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Schon lange hatte ich mich auf einen Trip, nur mit meinem
Freund Heinz Kersten zusammen, gefreut. Ende März 05 war es endlich
soweit, dass wir beide gemeinsam losziehen konnten. Um 3.30 Uhr in der
Nacht klingelte mein Wecker, denn ich wollte nur so schnell es geht ans
Wasser - eine viertel Stunde später war es dann auch schon soweit. Nein,
ich war nicht mit dem verlagseigenen Düsenjäger unterwegs, sondern ich
hatte nur die Haustür aufgemacht und da goss es in Strömen. OK, diese Art
Wasser hatte ich nicht gemeint, als ich von Sehnsucht sprach, aber wie
konnte es auch schon anders sein. Ich sagte mir: „Prima Beißwetter“ und
verdrängte die Gewissheit, dass es nur 7°C Wärme hatte, wenn man bei
diesen Temperaturen überhaupt von Wärme reden konnte.
420 Kilometer später, sowie einer kleinen Belgienrundfahrt,
da der See, der sich auf meinem Routenplanerausdruck befand, nicht das
Gewässer war, an dem wir uns eigentlich treffen wollten - ich nenne jetzt
keinen Namen, von wem ich diesen Ausdruck erhalten habe - konnten wir uns
endlich begrüßen und mit einer kräftigen Umarmung und eben solchem
Schulterklopfen unserer Freude über das Wiedersehen kundtun.
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Heinz war schon a m Vortag angereist und da er das Gewässer
kannte, hatte er zwei gute Plätze für uns ausgewählt. Mein Bivvy baute ich
ca. 40 Meter von ihm entfernt auf, damit wir mit unseren acht Ruten
(traumhaft, wenn ich da an Baden- Württemberg denke, wo ich mit nur zwei
Ruten angeln darf) uns nicht ins Gehege kommen würden. Er hatte auch schon
ganz ordentlich vorgelegt, so hatte er in den vergangenen Stunden schon
sechs Karpfen überlisten können und von den Karauschen wollen wir gar
nicht reden. Selbstverständlich hoffte ich, dass es so weitergehen würde,
wenn auch am Morgen der Wind gedreht hatte und vom Atlantik heftige Böen
kamen, denen eine Schlechtwetterfront folgen sollte. Laut Wetterbericht
war sogar Schnee angesagt, aber das sollte unserer Freude über eine
gemeinsame Session nicht mindern. Nachdem auch meine Fangeisen im Wasser
waren und der Rest sicher im Zelt verstaut war, ging ich zu Heinz rüber,
um mit ihm einen wärmenden Kaffee zu trinken.
Der Wind blies heftig, aber die Sonne war hinter den Wolken
hervorgekommen und so machten wir es uns vor dem Zelt in unseren Stühlen
gemütlich. Mittlerweile sind noch ein paar andere Karpfenangler am See
angekommen und so waren nun insgesamt 40 Ruten im ca. 8 ha großen See.
Außer uns waren keine Deutschen am Wasser, sondern Niederländer,
Franzosen und natürlich Belgier. Allesamt recht freundlich, wenn wir auch
vermuteten, dass die zwei Craks ne-ben uns nicht nur zum Karpfenangeln
gekommen sind, da ein reger Publikumsverkehr an ihrem großen Zelt
war und die „Gäste“ jeweils nur zwei, drei Minuten blieben - an was
mich nur der süßliche Geruch erinnerte, der ab und zu mit
einer
Windböe herüber kam…
Den Kollegen auf der anderen Seeseite verdächtigten wir über
die Tage Fischklau zu betreiben, da des Nachts ein, zweimal ein Auto zu
ihm kam und nach einiger Zeit wieder davon fuhr. Als wir unseren Verdacht
dem Kontrolleur „Guy“ mitteilten, beruhigte der uns aber, es wären nur ein
paar weibliche Wesen aus dem nahe gelegenen Ort, die gegen geringe
Bezahlung beim Angeln für eine besondere Stimmung sorgen, oder so… Aber
zurück zu unserem Kaffee, wovon ich mittlerweile die vierte oder fünfte
Tasse geschlürft hatte und das absolut ruhige Wasser beobachtete. Nichts,
gar nichts rührte sich da - keine springenden Fische, keine Fressblasen,
kein Pieper am ganzen See. Um 16.45 Uhr war es endlich soweit - die Spitze
der weit draußen liegenden Rute von Heinz begann zu zucken und im nächsten
Augenblick meldete sich auch schon der Bissanzeiger - Vollrun!!!
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Wie immer rannte mich Heinz fast über den Haufen, um nur so
schnell wie möglich an der Rute zu sein - Anschlag - hängt! Sofort war
klar, dass es kein kleiner Fisch war,
der den Köder aufgenommen hatte,
denn Heinz musste ganz schön Druck ausüben, um den wild fightenden Carp zu
bändigen. Langsam pumpte er ihn näher und ich machte mich mittlerweile
bereit, den Kescher ins Wasser zu bringen. In diesem Augenblick meldete
einer meiner Bissanzeiger „Alarm“!!! Also überließ ich dem verdutzt
dreinschauenden Heinz seinen Kescher und verabschiedete mich kurz mit
einem: „Ich habe etwas Besseres zu tun!“ Ein kurzer Spurt zu meinen Ruten
und siehe da, auch meine Rute, deren Montage weit draußen lag, hatte den
Alarm ausgelöst. Rute aufgenommen, zwei Kurbelumdrehungen, Anschlag -
hängt. Ach, ist das Leben schön. Da standen wir nun beide am Ufer und
drillten gleichzeitig unsere Fänge, so könnte es doch weitergehen!? Heinz
hatte seinen Spiegler etwas früher an Land und kam nun zu mir herüber, um
für mich den Keschermann :-) zu spielen. Allzu viel Gegenwehr brachte mein
Gegenüber nicht auf, vermutlich steckten ihm noch die letzten kalten Tage
in den Gräten. Nach kurzem Drill lag ein schöner Schuppi vor mir auf der
Matte, und kurz darauf zeigte die Waage 12,4 Kilo Lebendgewicht an. Heinz
sein Spiegler brachte 15,2 Kilo auf die Waage, na ja, es sei ihm gegönnt.
Aber das passte irgendwie, zwei Freunde, die gleichzeitig zwei Fische
fingen, dazu noch ein Schuppi und ein Spiegler, das musste gemeinsam
verewigt werden und so wurde gleich die Kamera ausgepackt. Zum Glück
gibt’s hilfreiche Menschen und so stimmte am Ende alles. Eine Stunde
später konnte Heinz noch einen schönen Schuppi zum Landgang überreden -
wieder mit der
Pellet-Montage.
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Da wir so eine große Rutenzahl am See ins Wasser bringen
konnten, haben wir einfach mal verschiedene Montagen und Köder
ausgebracht. Line-Aligner, Pop Up-Montage, Pellet-Montage und Schneemann
waren bisher am Start, doch die Erfolge brachte nur die Pellet-Montage.
Aus diesem Grund haben wir beschlossen, für die Nacht sechs Ruten mit
dieser zu bestücken. Beim Auswerfen haben wir an jede Montage noch einen
Stringer mit fünf, sechs Boilies angebracht. Dazu noch mit dem Wurfrohr
eine Hand voll Boilies an jeden Platz verteilt - mehr Beifutter gab es
nicht.
Um 20.00 Uhr war alles für die Nacht vorbereitet und es war
endlich Zeit einmal für uns etwas zum Essen zu zaubern. Heinz kochte
Nudeln ab und ich bereitete geschnetzeltes Schweinefleisch zu. Als beides
fertig war, gaben wir es zusammen in einen Wok und ließen es noch etwas
anbraten. Nach fünf Minuten schlugen wir noch vier Eier darüber und
würzten beim Weiterbrutzeln noch etwas mit Salz, Pfeffer und etwas Paprika
nach…
Eine halbe Stunde später waren wir total voll gefressen und
bereuten, dass wir nichts zur Verdauung dabei hatten. Der weitere Verlauf
des Abend s war mit langen Gesprächen gefüllt, jedoch die Bissanzeiger
blieben stumm. Als ich mich gegen 0:30 Uhr in mein Bivvy zurückzog,
verabschiedete ich mich mit einem „Bis gleich“, doch die Wirklichkeit sah
anders aus. Die ganze Nacht rüttelte ein heftiger Sturm an meinem Zelt und
der einsetzende Regen prasselte unermüdlich auf meine Zeltbespannung.
Irgendwann tief in der Nacht konnte ich dann endlich vor Müdigkeit
einschlafen.
Als ich wach wurde, war schon 7.30 Uhr, der Regen hatte
aufgehört und der Sturm war zu einem kräftigen Wind, der große graue
Wolken vor sich hertrieb, abgeschwächt. Ich schälte mich aus meinem warmen
Schlafsack und ging zu Heinz hinüber, um zu erfahren, ob bei ihm etwas
gebissen hatte, doch auch bei ihm war Funks tille, wie bei allen anderen
Anglern am See auch, wie wir später erfahren konnten. Noch vor dem
Frühstück holten wir unsere Montagen ein, um die Köder auszutauschen. Die Pellets hatten sich schon etwas aufgelöst, aber der dazu montierte Pop Up
war einwandfrei. Wir wollten den Erfolg versprechenden Montagen noch eine
Chance geben und montierten sie aus diesem Grund, genau wie gehabt, neu.
Am Abend hatten wir weit draußen, fast am gegenüberliegenden Seeufer,
Fischaktivitäten gesehen und darum auch sechs Montagen unserer Ruten in
diese Richtung befördert. Jetzt am Morgen waren keinerlei Anzeichen auf
Fische zu sehen, dennoch versuchten wir es wieder weit weg vom eigenen
Ufer. Lediglich eine Rute sollte hier abgelegt werden und eine in ca. 50
Metern Entfernung, an einem Platz, wo der Boden relativ hart war.
Der Tag verlief ohne jegliche Fischaktivität am ganzen See
und so hatten wir genügend Zeit uns Gedanken über unsere weitere
Vorgehensweise zu machen. Wir redeten mit dem Aufseher, der vorbei kam,
ohne jedoch einen richtigen Tipp zu bekommen. Er meinte nur, dass die
veränderten Wetterbedingungen daran schuld wären und wir lieber in zwei
Monaten zu rück kommen sollten, dann würden wir bestimmt Fische fangen. Wir
wollten aber jetzt und so kamen wir mit einem Belgier ins Gespräch, der am
Ende des Sees auf der gleichen Seite wie wir saß und als Einziger, außer
uns, schon Fische gefangen hatte. Er erzählte von seiner
Ice-Montage, die
nach seinen Aussagen viele Belgier verwendeten. Wie diese aufgebaut ist,
habt ihr ja schon auf der Schritt für Schritt Erklärung der Vorseite
gesehen. Freundlicherweise überließ er uns zwei seiner Montagen, die
sofort jeder von uns eine an seiner Schnur befestigte und im See
versenkte. Wir genossen gerade die Mittagssonne, als sich Heinz Delkim
dezent meldete. Mit bekanntem Eifer schlug er an und ein heftiger Drill
begann. Heinz begann den Fisch heranzupumpen und dieser zog ihm sogleich
wieder Schnur von der Rolle. Bremse weiter zu und wieder gepumpt. Der
Fisch schien unermessliche Kraftreserven zu haben, denn er zog unermüdlich
an der Leine. Selbst als er schon fast in Keschernähe war, zog er wie wild
kreuz und quer durch unsere Schnüre. Letztendlich gab er sich doch
geschlagen und als ich den Kescher aus dem Wasser zog, bemerkte ich schon
sein stattliches Gewicht. Ein paar Minuten später hatten wir es genau,
16,4 Kilo - nicht schlecht, Herr Specht! Der Karpfen war kaum wieder in
den Fluten verschwunden und die Rute neu beködert ausgelegt, als sich der
Bissanzeiger der Ice-Rute meldete. Das läuft ja wieder prächtig, dachte
ich und setzte den Anschlag. Sogleich war ich mir sicher, nichts Großes am
Haken zu haben, dennoch genoss ich den Drill, den ich etwas weicher
ausfallen ließ. Ohne brachiale Gewalt auszuüben, und dem armen Fisch einen
Schock fürs Leben zu versetzen, kurbelte ich ihn langsam ans Ufer. Wie
sich hier feststellte, hatte ein kleiner Graskarpfen den Weg zum Hanf und
dann zum Boilie gefunden. Sogleich ließ ich ihn ins Wasser zurück, damit
er nicht vor lauter Aufregung noch einen Herzinfarkt bekam.
Inzwischen war es Abend geworden und es galt die Ruten für
die Nacht fertig zu machen. Wir holten unsere Montagen ein, um sie neu zu
beködern. Da unser Vertrauen immer noch der Pellet-Montage g alt,
bestückten wir fünf unserer Ruten auf diese Weise. Zwei weitere Ruten
beköderten wir mit Micro-Wave und für die verbleibende letzte Rute, hatten
wir uns etwas ganz Besonderes ausgedacht - ein Light-Rig. Den Aufbau seht
ihr wieder in unserer Schritt für Schritt Erklärung auf der nächsten
Seite.
Die Temperaturen waren noch weiter gefallen und am Nachmittag
war sogar ein Hagelschauer niedergegangen. Im Radio wurde für den darauf
folgenden Tag nun Schnee angekündigt, worauf wir beschlossen haben, am
nächsten Morgen abzubauen. So zogen wir uns in Heinz Bivvy zurück, um den
letzten gemeinsamen Abend bei dem einen oder anderen Kaffee und langen
Gesprächen zu genießen. Plötzlich meldete sich einer von Heinz
Bissanzeigern und wenige Augenblicke später bog sich eine seiner Ruten
bedenklich durch, an deren Schnurende sich eine Pellet-Montage befand.
Heinz hatte wirklich das Glück die spannenden Drills zu erwischen. Wieder
entbrannte ein heftiger Zweikampf, an dessen Ende es jedoch nur einen
Sieger geben konnte. Heinz präsentierte stolz seinen Fang in die Kamera,
bevor er ihn behutsam zurücksetzte, selbstverständlich nicht, ohne ihn
vorher zu wiegen -13,5 Kilo!
Aber auch ich kam noch in die glückliche Situation, einen
Karpfen an Land zu drillen. Zu unserer Zufriedenheit hat der Carp das
Light-Rig für se hr anziehend gefunden und nahm den daran befindlichen Boilie auf. Der Spiegel-Karpfen mit seiner herrlichen Winterfärbung
gehörte mit seinen 10,6 Kilo noch zu den prächtigen Burschen dieses
Gewässers und so präsentierte auch ich ihn zufrieden in die Kamera. Außer
dem Regen war in der Nacht nichts mehr zu hören. Am nächsten Morgen bauten
wir schon früh ab und verstauten unser nasses Tackle im Auto, um es später
zu Hause aufzuhängen und zu trocknen. Wir verabschiedeten uns voneinander
und auch die anderen Angler waren am Zusammenpacken, als wir den See
verließen. Als ich an der Autobahnauffahrt ankam, fing es leicht zu
Schneien an. Mein Weg führte über Luxemburg zurück, wo ich mein Auto noch
einmal mit billigem Sprit versorgte und für meine Frau ein paar leckere
belgische Pralinen zollfrei kaufen konnte - man(n) weiß ja, was Mann
schuldig ist!
Zurückblickend muss ich noch sagen, dass es ein schönes
Gefühl war, mit einem Freund zusammen die Zeit am Wasser zu verbringen.
Ein paar schöne Carps zu fangen und selbst die Karauschen, die wir beide
zwischendurch an Land zogen, wurden genauso gut behandelt, als wären es
40 Pfünder gewesen.
CARPE DIEM
Achim
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Die von uns auf
dieser Tour gefischten Rigs werden in der Rubrik "Montagen"
vorgestellt.
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