von Sascha Haverkamp

Hallo Leute,
heute möchte ich euch einmal einen kleinen Bericht erstatten, von 4 Karpfenverrückten die sich aufmachten, die dicken Karpfen des Rheins und des Wörther Hafens zu fangen.

Alles begann eigentlich im Jahre 1999 als wir uns am Neupotzer Altrhein zu viert dazu entschlossen, den Wörther Hafen zu befischen. Der besagte Hafen liegt in Wörth bei Karlsruhe und umfasst eine Fläche von etwa 400 ha. Eigentlich sind hier traumhafte Vorraussetzungen zum Karpfenangeln. Zelten erlaubt, Nachtangeln erlaubt und beim Hafenmeister bekommt man für einen Unkostenbeitrag von heute 30 Teuro auch eine Bootskarte. Mein Angelkumpel Marco und ich wollten dieses große Gewässer eigentlich schon länger in Angriff nehmen, aber irgendwie waren wir ehrlich gesagt immer der Meinung, dass für uns zwei kleine Karpfenangler dieses Gewässer ´ne Nummer zu groß war. Jetzt da es aber ab 2000 keine Gästekarten mehr für den Neupotzer Altrhein geben sollte, mussten wir uns also nach einem Ausweichgewässer umsehen, in dem es eventuell auch große Fische zu fangen gab und das eine neue Herausforderung für uns darstellen sollte. Zu uns gesellten sich aus den Selben Gründen dann noch Harry Gruber und Wilhelm Bertalan. Vorab hatten wir uns natürlich schon einmal umgehört, wer denn schon einmal hier auf Karpfen sein Glück versucht hatte. Jedoch konnte man da nicht allzu viel in Erfahrung bringen da der Großteil der hier ansässigen Angler mehr den Zandern nachstellt. Aber egal, wir gingen zu unserem Angelgerätefachmarkt Welker in Jockgrim und lösten uns die nötigen Erlaubniskarten (Kostenpunkt damals 90 Mark und für Mitglieder des VDSF gibt’s ne Ermäßigung, ist auch heute noch so nur in Teuro umgerechnet).

Am darauf folgenden Wochenende trafen wir uns also das erste mal an besagter Örtlichkeit um unser Glück zu versuchen. Wir fuhren frohen Mutes mit dem Faltboot und einer Lotschnur (Echolote sind ja verboten hier) auf den Hafen hinaus, um ein paar Plätze ausfindig zu machen, die Karpfen bringen könnten. Dies stellte sich auch nicht als größeres Problem dar, es gab genügend Abbruchkanten, Plateaus und Sandbänke hier, so dass wir unsere Ruten großzügig verteilen konnten. An Karpfennahrung mangelt es in diesem Gewässer auch nicht gerade, es wimmelt gerade so von Dreikantmuscheln und anderen Fischnährtieren (Bachflohkrebse usw.), so dass wir davon ausgingen, hier wahre Riesen von Karpfen vorfinden zu können. Nach dem Ruten auslegen und Füttern harrten wir also der Dinge die da kommen würden. Das taten wir dann auch, nach 2 Tagen und 2 Nächten war die Ausbeute ziemlich mager es rührte sich nämlich überhaupt nichts an unseren Piepsern. Noch nicht einmal ein Brassen, die hier normalerweise zu Unmengen vorkommen, fanden Gefallen an unseren Ködern. Springende oder rollende Karpfen konnten wir auch nicht ausmachen. Diesen Misserfolg schoben wir aber zunächst einmal auf unzureichende Gewässerkenntnis und wahrscheinlich kannten ja die Fische unsere Wunderköder noch nicht einmal.

Da ich zu dieser Zeit gerade wieder Schüler war, verbrachte ich und zumeist auch Marco die nächste Woche damit die Begebenheiten besser kennen zu lernen. Mit dem Faltboot (und der besagten Lotschnur) bewaffnet, fuhren wir stundenlang auf dem Gewässer rum und suchten nach viel versprechenden Stellen.

Samstags trafen wir uns dann bei Harry um die neuen Schlachtpläne zu bereden und Knödel zu rollen. Dies ging dann auch bis in den späten Abend hinein. Wir rollten an einem Samstag mit 4 Leuten 80 Kilo von Harrys eigen kreiertem Fischmix ab, von dem wir uns sicher waren damit Erfolg zu haben, da ja die Karpfen hier hauptsächlich von fischiger Nahrung leben mussten (massenhaft Muscheln).

Nun ging es gezielter an die Sache als bei der ersten Sitzung, wir befütterten mehrere Plätze wochenlang mit Partikeln und denen von uns abgerollten Boilies. Auch bildeten wir 2 Gruppen um größere Bereiche des Gewässers befischen zu können. Befischt haben wir dann in den nächsten Wochen die im Hafen liegenden Inseln, den Eingangsbereich zum Hauptstrom direkt und die beruhigten Bereiche im hinteren Teil des Gewässers. Auch mit den beangelten Tiefen waren wir nicht sparsam, so fischten wir von 1m bis hinunter auf 12-13m in der Fahrrinne oder besser gesagt an der Kante zur Fahrrinne, trotz dass sämtliche Plätze immer unter Futter gehalten wurden blieb der ersehnte Erfolg aus.

Jedoch ließen wir uns durch unseren Misserfolg nicht entmutigen, es war ja auch immer eine lustige Fischerei, außerdem Stand die beste Jahreszeit noch vor der Tür der Oktober und November. Es wurde immer weiter gefüttert und wie sich jeder denken kann haben wir auch schon einige Male wieder Knödel abgerollt ganz zu Schweigen von den Unmengen Partikeln die wir kochten. Um diese ganze Prozedur etwas zu erleichtern legten wir (dank Harrys Geschäftsbus, das hätte keiner filmen dürfen) unseren alten Holzkahn von unserem Baggersee nun in den Hafen, da ich mit dem Faltboot bei einem dieser wunderbaren Herbstwinde beim Füttern fast mal abgesoffen wäre (wäre ja Schade gewesen um die ganzen Knödel). Zum Füttern wurde auch jetzt nicht mehr gerudert, sondern mit dem Außenborder gefahren, das sparte schon etwas Zeit, muss man im nachhinein sagen. So 1,5 Std. war man trotzdem immer mit dem Füttern beschäftigt. Mittlerweile war es Mitte November geworden und wir konnten immer noch keinen Karpfen zu einem Fototermin zu uns auf die Matte überreden, die ganze Zeit über waren immer mindestens 2 von uns am Wochenende draußen, meistens aber alle vier. Gefischt haben wir dann noch bis etwa Mitte Januar ohne Erfolg. In all der Zeit haben wir unzählige Stunden vor unseren Zelten verbracht und das Wasser beobachtet. Die Stunden an denen wir Abends in der Dämmerung das Gewässer ohne zu Fischen nur beobachtet haben, mal außen vorgelassen, konnte ich keinen springenden oder rollenden Karpfen ausmachen. Immer wieder erfuhren wir in all der Zeit durch unzählige Gespräche mit älteren Anglern, dass hier durchaus schon Karpfen gefangen wurden, jedoch läge das schon einige Jahre zurück. Auch kramte Harry aus irgendeinem uralten Blinkerheft eine Fangmeldung hervor, von einem 48Pfünder der in diesem Gewässer gefangen worden sein soll.

Anno 2000 im April griff dann Harry wieder an, mir mangelte es mittlerweile etwas an Zeit da ich viel für die Schule lernen musste. Und siehe da, Harry konnte auch ein paar Fische bis 24 Pfd. und einen Graser mit 31 Pfd. Fangen. Es gab also doch Karpfen hier, Juhu! Nebenbei wurde auch immer Buch geführt über die versch. Wasserstände, die hier starken Schwankungen unterliegen (mitunter 1m pro Tag). Der ganze Zauber des Fische fangens hielt dann 2-3 Wochen an und dann war es auch schon wieder vorbei. Daraus folgerten wir, dass die Fische wohl nur im Frühjahr in den Hafen kommen würden um ihr Laichgeschäft zu vollziehen und danach wieder hinaus in den Strom gingen!

Des Rätsels Lösung war dann unserer Meinung nach, nichts wie raus an den Hauptstrom! Die Wasserstände gingen einigermaßen und so wurden mal wieder unzählige Kilos Boilies gerollt und gefüttert, plus Partikel. Aber auch hier stellte sich bald heraus, dass es einfacher aussah als es war. Karpfen konnten wir leider keine fangen aber dafür standen die Bissanzeiger nicht ganz so oft still wie am Hafen, die Barben und auch ab und zu große Brassen sorgten wenigstens etwas für Aktion. Auch hier haben wir unserer Meinung nach wieder alles mögliche und unmögliche probiert um auch nur einen Karpfen fangen zu können. Wir befischten kurze Buhnen, lange, flache, tiefe und was weiß Gott noch alles, das ganze auf einer Strecke von etwa 15km. Auch die Futterstrategien haben wir ständig geändert wie z.B. voll in die Steine Füttern, abbinden mit Stippfutter, lose einwerfen, alle ein bis zwei Std. nachfüttern usw. Um neuen Mut zu tanken und auch um nicht ganz daran zu zweifeln ob wir auch alles richtig machten, gingen wir mittlerweile ab und zu an naheliegende Baggerseen um ein paar Fische zu fangen, was wir auch mit Erfolg machten. Es konnte also nicht an unseren Montagen oder Ködern liegen.

Na ja, mittlerweile sind wir wieder drei Jahre älter und vielleicht auch etwas weiser. Wir versuchen zwar immer noch unser Glück am Hafen oder am Rheinstrom direkt, wenn es die Wasserstände zulassen, jedoch verziehe ich mich dieses Jahr wieder an die Nebengewässer wie zum Beispiel Altrheinarme. Hier kann man nämlich schon den einen oder anderen langgestreckten Schuppi auf die Matte legen.

Im Hafen konnte bis zum heutigen Tag nur Harry ein paar Karpfen fangen. Der Rest von uns ist immer noch Schneider!

Um die ganze Aktion mal etwas aufzuschlüsseln, damit ihr seht welchen Aufwand wir betrieben haben um zum Erfolg zu gelangen, hier ein paar grob umrissene Daten:

 Partikel etwa 1,5 Tonnen (hauptsächlich Mais, aber auch Tigers, Pellets usw.)

Boilies etwa 500 Kilo nur zum Füttern, die zum Fischen außen vor gelassen

Gefischte Stunden wir alle zusammen etwa 3500 (hätte ich nur immer mit einer Rute auf Zander gefischt, oje, oje, die Truhe wäre voll gewesen)

Größter Fisch wie kann es auch anders sein, Harry´s Graser von 31 Pfd. und Schuppi mit 24 Pfd.

Verbrachte Stunden zum füttern, loten und beobachten des Gewässers bestimmt 800, wahrscheinlich aber mehr. Man bedenke Harry ist zum Teil von Stuttgart aus hierher gefahren zum Füttern wenn wir mal keine Zeit hatten!!!

Und zum abrunden noch ein paar Daten zu den beangelten Gewässern:

Probleme, auch im Sommer stark schwankende Wasserstände, Buhnen kommen erst ab 4,80m Pegel Maximiliansau aus dem Wasser und werden somit dann erst einigermaßen befischbar. Der Rhein selbst ist hier sehr eng, daraus resultieren hohe Strömungsgeschwindigkeiten, so dass eingebrachtes Futter sehr schnell weggeschwemmt wird, auch bedingt durch starken Schiffsverkehr und den daraus entstehenden Sog in den Buhnen. Gefangen hat Harry die Fische damals bei relativ hohen Wasserständen im Hafen (über 5,80m). Im Hafen selbst wird seit geraumer Zeit Kies abgebaut und somit die komplette Gewässerstruktur verändert zu einer Badewanne hin mit bis zu 23m tiefe. Unserer Meinung nach ein stark ausschlaggebender Punkt warum sich hier nicht mehr sehr viele Carps tummeln, jedoch hören wir jedes Jahr von ein bis zwei großen gefangenen Karpfen die beim Aalangeln erbeutet werden. Letztes Jahr konnte sogar ein Wallerangler auf einen Tauwurmbündel einen Karpfen mit 39 Pfd. überlisten.

Also Leute, falls ihr auf den Geschmack gekommen seid und auch einmal euer Glück versuchen wollt, tut dies, aber bitte fragt keinen von uns ob wir beknackt sind!

Schöne Stunden im Angeljahr 2004 und gute Freunde wünschen euch die 4 Bekloppten.

Harry, Willi, Marco und Sascha


 

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