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Zufrieden
kam ich nach diesem gigantischen Saisonauftakt nach Hause. Ruhe und
Gelassenheit machten sich breit. Wozu brauchte ich eigentlich noch das
Angeln? Dieses Gefühl hielt sensationelle 48 Stunden an, dann war es
vorbei. Ich wollte die nächste Saison vorbereiten. Mindestens noch einen
richtig Großen fangen und das natürlich mit meinen selbst kreierten Boilies. Und so fing alles, so wie
immer, von vorne an:
Selbstverständlich kamen auch wieder die üblichen Bachflohkrebse in den Mix. Aber dafür hatte ich mir etwas besonders ausgedacht. Mein Freund Christian Seitel hatte mir zur Berliner Messe sein Lieblings-Garnelen-Produkt mitgebracht. Es handelt sich hierbei um eine grau-braune Flüssigkeit aus fermentierten Garnelen, die sogar noch Stückchen enthält. Schon auf der Messe öffneten wir probehalber die Flasche. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, war noch immer kein Mensch im Umkreis von 500 Metern zu sehen. Spaß beiseite, dass Zeug riecht teuflisch. In diese Flüssigkeit wurden diesmal die Bachflohkrebse eingelegt. Für einen Mix mit Blutmehl ließen sich die Boilies sogar recht gut abrollen. Der Geruch war mindestens deftig, wenn nicht noch mehr. Anfang April stand ich an einem meiner Vereinsgewässer und war heiß auf den ersten Test. Da es zu dieser Zeit noch recht früh dunkel wird, war es schon sehr dämmrig, als ich endlich meinen Ruten raus brachte. Das Wasser war noch sehr kalt und so entschied ich mich für äußerst sparsames Füttern. Am ausgewählten Angelplatz angekommen, legte ich die Rute ab und fütterte einige Boilies darauf. Ich wollte schon wieder zurück rudern, als ich ein merkwürdiges Geräusch vernahm: bluuub, bluub, blub,blub Naja, was soll’s, vielleicht Einbildung? Die erste Nacht brachte keine Bisse und am späten Vormittag des nächsten Tages wollte ich erst einmal die Ruten bei Licht neu bestücken. Wieder hörte ich das gleiche Geräusch, doch leider konnte ich diesmal auch sehen und so sah ich wie jeder Boilie einzeln wieder auftauchte und an der Wasseroberfläche dahin dümpelte.Ich fuhr erst einmal zurück, griff tief in den Boiliesack und warf Boilies in den See. Jeder, wirklich jeder einzelne kam wieder hoch. Ich hatte eine „astreine“ Pop-up-Produktion hingelegt, leider unabsichtlich. Was sollte ich jetzt noch tun. Eine Montage versah ich mit einem klassischen Pop-up-Rig, für die andere hatte ich einige Boilies weich gekocht und zerdrückt und hoffte dass dieser Teig als Ummantelung den Boilie am Grund halten würde. Mitten in der Nacht kam der
Geistesblitz. Die Bachflohkrebse werden von mir schon seit Jahren 24
Stunden vor Verarbeitung eingelegt, um ihr Gewicht zu erhöhen und eine
Aufschwimmen des späteren Boilies zu vermeiden. Aber worin hatte ich sie
diesmal eingelegt? In einer schaumigen Flüssigkeit aus fermentierten
Garnelen!!! Diese Flüssigkeit verstärkte eher noch den Effekt des
Aufschwimmens, denn ich hatte sozusagen versucht Gleiches durch Gleiches
aufzuheben. Dieser Test und diese Fehlproduktion, führte mir mal wieder
eines deutlich vor Augen: Man muss immer das Gesamtprodukt vor Augen
haben. Experimente okay, aber wildes, unüberlegtes Herumexperimentieren
kann halt auch zu groben Fehlern führen. Nichts gegen die teuflische
Flüssigkeit als Booster, Dip etc., aber zum Einlegen von Bachflohkrebsen
für die spätere Verwendung im Boilie, taugt das Zeug nicht.
Ich bin ein großer Fan von Sandaalmehl. Dieses Mehl, welches vom Tobiasfisch stammt, kommt zum größten Teil aus Dänemark. Hier gibt es spezielle Fangflotten und auch spezielle Weiterverarbeitungsbetriebe. So ist Sandaalmehl auch ein Hauptbestandteil des Pellet-Futters für die Teichwirtschaft, was ja nun wirklich nicht schaden kann. Das Mehl kann zu über 90% vom Karpfen verdaut werden und hat einen eher angenehm, mildes Aroma. In die gleiche Richtung geht auch das Mehl „Trout & Salmon“. Ein ganz anderes Fischmehl ist Anchovi, denn Anchovi hat ein sehr intensives Aroma und ist daher sehr attraktiv für den Karpfen. Alle drei Mehle sind „LT-Mehle“ (Low Temperature), werden also bei niedrigen Temperaturen so schonend wie möglich hergestellt, damit die Inhaltstoffe nicht negativ beeinträchtigt werden. Das PTX dient auch hier dafür, die Struktur des Boilies offener zu gestalten. Maismehl und Soja sind die Binder dieses Boilies, die außerdem noch ein intensives Eigenaroma besitzen. Lactalbumin, Cassein und Vitamealo sind die drei Milchprotein-Pulver, die ich regelmäßig verwende. Wie bereits erwähnt ist Cassein nicht wasserlöslich sondern härtet den Boilie aus, wogegen Vitamealo für die Löslichkeit der Inhaltsstoffe verantwortlich ist. Robin Red verwende ich einfach sehr gern in jeder Art von Boilie und GLM, sowie Liver-Extrakt sind in desem Rezept einfach die „I-Tüpfelchen“ die den Unterschied ausmachen sollen. Als Flavour habe ich im Laufe des gesamten Jahres verschiedene Richtungen ausprobiert. Als absoluter Renner, stellte sich „oily chicken“ heraus. Dies kann durchaus daran liegen, dass an den Gewässer, in denen ich gefischt habe, solch ein Flavour vorher noch nicht verwendet wurde. So, nun musste noch ein Rezept für einen „Sommer-Birdfood“ her, aber auch dieses, hatte ich nach intensiver Beschäftigung mit der Materie gefunden:
Über PTX habe ich hoffentlich genug
gesagt, Sluis oder Sluis CLO ist ebenfalls ein Vogelfutter, welches
durchaus auch für eine grobe Struktur sorgt aber erheblich bessere
Bindeeigenschaften besitzt, als PTX. CLO steht für Cod Liver oil, welches
diesem Birdfood beigesetzt ist und dadurch für einen ausreichenden
Fettgehalt im Boilie sorgt. Nectarblend ist inzwischen eine meiner
Lieblingszutaten im Birdfood-Boilie, es sorgt für einen angenehmen,
cremigen, süßlichen Geschmack und Geruch, ansonsten hat es ähnliche
Eigenschaften wie die beiden vorher genannten Zutaten. Die Zutaten
Maismehl, Soja, Lactalbumin, Cassein, Vitamealo und Robin Red verwendete
ich im gewohnten Maße im gleichen Anteil wie im Fischmix. Jetzt zu den
nussigen Bestandteilen: Dass die Tigernuss eigentlich keine Nuss ist,
dürfte allgemein bekannt sein, botanisch gehört sie zu den
Riedgrasgewächsen, aber das nur am Rande. Fakt ist, die Tigernuss und erst
recht das Tigernussmehl schmecken „nussig“ und gehören deswegen auch in
einen „nussigen“ Boilie hinein. Erdnussmehl verwende ich in geringer Dosis
und dafür habe ich mein Gründe, denn erstens gehört Erdnussmehl mit einem
Fettanteil von ca. 48 Prozent zu den fettigsten Zutaten, die es überhaupt
gibt und zweitens ist das Aroma des Erdnussmehls bereits in geringer
Dosierung absolut durchschlagend. Um das Aroma etwas zu verstärken,
benutze ich ja das Tigernussmehl, welches erheblich weniger Fettanteil
besitzt. Ich möchte meinen Boilie einfach nicht „Überfetten“ denn es kann
immer wieder zu Situationen kommen, in denen eine zu fette Nahrung einfach
nicht akzeptiert wird, dass kann mir mit einer geringen Dosierung nicht
passieren und das Aroma ist trotzdem sehr kräftig. Auch für diesen Mix
habe ich saisonübergreifend viele verschiedene Flavour benutzt, übrigens
nie „nussige“, weil ich eben der Meinung bin, dass das Aroma durch den
Nussanteil schon stark genug ist. Als deutlich fängigstes Flavour hat sich
das wohl unscheinbarste erwiesen, nämlich „Evaporated Milk / Ice Crem“,
dieses Flavour, dass ich bis zum Februar noch gar nicht kannte, aber der
Fang eines „Fuffis“ setzt Vertrauen frei. Die Produktion selbst ging recht
flott von der Hand, allerdings durch die Mithilfe meiner Frau, wenn sie
mir hilft geht halt doch alles viel scneller, es ist immer jemand da, der
die Reste abrollt, während man selber schon den nächsten Mix ansetzen kann
etc.
Der zweite Fisch des Jahres hatte 25,3
Kilo, der sechste 22 Kilo! Nicht wirklich viele Fische, aber wer will sich
bei diesem Ergebnis über die Anzahl beschweren?
David, der Besitzer der Anlage, erzählte mir von seiner Leidenschaft, Karpfen an der Fliegenrute zu fangen. Da ich ja selbst hin und wieder die Fliegenrute auspacke, war ich total begeistert und was soll ich sagen, David holte mich einige Tage später ab und meinte: „Now we go flyfishing for carp“. Wir gingen an einen See, in welchem David Karpfen aufzieht. Ich muss gleich von vornherein zugeben, dass wir die Karpfen nicht mit Fliegen, sondern mit Tigernüssen fingen, aber an einer normalen 5er Fliegenrute mit 14er Vorfach. Nach 5 Minuten hatte ich den ersten, vielleicht 2 Kilo. Ich bat David ein Foto von mir, dem Karpfen und der Fliegenrute zu machen. David jedoch meinte, zu klein und setzte den Fisch zurück. Das gleiche Spiel wiederholte sich noch zwei mal und ich wurde schon leicht sauer, doch dann wurde die Tigernuss über 30 Minuten nicht genommen und David erging sich in wildesten Spekulationen, denn so etwas hatte er wohl noch nicht erlebt. Plötzlich ging die Tigernuss doch auf Wanderschaft. Ich griff mir die Fliegenrute mit dem 14er!!! Vorfach und schlug an. Sofort hatte ich enormen Widerstand. Nach kurzer Zeit kam der Fisch an die Oberfläche und ich konnte es kaum fassen: Schon wieder ein Graser, die verfolgten mich mal richtig. Was war ich diesen Fischen früher hinterher und in diesem Jahr konnte ich nun sogar die Fliegenrute auswerfen, überall Graser. Nun musste dieser Graser aber noch in den winzigen Watkescher und jeder der schon Graser gedrillt hat weiß, zu was solch ein Fisch vor dem Kescher in der Lage ist, zumal es sich um 14er!!! Vorfach handelte. Beim vierten Kescherversuch landete ich einen 7 Kilo schweren Graser mit meiner Fliegenausrüstung und darauf war ich wirklich stolz.
Der zweite und für dieses Jahr auch der letzte Höhepunkt sollte eine September-Woche am Cassien werden. Aber wie es aussah, hatte ich mit meinen Höhepunkten weniger Glück, als bei den bisherigen Fischgewichten! Jedenfalls sagte mein Angelpartner ab. Da wir aber mit seinem Auto, seinem Trailer und seinem Boot geplant hatten, musste ich umdisponieren. Meine Motivation reichte nicht aus, um allein für den Cassien umzuplanen. Der Fischgott hatte mich eindeutig an meinen geliebten Vereinssee gebeten. Und so machte ich zugunsten der Familie aus einem geplanten 11-Tages-Trip nach Frankreich einen 7-Nächte-Trip nach Bayern. Donnerstags kam ich am Wasser an, da mich von Freitag bis Sonntag Moppel besuchen wollte, suchte ich eine Stelle die gut zu zweit zu befischen war. Gegen 16:00 Uhr hatte ich die Ruten draußen und nachts fing ich meinen ersten Fisch von 22 Pfund auf „Super Nut“. Dann kam Moppel. Ich empfahl ihm eine Stelle, an der ich die ganze Nacht über Fische hatte springen hören und prompt bekam er um 21:30 Uhr den ersten Biss und konnte einen Schuppi von 22,5 Pfund landen. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass da noch mehr kommen würde, doch leider war das Glück wieder mal viel mehr auf meiner Seite, als auf der von Moppel und so musste sich Moppel mit diesem Fisch zufrieden geben, während ich noch in Moppels Anwesenheit drei Fische bis 18 Kilo fing. Nachdem Moppel mich wieder verlassen
hatte, fing das Spektakel erst richtig an: Ich hatte in jeder Nacht drei
bis vier Runs und konnte nach den 7 Nächten auf 4 Fische über 15 Kilo
zurückblicken. Ein Schuppi mit 17 Kilo, 2 Spiegler mit 17 Kilo und ein
Spiegler mit 18 Kilo. Ob diese Fangausbeute am Cassien möglich gewesen
wäre, darf bezweifelt werden. Aber in jedem Fall, zeigte diese Woche noch
einmal, dass ich auf die richtigen Rezepte gesetzt hatte, auch wenn der
Start mit den unfreiwilligen Pop-ups nicht so gut ausgesehen hat.
Schlussgedanken |