Aktueller deutscher Welsrekord aus der Weser, einem Fluss, der unter Welsanglern schon fast in Vergessenheit geraten ist.

Es ist Donnerstagabend, 19.00 Uhr, ich liege auf meinem Sofa und betrachte den starken Regen unter der Straßenlaterne. Plötzlich klingelt das Telefon, es ist Sebastian. Ich gehe dran und höre nur den Satz "Der Fisch muss raus!". Als ich das höre war für mich klar, was er will; angeln fahren! Und so ist es dann auch. Er fragte mich, ob ich Lust hätte mit ihm ein bisschen zum Spinnfischen an die Weser zu fahren. "Klar!", sage ich, packe meine sieben Sachen und fahre zu dem ausgemachten Treffpunkt an dem wir verabredet sind. Wenig später laden wir dann mein Equipment in seinen Wagen und es ging los in Richtung Weser. Am Platz angekommen fangen wir dann gleich an, sein nur 2 Meter großes Zodiak Schlauchboot aufzupumpen, den Elektromotor anzubauen und unsere Karpfenruten aufzubauen. Als Köder wählen wir 30 cm große Kunstköder, da wir es auf kleine bis halbstarke Waller abgesehen haben.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, fahren wir mit dem Boot an uns vom Karpfenangeln bekannte Untiefen in der Weser, denen Sebastian schon den einen oder anderen Karpfen entlocken konnte. Dort angekommen zögern wir nicht lange und beginnen, die Stelle anzuwerfen. Schon nach Sebastians zweiten Wurf durchbrach unmittelbar nach dem Aufprall des Kunstköders etwas Gewaltiges die dunkle Wasseroberfläche, und er schreit: "Ich hab einen!" Und der Tanz beginnt.

Der Anhieb sitzt. Gleich darauf öffnet er etwas die Bremse seiner Daiwa SS 3000 und der Fisch beginnt mit einer gewaltigen Flucht in Richtung Strommitte. Seine 2½ lbs Black Label Baits Karpfenrute gleicht einem Halbkreis. Ich begebe mich an den Motor um dem Fisch zu folgen. Über dem Fisch angekommen kämpfen wir nun auch gegen die starke Strömung der Weser. Uns wird bewusst, dass dies keine leichte Aufgabe wird, zudem wir auch noch nicht mal wissen, was uns da am Ende der 0,45 mm monofilen Schnur erwartet. Da ist er!

Nun sind inzwischen 50 Minuten und unzählige Fluchten vergangen, ohne, dass wir das "Tier" auch nur einmal gesehen haben. Dann passiert es, Sebastian schafft es mit viel Mühe, ihn aus der Tiefe an die Wasseroberfläche zu holen. Sofort schalten wir unsere Karpfenlampen ein und sind gespannt, was und neben dem Boot erwartet. Und da ist er. Sebastian ist sprachlos und mir schießt gleich eine Sache ein der Film: "Der weiße Hai Teil 1!", denn der Waller, der da neben unserem Boot an der Oberfläche liegt ist länger als das Boot! Was nun, sprach Zeus.

Kaum haben wir den Waller das erste Mal gesehen, da überlegt er sich, die nächste Flucht zu starten. Es hat ganz den Anschein, als wäre er mit seinen Kräften noch nicht am Ende, ganz im Gegensatz zu Sebastian, der mir nach nun mehr als einer Stunde Drill die Rute übergibt. Wir beschließen, nun das Boot zu verlassen und den restlichen Drill vom Ufer aus für uns zu entscheiden, da der Fisch mit uns und dem Boot wieder anstellt, was er will. Kaum haben wir wieder festen Boden unter den Füssen, da stelle ich fest, dass nun ich das Ruder übernommen habe und nicht mehr der Fisch. Nach und nach gewinne ich Meter für Meter der Schnur und schließlich habe ihn da, wo ich ihn haben wollte, nur noch wenige Meter vom Ufer. Doch dann die nächste Flucht, ein Schlag in der Rute und - nichts mehr, kein Widerstand. War er weg, hatte er den Kampf gewonnen?

Nein, da ist er wieder! Aber was ist das? Da kommt er wieder, ich habe ihn wieder am Ufer und kurze Zeit später an der Oberfläche. Nun können wir sehen, was geschehen ist! Der Haken musste sich gelöst haben und den Fisch im hinteren Schwanzende wieder gehakt haben. Sebastian zögert nicht lange, steigt in die Weser und versucht, ihn zu packen. Doch vergeblich, die Weser ist an dieser Stelle zu tief und er kommt nicht an den großen Kopf des Welses heran. Nach einigen Versuchen schafft Sebastian es dann, den Fisch mit einem Arm an sich heran zuführen und mit der anderen Hand den Wallergriff zu setzen. Gleich lege ich die Rute ab und eile ihm zu Hilfe. Ich packe mit zu und wir ziehen den Giganten schonend auf die Wallermatte. Uns fehlen die Worte ...was für ein Monster! Wir schauen auf die Uhr und können es kaum glauben, 1¾ Stunde Drill, bei dem Mensch und Gerät aufs Äußerste gefordert wurde. Unglaublich. Die Stunde der Wahrheit

Sofort informieren wir Dirk vom "Fangplatz" Oerlinghausen, welcher auch offizielle Wiegestelle ist und im Besitz einer 100kg Waage. Nach der Nachricht macht er sich gleich auf den Weg zu uns. Damit der Fisch keinen Schaden davonträgt lassen wir ihn in der Zwischenzeit wieder zurück in sein Element. Nachdem nun alle Vorbereitungen getroffen waren und wir völlig übermüdet den Sonnenaufgang genossen geht es ans Wiegen und Vermessen des Prachtexemplars. Inzwischen sind auch einige Freunde von uns eingetroffen, die sich davon selbst überzeugen wollen. Auch ein Aufseher der Unteren Fischereibehörde, den wir erst davon überzeugen mussten, dass hier nichts Schlimmes geschieht, war dabei. Er zeigte zum Glück Einsicht über unsere guten Absichten. Nun gut, es geht los.

Wir lösen das Seil, halten den Waller aus der Tiefe der Weser, bugsieren ihn auf die Abhakmatte und tragen mit vereinten Kräften die Böschung hinauf. Jetzt geht es ihm erstmal an seine Länge. Wir drehen ihn vorsichtig auf den Rücken damit er sich durch sein Eigengewicht nicht die Innereien verletzt (sehr wichtig!). Sebastian legt das Maßband an, ich mache mich auf den Weg zu seinem Unterkiefer und halte an. Wahnsinn! 217,5 cm!!! Jetzt kommt der spannendste Teil: das Wiegen. Wir haben die Waage mit einem Seil an einem Rundholz befestigt, um die Waage vernünftig und ruhig halten zu können. Nun hängen wir die Wiegeschlinge ein, nehmen das Holz auf die Schulter und heben an. Was für ein Gewicht! Wir halten die Waage ruhig und Dirk liest das Gewicht ab. Er schüttelt den Kopf und ist total außer sich. Dann sagt er nur: "85,2 kg!", unglaublich.

Nachdem wir uns dann alle wieder gefasst haben, sehen wir zu, dass der "Grosse" unbeschadet wieder in sein Revier zurück kommt, damit wir ihn vielleicht in ein paar Jahren noch gewaltiger einmal überlisten können. Nachdem das geschehen ist müssen wir natürlich noch die Abhakmatte wiegen, um das tatsächliche Gewicht des Wallers feststellen zu können, welches trotzdem noch ganz beachtliche 83,6 kg bei einer Länge von 217,5 cm beträgt. Oh Gott, 167 Pfund! Für uns ist ab diesem Zeitpunkt klar: Neuer offizieller Rekord! Auch wenn einige es nicht wahrhaben möchten.

Dieser Fang und das ganze Drumherum war für uns ein Erlebnis der ganz besonderen Art, was sicherlich nicht tagtäglich passiert aber offensichtlich passieren kann. Wir wünschen euch auch schon bald ein solches oder anderes tolles Erlebnis beim Angeln, denn was gibt es Schöneres?!

PS: Und denkt bitte immer daran, Angler müssen zusammenhalten und nicht gegeneinander arbeiten!

In diesem Sinne
Christoph und Sebastian
 

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