Fertigboilies werden immer besser. Dies ist ein unumstößlicher Fakt. Warum sollte man eigentlich noch Boilies selber machen? Naja, mir fallen da eine ganze Menge Gründe ein: An der Spitze steht das wunderbare Gefühl mit der eigenen Kreation einen Fisch überlistet zu haben, aber auch Dinge wie das Wissen über alle Bestandteile zu haben, die Anteile der Zutaten variieren zu können, die eine besondere Zutat zu verwenden, die die Anderen nicht haben und so weiter; ich könnte die Liste der Argumente für das Selberrollen fast unendlich fortführen.

Eine Air-Gun leistet hervorragende Dienste. Mixen mit „Speed Mix“

Der Start einer starken Zusammenarbeit
Mein Jahr 2007 ließ zu wünschen übrig. Im Frühjahr war ich mit den Außenarbeiten am Haus beschäftigt und die einzige Ausnahme war ein Trip an den Lake Nasser im April, aber auch die Nilbarsche wollten nicht so recht. So fingen wir zwar viele Fische aber nicht einen einzigen wirklich großen. Meine Saison begann erst im Sommer und der Frühsommer war für mich eine Katastrophe, zwar fing ich einige Fische, aber für die Umstände die ich hatte, war das deutlich zu wenig und auch weiterhin fand kein wirklich großer den Weg in meinen Kescher. Im Hochsommer am Cassien stellte sich eine Besserung ein, denn mit einem „Fast-Vierziger“ war ich doch sehr zufrieden.

Zu Hause in Deutschland ging der Kampf weiter. Ein Wochenende, welches ich meiner Tochter versprochen hatte, brachte mir den ersten größeren Fisch in diesem Jahr. Saskia war mir mit ihren 6 Jahren zum ersten Mal eine echte Hilfe und machte auch ganz brauchbare Fotos, nur die Hilfsleuchten hätten nicht unbedingt mit auf das Foto gehört. Irgendwie war ich mit allem unzufrieden: Die Fische wollten nicht so wie ich, die Zeit, vor allem für die Familie, wurde immer knapper und ausgeschlafen oder gar erholt hatte ich mich schon ewig nicht mehr gefühlt. Es musste etwas geändert werden und so entschloss ich mich, bei „natural carpbaits“ aufzuhören, um die Zeit in der ich im Keller stand, um Kundenbestellungen abzurollen von nun an mit der Familie zu verbringen. Natürlich hieß das nicht, dass ich mit dem Angeln aufhörte, geht ja gar nicht, und so stand ich 10 Tage nach meinem Weggang gerade im Schlauchboot und lotete, als das Handy klingelte. Eigentlich hasse ich das, die Konzentration wird gestört und man kann nach dem Gespräch wieder von vorne beginnen. Dieses Gespräch, war aber ein ausgesprochen gutes. Heinz Kersten war dran und fragte mich ob ich mit dem Angeln aufhören wolle oder mir zukünftig eine Zusammenarbeit mit der Watersportcentrale Genk vorstellen könne. – Was soll ich sagen? Ich musste nicht lange überlegen!

Unendliche Möglichkeiten

„Kaltwasser-Boilies“ – eine Illusion?
Jetzt war ich richtig heiß. Es war jetzt September und ich beschloss, als erstes einen Boilie zu bauen der für die kalten Wassertemperaturen gedacht war. Dies funktioniert über Löslichkeit. Natürlich sollte jeder Boilie gut im Wasser löslich sein, aber warmes Wasser löst die Bestandteile besser auf als kaltes, daher ist ein Boilie mit hohem Anteil an wasserlöslichen Zutaten für den Sommer nicht unbedingt geeignet, weil er einfach nicht ausreichend lange am Haken hält. Aber genau so etwas wollte ich jetzt haben. Es sollte also ein Boilie mit sehr grober Struktur und zusätzlich hohem wasserlöslichen Anteil sein.

Sie war mir zum ersten Mal eine echte Hilfe
 
Sweet Home!
 
Einmal im Jahr braucht mein Nachbar Ruhe vor seiner Familie

Eine grobe Struktur erhält man am einfachsten über Birdfood, in meinem Fall also PTX. Dieses PTX ist im Grunde genommen ein Mischfutter für Vögel. Es besteht aus vielen verschiedenen Anteilen, aber grundsätzlich kann man für fast alle Vogelfutter-Sorten sagen, dass sie zu max. 2% aus wasserlöslichen Zutaten bestehen. Trotzdem ist Vogelfutter ein Basisbestandteil eines Boilies, der auf sehr schnelles Auswaschen setzt, denn die Struktur sorgt sozusagen dafür, dass die Kanäle für die wasserlöslichen Stoffe vorhanden sind. Was aber sind denn nun wasserlösliche Zutaten? Dies ist eine recht interessante Frage, die selbst alteingesessene „Selberdreher“ nicht unbedingt richtig beantworten. Neulich wurde in einem Internet-Forum pauschal erklärt: „Milchpulver ist wasserlöslich und kann bis zu 10% im Mix verwendet werden“. An solch einer Aussage ist nicht sehr viel Wahrheit dran, denn es gilt zuerst zu klären, um welches Milchpulver es sich handelt. So zählen wir Karpfenangler beispielsweise auch das herkömmliche Casein, auch Acid Casein genannt, zu den Milchpulvern, leider ist es jedoch überhaupt nicht wasserlöslich, sondern sorgt im Gegenteil für das Aushärten des Boilies. Lactalbumin und Vitamealo wiederum sind sehr wohl wasserlöslich. Alle drei Pulverchen sind eigentlich kein Milchpulver sondern eher Milchproteine.

In kurzer Zeit lassen sich recht große Mengen Boilies herstellen Winter Secret: grobe Struktur, hohe Wasserlöslichkeit!

Ich möchte das ganze jedoch keineswegs zu wissenschaftlich gestalten und denke, es reicht, wenn ich sage, dass ich die Löslichkeit eines Boilies überwiegend über Vitamealo steuere. Allerdings sollte man dabei nie die anderen Zutaten aus den Augen verlieren, denn wichtig ist das Gesamtprodukt.

WS oder „Winter Secret“
Ich taufte die erste Kreation auf den Namen „Winter Secret“. Hierfür verwendete ich folgende Rezeptur:

 

- 300 gr. PTX-Vogelfutter
- 150 gr. Vitamealo
- 100 gr. Soja
- 100 gr. Maisgries
- 100 gr. Casein
- 100 gr. Robin Red
- 100 gr. Nectarblend
- 50 gr. Eggalbumin

     





Ich wollte einen Boilie bauen, der im Wasser auffällig war. Diese Auffälligkeit sollte über eine starke Attraktivität erreicht werden. Deswegen schraubte ich den Anteil von Robin Red und Vitamealo sehr hoch. Durch Robin Red wird der Boilie nicht nur sehr rot, sondern erhält auch eine würzige Note. Im Zusammenspiel mit PTX, Nectarblend und Vitamealo wird daraus eine würzig, süßlich, cremige Geschmacksrichtung. Daher verwendete ich als Flavour ausschließlich „LSMB-Fruit“, was ja eigentlich nur ein Sweetner mit fruchtigem Aroma ist.

Da der Vitamealo-Anteil sehr hoch war und auch Nectarblend durch den Honig-Anteil recht wasserlöslich ist, verzichtete ich vollständig auf Lactalbumin und verwendete zu 100 % Casein. Normalerweise teile ich Lactalbumin und Cassein zu 50 : 50 auf, in diesem Fall eben nicht. Außerdem setzte ich Eggalbumin ein, was ebenfalls für Härte im Boilie sorgt. Als zusätzlichen Attraktor verwende ich eigentlich immer Bachflohkrebse. Hierzu werden 24 Stunden vor der Herstellung 40 Gramm pro Kilo eingelegt. Für Boilies auf Vogelfutterbasis verwende ich Zuckerrübenmelasse zum Einlegen, für Fischmehlboilies flüssige Leber. Die Boilieproduktion selber, läuft bei mir genauso ab, wie bei jedem anderen auch. Da ich ja eher ein Kleinproduzent bin, arbeite ich immer mit 15 Eiern pro Durchgang. In die Eier kommen die eingelegten Bachflohkrebse und die flüssigen Flavour.

Zuerst auf die Maschine und dann ab ins Körbchen!

Das ganze wird nun ein erstes Mal durchgemischt. Jetzt folgt nach und nach der bereits vorher abgemischte Mix. Zum Verkneten benutze ich seit einiger Zeit einen „Speed-Mix“. Dies ist ein Gerät, für den Hobby-Bauarbeiter mit welchem er Fliesenkleber oder Beton mischen kann. Im Unterschied zur herkömmlichen Bohrmaschine sind diese Geräte nicht für eine kurze starke Belastung ausgelegt, sondern auf Dauerbetrieb. Dadurch ist ein „Speed-Mix“ für unsere Zwecke viel geeigneter. Sicherlich bin ich nicht der Einzige, der im Laufe seiner Boiliekarriere so manche Bohrmaschine beerdigt hat. Der Mix ließ sich fast schon überraschend gut abrollen und trocknete dann auch gut durch. Erste Brech-, Beiß- und Kauproben waren positiv. Aber der wichtigste Test, nämlich der Wassertest, der stand noch aus.

Ab ans Wasser
Ende September konnte ich den Boilie das erste Mal testen. Ich war mit meinem Nachbarn am Wasser. Einmal pro Jahr begleitet er mich, um sich von seiner Familie zu erholen. Wir kamen Freitag Nachmittag gegen 14:00 Uhr am Wasser an. Ich versuchte, wie immer, sehr schnell alles startklar zu machen und so stand gegen 16:00 Uhr das gesamte Camp und die Ruten waren am Start. Leider passierte in der ersten Nacht gar nichts. Als ich am Morgen die Köder kontrollierte, war kein Boilie am Haken. Naja, eigentlich war das auch so gewollt, ich musste mich aber zwingen die Köder häufiger zu wechseln, denn 14 Grad warmes Wasser sorgte doch noch immer für ein recht schnelles Auflösen des Boilies. Auch tagsüber bekam ich keinen Biss. Um die Nacht mit einem Boilie am Haken zu überstehen, machte ich die Ruten gegen 21:00 Uhr ein letztes mal startklar, aber diesmal musste ich gar nicht lange warten, denn schon um 22:00 pfiff die linke Rute ab. Das Ergebnis war mein bisher größter deutscher Schuppenkarpfen mit 18,6 Kilo. Leider kam mein Nachbar mit den Nachtaufnahmen gar nicht zurecht, sodass ich von diesem Fisch zwar Fotos habe, aber keine wirklich verwertbaren. Auch die weiteren Fische dieser Nacht waren nicht zu verachten und so war ich am Ende dieser Wochenend-Session mit 3 Fischen, von denen 2 über 30 Pfund hatten, doch sehr zufrieden. Aber ein Test besteht ja nicht nur aus einem Wochenende und so zog es mich nur eine Woche später wieder ans Wasser, diesmal für 5 Tage, von denen ich die letzten drei mit meinem Freund Florian verbringen wollte.

Und kalt wurde es auch langsam!
 
25,3 Kilo: Genau der richtige Start in eine neue Saison! JAAAAAA!
 

Schon die erste Nacht und der darauf folgende Tag brachten 3 Fische bis 29 Pfund. Das machte mich so zufrieden, dass ich etwas experimentieren wollte. Ich suchte mir Stellen, die außergewöhnlich waren, unter anderem ein 7-Meter-Loch, welches auf ca. 3,50 m ansteigt und dann auf 4 Metern wieder flach ausläuft. Hier legte ich eine Rute ab und konnte in der Nacht einen der bekanntesten Fische des Gewässers fangen. Er war zwar bei mir sehr leicht für seine Verhältnisse, aber trotzdem war ich mit einem 19,5-Kilo-Spiegler mehr als zufrieden. Der nächste Tag entpuppte sich als Katastrophe Florian war gegen Nachmittag gekommen und wir hatten sein Tackle auch längst aufgebaut. Am Abend wollten wir noch einmal die Köder wechseln, als Florian von einer Wespe gestochen wurde. Schon nach kurzer Zeit begann er sich wie wild zu jucken und bekam rote Flecken, schnell war klar es handelte sich um eine allergische Reaktion. Ich rief den Notdienst an und wir machten einen Treffpunkt aus, denn dieses versteckt liegende Gewässer, hätten die niemals gefunden. Nur kurze Zeit nachdem wir am Treffpunkt waren, kam auch der Notdienst. Schnell war klar, sie würden Florian mitnehmen. Ich fuhr etwas enttäuscht zum See zurück und brachte relativ lustlos meine Montagen raus, denn ich hatte mich doch sehr auf unseren „Männerabend“ gefreut. Trotz allem lief eine Rute auch in dieser Nacht ab und brachte mir einen Schuppi von 16,5 Kilo.

Am Morgen erreichte mich Florian auf dem Handy und wollte abgeholt werden. Es ging ihm wieder richtig gut und wir legten los. Meine Ansage war klar: „Egal wo der nächste Biss kommt, der Fisch gehört dir.“ Gegen 14:00 lief die ganz rechte Rute ab, die wir in die Nähe eines Seerosenfeldes gelegt hatten. Florian war schnell im Boot und es entpuppte sich ein spannender Fight. Als Florian mit Fisch am Ufer anlegte, konnte ich es kaum fassen. Er hatte den Schuppi gefangen, den ich vor sechs tagen schon hatte. Inzwischen hatte der Fisch noch 400 Gramm Gewicht zugelegt und so kam ich auch noch zu Tag-Fotos, auch wenn ich den Fisch diesmal nicht auf den Armen hatte. Erst gegen 21:00 Uhr kam der nächste Biss, diesmal drillte ich wieder und erneut wurde die 30-Pfund-Schallmauer gebrochen. Diesmal mit einem 17,5-Kilo-Spiegler. Die letzten 4 Fische waren allesamt Fische von über 30 Pfund, so etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt.

Fotograf: Saskia Boden, 6 Jahre! Endlich auch bei mir Bisse! Ein weiterer 30iger für Moppel

Am letzten Morgen beendete Florian den Spuk mit einem 17-Pfund-Spieger, dann war Schluss. Eine wirklich großartige Session mit „Hindernissen“ ging zu Ende. Ja, in diesem Herbst wollte ich es wissen und so begann schon eine Woche später meine Angelwoche mit Moppel am gleichen Gewässer. Zuerst versuchten wir es an der gleichen Stelle, die mir schon in den letzten Wochen so viel Erfolg brachte, aber leider blieben wir drei Tage und Nächte ohne Erfolg. So beschlossen wir, den Platz zu wechseln. Wir trennten uns und befischten eine Bucht am anderen Ende des Sees. Moppel von der einen Seite, ich saß ihm gegenüber. Ich hatte Moppel absichtlich an dese Stelle gesetzt, denn dies ist im Normalfall die beste Stelle des Sees. Und auch Moppel konnte dies beweisen. So fing er in den folgenden zwei Tagen 8 Fische von denen drei über 30 Pfund hatten. Ich blieb in dieser Zeit übrigens weiterhin erfolglos, erst als Moppel die Trennung von mir nicht mehr aushielt und auf meine Seite wechselte, bekam auch ich Bisse, in der gleich Bucht, in welcher Moppel bisher Erfolg hatte.

Insgesamt fingen wir in dieser Woche genau 20 Fische und auch ich konnte noch einen über 30 Pfund fangen. Der Herbst hatte mir die Saison 07 gerettet und ich konnte beruhigt in eine kurze Winterpause gehen.

Höhepunkt der Praxistests
Der Winter sollte früh zu Ende gehen und zwar mit einer sehr frühen „Cipro-Session“. Das schlechte daran, ich hatte in dieser Zeit unheimlich viele Konferenzen im Geschäft und konnte mir für lediglich 3 Nächte frei nehmen und wenn ich ehrlich bin, war ich mir nicht so sicher, ob es sich lohnen würde vom 29.02. bis 02.03. 1400 Kilometer zurück zu legen. Naja, versprochen ist versprochen! Und so startete ich am Freitag gegen 12:00 Uhr mittags in Richtung Paris. Nur wenige Kilometer hinter Stuttgart begannen bereits die Staus. Ich war schon „pappesatt“ als ich 9 Stunden später endlich am Wasser war. Aber es sollte noch nicht besser werden. Wie in Deutschland, so blies auch in Frankreich an diesem Wochenende ein heftiger Sturm. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich mein Zelt überhaupt zu Stehen gebracht habe.

Einfach herrlich! Moppel mit einem 30iger Schuppi Am Wasser!

Gegen 5 Uhr morgens hatte ich dann mehrer heftige „Piepser“, sodass etwas Hoffnung entstand, dass diese nicht nur vom Wind waren. Ich stürzte also aus dem Zelt und ließ gewohnheitsmäßig die Zelttür auf einer Seite offen, was der Sturm wohl auch bemerkte. Kaum stand ich am Rod Pod und hatte festgestellt, dass es sich doch nur um „Windbisse“ handelte, hörte ich hinter mir eine Art saugendes und dann ploppendes Geräusch. Als ich mich umdrehte, klebte mein Zelt an meinem Auto. Scheiße, was für eine überflüssige Session. Mühevoll baute ich wieder auf, streckenweise verwendete ich Stormpols statt Erdnägeln, weil nichts mehr im Boden blieb. Bevor ich wieder auf die Liege ging, schaute ich mich am Angelplatz um: Abhakmatte weg, Wiegeschlinge weg, Waage weg, der Sturm hatte ganze Arbeit geleistet.

Der nächste Tag brachte die Wende, wobei es viel schlimmer auch nicht mehr gegangen wäre. Am Vormittag schlenderte ich um das Gewässer und fand meine Abhakmatte wieder. Als ich zurück zum Angelplatz kam hatte Heinz bereits Hammer und Wiegeschlinge gefunden, nur die Waage blieb verschwunden. Dann begann ein wunderbarer Tag, den ich gemeinsam mit meinen Cipro-Jungs verbringen konnte. Heinz, Armin, Henne, User wie Patrik oder Nils, ich kann nicht alle aufzählen, aber es war ein toller Tag mit tollen Jungs. Naja und wie das so ist, gilt natürlich auch hier: „Ist der Mensch zufrieden, freut sich der Fisch“!

Gegen 6 Uhr morgens konnte ich den ersten Fisch landen, wieder auf meine „WS-Boilies“, die im 8 Grad kaltem Wasser genau das taten, was ich mir vorstellte, nämlich arbeiten. Der Fisch hatte ca. 12 Kilo, aber es war der erste dieser heftigen Session, also sackte ich ihn für ein Foto. Nach einem gemeinsamen Frühstück beschlossen wir, alle Ruten neu zu beködern und anschließend den Fisch zu fotografieren. Es war gegen 9 Uhr, aus irgend einem Grund, den ich nicht mehr nachvollziehen kann, holte ich zuerst nur die beiden Ruten ein, an denen ich meine selbstgemachten Boilies hatte, die Rute mit dem roten Fluo-Pop-Up blieb auf dem Pod liegen. Als ich mich zur Ködertasche umdrehte ertönte ein kurzer Piepser. War ich an den Rod Pod gestoßen? Ich drehte mich um und sah, dass die Spitze der dritten Rute krumm war. Fisch? Er zog keine Schnur von der Rolle, na ja ein Anhieb kann hier wohl nicht schaden. Sofort spürte ich enormen Widerstand und war mir nicht einmal sicher, ob die Rute im Kraut hing, oder das Gewicht des Fisches so hoch war? Aber Kraut am 02. März bei 8 Grad Wassertemperatur. Das Kraut bewegte sich langsam und Stück für Stück dirigierte ich den Gegner in Richtung Ufer. Inzwischen waren alle anderen Angler dieser Uferseite bei mir und noch einige andere die zu Besuch waren und gespannt verfolgten viele Augepaare mein Aktion. Das allein macht ja schon nervös genug, aber dann, nach einer ganzen Weile, konnte man den massiven Spiegler das erste Mal an der Oberfläche sehen und schon schossen die Spekualtionen im weiten Rund in die Höhe, von „Anfang bis Ende Vierzig“, bis hin zu, „das wird wohl nicht reichen“, war alles dabei. Auch das sorgte nicht gerade dafür, dass ich die Ruhe selbst war, trotzdem war der Fisch dann irgendwann in den Maschen des Keschers gelandet. Heinz hatte seine Waage mitgebracht und hängte den Fisch an: „Reicht nicht, Armin kannst du deine holen?“

Endlich auch für mich ein 30iger!
 
Mein Schuppi, nun in Florians Händen!
 
Ein schöner Fisch zu Beginn einer Session bringt Ruhe.

Ich sagte nur: „Wie, reicht nicht?“ „Meine geht nur bis 25 Kilo!“ Wumm – da war meine Kinnlade unten!

Das letztendliche Wiegen ergab genau 25,3 Kilo, ein Fünfziger am 02. März, man was würde dass eine entspannte Saison geben! Auch bei diesem Fang, hatten meine Boilies gewirkt, denn selbstverständlich lagen sie als Beifutter am Angelplatz, dass der Köder letztendlich ein Fluo-Pop-up eingesprüht mit „Evaporated milk / Ice Creme“ war, ist eine Sache der Neugier, welche gerade beim Frühjahrsangeln besonders häufig funktioniert.

Den gesackten Fisch entließ ich nun übrigens ohne Foto. Auch in der letzten Nacht konnte ich noch einen Fisch, wieder auf die Selbstgedrehten fangen. Noch einmal 14 Kilo. Eine wunderbare Session ging zu Ende. Was bedeuten schon Stau und Sturm, wenn man von einer 3–tägigen März-Session mit drei Fischen bis 50 Pfund zurück kommt. Einen perfekten Kaltwasser-Boilie hatte ich gefunden. Den hindernisreichen Weg zum „deftigen“ Boilie für wärmeres Wasser, den erzähle ich euch im nächsten Teil.

Ben Boden
Watersportcentrale Genk
Team Germany