von Uwe Rothardt

Gerade in stark befischten Gewässern haben unsere Lieblinge schon mit fast jeden erdenklichen Boilies  Bekanntschaft gemacht. Genau dort wird es immer schwieriger regelmäßig Karpfen zu fangen. Ich denke gerade hier ist es sehr wichtig, dass ein Köder so natürlich wie möglich aufgebaut sein sollte . Was also läge näher, als unsere Köder der natürlichen Nahrung der Karpfen anzupassen. Sollte man nicht darüber nachdenken, eben genau diese Naturnahrung mit unserem heutigen, teilweise modernen Ködern in Einklang zu bringen. Ca. 80% dieser Naturnahrung besteht aus Muscheln, Krebsen und allerlei anderen Klein- Insekten. Weshalb sollte man sich also  genau diese nicht zu Nutze machen. Ich experimentiere seit längerer Zeit, mit genau solchen Zutaten. Zu meinen Favoriten zählen nach wie vor, Gamarus, Wasserflöhe, Seidenraupen-Larven, Garnelen usw. Diese Insekten lassen sich in jedem erdenklichen Boiliemix verarbeiten, ob Birdfood. o.- Fishmix. Als Basismix dient mir meist der Bloody-Liver.- oder Birdfoodmix von Concept for you. Diese enthalten viele wichtigen Vitamine und Proteine die für Karpfen sehr wichtig sind. Der Einsatz von Insekten variiert je nach Art, zwischen 5-10 %. Dessen Anteil sollte  man auch nicht unbedingt überschreiten, da diese Zutaten sehr leicht sind. Ich empfehle beim Einsatz von Trockenködern, diese ein bis zwei Tage einzulegen, um später im Boilie deren starkes auftreiben zu vermeiden, so dass die Boilies nicht anfangen zu schwimmen. Bestens geeignet hierfür sind Öle aller Art, wie bspw. Black Pepper oder Lachs Öl. Einlegen kann man diese aber auch in jedem Liquid Booster oder Extrakt, gleich ob dieser süßlich, würzig-scharf oder fischig ist. Insekten haben weitere verschiedene Vorteile. Sie bieten bspw. eine  Menge verschiedener Eiweiße, Proteine und Vitamine, die in recht hohen Konzentrationen vorkommen und für den Karpfen sehr wichtig sind. Darüber hinaus, sind sie für den Karpfen sehr leicht verdaulich und gut verträglich, was letztendlich für deren Wohlbefinden und Fresslaune entscheidend ist. Gerade in Gewässern wo solche Nahrung, wie Muscheln oder Krebse verstärkt vorkommt, kann man mit dieser Methode gute Erfolge erzielen.

Zu all diesen Insekten, Muscheln und anderen Kleinstlebewesen, verwende  ich zusätzlich ein  Grundfutter der etwas andern Art . Dies soll die Lockwirkung, gerade bei Kurzsaisons  noch verstärken. Dieses Futter  besteht aus verschiedenen Mehlen, Haferflocken, Hanf, Birdfoods und verschiedenen Extrakten wie, z. B. Stimulator Liquid . Die Mehle, meist bestehend aus Kobramelasse (ca. 20% ), Süßem Biskuit ( ca. 35% ), geröstetes Maismehl (ca. 20 % ), Birdfoods ( ca. 15% ) und Hanfmehl (ca. 10% ). Diese vermenge ich mit  Haferflocken,  die einige Stunden zuvor in Simulator,  (Leberextrakt ) eingeweicht waren und somit dessen fressstimulierendes Aroma auf zu saugen. Sie sind später im Wasser sozusagen der Attraktor und geben schon nach relativ kurzer Zeit genau dieses Aroma als erstes frei. Das ist gerade bei kurzen Ansitzen in denen meist wenig gefüttert wird sehr wichtig, um eine schnelle Lockaktion zu gewährleisten. Sie sorgen letztendlich auch dafür, dass  das Grundfutter nach einer gewissen Zeit langsam und stetig zerfällt  und nicht wie ein Klumpen Teig am Boden liegen bleibt. Somit kann das Futter im Laufe des Zerfallens sein volles Aroma und somit seine volle Lockwirkung entfalten. Der Hanf, oder das Hanfmehl, wie man es lieber will, spielt stets eine wichtige Rolle im Futter. Ich benutze meist gerösteten und grob gemahlenen Hanf. Dieser hat meiner Meinung nach das beste  Aroma. Er soll auf natürliche Art und Weise den Appetit der Karpfen anregen und für eine gute und schnelle Verdauung sorgen. Aber in Maasen; ein Anteil von 10% ist absolut ausreichend.

Weitere gute Ergebnisse kann man mit einem zusätzlichen Partikelmix erzielen. Gerade in Gewässern wo viel mit Boilies gefischt wird und Karpfen dort oft nichts anderes kennen, bewirkt ein solches oft wahre Wunder. Es gibt ja mittlerweile die unterschiedlichsten Partikel auf dem Markt. Angefangen bei Erdnüssen über Tigernüsse , bis hin zu Kichererbsen, Lupinen und Bohnen. Man sollte aber nicht unbedingt wahllos alles mischen was einem in die Finger kommt, sondern seine Partikel individuell dem entsprechenden See anpassen. Des weiteren sollte man beim zusammenstellen eines P- Mix , immer die Kochzeiten der einzelnen Bestandteile beachten. Während Hanf und Mais eher nur kurz gekocht werden müssen, um nicht zu zerfallen, brauchen Tigernüsse um einiges länger um vollständig durch zu sein. Tipp: Weicht man die Partikel ca. 24 Std. ein, kann man deren Kochzeit um einiges verkürzen. Meine Favoriten zählen zu den Klassikern unter den Partikeln. Tigernüsse, Mais, Hanf und Maples sind hierbei meine persönlichen Favoriten. Man muss diese verschiedenen Partikel auch nicht immer und unbedingt mischen, denn auch als Soloköder können sie gute Resultate erzielen. Gerade über das Thema Hanf wurde in der Vergangenheit viel diskutiert und geschrieben. Ist dies nun “DER” Karpfenköder oder nicht ? Deshalb will ich dazu auch nicht allzu viele Worte verlieren. Die besten Resultate konnte ich jedenfalls mit Hanf als Einzelfutter, eingeweicht in etwas Anisöl erzielen. Aber Vorsicht; an Seen mit hohem Weisfischbestand, kann dies schnell zu einem Top Brassen und Rotaugenköder werden, der die doch ein oder andere schlaflose Nacht bringt.

Nun, zum Mais gibt’s zu sagen, dass ich der Meinung bin, dass dieser immer noch, auch wenn er teilweise etwas aus der Mode gekommen scheint, immer noch zu einem der Top Karpfenköder überhaupt zählt. Ob nun pur oder nachbehandelt, konnte ich mit Mais schon immer gute Erfolge erzielen. Darüber hinaus  gibt es die verschiedensten Methoden diesen anzubieten. Eine Methode die ich überhaupt nicht anwende und von der ich auch nicht viel halte, ist Hartmais zu füttern. Ich glaube nicht dass der Karpfen mit einem solchen viel anfangen kann. Im Gegenteil, ich bin sogar davon überzeugt dass er den Karpfen auf Dauer schadet. Er wird ihn wohl erst mal fressen, aber bringt es dem Karpfen auch wirklich etwas? Ich glaube nicht.  Mais sollte grundsätzlich immer gekocht, oder zumindest angekocht werden damit er aufquellen kann. Erst dann kann er sein volles, süßliches Aroma voll entfalten und kann  vom Karpfen um einiges besser verdaut werden. In letzter Zeit testete ich verschiedene Extrakte und Öle im Mais auf ihre Aromaentfaltung und deren zusammenhängende Lockwirkung. Dabei viel auf, das gute Ergebnisse mit dem Corn Step Liquid von C4U erzielt  wurden. Dies ist ein Extrakt das vom Aroma her an vergorener Mais und Weizen erinnert. Es ist gewöhnungsbedürftig im Geruch, aber absolut perfekt geeignet für eine solche Anwendung. Auch Black Pepper Oil konnte überzeugen und findet mittlerweile sehr oft Anwendung in allen meinen Partikeln.

Letztendlich bleiben nur noch die Tigernüsse und die Mapels, die zumindest bei meinem Mix, nur zusammen Anwendung finden. Durch die gewisse Härte der Tigernüsse werden sie auch an Seen mit hohem Weisfischbestand , nicht so schnell von den Rotaugen und Brassen angenommen, wie beispielsweise Hanf oder Mais. Durch ihr nussig-süßes Aroma, sind sie ein Leckerbissen für jeden Karpfen. Sicherlich einer der erfolgreichsten Karpfenköder der letzten Jahre . Sie sollten eigentlich in keinem guten Partikelmix fehlen. Aber auch solo ein echter Renner, keine Frage. Maples hingegen sind nach dem kochen recht weich und haben auch einen schönen süßlichen Geschmack, was sie bei Karpfen zu einem beliebten Köder macht. Komischerweise konnten sie bei mir in der Vergangenheit, als Soloköder nie richtig überzeugen, warum auch immer. Im Mix mit Tigernüssen und Hanf hingegen , waren sie aber immer ein fähiger Zusatz.

Also letztendlich denke ich, ist die Natürlichkeit eines Köders mit nichts zu vergleichen.

In diesem Sinne ...
Uwe R.

 

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