder und Jan gab uns noch den nötigen Anschub. Als wir recht schnell über dem Fisch angekommen waren höre ich mich noch zu Ben sagen: „Das ist ein Kleiner!“. Ben’s Antwort: „Der Kleine haut dir aber ganz schön Schnur von der Rolle!“. Und in der Tat, mein Gegenüber verlangte mir einiges ab, und legte beachtliche Fluchten hin. Aber auch diesen Fisch konnte Ben sicher für mich Keschern.

Bootsreparatur am Wasser
Und es hält und hält und ...

Wir beugten uns beide über den Rand des Bootes und starrten in den Kescher, ich konnte mir daraufhin ein recht lautes „YES WE CAN“ einfach nicht verkneifen! Zurück am Ufer waren wir uns alle einig, dieser mächtige Spiegelkarpfen hat über 40 Pfund. Und wir sollten alle recht behalten, denn die Waage blieb abzüglich der Wiegeschlinge bei genau 43 Pfund stehen! Unglaublich, mein erster Cassientrip und gleich einen Fisch von über 40 Pfund! Ich war absolut sprachlos und unglaublich glücklich! Cassien, er liebt uns! Dieser Fisch war übrigens einer von denen, die auf unsere ganz speziellen Cassien Boilies gebissen hatte. Aus Bens Erfahrung und natürlich a7us vielen Gesprächen wussten wir, dass die Farbe weiß im Cassien ein Fanggarant war. Dass konnte doch aber nicht nur für Pop ups gelten. Und so machte ich mich im Internet schlau, besorgte einen Farbstoff, der mal richtig weiß ist und zwar auch nach 24 Stunden im Wasser und schickte diese Zutat Ben. Er verschwand damit in seiner „Zauberküche“ und bastelte einen hellen, aber gehaltvollen Birdy-Mix. Zusammen mit dem Farbstoff entstand so der „White Cassien“ und wir fingen fast 50% unserer Fische auf diesen Köder.


Moppel ist endlich da und filmt seinen Traum!

Der „White Cassien“ hier gedippt in FSC von der WS.


Ben konnte in dieser Nacht noch zwei schöne Spiegelkarpfen von 10,1 und 15,6 Kilo landen. Ich legte noch einen Schuppenkapfen mit 18 Pfund oben drauf, wobei die beiden letzten Fisch auch noch ein Doppeldrill waren. Ben‘s Fuß entwickelte sich aus meiner Sicht erstaunlicherweise gut! Er humpelte zwar noch immer, und machte sich unheimlich Sorgen um einen Zeh, in welchem er weder Gefühl hatte, noch ihn bewegen konnte. Wir gingen aber von einer sehr starken Verstauchung aus, da der Zeh nur noch dick aber nicht blau war. Die offenen Wunden heilten aber an der frischen Luft ganz hervorragend ab und er konnte von Tag zu Tag immer besser laufen. Ich werde es trotzdem vermissen wie er immer so „graziös“ auf einem Bein ins Wasser hüpfte, da brachte er mich jedes mal mit zum Schmunzeln! In der letzten Nacht, die wir auf unseren Liegen hinter den Ruten verbrachten, da wir schon alles Überflüssige zusammengepackt hatten, ließen unsere Bissanzeiger uns leider durchschlafen. Am Vortag zog ein Mistral (starker NW-Wind in der Provence) auf und wühlte das Wasser ganz schön auf. Wir gaben dem Mistral die Schuld, dass wir nichts mehr fingen.

Holländer, die nichts mit Fußball am Hut haben,
sind meist sehr freundliche Menschen

Der Wein geht langsam zur Neige.

Am letzten Morgen rappelte um 5.00 Uhr der Wecker und keine zwei Stunden später waren wir mit unseren voll beladenen Booten schon wieder auf dem Wasser in Richtung Parkplatz. Die vergangenen 10 Tage seit unserem Start sind leider wieder einmal viel zu schnell vergangen. Es lag an diesem Morgen eine komische Stimmung in der Luft. Die Sonne ging gerade über den Bergen auf und nach dem Wind vom Vortag herrschte an diesem wunderschönen Morgen wieder der Ententeich. Jeder von uns beiden nahm auf seine Art und Weise Abschied. Fast die ganze Bootsfahrt schwiegen wir uns an. Bis auf Bens Unfall in der ersten Nacht waren die 10 Tage einfach nur perfekt verlaufen. Viele nette Leute haben wir in dieser Zeit am Cassien kennen gelernt und zugleich noch wunderbare Fische fangen können. Ich weiß, dass dies kein Abschied für immer gewesen ist. Ich werde garantiert wieder an diesen Stausee nach Südfrankreich zurückkehren, aber dieses mal vergehen keine 20 Jahre!

Der pädagogische Zeigefinger!

Wir kamen Samstag abends bei mir zu Hause an und hatten das Glück eine Geburtstagsparty von einem meiner Nachbarn besuchen zu können. Moppel schlief noch einmal bei mir, bevor er dann Sonntags nach Hause fuhr. Endlich sah ich meine Frau wieder, die aber meine Fuß-Geschichte gar nicht lustig fand und mich bereits am Sonntag ins Krankenhaus zwang. Der Arzt schüttelte immer wieder den Kopf und redete etwas von „wer so mit seiner Gesundheit umgeht, hat so viel Glück gar nicht verdient“. Fakt ist, die abgerissenen Zehen verheilten toll, die Schnittwunde war eigentlich weg, aber der Zeh neben dem „großen Onkel“ war gebrochen. Glücklicher Weise war es aber ein kerzengerader Bruch.

32, 5 Pfund, ich war im siebten Himmel!
Ein alter Fisch mit dem größten Maul, das ich je gesehen habe!

Ich bekam einen Pflasterzügelverband und konnte mich noch weitere 8 Wochen nur eingeschränkt bewegen, kein Tennis, kein Jogging. Ich möchte hier ganz klar zum Ausdruck bringen, dass mein Verhalten grob fahrlässig war und ich nur Glück hatte. Ich hätte mich definitiv zu einem Arzt begeben müssen, denn schließlich hätten Wundbrand und noch andere lustige Geschichten, an meinem Fuß viel Freude haben können. Bitte macht mir diesen Leichtsinn nicht nach, es war wahrlich keine Heldentat!

Ben Boden und
Markus Wolff (Moppel)
Watersportcentrale Genk
Team Germany