Ein Jubiläum stand an: 12 Jahre gemeinsames Karpfenfischen! Wie schnell doch so die Zeit vergeht …  Dieses Jahr schafften wir, also mein lieber Freund Marco und ich, es endlich einmal wieder an diesem speziellen Datum einen gemeinsamen Ansitz zu unternehmen. Wie oft ist der Terminkalender voll und es müssen bereits geplanten Verpflichtungen oder Aktivitäten wahr genommen werden. Doch nicht nur so sollte es eine „besondere“ Session werden. Zum einen fischten wir auch an dem See, wo vor Jahren alles begann und zum anderen und noch schöneren, hatten sich unsere Frauen bereit erklärt diese eine Nacht mit uns am Wasser zu verbringen. Die Vorbereitungen waren schnell und unkompliziert und so traf man sich Freitagnachmittags am See. Die Mädels kamen erst später dazu, war zu dem schlechtes Wetter  mit pausenlosem Regen gemeldet.

Marco und mir war das Wetter recht. Es sollte eine gelungene Abkühlung zu den heißen Tagen davor sein und die Fische hoffentlich zum Fressen animieren. Auf Grund der dunklen Regenwolken über unseren Köpfen bauten wir im Gegensatz zu unserem sonstigen Vorgehen zuerst die  Zelte auf und richteten diese ein. Wahnsinn, was man alles für sein geliebtes Frauchen mehr zu schleppen hat… Wir machten gerade die Montagen fertig zum Auslegen, da kam meine Frau von der Arbeit. Siedend heiß viel uns ein die Kohle für das geplante Barbecue zu entzünden. Verfügte unser Angelverein über eine praktische kleine überdachte Grillmöglichkeit. Ein Wink des Schicksals, wie sich später heraus stellen sollte. Also liefen wir die wenigen Meter am See entlang um die Kohle auf dem Grill zum Glühen zu bringen. Herzlichst begrüßten wir mein Mädchen.

Plötzlich, ein Klatschen. Ich sehe verschwommen noch etwas im Augenwinkel. Marco hatte es genau gesehen und sprach es laut aus, „das war sie, sie war es…“. Ein langer alter Spiegler, mit dem Hang knapp um die 20 Kilogramm-Grenze zu schwanken. Vergessen war der Grill und auf leisen Sohlen näherten wir uns der Stelle, welche relativ nah am Ufer lag. Obwohl das Wasser sehr klar und flach war, konnten wir nichts mehr von der Lady sehen. Dafür eindeutig Anzeichen von fressenden Fischen. Kleine Bläschen stiegen an zwei Stellen auf. Wir schwiegen uns an, in unseren Köpfen ratterte es. Nun gut, wir wurden wieder etwas ruhiger und machten uns ans entfachen des Feuers. Da kam auch schon Marcos gute Seite an. Nach kurzem Smalltalk und einem lodernden Feuer beschlossen wir endlich die Ruten aus zu legen. Schließlich kann man an Land keine Fische fangen. Drei unserer vier möglichen Rigs legten wir an guten Stellen ab, doch bei der letzten haderten wir. War es ein Zufall diesen Fisch springen zu sehen? War es ein Einzelfisch? Fressen sie dort? Wir ruderten kurzer Hand an die Stelle und schauten von oben ins Wasser. Optisch in Ordnung, vom tiefen Wasser langsam ansteigend bis zum Ufer, welches mit Schilf und einigen wenigen Seerosen bewachsen war. Dazu lagen noch Wasserpflanzen am Gewässergrund. Nahrung war vorhanden, aber keine Anzeichen von Fischen. Vorsichtig näherten wir uns dem Ufer.

Da, eindeutig zwei Stellen, an denen gefressen wurde. Es war einen Versuch wert und so legten wir das Rig in Mitten dieses aufgewühlten Sandfleckes und fütterten nur etwas Stippfutter und einzelnen Tigers bei. Es war Marcos Rute, die nun ganz rechts lag. Wie meistens bei gemeinsamen Sessions wollten wir uns nach dem ersten hoffentlich gelandeten Fisch mit den Bissen abwechseln. Fischneid gibt es bei uns keinen und bei dieser Methode hat jeder eine faire Chance nicht zu blanken. Freudigen Gemütes ging es ab zu unseren Mädels, welche sich gut neben unseren Ruten unterhielten. Es war Zeit für das Abendessen und so wurde der Grill mit leckeren Steaks und Würstchen bedeckt. Dazu gab es köstlichen Salat und feine Saucen. Manchmal ist es doch eben anders mit Frau, als sich alleine eine Dose auf zu drehen.  Aber schließlich gab es ja etwas zu feiern. Wird drehten gerade die Steaks, als es einen Ton an meiner rechten Rute gab. Drop Back. Ich setze den Anschlag und konnte eine dicke, goldene Brasse sicher landen. Herrlich wenn der Angeltag so beginnt. Kurzum fuhren wir die Ruten wieder auf den Spot und fütterten etwas mehr nach, da die Fische wohl aktiv auf der Stelle waren. Nun ging es aber wieder schnellstens zurück zu den Mädels, welche schon tapfer das Grillgut drehten und meisterlich zur Vollendung gegrillt hatten. Gemütlich aßen wir bei einen gemütlichen Gläschen Rotwein und erzählten gegenseitig alte Geschichten von den Anfängen bis hin zu den ersten Trips nach Frankreich. Doch auch das schönste Essen geht irgendwann einmal zu Ende und wird nur noch gefolgt vom spülen der Teller und des Bestecks. Mittlerweile hatte es angefangen sich einzuregnen. Jedoch harmloser als gedacht. Wir kontrollierten die Ruten und fingen an in gemütlicher Runde etwas Karten zu spielen.

Vollrun! Es zog Schnur und piepste wie gestört und der Weg zur Rute wurde dadurch umso länger. Bedingt durch die Brasse, war ich noch einmal an der Reihe, schlug an und begann zu drillen. Marco der neben mir stand hatte jedoch nicht viel Zeit zum zu schauen, da seine Rute, die rechte „Joker-Rute“ ebenso abzog. Ein Doppelrun wie in alten Zeiten, als die fische keinem wirklichen Angeldruck ausgesetzt waren. Ein „Otze“ der Freude halte über den See, so dass unsere Mädels endlich auch dazu kamen. Nebeneinander standen wir strahlend und pumpend, einfach willenlos. Leider, genauso schnell und unerwartet, wechselte das gegenüber an Marcos Rute rasend die Richtung so dass der Haken ausschlitzte. Es war verdammt ärgerlich und der Gute biss sich bös auf die Lippe. Dennoch war er sofort bei mir zur Stelle und kescherte einen schönen Spiegler um die 8-9 kg. Nach zwei Schnappschüssen durfte er wieder zurück in sein Element und wir ärgerten uns gemeinsam über den verlorenen Fisch. Beachtung fand jedoch die Tatsache, dass er auf dem Joker-Spot gebissen hatte. Also waren dort definitiv Karpfen beim Fressen. Wir ruderten unsere Ruten wieder gemeinsam an den jeweiligen Platz und legten die Rigs ab. Zurück am festen Ufer ging es weiter mit der angefangenen Partie Karten. Kollegialer weise sollte natürlich der nächste Lauf dem armen Marco gehören, welcher sich ohne hin schon einen wahnsinnigen Kopf machte, da er gerade neue Haken ausprobierte und daher nun den Teufel im Detail bezüglich des ausgestiegenen Fisches suchte. Hoffentlich würde noch etwas beißen …

Langsam ging der Tag und mit herein brechen der Dunkelheit verabschiedete sich auch der ab und an einsetzende Nieselregen. Irgendwann kam dann auch Chris vorbei um noch etwa zu erzählen und unsere Chips zu futtern. Er war kaum 30 Minuten da, als es einen grellen Dauerton gab –  Joker-Rute! Wie die Irren rannten wir beide los, dicht gefolgt von Chris und den Mädels. Sofort setzte Marco den Anschlag und erkannte ein starkes gegenüber. Übervorsichtig drillte er den Fisch Meter um Meter vorbei. Es war mittlerweile stockdunkel geworden, daher machten wir als wir den Fisch im Uferbereich schätzen unsere Kopflampen an. Im Schein der Lampe und bedingt durch das klare Wasser konnten wir schnell einen schönen langen Schuppenkarpfen ausmachen der gerade jetzt im Nahbereich voll aufdrehte und definitiv nicht klein bei geben wollte. Marco gab alles bis wir den Karpfen direkt geschätzte zwei Meter vor uns im Wasser sahen. Es war Flitzer, ein alter, kompakter Fisch, der immer um die 14 Kilogramm-Marke pendelte. Wir hatten ihn gerade exakt vor 4 Wochen das letzte Mal auf der Matte gehabt. Manchmal ist es echt wahnsinnig wie die Jungs auf unterschiedliches Futter und Plätze reagieren. Zurück zum Geschehnis, nun ging alles recht schnell und als wäre es im Zeitraffer drehte sich der Fisch mit dem Druck der auf ihn ausgeübt wurde zu uns, als wolle er uns anschauen, nahm seine Kraft zusammen und schüttelte seinen Kopf ein-, zweimal links und rechts über den Boden…zack…

Flitzer hatte exakt das Vorfach durchschnitten. Shit! Marco war jetzt verständlicherweise fix und fertig, da half der Trost auch nicht den Recken vor kurzem doch bereits gefangen zu haben. War es ja doch eher die Tatsache, das er wieder Einen verloren hatte. Er legte vorab die Rute bei Seite und so spielten wir erst einige Runden Karten. Schnell war er wieder bei Sinnen und monierte seine Rute mit Vertrauen und Liebe zum Detail neu. Ich verblieb diesmal bei unseren Frauen und lies ihn mit Chris die Rute ablegen. Als die beiden zurück kamen stellten wir dann auch langsam das Spielen ein und es wurde Zeit den lieben Chris zu verabschieden, welcher im frühen Morgengrauen noch auf die Nachtschicht musste. Nachdem alles verstaut und sicher für die eventuell regnerische Nacht verpackt war machten in uns Zelt-fertig und krochen in die Schlafsäcke. Wie immer verabschiedeten Marco und ich uns mit einem high-five, dem er diesmal ein „Hau Ihn raus!“ beifügte. Doch der Frieden wehrte nicht lange und der Tanz begann. Es piepte nach knappen 30 Minuten auf der Joker-Rute. Eine Brasse hatte sich wohl am Hakenköder vergangen. Nach kurzen Minuten des Wartens setzte Marco einen Anschlag und merkte schnell, welch ein Wunder, das es sich beim gegenüber fälschlicherweise um einen Karpfen handelte. Da ich theoretisch an der Reihe war bot er mir schnell die Rute an, doch ich gönnte ihm einfach den Fisch und lies ihn endlich seinen ersten Fisch der Session landen. Es war ebenfalls ein uns bekannter Fisch, ein schöner, leicht goldener Schuppi, der seit seinem letzten Fang etwas gewachsen und Gewicht zu gelegt hatte. Wir schätzten ihn auf knappe 8 Kilogramm und ließen den Guten nach ein paar mehr oder weniger guten Fotos wieder paddeln.

Glücklich und wieder mit vollstem Vertrauen stiegen wir ins Schlauchboot um das Rig ab zu legen. Da es zu dunkel war den bisher befischten Sandfleck beziehungsweise das erwähnte Fraßloch zu finden legten wir die Montage knapp einen Meter oberhalb auf eine weitere Erfolg versprechende Stelle. Diese war nur unbedeutend flacher und wirklich sehr analog zum ersten Spot. Zurück am Ufer legten wir uns gleich wieder ab. Ich hatte noch nicht richtig geschlafen biss es schon wieder. Ein absoluter Vollrun auf die gerade frisch abgelegte Rute. Marco reichte mir die Rute, da er bereits den Anschlag gesetzt hatte. Es folgte ein harter spannender Drill. Der Fisch lief tief und nahm Schnur von der Rolle. Langsam kam der Gedanken hoch, dass es sich um einen Biggie des Sees handeln könnte. Ich war angespannt. Immer näher kam der Fisch. Auf Grund meiner zurück gelassenen Brille sah ich nach Minuten leider nur etwas Goldenes an der Oberfläche, bevor es in die Endphase des Drilles ging. Marco redete schon auf mich ein, doch ich konnte und wollte es nicht hören, zu konzentriert war ich. Dann war es wieder Routine, wie schon hunderte Male vorher schob Marco die Maschen des Keschers unter den Fisch und ich nahm die Spannung von der Schnur. Ein riesiger Kopf sah mich an. „Nein, sie ist es wirklich!“… Marco hatte es bereits während dem Drill gewusst. Es war die alte Lady, welche wir am Vortag beim Entzünden des Grills springen sahen. Ich war fix und fertig und freute mir mit Marco einen Ast. Die Waage blieb bei knapp über 20 Kilogramm stehen. Dazu sah der Fisch wieder optisch sehr gut aus, hatte es ihm im letzten Jahr böse durch Dritte zu gesetzt. Ich war happy. In keinem Moment kam Neid auf und schon saßen wir im Schlauchboot und lachten vor Übermüdung grundlos vor uns hin. Insgeheim taten uns natürlich die Mädels leid, hatten sie so etwas noch nicht mit gemacht. Den an Schlaf war für die Beiden sicher nicht zu denken.

Wir legten die Rute wieder 1A auf den Hot Spot und legten uns hin um ein wenig zu schlafen. Es verging keine Stunde bis zum nächsten Lauf und ich wusste schon gar nicht mehr ob ich wach bin, schlafe oder träume. Es war wie ein Gefühl wie nach einer durchzechten Nacht, als Marco einen schönen Spiegler sicher in den Kescher führen konnte. Klick klick und der Fisch durfte wieder schwimmen. Uns hing der Schlaf schon aus den Augen und selbst unsere Frauen wachten nicht einmal mehr bei den Piepsern auf. Mittlerweile war es kurz nach 4 Uhr morgens. Es folgte der Versuch zu schlafen. Aber nach guten 40 Minuten begruben wir diesen Wunsch und es war an der Zeit für mich einen Karpfen zu landen. Ausnahmsweise lief der Fisch auf eine meiner Rute ab und nicht auf unserem Spezial-Spot. Nach relativ unspektakulärem Kampf landete ein wunderschöner Spiegler gegen Ende der 10 Kilo-Marke im Netz. Es war „Juwel“, welche ich ebenso vor genau 4 Wochen fing. Er ging mir auf zwei Flusskrebsschwänze und einen auftreibenden künstlichen Maiskorn in die Falle. Es war wirklich verrückt, denn normalerweise sind solche Doppelfänge auch an diesem See eher selten. Es war einmal wieder einfach alles Top, ideales Wetter, gute Spots und das wichtigste, einfach fressende Fische. Juwel  ließen wir umgehend ohne Fotos schwimmen. Nicht das ich mich nicht über jeden Fisch freuen würde, aber man muss dem Fisch nicht unnötige Strapazen zufügen. Gerade weil ich ja bereits ein schönes Bild auf dem heimischen Rechner hatte. Langsam schwamm der Spiegler ins tiefe Wasser. Gegenseitig schauten wir uns mit müden Augen an. Was eine Nacht dachte wohl ein jeder und fast gleichzeitig begannen wir zu lachen.

Faltig und verquollen waren unsere müden Gesichter. Wir waren beide einfach platt und beschlossen daher einmal die Vernunft siegen zu lassen und noch ein wenig zu schlafen ohne die Montage erneut ab zu legen. Vielleicht war es ein Fehler, aber wir sehnten uns einfach nach einer Mütze Schlaf und unsere geschuppten Lieblinge hatten auch mal eine Verschnaufpause verdient. Es glich einem Wunder, aber wir konnten etwas in Ruhe schlummern. Geweckt wurde ich vom Zischen einer Gaskartusche. Marco kochte bereits einen Kaffee für uns. Zeitgleich fing es an zu tröpfeln. Es wäre auch zu schön gewesen, das gesamte Tackle trocken zusammen zu packen und im Auto zu verstauen. Die Mädels fuhren bereits vor uns nach Hause, den auch sie waren gerädert und mussten sich etwas auch die Couch legen. Nachdem die Autos beladen waren betrieben wir noch etwas Smalltalk. Was wohl gewesen wäre hätten wir den springenden Spiegelkarpfen nicht gesehen? Wenn wir dessen nicht auf den Grund gegangen wären und die Fraßlöcher entdeckt hätten? Wieder einmal zeigte sich wie wichtig es ist ein Gewässer und seine Bewohner zu beobachten beziehungsweise auch ein schätzen zu können. Dazu schlicht das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es war einfach optimal gelaufen, auch wenn wir den Verlust von zwei Fischen hin nehmen mussten. Wir verabschiedeten uns, blickten zum Abschied ein letztes Mal für diesen Tag auf den See und fuhren nach Hause. Daheim angekommen packte ich zuerst einmal das nasse Tackle in die Tiefgarage und baute dieses erneut auf um alles gut trocknen zu können. In unserer Wohnung  freute sich schon meine Frau auf mich und nach einem kurzen Fazit, welches mir ein  Lächeln auf die Lippen zauberte, lies ich los und glitt langsam für einige Stunden ins verdiente Land der Träume…

Es war wirklich eine gigantische Session, wie wir sie aus alten Tagen, besser noch, wie vor den hinter uns liegenden 12 Jahren kannten. Eine Nacht mit 9 Läufen, also inklusive der Brasse, es war Wahnsinn. So etwas hat man nicht alle Tage. Dazu gemeinsam mit den Mädchen am Wasser, ein gemütlicher Abend und als Krönung hübsche, gesunde Fische. Es sind diese Momente für die man lebt!

In diesem Sinne, wir sehen uns am Wasser…

Haut Ihn raus (…und behandelt Ihn gut!)

In diesem Sinne,
Patrick „Scup“ Scupin
patrick.scupin[at]gmx.de

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