von Alexander Aberl

Hallo, da draußen an den Bildschirmen, vorerst einmal möchte ich feststellen, dass wir alle, die auf der "Jagt" nach dem Karpfen sind, immer auf den "Moby Dick" unter den Karpfen hoffen ! Ist doch so, oder habe ich mich da getäuscht ?!

Für mich halte ich es so:

  • oberstes Ziel ist es Karpfen zu fangen bzw. im jeweiligen Gewässer zu überlisten - wichtig ist nur, dass man Bisse bekommt und diese einem sein Tun am Wasser bestätige
     

  • wie groß der oder die Karpfen sind, die beißen, kann man nur teilweise über die Ködergröße beeinflussen, sehr selten verirren sich Karpfen unter 5 kg auf Kugeln
     

  • weiteres hängt es vom Bestand in einem Gewässer ab, welche Größe von Schuppenträgern man erwarten kann, d.h. in einem kleinen Weiher ist ein 12 kg Karpfen der größte Fisch, in einem anderen ist er ein "Kleiner", weil es dort Fische mit über 50 Pfund gibt!
     

  • für mich beginnen wirklich große Karpfen bei 10 kg bzw. 20 pfd., das hat folgenden Grund - früher war das die Hürde die ich überspringen wollte und heute ist es nicht anders, wenn ich an das Wasser gehe, um Karpfen zu fangen!
     

  • alle Fische mit 15 kg bzw. 30 pfd. oder mehr sind sowieso die Krönung für mich und Karpfen in dieser Gewichtsklasse sind der absolute Traum und zählen für mich zu den wirklich kapitalen Fischen - 20 Kilo Fische sind der Himmel auf Erden
     

  • nur keinen Stress mit dem Fang der Kapitalen, der Großkarpfen kommt ganz von alleine und meist unverhofft - wer ständig an seiner Fischerei arbeitet wird über kurz oder langen einen "Big One" landen - glaubt mir, mit Gewalt geht da gar nichts!

Wie ist es aber, wenn man einen Großkarpfen - Fisch ab 15 kg und mehr fängt ?
Welches Wetter?
Welcher Platz?
Welcher Köder?
Welches Rig?
Glück - das Gesetz der Wahrscheinlichkeit?

Diese Fragen haben Ernst und mich schon oft beschäftigt.

Wetter:
Das Wetter spielt unserer Meinung nach eine untergeordnete Rolle !
Nein, das soll jetzt nicht heißen, dass das Wetter eh egal ist, uns ist jedoch aufgefallen, so eine große Rolle spielt es nicht.

Dazu eine kleine Geschichte von Ernst:
Das Wetter ist heiß, extrem heiß, die Luft steht, 30 -  35° C. Wir gehen noch baden im See wo wir diese Nacht fischen ! Bei so einem Wetter geht man für gewöhnlich nicht zum Karpfenfischen, jedoch was solls die Nacht bricht herein und wir sind gespannt was passieren wird. Doch was ist das plötzlich ? 22:00 Uhr mit vielen 1000 Watt spielt die Musi auf zwei Volksfesten los - an schlafen war nicht zu denken, es war mehr ein dahintosen, weil die Musik einfach nicht verstummen will ......

Also, diese Nacht war alles andere als ideal um Karpfen zu fangen - heiß - laut - einfach sch.......

24:00 Uhr gleich 00:00 Uhr, mein Carp - Sounder setzt sich in Bewegung kurz später stehe ich mit einer bis in das Handteil gekrümmten Rute da. Die erste Flucht kann ich nicht stopp, ich entschließe mich dem Fisch mit dem Boot zu folgen. Nach gut 20 min schließt sich mein Keschernetz um einen wunderschönen Schuppenkarpfen, der wohl einer der schwersten aus diesem Gewässer bis dato sein dürft ! Es folgten keine weiteren Bisse, aber das machte nichts - was für ein Fisch !
17 kg - eine unvergesslich heiße Nacht


17 kg - eine unvergesslich heiße Nacht

 Platz:
Ja, es hat sich schon durchgesprochen, nur wer dort fischt wo die Karpfen fressen bzw. vorbeiziehen der wird regelmäßig Karpfen fangen - Location - heißt das Zauberwort! Jedoch gibt es immer wieder Fänge von Kapitalen an nicht so fangträchtigen Plätzen ! Selber ist mir das auch schon passiert, aber lest doch selbst...

Anfischen 2002:
Juni, das erste Wochenende nach der Schonzeit - der See ist bei uns im Mai für die gesamte Fischerei gesperrt. Ernst ist schon vor mir am Wasser und konnte schon vier Carps bis 12,5 kg überlisten. Einige Tage zuvor hatte ich den Platz mit ca. 750 g Boilies vorgefüttert und als ich am Platz heute ankam sehe ich Karpfen auf meinem Platz rollen - hoffentlich funktioniert es diese Nacht ! Ganz locker baue ich das Tackle auf und so gegen 17:00 Uhr landen zwei Montagen im Wasser. Eine davon landete etwas zu kurz, so um ca. 25 m zu kurz, doch ich lasse die Montage liegen, weil ich sowieso vor dem Dunkelwerden, nochmals neu auslegen will. 

20:20 Biss auf der zu kurz ausgelegten Rute... oh, die erste Flucht gewaltig, der Fisch ist nicht zu stoppen und so zieht er mit einer mächtigen Bugwelle von mir weg - der Fisch ist schon über 120 m von mir entfernt. Nach einem ca. 15 min Kampf schwinden die Kräfte des Riesen - Ernst kommt vorbei und keschert den Fisch. 16,5 kg - ein super Fisch, so kann es gehen wenn man nicht immer den Hot - Spot trifft. Ich bin happy und nach einigen Fotos schwimmt der Fisch wieder. Hätte ich herausgezogen, weil der Wurf nicht optimal gewesen ist, hätte ich dann auch diesen Fisch gefangen ?!

Köder:
Ja, es gibt sicher gute und weniger gute Köder und bei Boilies gibt es sicherlich Unterschiede, davon bin ich überzeugt !

Readymades or Selfmades ?:
Ich bin der Meinung und das hat sich in den Jahren der Karpfenfischerei herausgestellt, dass selbstgemachte Boilies über Jahre hinweg fangen, ohne dass man den Grundmix grundlegend ändern muss. Diese Erfahrung bestätigt auch Ernst, der fischt schon über mehr als 5 Jahren den gleichen Boilie-Mix!

Doch was ich euch eigentlich schreiben will ist folgendes Gleichnis:
An einem Baggersee fischte ich mit meine Selfmades - Kugeln und das wirklich auf Anhieb erfolgreich ! Weiteres fischte auch ein Vater mit seinem Sohn an diesem Gewässer und fütterte den nächsten Hot - Spot der von mir ca. 30 m entfernt lag mit Readymades einer deutschen Köderfirma über sage und schreibe 2 Monate 3 mal pro Woche an.

Nennen wir den Angelkollegen Kurt - der Kurt ist sich seiner Sache sicher, als er nach 2 Monaten eine 3 Tagessitzung startet, dass er sicherlich einen Karpfen fangen würde. Der Platz ist wirklich top, da wurden schon viel Schuppenträger gefangen, aber dieses mal nicht, waren die Fertigkugel doch nicht das wahre, denn nur 30 m weiter fing ich ohne vorfüttern, mehre Karpfen auf Boilies der Marke Eigenbau! Ernst kennt da auch noch eine Story, die mich zum Nachdenken brachte.Einige Kollegen, die am selben Gewässer wie der Ernst fischten beschwerten sich über ihre schlechten Fänge und wunderten sich immer darüber das Ernst immer so gut fängt. Na, was glaubt ihr macht der erfahrene Carp- Hunter da, er geht auf den Platz wo der Ernst so gut fängt, aber lassen wir Ernst selber berichten:

Ich komme ans Wasser und da muss ich feststellen, dass heute jemand auf meinem Platz fischt (die unglücklichen Kollegen), den ich mir mühsam über Monate aufgebaut habe, aber was soll es - man muss immer das beste aus der Situation machen und so beschließe ich auf den Platz der Loser zu gehen, denen werde ich es heute zeigen! Und wie glaubt ihr ist es mir ergangen, ich war erfolgreich in dieser Nacht, obwohl ich mit meinem Murmeln noch nie dort gefüttert habe! Na, und meinen Kollegen auf meiner Stelle ist es genau so ergangen, wie immer - nichts - diese Fertigboilies sind auch nicht das wert, was der Hersteller verspricht - denke ich noch ! Die kurzen Stories zeigen, dass es doch auf den Köder ankommt, er muss einfach gut schmecken !


9 kg Schuppi auf Readymades erfolgreich gefangen von Heinz

Jedoch, ist der Köder wirklich für den Fange des einen oder anderen Großkarpfen verantwortlich, gibt es den Großfischboilie, der nur den 20 kg Karpfen anbeißen lässt, wohl kaum. Also, sind wir der Meinung, dass so manche Großkarpfen am richtigen Tag an der richtigen Stelle auch mit einem anderen Köder gefangen worden wären und sei es auf ein Fertigboilie der Firma XY ! Studiert doch einmal die Fangmeldungen, ihr werdet sehen dass mit den unwahrscheinlichsten Ködern Großkarpfen überlistet werden!

Rig:
Die Fischerei auf Karpfen wird nicht gerade einfacher und so muss man schon das eine oder andere Rig verwenden, um noch an die Großkarpfen heranzukommen !
Stimmt das?
Schaut euch immer genau die Rigs der Profis an, die fischen meist sehr einfach und vermeiden jeden überflüssigen Ballast im Vorfachbereich ! Wir sind nicht auf der Insel, jedoch sehe ich immer wieder Leute mit den "härtesten" Rigs fischen die es gibt - nicht das diese Fischer keine Fische fangen würden, aber ich glaube einfach ist einfach besser. Viele Verletzungen bei Fischen wären da niemals geschehen ......, wenn man einfach fischen würde. Ist es das ultrakomplizierte Vorfach oder das einfaches Rig
das den Kapitalen fängt?

Soft or Hard ?:
Ernst und einige Freunde von mir befischen ein echt ultrahartes Gewässer an dem so gut wie gar nichts dieses Jahr läuft. Ich stellte mir die Frage ob es an den Rigs liegen könnte. Jedoch ist es nicht so, es fangen weder Standard - Rigs (Line Aligner an Supa Nova ....) noch andere Montagen. Also gibt es noch andere Gesetzmäßigkeiten, die das Fischfangen angeht, die wir als Angler nur schwer beeinflussen können.

Zum Thema weiches oder hartes Vorfach muss ich bemerken, dass ich immer mehr zu steiferen Vorfächern neige, obwohl ich schon viele Carps mit weichen Rigs fangen konnte, aber an dieser Stelle zitiere ich am besten
Kevin Maddocks

"Was leicht in das Fischmaul beim einsaugen hinein geht, geht auch leicht wieder hinaus - steifere Vorfächer gehen sicher schwerer in das Fischmaul, aber auch dafür wieder schwerer, wenn überhaupt hinaus"! Ob das übertrüber Rig wirklich so wichtig ist für den Fang eines Großkarpfen bezweifle ich stark, ein Rig muss gut arbeit und das können die einfachen Rigs am besten. Hier scheiden sich die Geister und so muss jeder für sich entscheiden, welches Rig er fischt, aber fischschonend bitte.

Glück - das Gesetz der Wahrscheinlichkeit:
Eines muss einem als Carp - Hunter immer bewusst sein, bei großen Karpfen handelt es sich um Ausnahmefische. Das heißt es gibt in den meisten Gewässern nur wenige kapitale Fisch, die sich von der Masse der Karpfenbevölkerung abheben.

Also, einen wirklich Großen an den Haken zu bringen ist oft nicht eine Frage des Können des Fischers, nein, sondern vielmehr eine Frage der Wahrscheinlichkeit !

Habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viele Fische bei euch im Gewässer tatsächlich ihre Runden ziehen. Nehmen wir einmal an es sind ca. 100 Stk. von diesen ist ein Fisch der ein Gewicht jenseits der 15 kg besitzt !

Oh, das würde ja heißen die Chance diesen Fisch zu fangen steht 100 zu 1 - also so schlau sind die großen Carps auch nicht - die Kapitalen sind zahlenmäßig den anderen Fischen unterlegen. Daraus ergibt sich auch folgende Erkenntnis - die anderen kleineren Fische sind meist schneller am Köder und diese fangen wir dann auch, was mich aber keineswegs stör !

That`s it !


sehr schöner Schuppenkarpfen ...

Fazit:
Großkarpfen beißen oft unverhofft und gerade dann wenn man damit nicht rechnet - es entscheidet oft Glück über den Fang solcher Fische und nicht ein bestimmter Köder, eine bestimmte Montage oder sonst irgend etwas.

Haltet alles so einfach wie möglich was mit Rigs zu tun hat und wenn ihr die Boilies selber macht, dann macht "einfach" schmackhafte Köder - Tipps findet ihr hier auf CARPNET unter dem Link Köder! So, jetzt ab ans Wasser, vielleicht hat heute gerade einer das "Glück" auf einen Großkarpfen !

Petra Geil,
Alex & Ernst

Kontakt: www.carpnet.enns.cc

 

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