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Fertigboilies werden immer besser. Dies ist ein unumstößlicher Fakt. Warum sollte man eigentlich noch Boilies selber machen? Naja, mir fallen da eine ganze Menge Gründe ein: An der Spitze steht das wunderbare Gefühl mit der eigenen Kreation einen Fisch überlistet zu haben, aber auch Dinge wie das Wissen über alle Bestandteile zu haben, die Anteile der Zutaten variieren zu können, die eine besondere Zutat zu verwenden, die die Anderen nicht haben und so weiter; ich könnte die Liste der Argumente für das Selberrollen fast unendlich fortführen.
Der Start einer starken
Zusammenarbeit
„Kaltwasser-Boilies“ – eine Illusion?
Eine grobe Struktur erhält man am einfachsten über Birdfood, in meinem Fall also PTX. Dieses PTX ist im Grunde genommen ein Mischfutter für Vögel. Es besteht aus vielen verschiedenen Anteilen, aber grundsätzlich kann man für fast alle Vogelfutter-Sorten sagen, dass sie zu max. 2% aus wasserlöslichen Zutaten bestehen. Trotzdem ist Vogelfutter ein Basisbestandteil eines Boilies, der auf sehr schnelles Auswaschen setzt, denn die Struktur sorgt sozusagen dafür, dass die Kanäle für die wasserlöslichen Stoffe vorhanden sind. Was aber sind denn nun wasserlösliche Zutaten? Dies ist eine recht interessante Frage, die selbst alteingesessene „Selberdreher“ nicht unbedingt richtig beantworten. Neulich wurde in einem Internet-Forum pauschal erklärt: „Milchpulver ist wasserlöslich und kann bis zu 10% im Mix verwendet werden“. An solch einer Aussage ist nicht sehr viel Wahrheit dran, denn es gilt zuerst zu klären, um welches Milchpulver es sich handelt. So zählen wir Karpfenangler beispielsweise auch das herkömmliche Casein, auch Acid Casein genannt, zu den Milchpulvern, leider ist es jedoch überhaupt nicht wasserlöslich, sondern sorgt im Gegenteil für das Aushärten des Boilies. Lactalbumin und Vitamealo wiederum sind sehr wohl wasserlöslich. Alle drei Pulverchen sind eigentlich kein Milchpulver sondern eher Milchproteine.
Ich möchte das ganze jedoch
keineswegs zu wissenschaftlich gestalten und denke, es reicht, wenn ich
sage, dass ich die Löslichkeit eines Boilies überwiegend über Vitamealo
steuere. Allerdings sollte man dabei nie die anderen Zutaten aus den Augen
verlieren, denn wichtig ist das Gesamtprodukt.
Da der Vitamealo-Anteil sehr hoch war und auch Nectarblend durch den Honig-Anteil recht wasserlöslich ist, verzichtete ich vollständig auf Lactalbumin und verwendete zu 100 % Casein. Normalerweise teile ich Lactalbumin und Cassein zu 50 : 50 auf, in diesem Fall eben nicht. Außerdem setzte ich Eggalbumin ein, was ebenfalls für Härte im Boilie sorgt. Als zusätzlichen Attraktor verwende ich eigentlich immer Bachflohkrebse. Hierzu werden 24 Stunden vor der Herstellung 40 Gramm pro Kilo eingelegt. Für Boilies auf Vogelfutterbasis verwende ich Zuckerrübenmelasse zum Einlegen, für Fischmehlboilies flüssige Leber. Die Boilieproduktion selber, läuft bei mir genauso ab, wie bei jedem anderen auch. Da ich ja eher ein Kleinproduzent bin, arbeite ich immer mit 15 Eiern pro Durchgang. In die Eier kommen die eingelegten Bachflohkrebse und die flüssigen Flavour.
Das ganze wird nun ein
erstes Mal durchgemischt. Jetzt folgt nach und nach der bereits vorher
abgemischte Mix. Zum Verkneten benutze ich seit einiger Zeit einen „Speed-Mix“.
Dies ist ein Gerät, für den Hobby-Bauarbeiter mit welchem er Fliesenkleber
oder Beton mischen kann. Im Unterschied zur herkömmlichen Bohrmaschine
sind diese Geräte nicht für eine kurze starke Belastung ausgelegt, sondern
auf Dauerbetrieb. Dadurch ist ein „Speed-Mix“ für unsere Zwecke viel
geeigneter. Sicherlich bin ich nicht der Einzige, der im Laufe seiner
Boiliekarriere so manche Bohrmaschine beerdigt hat. Der Mix ließ sich fast
schon überraschend gut abrollen und trocknete dann auch gut durch. Erste
Brech-, Beiß- und Kauproben waren positiv. Aber der wichtigste Test,
nämlich der Wassertest, der stand noch aus.
Schon die erste Nacht und der darauf folgende Tag brachten 3 Fische bis 29 Pfund. Das machte mich so zufrieden, dass ich etwas experimentieren wollte. Ich suchte mir Stellen, die außergewöhnlich waren, unter anderem ein 7-Meter-Loch, welches auf ca. 3,50 m ansteigt und dann auf 4 Metern wieder flach ausläuft. Hier legte ich eine Rute ab und konnte in der Nacht einen der bekanntesten Fische des Gewässers fangen. Er war zwar bei mir sehr leicht für seine Verhältnisse, aber trotzdem war ich mit einem 19,5-Kilo-Spiegler mehr als zufrieden. Der nächste Tag entpuppte sich als Katastrophe Florian war gegen Nachmittag gekommen und wir hatten sein Tackle auch längst aufgebaut. Am Abend wollten wir noch einmal die Köder wechseln, als Florian von einer Wespe gestochen wurde. Schon nach kurzer Zeit begann er sich wie wild zu jucken und bekam rote Flecken, schnell war klar es handelte sich um eine allergische Reaktion. Ich rief den Notdienst an und wir machten einen Treffpunkt aus, denn dieses versteckt liegende Gewässer, hätten die niemals gefunden. Nur kurze Zeit nachdem wir am Treffpunkt waren, kam auch der Notdienst. Schnell war klar, sie würden Florian mitnehmen. Ich fuhr etwas enttäuscht zum See zurück und brachte relativ lustlos meine Montagen raus, denn ich hatte mich doch sehr auf unseren „Männerabend“ gefreut. Trotz allem lief eine Rute auch in dieser Nacht ab und brachte mir einen Schuppi von 16,5 Kilo. Am Morgen erreichte mich Florian auf dem Handy und wollte abgeholt werden. Es ging ihm wieder richtig gut und wir legten los. Meine Ansage war klar: „Egal wo der nächste Biss kommt, der Fisch gehört dir.“ Gegen 14:00 lief die ganz rechte Rute ab, die wir in die Nähe eines Seerosenfeldes gelegt hatten. Florian war schnell im Boot und es entpuppte sich ein spannender Fight. Als Florian mit Fisch am Ufer anlegte, konnte ich es kaum fassen. Er hatte den Schuppi gefangen, den ich vor sechs tagen schon hatte. Inzwischen hatte der Fisch noch 400 Gramm Gewicht zugelegt und so kam ich auch noch zu Tag-Fotos, auch wenn ich den Fisch diesmal nicht auf den Armen hatte. Erst gegen 21:00 Uhr kam der nächste Biss, diesmal drillte ich wieder und erneut wurde die 30-Pfund-Schallmauer gebrochen. Diesmal mit einem 17,5-Kilo-Spiegler. Die letzten 4 Fische waren allesamt Fische von über 30 Pfund, so etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt.
Am letzten Morgen beendete Florian den Spuk mit einem 17-Pfund-Spieger, dann war Schluss. Eine wirklich großartige Session mit „Hindernissen“ ging zu Ende. Ja, in diesem Herbst wollte ich es wissen und so begann schon eine Woche später meine Angelwoche mit Moppel am gleichen Gewässer. Zuerst versuchten wir es an der gleichen Stelle, die mir schon in den letzten Wochen so viel Erfolg brachte, aber leider blieben wir drei Tage und Nächte ohne Erfolg. So beschlossen wir, den Platz zu wechseln. Wir trennten uns und befischten eine Bucht am anderen Ende des Sees. Moppel von der einen Seite, ich saß ihm gegenüber. Ich hatte Moppel absichtlich an dese Stelle gesetzt, denn dies ist im Normalfall die beste Stelle des Sees. Und auch Moppel konnte dies beweisen. So fing er in den folgenden zwei Tagen 8 Fische von denen drei über 30 Pfund hatten. Ich blieb in dieser Zeit übrigens weiterhin erfolglos, erst als Moppel die Trennung von mir nicht mehr aushielt und auf meine Seite wechselte, bekam auch ich Bisse, in der gleich Bucht, in welcher Moppel bisher Erfolg hatte. Insgesamt fingen wir in
dieser Woche genau 20 Fische und auch ich konnte noch einen über 30 Pfund
fangen. Der Herbst hatte mir die Saison 07 gerettet und ich konnte
beruhigt in eine kurze Winterpause gehen.
Gegen 5 Uhr morgens hatte ich dann mehrer heftige „Piepser“, sodass etwas Hoffnung entstand, dass diese nicht nur vom Wind waren. Ich stürzte also aus dem Zelt und ließ gewohnheitsmäßig die Zelttür auf einer Seite offen, was der Sturm wohl auch bemerkte. Kaum stand ich am Rod Pod und hatte festgestellt, dass es sich doch nur um „Windbisse“ handelte, hörte ich hinter mir eine Art saugendes und dann ploppendes Geräusch. Als ich mich umdrehte, klebte mein Zelt an meinem Auto. Scheiße, was für eine überflüssige Session. Mühevoll baute ich wieder auf, streckenweise verwendete ich Stormpols statt Erdnägeln, weil nichts mehr im Boden blieb. Bevor ich wieder auf die Liege ging, schaute ich mich am Angelplatz um: Abhakmatte weg, Wiegeschlinge weg, Waage weg, der Sturm hatte ganze Arbeit geleistet. Der nächste Tag brachte die Wende, wobei es viel schlimmer auch nicht mehr gegangen wäre. Am Vormittag schlenderte ich um das Gewässer und fand meine Abhakmatte wieder. Als ich zurück zum Angelplatz kam hatte Heinz bereits Hammer und Wiegeschlinge gefunden, nur die Waage blieb verschwunden. Dann begann ein wunderbarer Tag, den ich gemeinsam mit meinen Cipro-Jungs verbringen konnte. Heinz, Armin, Henne, User wie Patrik oder Nils, ich kann nicht alle aufzählen, aber es war ein toller Tag mit tollen Jungs. Naja und wie das so ist, gilt natürlich auch hier: „Ist der Mensch zufrieden, freut sich der Fisch“! Gegen 6 Uhr morgens konnte ich den ersten Fisch landen, wieder auf meine „WS-Boilies“, die im 8 Grad kaltem Wasser genau das taten, was ich mir vorstellte, nämlich arbeiten. Der Fisch hatte ca. 12 Kilo, aber es war der erste dieser heftigen Session, also sackte ich ihn für ein Foto. Nach einem gemeinsamen Frühstück beschlossen wir, alle Ruten neu zu beködern und anschließend den Fisch zu fotografieren. Es war gegen 9 Uhr, aus irgend einem Grund, den ich nicht mehr nachvollziehen kann, holte ich zuerst nur die beiden Ruten ein, an denen ich meine selbstgemachten Boilies hatte, die Rute mit dem roten Fluo-Pop-Up blieb auf dem Pod liegen. Als ich mich zur Ködertasche umdrehte ertönte ein kurzer Piepser. War ich an den Rod Pod gestoßen? Ich drehte mich um und sah, dass die Spitze der dritten Rute krumm war. Fisch? Er zog keine Schnur von der Rolle, na ja ein Anhieb kann hier wohl nicht schaden. Sofort spürte ich enormen Widerstand und war mir nicht einmal sicher, ob die Rute im Kraut hing, oder das Gewicht des Fisches so hoch war? Aber Kraut am 02. März bei 8 Grad Wassertemperatur. Das Kraut bewegte sich langsam und Stück für Stück dirigierte ich den Gegner in Richtung Ufer. Inzwischen waren alle anderen Angler dieser Uferseite bei mir und noch einige andere die zu Besuch waren und gespannt verfolgten viele Augepaare mein Aktion. Das allein macht ja schon nervös genug, aber dann, nach einer ganzen Weile, konnte man den massiven Spiegler das erste Mal an der Oberfläche sehen und schon schossen die Spekualtionen im weiten Rund in die Höhe, von „Anfang bis Ende Vierzig“, bis hin zu, „das wird wohl nicht reichen“, war alles dabei. Auch das sorgte nicht gerade dafür, dass ich die Ruhe selbst war, trotzdem war der Fisch dann irgendwann in den Maschen des Keschers gelandet. Heinz hatte seine Waage mitgebracht und hängte den Fisch an: „Reicht nicht, Armin kannst du deine holen?“
Ich sagte nur: „Wie, reicht nicht?“ „Meine geht nur bis 25 Kilo!“ Wumm – da war meine Kinnlade unten! Das letztendliche Wiegen ergab genau 25,3 Kilo, ein Fünfziger am 02. März, man was würde dass eine entspannte Saison geben! Auch bei diesem Fang, hatten meine Boilies gewirkt, denn selbstverständlich lagen sie als Beifutter am Angelplatz, dass der Köder letztendlich ein Fluo-Pop-up eingesprüht mit „Evaporated milk / Ice Creme“ war, ist eine Sache der Neugier, welche gerade beim Frühjahrsangeln besonders häufig funktioniert. Den gesackten Fisch entließ
ich nun übrigens ohne Foto. Auch in der letzten Nacht konnte ich noch
einen Fisch, wieder auf die Selbstgedrehten fangen. Noch einmal 14 Kilo.
Eine wunderbare Session ging zu Ende. Was bedeuten schon Stau und Sturm,
wenn man von einer 3–tägigen März-Session mit drei Fischen bis 50 Pfund
zurück kommt. Einen perfekten Kaltwasser-Boilie hatte ich gefunden. Den
hindernisreichen Weg zum „deftigen“ Boilie für wärmeres Wasser, den
erzähle ich euch im nächsten Teil. |
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