Sehnsüchte ...

 Autor:  Mario Lutz

Ich sehne mich nach dem glänzenden Sonnenuntergang am Wasser. Ich sehne mich nach dem zwitschern der Vögel, die in den Ästen sitzen, ich sehne mich nach der feuchten Abhakmatte, ich sehne mich nach einem harten Drill, ich sehne mich nach der goldenen Farbe eines Karpfen, ja sogar nach den nervenden Spaziergängern am See sehne ich mich in diesem Augenblick.

Es ist Ende Februar und heute Nacht hat es mal wieder zehn Zentimeter Neuschnee gegeben. Das wäre eigentlich nichts schlimmes, doch mit den zehn Zentimetern, die seit Tagen nicht abtauen ist das schon eine ganze Menge. Es ist der härteste Winter seit 25 Jahren. Von der globalen Erderwärmung, die viele Forscher prophezeien ist nichts zu spüren. Sämtliche Seen sind mit einer fetten Eisschicht überzogen. Da könnte sogar eine Herde Elefanten Schlittschuhe laufen. Und kommt noch schlimmer, denn es ist kein Ende der  Kälte und des „Schneetreibens“ in Sicht.

Das Tackle ist schon zum zehnten Mal überprüft und gereinigt und ich kenne alle meine Filme und Zeitschriften, die sich unserem Hobby widmen auswendig. Alle Homepages im WWW sind durchforstet und eine Einkaufsliste mit diversem Zubehör, das ich für die bevorstehende Saison noch benötige ist geschrieben. Wenigstens ein Lichtblick für die nächste Zeit ist der Gang zum Tackledealer meines Vertrauens um die Neuigkeiten, die der Markt zu bieten hat zu bestaunen und die oben genannten Kleinigkeiten zu besorgen.

Doch dann ist wieder warten angesagt. Warten, bis die Temperaturen endlich wieder in den positiven Bereich klettern. Warten, bis mein Hausgewässer endlich wieder Eisfrei wird. Warten, bis die Karpfen wieder in Fresslaune sind.

Manch einer mag vielleicht auch im tiefsten Winter seinem Hobby nachgehen und jetzt denken: „Was meckert der den so rum, der soll doch einfach an einen der großen Flüsse gehen“. Doch genau da liegt mein Problem. Ich stehe noch ziemlich am Anfang meiner Karpfenanglerkarriere und habe überhaupt keine Erfahrung mit solchen Gewässern. Die zwei, drei Versuche, die ich am Neckar gewagt habe sind kläglich gescheitert. Ich hatte das völlig falsche Tackle und überhaupt keine Ahnung, wo ich fischen sollte. Deshalb hat es jetzt im tiefsten Winter, wo selbst die „Profis“ so gut wie keine Fische Fangen meiner Meinung nach keinen Sinn diese Gewässer zu „erforschen“. Da warte ich lieber auf die ertragsreicheren Zeiten wie den Sommer und den Herbst.

Doch da ist es dann mein großes Ziel endlich mal einen Neckarkarpfen zu überlisten. Oder vielleicht auch zwei...

Wenn ich schon von Zielen Rede, dann fallen mir noch mehr Sachen ein. Da wäre zum Beispiel mein erster 20+ Karpfen. Nicht Kilo, sondern Pfund. Viele mögen jetzt vielleicht lächeln, aber mir ist es wirklich noch nicht gelungen einen von den „Größeren“ zu fangen. Das mag vielleicht daran liegen, dass das Durchschnittsgewicht in meinem Hausgewässer sehr niedrig ist (Nach dem Motto, wo keine großen Karpfen sind kann man auch keine Fangen) und ich noch nicht oft über mein Hausgewässer hinaus gekommen bin. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an mir selbst.

Und da fällt mir auch schon ein neues Ziel ein. Endlich mal mit anderen Karpfenanglern neue Gewässer befischen und neue Erfahrungen sammeln sowie neue Dinge dazulernen.

Wenn man einmal überlegt, dann fallen wohl jedem Ziele ein, die er sich insgeheim gesteckt hat. Bei den meisten werden diese wohl etwas höher sein, als bei mir. Der erste „Frankreichkarpfen“ zum Beispiel. Oder ein neuer Personal Best. Klein aber fein!!!

Aber jeder hat mal klein angefangen und so werden bei mir wohl auch die Zeiten kommen, in denen ich ein Ziel nach dem anderen erreiche und mir neue, höhere Ziele stecken kann. 

Doch auch jetzt ist bei mir jede Session ein Abenteuer. Ein Abenteuer in der Natur, ein Abenteuer das mit nichts anderem zu Vergleichen ist. Ein Abenteuer mit oder ohne Freunde, bei dem Spaß, Erholung und das Erlebnis am Wasser im Vordergrund stehen. Ich finde es traurig, wenn ein Angler diese Sachen vergisst und nur noch auf Erfolg und Geld aus ist. Wie bei so vielen Hobbys kann man auch beim Karpfenangeln beobachten, dass der Faktor Geld eine immer größere Rolle spielt. Obwohl ich nicht so viel Erfahrung habe, wie ein Angler, der schon Jahrzehnte im „Geschäft“ ist, habe ich in meinen 2 Jahren als Karpfenangler auch schon einiges von den schlechten Seiten unseres Hobbys mitbekommen. So lassen sich berühmte Angler zum Beispiel mit einem Fisch, den sie gar nicht selber gefangen haben ablichten, nur damit die Leute ihre Boilies kaufen. Oder es herrscht zwischen den Anglern ein so großer Druck, dass jemand, bei dem nicht auf jedem Artikel der berühmte Fuchs zu sehen ist keine „vollwertigen“ Carphunter ist. Diese unangenehmen Nebeneffekte treten auch deshalb auf, weil unser Hobby immer populärer wird und immer mehr Anhänger findet und so der Markt anfängt zu boomen. Deshalb muss jeder einzelne um so mehr Verantwortung übernehmen und sich an die Regeln und Vorschriften halten, damit wir noch lange Spaß an unserem Hobby haben können.

Doch jetzt genug kritisiert. Nachdem ich diesen Text geschrieben habe sind meine Sehnsüchte noch größer geworden. Meine Sehnsüchte nach den lecker riechenden Fisch-Boilies ( - ;

Die Sehnsucht nach den abscheulichen Tütensuppen, die ich mir am Wasser immer koche und die Sehnsucht nach dem vertrauten Geräusch meines Bissanzeigers. Die Sehnsucht nach dem Kräftezehrenden Schleppen und Aufbauen meines Tackles und die Sehnsucht nach dem Kreischen der Bremse im Drill.

Ich könnte meine Aufzählungen noch ewig so weiter führen, doch ich glaube die meisten haben verstanden, worum es mir geht. Ich will einfach weiterhin so schöne Stunden am Wasser verbringen und all diese schönen Dinge erleben können. Denn wir haben das schönste Hobby der Welt.

Ich hoffe, ich habe euch mit meinem Artikel nicht gelangweilt, den dies ist ja kein spannender Erlebnisbericht sondern lediglich die Gedanken, die sich ein 16-Jähriger Karpfenfreak über sein Hobby macht.

Keep on fishing,
Mario Lutz
mariolutz@gmx.de

 

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