von Thorsten Löw

Draußen schüttet es in Strömen, ich liege auf meinem Bivvy bed und hoffe, dass ich die nächsten 2-3 Stunden nicht mehr aus dem Zelt muss. Der 12. Fisch in Folge in dieser Nacht zehrt schon ganz schön an den körperlichen (und geistigen) Kräften. Doch die Nacht ist noch nicht vorbei und die Tendenz lässt etwas anderes erwarten, als in Ruhe ausschlafen zu können/dürfen. Es ist einer der wenigen Momente in meinem „Carphunterdasein“, in denen ich das Hochfrequenzgeschrei unserer Bissanzeiger verfluche. Meinem Freund Bernd geht es genauso, allerdings hat er seine Ruten schon seit längerer Zeit hereingekurbelt, da mittlerweile seine (und meine) Klamottenbestände bis fast zum letzten Teil durchnässt sind. Mein Rücken meldet sich schmerztechnisch auch schon wieder zu Wort. Gerade habe ich eine angenehme Schlafposition eingenommen und bin ca. 5 sec. vor dem endgültigen Einschlafen, als mein Delkim erneut um Gehör bittet (wie ich dieses Teil hasse !). Begleitet von Bernds Gelächter und weiteren heftigen Regenschauern stürze ich (nur noch in Shorts bekleidet) aus dem Zelt (wohl gemerkt – es ist Oktober !) und stapfe durch den ca. 20 cm tiefen Schlamm zum Steg. Während ich den Fisch drille (ich kann kaum etwas erkennen, da mir der Regen ins Gesicht schlägt), fluche ich wie verrückt vor mich hin und zweifle das erste mal beim Angeln ernsthaft an meinem Verstand.

Nach einem etwas forcierten Drill kann ich einen schönen 26-er Spiegler landen. Ein Fisch, über den ich bei einigen Session schon heilfroh gewesen wäre. Kaum ist der Fisch auf der Matte, bewege ich mich auch schon wieder Richtung Wasser, um den Carp schonend zurückzusetzen. Dieser scheint topfit zu sein und spritzt mich zum Abschied noch mal von oben bis unten nass (geht es überhaupt noch nässer ?). Als sich auch noch mein linker Stiefel dazu bereiterklärt, wenigstens einen Bruchteil des Sees aufzusaugen, gebe ich für diese Nacht zum allerersten mal geschafft auf und kurble auch meine Ruten ein. Im Zelt angekommen, kommt (Fairerweise) noch die Frage von Bernd, ob er wenigstens groß war, worauf er auch schon wieder in Lachen ausbricht. Ich sehe (aber nur heute !) über seine Schadenfreude hinweg und als ich mich 15 min. später wieder in der Horizontalen befinde und trocken (was ist das ?) eine letzte Zigarette rauche, kann ich mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen. Fast gleichzeitig stimmt mir Bernd mit den abschließenden Worten „Das ist ja völlig abartig !“ zu und glücklicherweise bin ich kurze Zeit später endgültig bei „Alice im Wunderland“ (Petrus sei Dank!) .

Heute sitze ich in meinem warmen ( und nicht feuchten !) Wohnzimmer und schaue mir die Bilder dieses Wahnsinnstrips durch. Vergessen sind die Strapazen, die langen, wenig erholsamen Nächte, der Schlamm, die feuchten Klamotten etc. Es war einfach nur „Carping par excellence“ , einige der wenigen wirklichen Sternstunden im Leben eines Carphunters! Der oben genannte Teil mag sich für manche wie ein Trip aus längst vergangenen Tagen anhören. Geschehen tatsächlich im Oktober vergangenen Jahres an einem wirklich lohnenswerten carpwater, dem Etang de la Horre. Für einige unter euch wahrscheinlich schon bekannt durch die zwei Berichte von S.Kral und H.Kersten und O. Haverkamp im Carpmirror. Meine Freunde und ich haben dieses gigantische Gewässer mittlerweile schon zum fünften mal besucht und wir haben keinen einzigen dieser Trips jemals bereut. Aus diesem Grund schreibe ich nochmals über diesen See, auch um einige Unklarheiten zw. falsche Vorstellungen von diesem Gewässer endgültig zu beseitigen. Ohne Zweifel ist dieses Gewässer sehr gut mit Karpfen besetzt. Uns gelang es in insgesamt vier Wochen ( teilweise allein, zu zweit oder zu viert) zusammen ca. 180 Fische zu landen. Davon waren die wenigsten unter 20 Pfd., das Gros waren gute 20-er, einige über 30 Pfd. und 1 40-er. Bemerkenswert ist, dass wir normalerweise einen Schnitt um die 26 Pfd. hatten.

Dieses Ergebnis scheint auf den ersten Blick absolut heftig zu sein und mag in manchen den Verdacht wecken, dass es sich hier um einen „super easy lake“ handelt. Dies ist (und das ist mir sehr wichtig zu erwähnen) nur sehr bedingt richtig. Auch wir haben am La Horre schon Zeiten erlebt, in denen nächtelang nichts oder fast nichts ging. Andere, weniger erfolgreiche Hunters hatten in einer Woche gerade mal einen Fisch. Keineswegs schwimmen einem an diesem Gewässer die Fische von allein in den Kescher, allerdings gibt es auch Nächte, in denen man, mit dem Stuhl neben dem Rod Pod sitzend, besser beraten wäre, als den Versuch zu starten, entspannt an seinem Carp pillow zu lauschen. Diese (Traum-) Nächte kommen auch hier nicht jeden Tag vor und bedürfen (logischerweise) dem Zusammenspiel von verschiedenen günstigen Faktoren. Es reicht bei weitem nicht aus, ein Bait mit der Geschmacksrichtung X von der Firma Y dem Horizont entgegenzufeuern und auf den begehrten 30-er oder 40-er zu hoffen. Es mag Zeiten am La Horre geben, in denen man so den einen oder anderen Fisch fangen wird, aber dies ist – wie überall – auch hier die große Ausnahme.

Experimentierfreudige Angler unter uns werden an diesem Lake wesentlich bessere Karten haben, als die sturen „Aussitzer“ . Ich halte es für unwahrscheinlich, dass erstgenannte eine Woche blanken, Zweitgenannte da schon viel wahrscheinlicher. Mir liegt es fern, irgendwelche Verhaltensregeln aufzustellen, jeder soll so fischen, wie er möchte und bereit dazu ist, jedoch kann ich gewisse Leute, die nach drei Nächten an diesem „Garantiegewässer“ noch keinen 30-er oder 15 20-er hatten und sich dann beschweren, was für ein Drecksgewässer das sei, einfach nicht nachvollziehen ! Hat es denn beim Karpfenfischen schon jemals eine Garantie für den Traumfang gegeben und liegt vieles (abgesehen vom Faktor Glück) nicht am Angler selbst ? Ich denke schon und meine, dass die Betreffenden dies einmal überdenken sollten. Soviel zu diesem Punkt, aber jetzt weiter im Text:

Als weiteren wichtigen Punkt sehe ich die Platzreservierung am La Horre an. Patrice, der Verwalter und Guide des Sees kennt den See wie seine Westentasche. Darüber hinaus ist er ein sehr erfahrener Angler, von dem mit Sicherheit nicht nur die Anfänger unter uns einiges lernen können. Da es an diesem Gewässer von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein kann, welchen Platz man wie befischt, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Reservierungen über ihn direkt vorzunehmen. Ist man sich nicht 100 %-ig sicher, welchen Platz man wählen soll, tut man besser daran, dies mit ihm selbst zu besprechen. Normalerweise ist er immer bereit dazu, einem bezüglich der Platz- oder Köderwahl etc. einige Tipps zu geben. Voraussetzung dafür ist zwingend, dass man sich an die, am See herrschenden Regeln hält. Dieses Gewässer wird seit 8 Jahren befischt (phasenweise ist der Angeldruck sehr hoch – es gibt Zeiten, da ist kein einziger Steg mehr frei), seit 4 Jahren von ihm verwaltet und ich kann euch sagen: Würde er nicht so auf die Befolgung der Regeln achten, würde man mit Sicherheit keine solch makellosen Fische fangen. Wer glaubt, sich dort der Regeln auf irgendeine Weise widersetzen zu können, wird Patrice jedoch im wahrsten Sinne des Wortes „kennen lernen“ und vielleicht sogar eine verfrühte Heimreise antreten dürfen.

Einige der Regeln sind in früheren Berichten schon erwähnt worden, hier nochmals kurz eine Zusammenfassung der Wichtigsten:

-          keine Snag- oder Shockleader (auch nicht monofil)
-          grosse Abhakmatte (mindestens 4 cm dick)
-          kein Hinausschleppen der Ruten mit dem Boot
-          ausschließlich widerhakenlose Haken
-          ausreichend großer Kescher
-          kein Hältern der Fische (auch nicht nachts !)
-          Füttern vom Boot aus nur 2 Stunden morgens und 2 Stunden abends erlaubt
-          Watstiefel und Wathosen sind sehr angeraten (teilweise sehr flache Stellen im Uferbereich)
-          Vorfach schwächer wie Hauptschnur
-          Fischen  mit 3 Karpfenruten und einer Weißfischrute pro Person erlaubt
-          Catch and Release only (natürlich!)
-          Zelte nur in grün oder Camouflage

Wem diese Regeln zu heftig erscheinen, sollte besser zu Hause bleiben. Für diejenigen, die Sinn und Zweck dieser Bestimmungen verstehen und akzeptieren und Wert auf makellose, unverletzte, nicht gecuttete Karpfen legen, relativ entspanntes Fischen in traumhafter Natur und Ruhe schätzen, kann ich diesen See nur weiterempfehlen !

Der Etang de la Horre, ist, wie bereits an anderer Stelle beschrieben, ein Natursee von 110 ha und liegt inmitten eines Naturschutzgebietes. Flora und Fauna dieses Gewässers werden die meisten unter uns sofort begeistern. Wir hatten am La Horre schon Nächte, in denen wir Probleme hatten einzuschlafen, weil (etwas übertrieben) 486 verschiedene Vogelarten gleichzeitig meinten, uns ein nächtliches Konzert geben zu müssen. Selten habe ich solch eine Ruhe (an einem doch relativ stark befischten Gewässer ) erlebt, wie an diesem See. Ebenfalls sehr lobenswert ist der Zustand der Angelplätze. Ich war selbst schon mehrere Trips dort und habe außer vielleicht einem Boilie, das unter dem Steg lag, noch nie irgendwelchen Müll am Platz selbst, im Schilf oder im Wald gesehen. Ich glaube, Patrice würde selbst 10 cm 0,12 mm- Schnur unter dem Steg entdecken !

Da wir (hoffentlich) alle wollen, dass dies auch so bleibt, sollte es klar sein, keine hunderte von Tretmienen im Wald zu hinterlassen, sondern die sanitären Anlagen zu benutzen. 15 Schachteln Zigarettenstummel gehören auch eher in einen Müllbeutel, als irgendwo in die Natur. Wer die Obenstehenden Regeln akzeptiert und befolgt, beim Fischen etwas innovativ ist, das richtige Wetter und den richtigen Platz hat, kann am La Horre eine Woche erleben, die ihm noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich hoffe, euch mit den folgenden Zeilen ein wenig Lust auf den La Horre gemacht zu haben! Am Ende dieses Berichts erscheint nochmals die Telefonnummer von Patrice, bei dem man Infos über den See und Reservierungen vornehmen kann.
Bis dahin wünsche ich euch allen many big carps( im In- oder Ausland)! Vielleicht sehen wir uns mal am La Horre !

Thorsten (Carp Catchers Schwaben)

Fisherman Holidays
 

Home