Alles begann Anfang letzten Jahres mit einem Bericht im (leider nicht mehr existierenden) Jagd- und Angelsender Seasons. Da ich mir zu diesem Zeitpunkt keinen Beitrag entgehen lies, angefangen vom feinen Fischen auf Rotaugen bis hin zum Tigerhaifischen vor Afrika, sah ich auch diesen Film, welcher vom Wallerfischen an der französischen Saone handelte. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich eingefleischter, überzeugter Karpfenangler. Zwar hatte ich schon oft Berichte von diesen urtümlichen „Monstern“ gelesen, hatte jedoch nie die Motivation auf diese zu fischen ... bisher ...! Ich sah mir diesen Film mehrmals an und wurde jedes Mal mehr gefesselt. Die unglaubliche Kraft, die diese Fische im Drill zeigten , die Dimensionen, welche sie erreichen und v.a. das bizarre Aussehen ließen irgendwann einen Plan in mir keimen. Mitte Mai waren wir für eine Woche in Frankreich zum Karpfenfischen. Da der See, an dem wir fischten nur ca. 200 km entfernt von der Saone lag , planten wir nach der „carpweek“ eine Woche Wallerfischen pur. Von einem Bekannten , der schon des Öfteren auf Waller gefischt hatte, liehen wir uns einige Rollen und Ruten. Kleinteile wie Haken und Vorfachmaterial waren schnell besorgt, die Köderfische wollten wir in einem ansässigen Angelladen kaufen. Während der Woche am See telefonierten wir mit dem ausgesuchten Campingplatz, da es phasenweise abartig regnete und wir Zweifel hatten, überhaupt am Fluss fischen zu können. Verwundert hörte ich die Aussage des dortigen Campingplatzwartes, dass der Wasserstand normal und kein Hochwasser vor Ort wäre. Kurz noch nach Deutschland telefoniert, den anderen zwei Jungs Bescheid gegeben, die nur zum Wallerfischen kamen und los ging es.

Kurz vor dem Ziel klingelte plötzlich mein Handy. Am anderen Ende war sofort die Enttäuschung zu hören. Sie wären angekommen, aber die Saone sei sehr hoch und capuccinobraun. Peng!!! „Erst mal abwarten“, dachten wir immer noch voller Optimismus und fuhren den ersten Campingplatz an. Uns traf fast der Schlag – der halbe Campingplatz war überflutet ! Wir fuhren weiter an den Nächsten, der uns optisch auch mehr zusagte. Leider änderten diese 2 km am Wasserstand nichts und so standen wir auch hier ratlos vor einer sich träge dahinschiebenden braunen Brühe. Dem Wasser fehlten noch ca. 20 cm an Höhe, dann wäre auch dieser Campingplatz überflutet gewesen. Nach kurzer Beratschlagung und angesichts des (laut Wetterbericht) wohl anhaltend stabilem, heißen Wetter, beschlossen wir hier zu bleiben und das Beste daraus zu machen. Noch am selben Nachmittag machten wir das große Metzeler mit dem Außenborder klar, beluden es bis obenhin mit Tackle und fuhren stromab. Viel befischbare Stellen gab es aufgrund des Hochwassers nicht. Schließlich wurden wir doch fündig und legten unterhalb einer großen Insel an einem Grashang an. Da wir alle zum ersten mal auf Waller fischten, wollten wir zunächst so einfach wie möglich fischen: 0,40 mm geflochtene Wallerschnur, Durchlaufblei, 1-1,5 m langes Kevlarvorfach mit Unterwasserpose hinter dem großen Einzelhaken sollte für den Anfang genügen. Als Köderfische benutzten wir ca. 25 cm lange Schleien, welche in der Nase angeködert wurden.

Die ersten großen Probleme stellte bereits das Auslegen der Ruten dar. Erstens war es fast unmöglich, das Boot in der starken Strömung einigermaßen an der Stelle zu halten und zweitens blieben unsere abgeflachten 200 g Bleie nicht da liegen, wo sie es hätten sollen. So fischten wir nach mehreren gescheiterten Versuchen nicht weiter als 15 m vom Ufer entfernt und dazu noch mit zwei 200 g Bleien. Eine Rute schleppten wir stromauf in das ruhige Kehrwasser einer Insel, wo diese auch genial am Platz liegen blieb. Das Wetter war bombastisch (über 30 Grad C in der Sonne), die Landschaft ein Traum und wir (immer noch) trotz der widrigen Umstände hoch motiviert. Da wir nur das Nötigste an Tackle dabei hatten, entschlossen wir uns, je nach Laune und den Aktionen, die hoffentlich kommen würden bis in die Nacht hinein zu fischen und dann wieder zurück zum Basiscamp zu fahren. Da wir nur mit vier von acht Ruten fischen konnten, zogen wir vorab Lose, welche die Reihenfolge der Bisse festlegen sollten. Gegen Nachmittag wollten Michi und Jonas noch etwas an Verpflegung vom Campingplatz besorgen. Nach mehreren Versuchen sprang der 5 PS – Außenborder an und die beiden fuhren gemütlich stromauf Richtung Campingplatz. Wir saßen auf unseren Stühlen und lauschten dem monotonen Geräusch des Außenborders, welcher das Boot langsam gegen die starke Strömung stromauf schob. Plötzlich verstummte das Geräusch und die beiden Jungs trieben sofort einige Meter ab. Der Außenborder war einfach während der Fahrt ausgegangen. Michi versuchte mit starken Paddelschlägen Richtung Ufer zu kommen, während Jonas erfolglos den Motor aktivieren wollte.

Bei dem Versuch ans Ufer zu paddeln, brach auch noch eines der Paddel ab. Na klasse! Schließlich gelang es den beiden doch ans überschwemmte Ufer zu gelangen. Von der anderen Seite beobachteten wir, wie die beiden ca. 10 Minuten lang abwechselnd am Motor zogen- ohne Erfolg! Zu unserem Glück fuhr in diesem Moment ein bekannter Exkarpfenangler (Hallo Wuppi!) gerade mit seinem Boot stromab. Da es bei diesen Bedingungen ohne funktionierenden Motor völlig aussichtslos war, ließen wir uns alle samt Tackle von ihm zum Campingplatz zurück abschleppen. Die folgende Zeit verbrachten wir mit dem Versuch, den Motor wieder auf Vordermann zu bringen. Mehrmals bauten wir ihn bei mittlerweile ca. 35 Grad in der Sonne auseinander und wieder zusammen. Im Supermarkt besorgten wir uns noch ein Starterspray und nach erfolgreicher Anwendung dessen fuhren wir gegen Mittag des nächsten Tages zu einer Stelle etwas stromauf des Campingplatzes. Hier schien alles perfekt zu sein. Nach einer leichten Kurve unterhalb einer Brücke fanden wir einen Bereich, der relativ strömungsberuhigt war und einer Buschreihe, bei der man nicht schon nach 30 min. gar war.

Nachdem der Nachmittag ruhig verlief, entschlossen wir uns an der Stelle zu bleiben. Für die Nacht mussten wir noch einige Klamotten und sonstige Utensilien besorgen. So stieg also Michi erneut ins Boot, um den Motor anzuwerfen – und wie könnte es anders sein – er sprang gar nicht mehr an! Mittlerweile hatten wir alle die Nase gestrichen voll. Ende vom Lied war wieder eine Abschleppaktion zurück zum Campingplatz. Wir standen wieder vor dem gleichen großen Problem. Das Wasser stand weiterhin sehr hoch und wir hatten einen Schrott namens Motor. Es war Sonntag und so war die Idee, in der Stadt irgendwo einen  Ersatzmotor zu leihen auch schnell vom Tisch. So blieb uns zunächst nichts anderes übrig, als direkt vom Campingplatz aus im Uferbereich zu fischen. Nach einer weiteren erfolglosen Nacht und mehreren misslungenen  Reparaturversuchen am Motor war unsere Stimmung am Nullpunkt angelangt. Einziger Trost war, dass die anderen Angler auch nichts fingen. Da wir eine Woche eingeplant hatten und der Wasserstand langsam aber sicher zu sinken begann, fischten wir beharrlich vom Basiscamp aus weiter. Nacht um Nacht verging ohne nennenswerte Aktion auf unsere Köderfische. Am Abend des vierten Tages war zwar der Wasserstand bereits um ca. 50 cm gefallen, einen Wels hatten wir aber immer noch nicht. Ich beschloss, dass ich, falls bis zum nächsten Morgen nichts gehen würde, noch für 3 Tage an den Karpfensee zurückfahren wollte, um wenigstens noch eine Handvoll Karpfen zu fangen. Die anderen drei wollten dann nach Hause fahren. Die Nacht verging wie erwartet ohne Aktion, allerdings fiel das Wasser bis zum Morgen um ca. einen weiteren Meter. Als wir am Zusammenpacken waren, kam Wuppi mit seinem Boot die Saone hochgefahren. Mit grinsendem Gesicht und total verschleimter Hose ging er an Land. Wir fragten nur „wie viel?“ und erfuhren, dass er und sein Freund an diesem  Morgen 5 Waller bis ca. 130 Pfd. landen konnten !!!

Wir waren platt! Da wir trotz sinkendem Wasserstand ohne Motor keine Chance hatten, brachen wir dennoch ab und waren uns sicher „Beim nächsten mal wird alles anders!“ Und so sollte es auch sein...

Es wird besser:
Im September hatte ich einige Tage frei und so planten Jonas und ich erneut einen Wallertrip an die Saone. Im Vorfeld hatte ich einige Rotaugen gefangen, die wir lebend von zu Hause mitnahmen. Laut der Auskunft des Schifffahrtsamtes, welche wir übers Internet einholten sollte uns dieses mal  kein Hochwasser erwarten. Am Abfahrttag wurde für die Region in Frankreich 20 % Regenwahrscheinlichkeit gemeldet. So fuhren wir frohen Mutes Richtung Frankreich. Als wir die Grenze erreichten, fing es an wie aus Kübeln zu schütten. Dies änderte sich nicht bis wir den Campingplatz erreichten. Gespannt stiegen wir aus dem Wagen und begutachteten zunächst einmal die Saone. Uns fiel ein Stein vom Herzen, als wir am Ufer standen. Der Fluss war nur minimal getrübt und ca. 50 cm höher als normal. Glück gehabt! Es schienen optimale Bedingungen zu sein. Im (immer noch) strömenden Regen bauten wir unser Zelt auf, machten das Boot startklar und deponierten die Köderfische in einem kleinen Setzkescher am Ufer. Als alles fertig war, ging ich zur Saone hinunter, um die Köderfische zu holen. Im leicht angetrübten Wasser hatte sich der Setzkescher wohl irgendwo am Grund verfangen. Ich zog etwas, um ihn zu befreien. Plötzlich gab er nach und kam nach oben. Am Ende des Setzkeschers gähnte mich ein ca. 15 cm großes Loch an. Von den Rotaugen keine Spur mehr. Ich fluchte was das Zeug hergab. Zum Glück hatten wir noch eine Matchrute dabei und so konnten wir noch einige kleinere Fische fangen. Darunter war ein Döbel mit ca. 400 g. Kurze Zeit später fuhren wir mit unserem Boot stromab. Wir mussten uns beeilen, denn es begann langsam dunkel zu werden. Auf der Höhe der Insel machten wir am Ufer fest und entluden unser Boot. Mittlerweile waren unsere Hosen total aufgeweicht vom starken Regen (ein joke mit den 20 %) und es wurde ziemlich ungemütlich. Als wir endlich die Ruten aufgebaut hatten fuhr ich auf den Fluss hinaus, um mit dem Echolot Stellen zu suchen. Nach ca. 50 m fand ich eine Kante, die von ca. 2,5 m steil auf über 6 m abfiel. Genial! Ich schleppte zunächst eine der Ruten an diese Abbruchkante. Als ich gerade die zweite Rute an ihren Platz befördern wollte verneigte die erste sich bereits. War es ein Biss? Gespannt beobachteten  wir die Rutenspitze. Sie verneigte sich ganz langsam und bog sich immer stärker durch. Als ich die Rute hereinholte bestätigte sich meine Annahme, dass etwas in die Schnur getrieben war. Als ich im Wasser stand, tauchte vor mir ein riesiger Krautbüschel auf. Mindestens 5 kg Wasserpest hatte sich in einem schönen Klumpen um die Montage geformt. Jetzt wurde uns allmählich der Nachteil der Jahreszeit klar. Im Sommer gibt es an der Saone extrem viel Kraut im Uferbereich. Dieses starb ab und trieb unter Wasser stromab.

So langsam hatten wir das Gefühl, dass es uns nicht vergönnt war einen Waller zu fangen. Es half alles nichts, wir mussten mit der Situation fertigwerden. Wir legten unsere vier Ruten darauf in Tiefen zwischen 1,5 und 2,5 m ab und warteten. Abwechselnd krümmten sich die Ruten und jedes Mal, wenn wir sie hereinholten kam uns ein riesiger Krautberg entgegen. Da unsere relativ kleinen Köderfische sich erst recht nicht mehr bewegten, wenn Kraut sie umschloss, entschloss ich mich völlig genervt, die Rute mit den wenigsten „Krautaktionen“ mit dem Döbel zu beködern. Zu unserer Freude paddelte dieser unaufhörlich und brachte die Rutenspitze zum Zucken. Wir hatten gleich ein viel besseres Gefühl und als ich mich klatschnass unter den Schirm begab, gab der Delkim drei kurze Töne von sich. Ich wirbelte herum und starrte auf die Spitze. Urplötzlich wurde diese nach unten gerissen und die Schnur flog von den Rolle. Ich setzte einen extrem starken Anhieb. Im nächsten Moment erfuhren wirt zum ersten mal, was es heißt, einen Waller zu drillen. Die Rute wurde mir fast aus der Hand gerissen! Der Fisch am anderen Ende schlug wie ein Wahnsinniger, die Rutenspitze krümmte sich um im nächsten Moment wieder nachzugeben. Ein völlig seltsames Gefühl. Nach 5-6 Starken Schlägen nahm der Wels in einer Flucht ca. 20 m Schnur. Ich stand gefesselt am Ufer und malte mir in Gedanken schon aus, wie schwer er sein würde. Nach dieser Flucht hatte der Wels allerdings sein Pulver schon verschossen und ich pumpte ihn zum Ufer. Einen (mein erster!) Wallergriff später zog ich den Fisch ans Ufer. Wir waren beide total happy!

Es war kein Riese, aber immerhin der erste Waller. Da wir den Foto und die Waage auf dem Campingplatz vergessen hatten (anders war es ja nicht zu erwarten), schätzen wir den Fisch auf 15-20 Pfd. und ließen ihn wieder schwimmen. Mittlerweile war es schon 1.00 Uhr und da das Kraut immer schlimmer zu werden schien, fuhren wir zurück zum Campingplatz. Total durchgefroren (aber glücklich!) schliefen wir relativ schnell ein. Der nächste Tag zeigte sich uns mit strahlendem Sonnenschein und ca. 20 Grad C (60 % Regenwahrscheinlichkeit – hohoho !). Wir nutzten den Tag, um gemütlich zu frühstücken und Köderfische zu fangen. Es gelang uns jedoch nur, kleine Weißfische zu fangen und zwei Rotaugen mit ca. je einem Pfund. Am Nachmittag begaben wir uns auf den Weg, um eine neue Stelle für die Nacht zu suchen, an der weniger Kraut herumtrieb. Wir wurden an einer Insel fündig. Hier bildete das Wasser einen Rückstrom und es schien nicht viel Kraut zu geben. Am Abend fuhren wir die Insel an und fischten dort erneut bis ca. 1:00 Uhr. Das Kraut hielt sich hier in Grenzen, aber einen Fisch konnten wir keinen landen. Die Zeit wurde uns langsam knapp, wir hatten nur noch eine Nacht vor uns. Glücklicherweise konnten wir am vorletzten Tag noch einige Döbel zwischen 1 und 2 Pfund fangen. So hatten wir wenigstens gute Köderfische. Die Platzwahl erwies sich als ziemlich problematisch, da wir auf der Insel auch noch einiges an Kraut hatten. Katastrophal war es, wenn noch eine der überdimensionalen „Süsswassertitanics“ vorbeifuhr. Man ertrank fast im Kraut und die nächsten 15 Minuten war an Angeln nicht zu denken. Nach einer einstündigen Erkundungstour mit dem Echolot schienen wir endlich fündig geworden zu sein. Am Ende der Insel schien es gar kein Kraut zu geben. Der Grund schwankte zwischen 1 und 3 m, um dann (in nur 25 m Entfernung) steil auf fast 6 Meter abzufallen. Perfekt! Hier wollten wir es für die letzte Nacht versuchen.

Da der ganze Tag ohne eine einzige Wolke verlief, ließen wir diesesmal den 3 m – Schirm auf dem Campingplatz. Am Abend waren die Ruten in 1.5, 2, 3 und 6 m ausgelegt  und kein Stängel Kraut schien das Angeln zu stören. Zeit zum Genießen hatten wir nicht lang, denn bald schob sich eine schwarze Wolke vor die untergehende Sonne. Es folgten vereinzelte große Tropfen und als diese immer dichter wurden, beschloss Jonas noch mal stromauf zum Campingplatz zu fahren, um den Schirm zu holen. Die Bäume über mir hielten den Platzregen nur bedingt ab und so stellte ich mich unter einen provisorischen Jägerstand unter. Die Ruten waren ca. 15 m von mir entfernt. Während ich unter den Brettern des Jägerstands dem Regen über mir lauschte, vernahm ich weiter entfernt ein seltsames Geräusch. Ich wagte einen Schritt in den mittlerweile nachlassenden Regen hinaus und sah zwischen den Bäumen die rote Diode meines Delkims leuchten. Als diese nach einigen Sekunden immer noch nicht erloschen war, stürzte ich zum Pod. Ich war wie elektrisiert. Die Rute war bis zum Halbkreis gebogen und die Schnur schien förmlich von der Rolle zu fliegen. Dummerweise hatte der Fisch auf die einzig leichtere Rute gebissen (es war eine stärkere Hechtrute von Sportex). Das konnte ja heiter werden! Ich versuchte einen Anhieb zu setzen, doch als die Rute auf halbem Weg nach oben war, riss sie mir der Fisch am anderen Ende bereits wieder herunter und startete zu einer unglaublichen Flucht durch. 30-40 m flogen in Sekundenbruchteilen von der Rolle, bis der Fisch stoppte und mit unglaublichen Schlägen versuchte, das Eisen in seinem Maul loszuwerden. Ich wurde regelrecht durchgeschüttelt, bis es mir endlich gelang ihn zu stoppen. Zentimeter für Zentimeter pumpte ich den Fisch Richtung Ufer. Nach zwei weiteren heftigen Fluchten hing der Fisch plötzlich am Grund fest. Jonas war mittlerweile über 40 min. weg. Ich fragte mich, was er wohl macht. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, den Fisch freizubekommen, hörte ich das leise Geräusch eines Außenborders. Als Jonas endlich bei mir war, schrie ich ihm zu, dass ich einen großen Fisch draufhatte und wir das Boot bräuchten. Ich sprang ins Boot und wir fuhren etwas stromab, wo sich der Waller festgesetzt hatte. Als wir über ihm waren, merkte ich wie die Schnur plötzlich nachgab. Ich glaubte zunächst noch festzuhängen , da sich der Fisch keinem Zentimeter bewegte.

Nach weiteren endlos scheinenden Sekunden bemerkte ich wie sich unser Boot drehte (gegen die Strömung). Der Fisch war frei! Mit einer bis ins Handteil gekrümmten Rute zog er uns die nächsten 15 min. im Kreis herum. Ich musste an Bilder vom Ebro denken, wenn meine Rutenspitze immer wieder über den Bootsrand ins Wasser gezogen wurde. Wahnsinn! Endlich schien der Wels müde zu werden und neben dem Boot tauchten große Lustblasen auf. Gespannt schaute ich in die Tiefe. Der Fisch zeigte sich uns zum ersten mal. Uns stockte der Atem. Wir sahen lediglich seinen Schwanz bis zur Mitte des Fisches. Er schien nicht mehr enden zu wollen. „Hast du die Handschuhe dabei?“, fragte mich Jonas. „Sch.., hab sie vergessen“. Das nächste Problem! Es war mittlerweile fast dunkel, wie waren mitten auf dem Fluss mit einem riesigen Fisch und keine Handschuhe. Der Waller war mittlerweile fast ausgedrillt und wir entschlossen uns ans Ufer zu fahren, um ihn von dort aus zu landen. Es ging alles gut und 5 Minuten später hatte ich den Waller aus ca. 100 m Entfernung ans Ufer gedrillt. Ganz langsam bewegte sich sein monströser Schädel Richtung Ufer. Etwas unsicher griff ich ihn an seinen Brustflossen und zog ihn  vorsichtig aufs Gras. Da lag er nun – der erste große Waller. Wir waren baff!

Ein Waller mit um die 1,5 m hätte uns für den Anfang wirklich gereicht. Was hier vor uns lag war bei weitem größer als wir es erwartet hatten. Wir hatten nichts zum Wiegen dabei und so fuhr Jonas zur Insel, um die Plane und Handschuhe zu holen. Als er wieder kam, zogen wir den Waller ins Boot. Er füllte das Schlauchboot komplett aus! Nach mehreren gescheiterten Wiegeversuchen gelang es uns endlich den Fisch vom Boden zu bekommen. Die Waage pendelte sich bei 112 Pfund bei einer Länge von 207 cm ein. Während ich den Fisch versorgte hatte Jonas einen Run auf seine Rute, die stromab der Insel abgelegt war. Leider ging dieser Anhieb ins Leere, doch wir waren vorerst bedient. Gegen 1.30 Uhr packten wir unser Tackle ins Boot, um zurückzufahren. Auf dem Wasser hatte sich mittlerweile ein dichter Nebel gebildet. Man sah kaum 5 m und so fuhren wir langsam den Fluss hinauf. „The fog“wurde immer dichter  und plötzlich tauchte knapp neben uns ein riesiger Masten im Wasser auf. Es war einer der Markierungspfähle, die sich im Wasser befanden. Mit weichen Knien erreichten wir nach weiteren 5 Minuten den Campingplatz. Noch lange ließen wir in dieser Nacht die Geschehnisse der letzten Stunden bei einer Flasche Sekt Revue passieren, bis wir uns ins Zelt zurückzogen. Nach all den Problemen und einem enormen Aufwand hatten wir endlich Erfolg gehabt, aber eins war sicher: Das würde nicht das letzte mal an der Saone sein – da waren wir uns einig. Im August diesen Jahres beschloss ich, zusammen mit meiner Freundin ein paar Tage an die Saone zu fahren. Das Wetter war traumhaft, allerdings war das Wasser dieses mal viel zu flach, sehr klar und voll mit Kraut. Dies stellte kein großes Problem dar, solange keine großen Schiffe fuhren. Diese mähten riesige Massen Kraut ab, die dann in den Schnüren hängen blieben. Ich fischte eine Rute mit Aal und die andere wieder mit Döbel.

Den Aal bot ich an einer Abreißleine an einer Boje an, den Döbel mit der üblicher Grundmontage mit Auftriebsköder. Es war eine schlechte Zeit und es wurde sehr wenig gefangen. Dennoch gelang es mir am Ende der Woche noch einen Waller mit genau 100 Pfd. zu überlisten (gebissen hatte er wieder auf Döbel).

Technik und Taktik:
Sicherlich sind wir keine Wallerprofis, trotzdem möchte ich euch noch einige wichtige Dinge, welche sich an der Saone herauskristallisiert haben, mitteilen.

Mittlerweile bekommt man in den dortigen Angelläden fast nur noch Aale als Köderfisch. Diese sind relativ günstig zu erwerben (3.- Euro pro Stück), eignen sich für die einfache Montage mit Unterwasserpose jedoch nicht. Wer mit der Bojenmontage fischt oder vom treibenden Boot aus, ist mit einem Aal sicherlich gut bedient. Das Klopfen mit dem Wallerholz ist mittlerweile auch in Frankreich verboten. Da wir das Fischen vom Ufer aus bevorzugen und die Saone einen großen Döbelbestand besitzt (welche allerdings nicht immer so leicht zu fangen sind), ist mein favorisierter Köderfisch auch ein Döbel. Als ideal haben sich Fische um die 500 g herausgestellt. Döbel arbeiten richtig angeködert die ganze Nacht optimal. Meiner Meinung nach reicht eine Nasenköderung mit einem großen Einzelhaken völlig aus und schont dabei den Köderfisch erheblich. Unsere Welse (und auch viele der anderen Angler) bissen meist im flacheren Wasser (1,5 – 2,5 m Wassertiefe), allerdings lohnt ein Versuch an den Kanten des Flusses v.a., wenn die Bereiche dahinter um einiges tiefer sind.

Das Kraut stellt an der Saone das grösste Problem dar. Deswegen ist die beste Jahreszeit entweder das Frühjahr oder der Herbst (ab Oktober). Zelten ist an der Saone in freier Landschaft offiziell verboten, es gibt wohl regional einige Ausnahmen, die man am besten im Angellladen erfragt. Gleiches gilt für das Nachtfischen. Offiziell ist das Angeln nur bis ca. 23.00 Uhr gestattet. Es hat sich allerdings gezeigt, dass dies normalerweise auch ausreicht. Die meisten Waller beißen in der Abenddämmerung bis zur völligen Dunkelheit oder früh morgens. Zu beachten wäre außerdem, dass der lebende Köderfisch erst ab Mitte Mai erlaubt ist. Die 2-Wochenkarte ist relativ günstig (30.- Euro für 3 Ruten). Campingplätze gibt es genug am Ufer der Saone und sind meist auch recht günstig. Die Saone hat einen sehr guten Welsbestand, das Durchschnittsgewicht liegt bei ca. 60 Pfd. Jedes Jahr werden einige Fische über 100 Pfd. gefangen. Es ist nicht immer einfach, die Standorte zu finden, doch mit ein wenig Zeit hat man diese schnell ausfindig gemacht.


 

Falls ihr es auch einmal auf diese „Riesenkaulquappen“ probieren wollt, wünsch ich euch viel Glück und Spaß beim „Drillen bis die Arme schmerzen“.

So long and many big catfish and(of course) carp,
Thorsten (Carp Catchers Schwaben)
 

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