Nach ewigem hin und her schafften es mein Cousin Thomas und ich dann doch, ein Wochenende zu finden, an dem wir beide für einen kleinen 2 Tages Ansitz Zeit hatten. Wir verabredeten uns also für Freitag Abend an einem kleinen Bayerischen Baggersee. Wir befanden uns mitten in der Laichzeit, dennoch fieberten wir beide dem Ende der Woche entgegen.  In der Arbeit wurde es immer unerträglicher und die Zeit wollte einfach nicht vergehen. So kam es, dass ich dann am Freitag schon um 14:00 die Kurve kratzte und ans Wasser fuhr. Am See angekommen wartete Tom schon auf mich. Während ich mein Zelt, Rod Pod usw. aufbaute, lieh er sich das Boot unserer Kollegen, die ein Stück links von uns ihr Glück versuchten und suchte mit dem Echolot einen geeigneten Platz (eigentlich wäre hier wirklich keines nötig gewesen, aber man muss eben nehmen was man kriegt).

Er fand eine viel versprechende Kiesbank mit gerade mal 1,6 m Tiefe wo er den Marker setzte und einen Partikelmix und Boilies anfütterte. Als wir beide dann fertig waren legte ich noch meine Ruten aus bis dann endlich der angenehmere Teil unseres lang ersehnten "Familientreffens" begann. Thomas schmiss den Grill an und bei einem kühlen Blonden und saftig gegrillten Steaks, plauderten wir über vergangene Sessions und hofften auf einige Aktionen in der Nacht. Wir verzogen uns schon früh in unsere Zelte da das heiße Wetter am Tag uns sehr müde gemacht hatte. Doch schon um halb zwölf wurde ich von ein paar Piepern geweckt. Eine Karausche hatte sich am Haken gefangen ... sehr ärgerlich! Die Rute war zuvor perfekt platzier t... nun konnte ich meinen Futterplatz nur grob anvisieren, da weder mein Marker, noch am anderen Ufer etwas zu erkennen war. Es muss so halb sechs gewesen sein, als wieder der gleiche Bissanzeiger einen einzelnen Pieper von sich gab. Ob ich jetzt wohl wieder wegen einer Karausche aufstehen müsste?

Gleich darauf ... noch zwei Pieper. Ich machte schon mal den Schlafsack auf, denn ich kannte das Spiel ja noch vom Vortag. "Bestimmt hat sich wieder eine Karausche den kleinen 15ner  Boilie mit Gewalt reingestopft und kann jetzt das viel zu schwere Blei nicht ziehen" dachte ich, doch eine Sekunde später riss es mir die Augen auf und der Puls war auf 180, denn es folgte ein Run wie aus einem Märchen ...

Ich rannte aus meinem Zelt und nahm noch vom Schlaf total verwirrt die nächst beste Rute in die Hand und schlug an. Es pfiff aber immer noch wie wild ... also Selbe Spiel, andere Rute. Im selben Augenblick schaute Thomas aus seinem Shelter in meine Richtung. "Thomas, das ist ein guter!" rief ich zu ihm rüber, und so war es auch. Mein Futterplatz war ca. 80 m weit draußen, der Fisch zog im Halbkreis mit einem beachtlichen Tempo nach links Richtung Ufer und ich konnte ihm kaum Schnur abnehmen. So verfing sich die Schnur bald im Marker von Thomas und Riss diesen mit. Er zog weiter in Richtung Ufer und blieb schließlich mit seiner ganzen Masse stehen. Ich konnte kaum noch drillen, da sich die Schnur schon durch einen ins Wasser ragenden Baum zog, so sagte ich zu Thomas er solle doch bitte das Boot unserer Kollegen holen. Als er dann mit dem Boot kam sprang ich hinein und zog mich über den Fisch. Doch da in diesem Boot nur einer Platz hat und ich nicht gleichzeitig rudern und drillen konnte,  konnte ich keinen Druck auf den Fisch ausüben. Mein gegenüber  nahm langsam wieder Fahrt auf und so zogen wir beide los, um den See ein wenig abzufahren. Am Ufer verfolgten uns mein Cousin und die beiden, von denen wir das Boot geliehen hatten und hielten Matte und Netz bereit. Die ganze Zeit über dachten wir alle, dass es ein Wels sein muss, der den Fischboilie genommen hat, denn unser Fisch wurde einfach nicht müde. Dann endlich, nach ca. 10 Minuten in seiner Tätigkeit als Außenborder hing der Kampf zunehmend auf meine Seite und ich konnte ihn kurz an die Wasseroberfläche pumpen.

Es war also doch ein Karpfen, der im Augenblick nicht mal sehr groß aussah. Er versuchte noch ein paar mal in die Uferböschung zu flüchten bis er endlich so müde war, dass ich mir die Rute einklemmen und mit dem Fisch ans Ufer rudern konnte. Am Ufer angekommen empfing uns beide schon unser 3 Mann starkes Publikum mit Kescher und Matte. Endlich konnte ich mir ansehen, was ich da am Haken hatte. Es war ein sehr schöner Schuppi der in aller Frühe für gute Unterhaltung sorgte. Der Bursche hatte es uns ganz schön gekocht, aber niemals würde ich auf dieses Erlebnis verzichten wollen. Es sind diese Ereignisse, für die wir am Wochenende auf unseren Schlaf verzichten, für die wir oft mitten in der Nacht aufstehen und uns von "normalen Menschen" für verrückt erklären lassen müssen... und das alles kratzt uns nicht die Bohne!!!

An dieser Stelle noch ein Dankeschön an Thomas und an unsere beiden Kollegen, von denen wir das Boot hatten. Ohne euch hätte ich diesen Fisch nicht fangen können.

Tight lines,
Daniel Spießl

Quelle: Foto1-4 Daniel Spießl, Titelbild: Pixelquelle.de
 

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