Da ich im Sommer 2005 auf einen unnötigen Urlaub im warmen Süden verzichtete, wollte ich meine zwei eingesparten Wochen im Herbst, besser gesagt in „Karpfenanglers liebster Zeit“ nehmen. Richtig: 14 Tage im Oktober pure Freiheit! Diesmal wollte oder klappte es leider nicht mit einem durchgehenden Trip nach Frankreich, da es mir ein mittelgroßer See in meiner Nähe angetan hatte. Dort hatte ich mir zum Ziel gesetzt zumindest einen Fisch über 20 kg in meinem Urlaub zu überlisten. Der Pool weißt eine relativ hohe Fischdichte an Biggies auf und hat viel interessante Kanten und Sandbänke.

Zu meinem Leidwesen lagen pro Wochenende (von Freitag bis Sonntag) mindestens 20 (!) Ruten im Wasser. Dazu wurde über das ganze Jahr verdammt wenig gefangen. Doch was soll’s, zu Hause kann man keine Fische fangen und da eh keine kleine verspielte Nixe auf mich wartet war das Vorgehen für kommende zwei Wochen rasch geplant. Ich nahm mir vor jede zweite Nacht am Wasser zu sein und dabei auf mir gut erscheinenden Spots 3-4 Sessions zu verbringen um nicht von Swim zu Swim zu springen. Mein Set Up bestand aus zwei FOX Aquos, den guten alten Emblems mit 15 lbs ESP Carp Line, normalen FOX Inline-Leads um die 4 oz. und Kombi-Links aus ESP Strip Teaze sowie den Longshanx-Haken der gleichen Firma als knotless Knot gebunden. Wie ihr seht alles recht einfach gehalten, da komplizierte Rigs an diesem See absolut fehl am Platz sind. Hier kommt es mehr auf starkes, kräftiges Gerät an. Schließlich muss man immer mit einem Dicken rechnen. Da die meisten Stellen am Ufer recht flach sind und ich denke, dass unsere Lieblinge soviel Respekt verdienen nicht über den sandigen Untergrund bis zum Kescher  „gezogen“ zu werden kaufte ich mir rechtzeitig ein neues Schlauchboot, da das Alte die Luft mittlerweile nur noch für knappe 10 Minuten hielt. Nach kurzer Recherche viel meine Wahl auf ein kleines 1,80 Meter großes ovales Schlauchboot von Plastimo. In dieser Preiskategorie, Form und Größe wohl eines der besten auf dem Markt. Futtertechnisch wollte ich auf ein Rig nur Knödel füttern, ungefähr 1 kg und auf das Zweite Partikel mit wenig Boilies. Zuerst entschied ich mich zwar für reinen Birdfood, dieser brachte aber leider nicht den absoluten Erfolg, somit kam ich Laufe der Ansitze wieder zu Mais und Hanf zurück, da es auf Grund des Weißfischbestandes ein bloßes abschütten war. So war es nicht ungewöhnlich auf eine Montage direkt 30 Liter gekochten Partikelmix zu kippen. Durchgehend verwendete ich die neuen Fisch-Knödel von Mistral „The bait with no name“, mit denen ich an anderen Gewässern bereits gute Fänge verbuchen konnte.

Der Plan stand, das Ziel war gesteckt – es konnte losgehen. Meine Fischerei zeichnete sich in der folgende Zeit schematisch wie folgt ab: gegen 15 Uhr fiel ich am Pool ein, baute auf und ruderte die Rigs raus zu meinen Markern, fütterte, empfing Besuch und legte mich meist schon früh nach ein oder zwei Tassen leckeren Capuccino mit Baileys schlafen. Morgens wurde das komplett nasse Zeug ins Auto „geworfen“, voll aufs Gas gedrückt um dann nach ungefähr einer knappen halben Stunde das triefende Tackle im Garten  zum trocknen aufzubauen. Anschließend wurde etwas gegessen und verdaut. Glücklicherweise arbeiten meine besten Freunde auf Schicht, so konnte ich mich dann anschließend immer mit ihnen treffen um einen Kaffee in der Innenstadt zu schlürfen sowie natürlich dem ein oder anderen Röckchen hinter her zu schauen. Gegen Abend oder besser nachts kam ich heim, schlief in meinem Bettchen seelenruhig ein und wachte gegen Mittag aus meinen Big Fish – Träumen wieder auf. Gegen 11 Uhr wurden die Trainingsklamotten angezogen und Bizeps & Co schmerzhaft aufgepumpt. Wieder zu hause, kurz geduscht und in die langsam miefenden Fishing-Clothes geschlüpft, die mittlerweile trockenen Sachen wieder ins Auto gepackt und ab an den Weiher … - und das machte ich dann wirklich zwei ganze Wochen lang!

Aber irgendwie fehlt doch in meinem Text was?! Genau, mein 40 iger fehlt. Aber soll ich euch was sagen, ich konnte ihn auf Grund des schlechten Oktober Wetters leider gar nicht fangen. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, macht mir das überhaupt nichts aus. In diesen zwei wunderschönen Wochen habe ich so viel unternommen, die Tage genossen, unendlich viel mit meinen Freunden am See und auch privat erlebt, gediegen Party am Wasser gemacht, nachgedacht, den Pool besser kennen und lieben gelernt. Natürlich habe ich während meiner Ansätze nicht vollends geblankt, ich fing neben 3 Schuppis unter 10 kg, einen kleineren Sterlet sowie unzählige Brassen. Denn Abschluss meines Urlaubs bildete übrigens ein makelloser 15,5 kg Schuppi, als nämlich passend zum Urlaubende das Wetter umschlug…

Ich glaube in diesem schnellen, kurzen Rückblick sieht sich irgendwo jeder von uns echten Carpern. Den Karpfenangeln ist einfach mehr als ein Hobby oder eine Beschäftigung – es ist eine Liebe, eine Philosophie und wenn ich ehrlich bin meine Lebenseinstellung.

In diesem Sinne,
think different
Euer Patrick Scupin
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Scupi-

Leben wir unseren Traum!

Carp Catcher´s Frankenthal
patrick.scupin@roche.com

 

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