Ich sitze alleine auf meinem kleinen tarnfarbenen Eimer neben meinem Schirm im mäßigen Nordwestwind, der gerade ab zu flauen scheint. Die Fallen sind ausgelegt. Meines Erachtens ist alles optimal und richtig von statten gegangen. Ich schaue gen Horizont. Ein buntes, viel farbiges Lichtspektakel findet statt und läutet das Hereinbrechen einer neuen Nacht ein. Wunderschön an zu sehen, versinkt die Sonne in einem Meer aus warmen, roten Farben am fast gänzlich wolkenlosen Himmel. Es ist einer dieser besonderen Momente an denen man den eigenen Gedanken in Ruhe nach gehen kann…

Die Arbeitswoche war hektisch genug. Früh aus den Federn und auf der Arbeit volles Programm geben. Selbstverständlich dazu noch Überstunden machen, von der Wirtschaftskrise oder allgemeiner Rezession ist am eigenen Leib (glücklicherweise) nichts zu spüren. Nach der Arbeit werden neben dem Haushalt, den Einkäufen sowie Erledigungen jeglicher Art, noch Termine wahr genommen und versuchen nebenbei andere alltägliche Dinge, wie das Treffen mit Freunden zu meistern. Letzteres ist leider immer das Schwierigste, wodurch sich wahre, bestehende Freundschaften im Alltag zeigen. Doch dann kommen diese besonderen Tage, Tage an denen man sich frei schaufeln konnte, die Herzallerliebste einen frei gibt und selbst die dem Angeln fremden Freunde einem ein „Nur Digge“ aufs Handy simsen. Dann steigen wir ins Auto, das wir doch meistens nur aus Gründen der Passion fahren, dreckig, miefig und einfach nur praktisch, in dem das Tackle noch vom letzten Male sicher verstaut bereit liegt. Drehen genüsslich den Schlüssel in der Zündung nach rechts, während uns diese besondere, schöne Gefühl überströmt.

Es ist soweit, wir ziehen wieder raus in die Schlacht, um Fische zu fangen, die wir kennen oder noch kennen lernen, nur um diese auch wieder frei zu lassen, nach einem Adrenalin begleiteten Drill. Vorerst wird die auserwählte CD in den Player  geschoben. Nichts ist schöner als mit einem Lied auf den Lippen die verbleibenden Meter bis zum Gewässer ab zu reißen. Ich trällere „Onkelz“ während ich auf dem Parkplatz am See wende. Das Wetter ist perfekt, alles ist perfekt, was könnte schöner sein?! Schwitzend, aber Hauptsache schnell, wird das Material zum auserwählten Swim geschleppt, umgehend die Bank Sticks in den, vom Regen aufgeweichten Boden gedrückt und die vorab schon montierten Ruten, gewissenhaft zusammen gesteckt sowie abgelegt. Mit einem Gefühl alles richtig gemacht zu haben, kommen wir endlich zu Ruhe…

Immer noch sitze ich auf meinem Eimerchen… Manch Thema oder Problem der Woche geht mir durch den Kopf, wird wieder hoch geholt, durch gegangen und bearbeitet um endlich eine Lösung zu finden um dann damit ab zu schließen. Es wird dunkel und die kleinen Fledermäuse fliegen über mich um die Kronen der Bäume und helfen mir indirekt diese lästigen Insekten im Griff zu halten. Nichts ist mehr zu hören, nichts natürlich außer dem normalen, gewohnten „Grundlärm“ der Stadt. Ich versuche noch ein paar schöne Fotos zu schießen, bevor die Lichtverhältnisse nicht mehr so romantisch sind. Anschließend ein kurzes Telefonat mit der Frau. „Gute Nacht mein Schatz“, höre ich noch als wir das Gespräch beenden. Stille und die manchmal geliebte Einsamkeit umgeben Einen. Momente die viele Menschen nicht verstehen können. Fernab von Partys, ständig sinnlosen Besäufnissen oder aber auch den geliebten Freunde oder Familie.

Aber man muss wohl raus, seinen Ausgleich suchen und seiner Passion nach gehen. Alles zu Haus liegen lassen um ab zu schalten, obwohl man sich beim Fischen doch manchmal mehr Gedanken macht, wie manch anders. Die Gedanken schweifen.

Mittlerweile ist die Sonne gänzlich am Horizont verschwunden und auch der Wind hat aufgehört. Es ist ruhig. Fische drehen auf dem Spot. Ich bin müde. Ich denke an meine Frau, danke ihr im Stillen, für das was sie wortlos mit macht und mich direkt oder indirekt unterstützt, während sie alleine spät abends in die Federn steigt… Ich schlafe nie sofort ein, ich denke über das Erlebte nach, über die Woche, die gerade erlebte Session, über Alle, die einen begleiten. Ich bekomme eine letzte SMS. Ein Freund hat einen 19 Kilogramm Schuppi gesackt. Gratulation, ich versinke mit einem dicken Grinsen im Gesicht im Land der Träume…

Danke euch allen, mehr oder minder Vertrauten unserer total verrückten Leidenschaft. Es ist manchmal gänzlich unbeschreiblich – und trotzdem lieben wir es… und euch dafür das ihr uns versteht, Danke!

In diesem Sinne,
Patrick „Scup“ Scupin
finkelde.com