Zufrieden kam ich nach diesem gigantischen Saisonauftakt nach Hause. Ruhe und Gelassenheit machten sich breit. Wozu brauchte ich eigentlich noch das Angeln? Dieses Gefühl hielt sensationelle 48 Stunden an, dann war es vorbei. Ich wollte die nächste Saison vorbereiten. Mindestens noch einen richtig Großen fangen und das natürlich mit meinen selbst kreierten Boilies. Und so fing alles, so wie immer, von vorne an:

Erste Rezeptur für Fischboilies
Mitte März machte ich meine letzte Session mit eingefrorenen Boilies der Vorsaison, dann stand ich wieder in meiner Hexenküche. Für den Beginn der Saison wollte ich einen Boilie bauen, der vor allem deftig war, sprich durch sein starkes Aroma anziehend sein sollte. Aus diesem Grund entschied ich mich mit Blutmehl zu arbeiten. Leider gibt es bei der WS kein Blutmehl und so musste ein Freund aushelfen, alle anderen Zutaten kamen wie immer von der WS. Folgendes Grundrezept sollte sich später auch noch etablieren:

200 gr. Weißfisch
100 gr. Sandaal
100 gr. Trout & Salmon
100 gr. Grieß
100 gr. Vitamealo
50 gr. Cassein
50 gr. Lactalbumin
100 gr. Soja
40 gr. Blutmehl
30 gr. GLM
30 gr. Liver-Extrakt
60 gr. PTX
40 gr. Eggalbumin

Drecksküche Bachflohkrebse

Selbstverständlich kamen auch wieder die üblichen Bachflohkrebse in den Mix. Aber dafür hatte ich mir etwas besonders ausgedacht. Mein Freund Christian Seitel hatte mir zur Berliner Messe sein Lieblings-Garnelen-Produkt mitgebracht. Es handelt sich hierbei um eine grau-braune Flüssigkeit aus fermentierten Garnelen, die sogar noch Stückchen enthält. Schon auf der Messe öffneten wir probehalber die Flasche. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, war noch immer kein Mensch im Umkreis von 500 Metern zu sehen. Spaß beiseite, dass Zeug riecht teuflisch. In diese Flüssigkeit wurden diesmal die Bachflohkrebse eingelegt. Für einen Mix mit Blutmehl ließen sich die Boilies sogar recht gut abrollen. Der Geruch war mindestens deftig, wenn nicht noch mehr. Anfang April stand ich an einem meiner Vereinsgewässer und war heiß auf den ersten Test. Da es zu dieser Zeit noch recht früh dunkel wird, war es schon sehr dämmrig, als ich endlich meinen Ruten raus brachte. Das Wasser war noch sehr kalt und so entschied ich mich für äußerst sparsames Füttern. Am ausgewählten Angelplatz angekommen, legte ich die Rute ab und fütterte einige Boilies darauf. Ich wollte schon wieder zurück rudern, als ich ein merkwürdiges Geräusch vernahm: bluuub, bluub, blub,blub

Naja, was soll’s, vielleicht Einbildung? Die erste Nacht brachte keine Bisse und am späten Vormittag des nächsten Tages wollte ich erst einmal die Ruten bei Licht neu bestücken. Wieder hörte ich das gleiche Geräusch, doch leider konnte ich diesmal auch sehen und so sah ich wie jeder Boilie einzeln wieder auftauchte und an der Wasseroberfläche dahin dümpelte.Ich fuhr erst einmal zurück, griff tief in den Boiliesack und warf Boilies in den See. Jeder, wirklich jeder einzelne kam wieder hoch. Ich hatte eine „astreine“ Pop-up-Produktion hingelegt, leider unabsichtlich. Was sollte ich jetzt noch tun. Eine Montage versah ich mit einem klassischen Pop-up-Rig, für die andere hatte ich einige Boilies weich gekocht und zerdrückt und hoffte dass dieser Teig als Ummantelung den Boilie am Grund halten würde.

Mitten in der Nacht kam der Geistesblitz. Die Bachflohkrebse werden von mir schon seit Jahren 24 Stunden vor Verarbeitung eingelegt, um ihr Gewicht zu erhöhen und eine Aufschwimmen des späteren Boilies zu vermeiden. Aber worin hatte ich sie diesmal eingelegt? In einer schaumigen Flüssigkeit aus fermentierten Garnelen!!! Diese Flüssigkeit verstärkte eher noch den Effekt des Aufschwimmens, denn ich hatte sozusagen versucht Gleiches durch Gleiches aufzuheben. Dieser Test und diese Fehlproduktion, führte mir mal wieder eines deutlich vor Augen: Man muss immer das Gesamtprodukt vor Augen haben. Experimente okay, aber wildes, unüberlegtes Herumexperimentieren kann halt auch zu groben Fehlern führen. Nichts gegen die teuflische Flüssigkeit als Booster, Dip etc., aber zum Einlegen von Bachflohkrebsen für die spätere Verwendung im Boilie, taugt das Zeug nicht.

Konzentriert zur Sache
So stand ich also schon bald wieder im Keller oder besser gesagt in meiner Hexenküche. Diesmal sollte gleich eine größere Produktion erledigt werden, damit ich nicht zu viel Zeit beim Rollen vergeuden würde, sondern mehr angeln könnte. Also musste Hirnschmalz her, denn eine große Produktionsmenge wollte ich keinesfalls in den Sand setzen. Es sollte eine Birdfood mit Nussanteil produziert werden und endlich ein funktionierender Fischboilie. Als erstes kehrte ich mal bei den Bachflohkrebsen in sichere Gefilde zurück und legte diese für den Birdfood in Melasse ein und für den Fischboilie in flüssiger Leber. In beide Behälter füllte ich zusätzlich etwas Minamino hinein. Beim Fischboilie wollte ich diesmal auf Blutmehl ganz verzichten und lieber etwas neues ausprobieren. Der Anteil der Fischmehle sollte 40% ausmachen, aber ich wollte verschiedene Mehle verwenden, da ich doch immer wieder überrascht war, wie unterschiedlich diese verschiedenen Mehle riechen oder auch aussehen. Letztendlich kam folgendes Rezept zustande:

200 gr. Sandaal
100 gr. Anchovi
100 gr. Trout & Salmon
80 gr. PTX
100 gr. Maismehl
100 gr. Soja
50 gr. Lactalbumin
50 gr. Cassein
100 gr. Vitamealo
70 gr. Robin Red
30 gr. GLM
20 gr. Liver-Extrakt

fermentierte Garnelen

 

Flavour

Ich bin ein großer Fan von Sandaalmehl. Dieses Mehl, welches vom Tobiasfisch stammt, kommt zum größten Teil aus Dänemark. Hier gibt es spezielle Fangflotten und auch spezielle Weiterverarbeitungsbetriebe. So ist Sandaalmehl auch ein Hauptbestandteil des Pellet-Futters für die Teichwirtschaft, was ja nun wirklich nicht schaden kann. Das Mehl kann zu über 90% vom Karpfen verdaut werden und hat einen eher angenehm, mildes Aroma. In die gleiche Richtung geht auch das Mehl „Trout & Salmon“. Ein ganz anderes Fischmehl ist Anchovi, denn Anchovi hat ein sehr intensives Aroma und ist daher sehr attraktiv für den Karpfen. Alle drei Mehle sind „LT-Mehle“ (Low Temperature), werden also bei niedrigen Temperaturen so schonend wie möglich hergestellt, damit die Inhaltstoffe nicht negativ beeinträchtigt werden.

Das PTX dient auch hier dafür, die Struktur des Boilies offener zu gestalten. Maismehl und Soja sind die Binder dieses Boilies, die außerdem noch ein intensives Eigenaroma besitzen. Lactalbumin, Cassein und Vitamealo sind die drei Milchprotein-Pulver, die ich regelmäßig verwende. Wie bereits erwähnt ist Cassein nicht wasserlöslich sondern härtet den Boilie aus, wogegen Vitamealo für die Löslichkeit der Inhaltsstoffe verantwortlich ist. Robin Red verwende ich einfach sehr gern in jeder Art von Boilie und GLM, sowie Liver-Extrakt sind in desem Rezept einfach die „I-Tüpfelchen“ die den Unterschied ausmachen sollen. Als Flavour habe ich im Laufe des gesamten Jahres verschiedene Richtungen ausprobiert. Als absoluter Renner, stellte sich „oily chicken“ heraus. Dies kann durchaus daran liegen, dass an den Gewässer, in denen ich gefischt habe, solch ein Flavour vorher noch nicht verwendet wurde.

So, nun musste noch ein Rezept für einen „Sommer-Birdfood“ her, aber auch dieses, hatte ich nach intensiver Beschäftigung mit der Materie gefunden:

200 gr. PTX
80 gr. Sluis
60 gr. Nectarblend
100 gr. Maismehl
100 gr. Soja
50 gr. Lactalbumin
50 gr. Cassein
100 gr. Vitamealo
70 gr. Robin Red
70 gr. Tigernussmehl
70 gr. Erdnussmehl
50 gr. Eggalbumin

Würste rollen   PopUps

Über PTX habe ich hoffentlich genug gesagt, Sluis oder Sluis CLO ist ebenfalls ein Vogelfutter, welches durchaus auch für eine grobe Struktur sorgt aber erheblich bessere Bindeeigenschaften besitzt, als PTX. CLO steht für Cod Liver oil, welches diesem Birdfood beigesetzt ist und dadurch für einen ausreichenden Fettgehalt im Boilie sorgt. Nectarblend ist inzwischen eine meiner Lieblingszutaten im Birdfood-Boilie, es sorgt für einen angenehmen, cremigen, süßlichen Geschmack und Geruch, ansonsten hat es ähnliche Eigenschaften wie die beiden vorher genannten Zutaten. Die Zutaten Maismehl, Soja, Lactalbumin, Cassein, Vitamealo und Robin Red verwendete ich im gewohnten Maße im gleichen Anteil wie im Fischmix. Jetzt zu den nussigen Bestandteilen: Dass die Tigernuss eigentlich keine Nuss ist, dürfte allgemein bekannt sein, botanisch gehört sie zu den Riedgrasgewächsen, aber das nur am Rande. Fakt ist, die Tigernuss und erst recht das Tigernussmehl schmecken „nussig“ und gehören deswegen auch in einen „nussigen“ Boilie hinein. Erdnussmehl verwende ich in geringer Dosis und dafür habe ich mein Gründe, denn erstens gehört Erdnussmehl mit einem Fettanteil von ca. 48 Prozent zu den fettigsten Zutaten, die es überhaupt gibt und zweitens ist das Aroma des Erdnussmehls bereits in geringer Dosierung absolut durchschlagend. Um das Aroma etwas zu verstärken, benutze ich ja das Tigernussmehl, welches erheblich weniger Fettanteil besitzt. Ich möchte meinen Boilie einfach nicht „Überfetten“ denn es kann immer wieder zu Situationen kommen, in denen eine zu fette Nahrung einfach nicht akzeptiert wird, dass kann mir mit einer geringen Dosierung nicht passieren und das Aroma ist trotzdem sehr kräftig. Auch für diesen Mix habe ich saisonübergreifend viele verschiedene Flavour benutzt, übrigens nie „nussige“, weil ich eben der Meinung bin, dass das Aroma durch den Nussanteil schon stark genug ist. Als deutlich fängigstes Flavour hat sich das wohl unscheinbarste erwiesen, nämlich „Evaporated Milk / Ice Crem“, dieses Flavour, dass ich bis zum Februar noch gar nicht kannte, aber der Fang eines „Fuffis“ setzt Vertrauen frei. Die Produktion selbst ging recht flott von der Hand, allerdings durch die Mithilfe meiner Frau, wenn sie mir hilft geht halt doch alles viel scneller, es ist immer jemand da, der die Reste abrollt, während man selber schon den nächsten Mix ansetzen kann etc.

Eine großartige Saison
Natürlich machte ich noch ein paar Produktionen mehr und auch meinen Blutmehlboilie versuchte ich noch einmal, nur legte ich die Bachflohkrebse dann herkömmlich ein, aber ich will euch ja nicht mit endlosen Mixrezepten und Produktionsberichten langweilen, also ab ans Wasser. Meine erste Session mit dem neuen Material fand vom 29.05. bis 01.06. statt. In der ersten Nacht fing ich einen 17-Pfund-Spiegler auf die Fischboilies. Am 31. Mai ist Weltuntergang, dass ist nichts neues. Und während zu Hause ein Sturm Teile des Nachbarneubaus gegen unsere Südwand wehte, wobei große Löcher ins Haus gerissen wurden, was meiner Frau Kummer und Sorgen bereitete, ging bei mir um 3.30 Uhr der Bissanzeiger los. Nach enorm hartem Kampf konnte ich den zweitgrößten Fisch des Gewässers keschern. Ein Spiegler mit 22 Kilo! Was für eine Saison?!

Wer behauptet hier, ich hätte
ein großes Maul?
Ein herrliches Gewässer –
ich komme wieder!
Diesen Fisch mit 17 Kilo habe ich „Das Brett“
getauft, warum ist klar, oder?

Der zweite Fisch des Jahres hatte 25,3 Kilo, der sechste 22 Kilo! Nicht wirklich viele Fische, aber wer will sich bei diesem Ergebnis über die Anzahl beschweren?
Den Biss hatte der Nussboilie verursacht, den ich von nun an auf „Super Nut“ getauft hatte. Verrückter Weise sah ich den Fisch schon 14 Tage später wieder. Ich war mit Jürgen Proske an das gleiche Gewässer gegangen und diesmal war Jürgen der Glückliche. 3 Jahre lang hatte ich diesen Fisch nicht gehakt und dann sah ich ihn innerhalb von 2 Wochen gleich 2 mal. Am Wochenende des Königsfischens unseres Vereins hatte ich etwas Pech. In der ersten Nacht verlor ich einen Fisch durch Hauptschnurcut und einen brachialen Graser, kurz vor oder eigentlich im Kescher, auf jeden Fall war er weg! Glücklicher Weise konnte ich aber immerhin zwei Schuppis mit 13,5 sowie 17 Kilo landen, was den Schmerz deutlich verringerte. Trotzdem hatte es mir der Graser angetan. Ich hatte vorher einen solch großen noch nicht gesehen und wollte nun unbedingt einen dieser Kategorie haben. Am nächsten Wochenende fütterte ich etwas kräftiger mit Tigernüssen und wurde prompt belohnt. Ein träger Biss in der Mittagssonne, schien noch nicht unbedingt auf einen spektakulären Fang hinzudeuten, aber in der Endphase des Drills wusste ich dass ich eine Granate von Graser am Band hatte. Letztendlich war ich erschöpft und froh und konnte eine „Bahnschranke“ von 19,2 Kilo in die Kamera halten. In der folgenden Nacht fing ich einen alten bekannten, den ich im Vorjahr bereits mit 19,5 Kilo hatte. Nun waren es noch 18,2. Wie lange wird uns dieser Fisch noch begleiten?

Vaterpflichten
Was nun folgte waren zwei Wochenenden mit meinen Töchtern. Selbstverständlich jeweils nur eine, denn beide auf einmal traue ich mir definitiv nicht allein für ein ganzes Wochenende zu. Am ersten Wochenende kam Sarah mit, meine Vierjährige. Für sie war es dass erste mal dass sie mit Papa mit durfte! Mit musste? Naja, ich hatte jedenfalls gehörig Respekt, denn im Unterschied zur Großen ist Sarah ein echtes Mama-Kind und ich hatte schon gehörig Sorge, dass ich schon kurz nach dem Aufbau hören musste: „Ich will zu Mama“! Die Sorge war umsonst, wir verstanden uns prächtig und hatten eine Menge Spaß, auch wenn ich nie zuvor so viel zwischen meinen Ruten gebadet habe. 3 Fische bis 15 Kilo waren dann das I-Tüpfelchen des Wochenendes, wobei der Fisch mit 15 Kilo erneut ein Graser war, der mir auch noch den Kescher vollständig zerlegte. Ich hatte nun eigentlich genug von dieser Sorte Fisch. Eine Woche später war Saskia dran, meine Große, das Papa-Kind! Auch wir hatten unseren Spaß. In der ersten Nacht fingen wir einen 21-Pfund-Spiegler, am nächsten Tag, wie sollte es anders sein einen Graser mit 18,4 Kilo, wieder ein herrliches Tier und in der letzten Nacht beehrte uns auch noch ein Schuppi von 18,2 Kilo. Der Graser hatte auf den Nussboilie gebissen, die anderen beiden auf die „fischigen“. Das überaus verblüffende an dieser Saison war des enorme Durchschnittsgewicht. Ich fing nie wirklich viele Fische, aber meist war eine Granate dabei. Ob dies auf die Boilies zurückzuführen ist, wage ich zu bezweifeln, sagen wir mal, das Glück stand mir in dieser Saison zur Seite.

Die beiden Saison-Höhepunkte
Mitte August sollte mein erster Saison-Höhepunkt kommen. Es ging mit ein paar Freunden an einen relativ unbekannten französischen See, den Heinz Kersten in der letzten Ausgabe schon vorgestellt hat. Es war ein wunderbares Gewässer und ich werde wieder kommen, aber mein Glück hielt in dieser Woche leider nicht an. Glücklicher Weise saßen Pavel und Heinz auf einem deutlich besseren Platz ganz am südlichen Ende des Gewässer. Sie verwendeten unter anderem meine Boilies und fingen Fische bis über 23 Kilo. Dadurch wusste ich, dass mein schlechteres Abschneiden in dieser Woche keineswegs an den Boilies lag. Meinen größten Erfolg dieser Woche möchte ich kurz erwähnen, auch wenn er nicht wirklich mit Boiliezutaten zu tun hat.

Diesmal wollte Saskia lieber mit auf das Foto. Manchmal kommt es mir vor wie ein Zuhause Sarah, auf dem besten Weg zur Anglerin!

David, der Besitzer der Anlage, erzählte mir von seiner Leidenschaft, Karpfen an der Fliegenrute zu fangen. Da ich ja selbst hin und wieder die Fliegenrute auspacke, war ich total begeistert und was soll ich sagen, David holte mich einige Tage später ab und meinte: „Now we go flyfishing for carp“. Wir gingen an einen See, in welchem David Karpfen aufzieht. Ich muss gleich von vornherein zugeben, dass wir die Karpfen nicht mit Fliegen, sondern mit Tigernüssen fingen, aber an einer normalen 5er Fliegenrute mit 14er Vorfach. Nach 5 Minuten hatte ich den ersten, vielleicht 2 Kilo. Ich bat David ein Foto von mir, dem Karpfen und der Fliegenrute zu machen. David jedoch meinte, zu klein und setzte den Fisch zurück. Das gleiche Spiel wiederholte sich noch zwei mal und ich wurde schon leicht sauer, doch dann wurde die Tigernuss über 30 Minuten nicht genommen und David erging sich in wildesten Spekulationen, denn so etwas hatte er wohl noch nicht erlebt. Plötzlich ging die Tigernuss doch auf Wanderschaft. Ich griff mir die Fliegenrute mit dem 14er!!! Vorfach und schlug an. Sofort hatte ich enormen Widerstand. Nach kurzer Zeit kam der Fisch an die Oberfläche und ich konnte es kaum fassen: Schon wieder ein Graser, die verfolgten mich mal richtig. Was war ich diesen Fischen früher hinterher und in diesem Jahr konnte ich nun sogar die Fliegenrute auswerfen, überall Graser.

Nun musste dieser Graser aber noch in den winzigen Watkescher und jeder der schon Graser gedrillt hat weiß, zu was solch ein Fisch vor dem Kescher in der Lage ist, zumal es sich um 14er!!! Vorfach handelte. Beim vierten Kescherversuch landete ich einen 7 Kilo schweren Graser mit meiner Fliegenausrüstung und darauf war ich wirklich stolz.

22 Kilo – Herz was willst du mehr?! Einer der wenigen Fische, die ich tagsüber
in dieser Saison fangen konnte.
Ein Two-tone mit 17 Kilo

Der zweite und für dieses Jahr auch der letzte Höhepunkt sollte eine September-Woche am Cassien werden. Aber wie es aussah, hatte ich mit meinen Höhepunkten weniger Glück, als bei den bisherigen Fischgewichten! Jedenfalls sagte mein Angelpartner ab. Da wir aber mit seinem Auto, seinem Trailer und seinem Boot geplant hatten, musste ich umdisponieren. Meine Motivation reichte nicht aus, um allein für den Cassien umzuplanen. Der Fischgott hatte mich eindeutig an meinen geliebten Vereinssee gebeten. Und so machte ich zugunsten der Familie aus einem geplanten 11-Tages-Trip nach Frankreich einen 7-Nächte-Trip nach Bayern. Donnerstags kam ich am Wasser an, da mich von Freitag bis Sonntag Moppel besuchen wollte, suchte ich eine Stelle die gut zu zweit zu befischen war. Gegen 16:00 Uhr hatte ich die Ruten draußen und nachts fing ich meinen ersten Fisch von 22 Pfund auf „Super Nut“. Dann kam Moppel. Ich empfahl ihm eine Stelle, an der ich die ganze Nacht über Fische hatte springen hören und prompt bekam er um 21:30 Uhr den ersten Biss und konnte einen Schuppi von 22,5 Pfund landen. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass da noch mehr kommen würde, doch leider war das Glück wieder mal viel mehr auf meiner Seite, als auf der von Moppel und so musste sich Moppel mit diesem Fisch zufrieden geben, während ich noch in Moppels Anwesenheit drei Fische bis 18 Kilo fing.

Nachdem Moppel mich wieder verlassen hatte, fing das Spektakel erst richtig an: Ich hatte in jeder Nacht drei bis vier Runs und konnte nach den 7 Nächten auf 4 Fische über 15 Kilo zurückblicken. Ein Schuppi mit 17 Kilo, 2 Spiegler mit 17 Kilo und ein Spiegler mit 18 Kilo. Ob diese Fangausbeute am Cassien möglich gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Aber in jedem Fall, zeigte diese Woche noch einmal, dass ich auf die richtigen Rezepte gesetzt hatte, auch wenn der Start mit den unfreiwilligen Pop-ups nicht so gut ausgesehen hat.
 

30er fange ich dieses Jahr ausschließlich nachts.

Schlussgedanken
Den ultimativen Köder gibt es nicht und ich hoffe, es wird ihn auch nie geben. Aber wer seine Boilies selber macht, hat eindeutig mehr Einfluss auf die jeweiligen Bedingungen. Dazu sollte man wissen, was die einzelnen Zutaten auszeichnet. Manch einer verwendet hierfür Nährwert-Tabellen oder ähnliches. Ich bin kein Tabellen-Freak, dass geht mir zu weit, trotzdem sollte man sich Gedanken machen, um zu wissen wie sich jede einzelne Zutat auf das spätere Gesamtprodukt auswirkt. Zu viele Binder im Mix verursachen einen geschlossenen, harten Boilie, der zu wenig arbeitet. Verwendet man statt Acid-, Calcium-Cassein, hat man keinen „Härter“ sondern eine Zutat die zu 97% wasserlöslich ist, was zu schwammigen Boilies führt. All diese Dinge sollte man nicht außer acht lassen und ich hoffe, ich konnte euch diesbezüglich ein bisschen weiterhelfen und auch unterhalten. Wer weiß, vielleicht fängt der eine oder andere ja sogar im nächsten Jahr einen Fisch auf eines meiner Rezepte. Ich verschwinde jetzt wieder in den Keller und werde für die letzten Sessions des Jahres meinem bewährten „Kaltwasser-Boilie“ abrollen. Vielleicht fange ich ja noch eine Granate.

Ben Boden
Watersportcentrale Genk
Team Germany