von Thorsten Löw

Der Regen prasselt seit Stunden über meinem Kopf auf den kleinen Schirm. Immer wieder lassen kleinere Windböen die Zeltwand flattern. Ich liege auf meiner Isomatte im hohen Gras und beobachte die zahlreichen Insekten (v.a. Weberknechte), die in meiner kleinen Behausung Schutz vor dem Regen suchen. Bequemes Liegen ist fast nicht möglich unter dem kleinen 2,3 m – Schirm. Meine Beine sind angewinkelt und stoßen schon an der Schirmstange in der Mitte meines kleinen „Zeltes“ an. Als ich einige Wochen vorher diesen Überwurf bekam, war ich mächtig stolz darauf und hatte mich extra im heimischen Garten im Schneidersitz darin hockend fotografieren lassen. Sitzend wirkte es noch sehr geräumig und hätte ich nur die Größe eines Liliputaners, wäre auch alles in Ordnung. Aber bei 1,85 m war es nicht ganz das Wahre. Trotzdem war ich stolz darauf, hatte ich doch das erste mal nicht nur ein Dach über dem Kopf sondern sogar noch geschlossene Wände um mich herum. Der pure Luxus! Das ständige Beobachten der Krabbeltiere um mich herum (stehe doch nicht ganz darauf, wenn eins im Schlaf über mein Gesicht krabbelt) macht mich doch langsam wieder müde und ich döse ein.

Etwas später werde ich durch ein Geräusch geweckt. Nein, es ist kein Run, sondern ein seltsames nagendes Geräusch ganz in meiner Nähe. Ich öffne die Augen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Kaum einen Meter von mir weg sitzt eine kleine Feldmaus am Stoffsack mit den Boilies und hält, leicht aufgerichtet ein, im Vergleich zu dem winzigen Tier, riesengroßes, rotes Erdbeerboilie (eines meiner ersten Selbstgerollten ) zwischen ihren kleinen Händen. Mit großen Augen schaut sie mich an, um im nächsten Moment irgendwo mitsamt ihrer Beute in einem Loch zu verschwinden. „Klasse“, denk ich mir, „hast das Zelt auch noch genau über einem Mauseloch aufgebaut.“

Ich strecke meine Hand nach dem Stoffbeutel aus und stelle fest, dass sie mir ein ca. 2 x 2 cm großes Loch reingenagt hat. Gegen Mittag hört es endlich (nach 24 Stunden) auf zu regnen und ich verlasse erleichtert die „Bude“. Auf meinen Ruten und Rollen stehen riesengroße Regentropfen. Zusammen mit der sich durch die Wolken kämpfenden Sonne ein geniales Bild ! Ich fische mit zwei sehr weichen Karpfenruten von Cormoran, die zwar mit 2 lbs. angegeben sind, diese aber so wabbelig sind, daß ich nur mit 45 g Bleien damit werfe. Die Bremse meiner Rolle ist komplett geöffnet und die selbstgebauten Affenkletterer (das Mittelstück eines Kugelschreibers gleitend montiert auf einer abgebrochenen Spitze einer alten Rute), befinden sich knapp über dem Boden- der Karpfen darf schließlich keinen Widerstand spüren ! Meine Ruten liegen auf zwei Alubanksticks und als Bissanzeiger verwende ich die mit ersten Modelle, die es auf dem Markt gibt – Rollimat (ebenfalls von Cormoran), welche allerdings nach dem nächsten Regen nur noch „Stukkatöne“ von sich geben sollten.

Bei unserem ersten Trip an dieses Gewässer, bei dem wir eigentlich nur zum Stippen herkamen, fing ich zwei „Monsterkarpfen“ mit 9 und 14,5 Pfd. (mein erster über 10 Pfd.). Wir lernten dabei zwei Hunters aus Bayern kennen, die vom Tackle her schon wesentlich weiter waren wie wir. Manches an ihrer Ausrüstung verstanden wir jedoch nicht so ganz. So hatten sie z.B. schon die „richtigen“ Monkeyclimbers. Allerdings waren die Körper nicht unten auf der Stange, sondern befanden sich (auch noch mit allen drei Körpern zusammengesteckt) ganz oben an den Ruten. Wir schauten uns ungläubig an und konnten nicht verstehen, wie man so fischen kann: Das war ja ein riesen Widerstand für den Karpfen! Außerdem waren die Bremsen (bzw. schon Baitrunner) im Vergleich zu unseren relativ stark eingestellt. Zu allem Überfluss fischten die beiden auch noch mit Festblei und 80 g schweren Bleien – der pure Wahnsinn ! Trotz Tarnklamotten und etlichen bunten Stickern sämtlicher Tacklefirmen, Freilaufrollen, echten Pods und Armalites der beiden konnten wir nicht so recht an gute Angelqualitäten glauben, fischten sie doch viel zu grob für die schlauen und vorsichtigen Karpfen.

Zeitsprung, ca. 15 Jahre später: Es stürmt, draußen herrscht Weltuntergangsstimmung. Windstärke 6-7 (in Böen auch stärker), der Himmel grau in Grau und immer wieder heftige Regenschauer. Ich sitze bequem in meinem Carpstuhl, eine Tasse Capuccino in der linken und die Zigarette in der rechten Hand. Im Hintergrund säuselt das Radio mit einer soften Ballade. Ich schaue aus meinem Dome auf meine Ruten. Verschwunden sind die selbstgebauten Affenkletterer. Stattdessen hängen jetzt drei bunte Swinger in meinen Schnüren unter den teuren 13 ft. Karpfenruten. Die verbogenen Banksticks sind mittlerweile durch ein Rod pod aus feinstem VA-Stahl ausgetauscht und auf den (ebenfalls aus Edelstahl) Buzzer bars befinden sich keine „Stukkas“ mehr, sondern formschöne englische (und v.a. wasserdichte !) Modelle. Die Rollen hätte ich von der Größe her vor einigen Jahren nur bei Brandungsanglern vermutet und die Endmontage besteht aus einem 120g Ballbomb als Festblei montiert (also richtig viel Widerstand !). Wenn ich mir so meine Ausrüstung anschaue, wird mir immer wieder klar, warum dies mein einziges wahres Hobby ist.

Ich möchte in diesem Bericht nicht als Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger verstanden werden, sondern lediglich auf einige teilweise negative Entwicklungen hinweisen (von denen ich mich selbst nicht absolut ausnehme) und vielleicht einige zum Nachdenken anregen.

Im Laufe der Jahre haben sich sehr viele Dinge verändert, leider nicht immer zum Positiven!

 Wurde man vor 15 Jahren noch um seine Ausrüstung beneidet (und v.a. vom Otto-Normalangler oft als „Ding aus einer anderen Welt“ betrachtet), so ist vieles der heutigen Ausrüstung schon normal geworden. Selbst ausgesprochene „Sonntags-/Schönwetterangler“ haben teilweise ihre alten Teleruten schon gegen bessere Steckruten eingetauscht und das „komische Gestell“, auf dem die Ruten liegen, ist mittlerweile nicht mehr nur bei den Karpfenanglern zu sehen.

Diese Entwicklung ist nicht unbedingt negativ, doch geht es v.a. in „Carphunterkreisen“ stellenweise schon so heftig ab, dass man regelrecht belächelt wird, wenn man noch eine Rute oder Rolle fischt, die nicht auf dem neusten Stand der Technik oder aus dem neuen, ultrateuren XY-Material ist.

Ohne Zweifel stellt eine teure Ausrüstung auch meist eine hohe Qualität dar, würde ich aber z.B. meinen Vater, der jahrelang Extremtouren auf der ganzen Welt zu fuß oder auf Langlaufskiern gemacht hat fragen, wie er die Preise des „Carptackles“ im Vergleich zu den guten Outdoorprodukten beurteilt, würde ich als erstes ein müdes Lächeln als Antwort bekommen.

Natürlich erleichtert eine gute Ausrüstung enorm unser Hobby und macht es auch wesentlich angenehmer, nur kann es nicht Sinn und Zweck sein, ständig neues Tackle zu kaufen, nur um „trendy“ und „hipp“ zu bleiben. „Interessiert mich doch nicht, was manche über mein Tackle denken oder nicht !“, werden einige von euch sagen.

Klar, der Meinung bin ich auch, doch nicht jeder hat soviel Selbstbewusstsein, sich nicht von irgendwelchen „Spinnern“ beeinflussen und verrückt machen zu lassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Mr.Pseudo-Perfect mit seinen neusten High End Weitwurfruten und durchschnittlicher Wurfbegabung gegenüber einem wahren „Wurfgott“ mit einer alten XY-Rute ganz schön alt aussieht. Auch ist es nicht zwingend notwendig, seinen Schriftzug in Altdeutsch und nachts fluoreszierend und am besten blinkender Schrift auf der Rute zu haben. Da geht der Tacklefetisch meiner Meinung nach viel zu weit und dient häufig nur dem Aufpolieren des wie auch immer angekratzten Egos.

Ähnliches gilt für die Entwicklung bei den Fischgewichten. Ein häufig diskutiertes Thema und doch haben Einige unter uns überhaupt nichts verstanden. Erst kürzlich hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Karpfenangler, den ich am Gewässer traf. Wir kannten uns vorher nicht und so redeten wir einige Zeit über Gott und die Welt. Nach einer Weile kamen wir aufs Thema Frankreich zu sprechen. Nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich häufiger im Ausland fische, kam prompt die Bemerkung, dass ich dann ja wohl schon viele 30-er und 40-er haben müsste. Ich war im ersten Moment echt sprachlos, weil ich wieder deutlich merkte, auf was sich bei manchen Anglern das komplette Denken zu reduzieren scheint. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich zwar einige gute Fische fangen konnte, aber dies seinen Zahlenvorstellungen wohl nicht entsprechen würde. Ein leicht verdutzter Gesichtsausdruck meines Gegenübers bestätigte meine Annahme. Was soll so etwas ? Ist man nur ein guter Karpfenangler, wenn man eine gewisse Mindestzahl an großen Fischen gefangen hat ? Muss es in Deutschland der 40-er und im Ausland der 50-er sein, um als einigermaßen guter Angler bezeichnet zu werden ? Wir wissen wohl alle, dass es genügend wirklich gute Angler gibt, die noch nie im Ausland gefischt haben und die unter Umständen keine ausgesprochenen „Bigfishgewässer“ vor ihrer Haustür haben und dennoch fast den gesamten Bestand an Fischen in ihrem Gewässer gefangen haben (wo andere Carphunters nicht einen oder nur wenige Fische fingen). Oder nehmen wir doch ein ultrahartes Gewässer wie den Cassien: Der eine fährt z.B. schon zum x-ten mal an dieses Gewässer und kennt den See mittlerweile wie seine Westentasche, hat dort aber noch keinen Fisch über 35 Pfd. gefangen. Der andere kommt zum ersten mal dorthin und fängt schwuppdiwupp einen „Endfuffi“. Es gibt tatsächlich noch Leute, die von vornherein denken, dass der zweite der beiden ein guter Angler und der andere ein mieser Angler ist.

Jeder von uns träumt denke ich von seinem persönlichen Traumfisch (oder von allgemein großen Fischen) und alle reden wir gern darüber (manche weniger und manche mehr). Ein Stück weit auch völlig normal und ein wenig Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Schade ist, dass nur noch wenige die wahren Qualitäten, die einen guten Angler ausmachen zu interessieren scheinen. Wichtig ist der „Endfuffi“ – wie der Angler den Fisch letztendlich behandelt hat, dass derjenige vielleicht in Deutschland jahrelang erfolglos versucht hat, einen 20-er zu fangen und seine Rute von seinem wesentlich Erfahrenären Bekannten auf den Spot gefahren wurde, der den See gut kennt, bekommt man erstens selten mit und wenn, hat es letztendlich doch keine so große Bedeutung für manche. Der „Endfuffi“ setzt sich bei manchen regelrecht in sämtlichen Gehirnwindungen fest und wenn der Fänger dann auch noch wenige Wochen später irgendwo strahlend mit dem Fisch und den Worten „Ich fing ihn auf....blablabla...“ (was natürlich nicht der Wahrheit entspricht) abgebildet ist, scheinen manche regelrecht durchzudrehen.

Sicher kann so etwas super ärgerlich sein, v.a. wenn man sich selbst an einem Gewässer zum x-ten mal den A.... aufgerissen hat. Oft führt dies dann so weit, dass die Betroffenen regelrecht besessen von der Idee sind , auch einen solchen Fisch fangen zu müssen. Einigen wenigen wird das vielleicht gelingen und was ist mit den anderen ? Ein völliges Burnout-Syndrom ist schon vorprogrammiert. Tunnelblickmässig scheinen sie alles um sich herum zu vergessen und manche haben für den einen Fisch (der dann doch nicht kam) wirklich alles aufgegeben. Der größte Witz an der Sache ist, dass diese Angler meist ganz und gar nicht glücklich sind, da zum Leben eben doch noch ein wenig mehr gehört, wie ein paar dicke Fische. Und was ist, wenn es einem gelingt, endlich einen solchen Fisch zu fangen ? Sind diejenigen dann für immer zufrieden und schweben bis zum Ende ihrer Tage auf einer rosa Wolke ? Ich wage es zu bezweifeln. Nach einer bestimmten Phase der Befriedigung kommt das nächste Ziel – vielleicht einen 60-er zu fangen. Gelingt dies, so folgt vielleicht ein Endsechziger und dann ? Gezielt Gewässer befischen, in denen Fische über 70 Pfd. schwimmen ,noch mehr 60-er fangen, auf Waller umsteigen oder das Angeln ganz aufgeben ?

Selbst diese armen Jungs haben irgendwann mal vermutlich auch mit einer Pose und 2 Maiskörnern ihrem ersten Karpfen entgegengefiebert, konnten die Nacht vor dem Angeln nicht schlafen und haben selbst lange Zeit von dem ersten 10, 20 oder 30-Pfünder geträumt. Ganz wenigen Glückspilzen war es vergönnt, solch einen Fisch auf Anhieb zu fangen – ich wollte jedoch nicht mit denjenigen tauschen !

Sind es nicht gerade die Session, bei denen wenig oder gar nichts läuft aus denen wir lernen ? Wie soll man den korrekten Umgang mit einem 30-er lernen, wenn man vorher nicht mal einen 3-Pfünder auf der Matte hatte ?

Gleich am Anfang einen Kracher zu fangen hat einen weiteren Nachteil – die persönliche Steigerung seines Personal best. Wie und wo soll ich (realistisch) noch einen 50-er toppen ?

Ein weiteres, damit zusammenhängendes Phänomen fällt vor allem bei den Neueinsteigern auf. Die meisten von uns haben wohl (oder tun es noch immer) irgendwann einmal auf andere Fischarten gefischt. Viele fanden ihren Weg zum Karpfenfischen durchs Stipp-/Matchfischen. Bei dieser Art der Angelei lernt man wichtige grundlegende Dinge übers Friedfischangeln und viele Aspekte kommen einem beim späteren Fischen auf Karpfen zugute. Einige der Newcomer hatten in ihrem Leben noch nie einen anderen Fisch am Haken als Karpfen.

Ihre Entwicklung ging sozusagen von 0 auf 100. Oft gesponsert von Daddy wurde für mehrere Tausender Tackle vom Feinsten gekauft. Fertigbaits, das richtige Gewässer und los ging es mit der Jagd auf die Monsterkarpfen ! Sie haben nie die spannende Art des Posenfischens kennen gelernt oder des Angelns mit Oberflächenködern. Festblei, Hairrig und Boilie sind das Einzige, was sie kennen. Meist kennen sie sich mit Tackle mehr aus, als irgendein „alter Hase“ unter den Karpfenanglern. Die Werte verschieben sich, bald ist der erste 20-er im Kescher und angesteckt durch die Menge an „Monsterfangmeldungen“ ist dieser bald nichts mehr wert. Ich weiß noch, wie lange ich auf Karpfen fischte, um den ersten 20-er zu fangen. Es war auf jeden Fall ziemlich lange. Das war aber auch gut so ! Ich konnte langsam und kontinuierlich meine eigene Angelei verbessern. Irgendwann kam dann der erste Auslandstrip, dem man Monate vorher schon entgegen fieberte. Auch bei mir ist das alles irgendwie schon routinierter und abgeklärter geworden, die Nächte äußerst selten, bei denen ich vor einem Trip nicht mehr richtig schlafen kann. Dennoch ist die Vorfreude geblieben, nur die früher meist viel zu hoch gesteckten Erwartungen sind etwas realistischer geworden. Heute ist es mir nicht mehr so wichtig, einen „Wahnsinnsmonsterkarpfentrip“ zu erleben – Aspekte wie Erholung, Spaß und Freundschaft stehen jetzt an erster Stelle.

Dabei bin ich auch schon beim nächsten Thema: Freundschaften beim Angeln. Ich weiß nicht ob es früher genauso war, doch habe ich den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, einen richtigen Angelpartner zu finden. Das definiert natürlich jeder anders, doch sind es im Endeffekt immer dieselben wichtigen Punkte, die sich viele von uns wünschen. Die Worte Neid und Missgunst haben bei einer richtigen Freundschaft schon mal gar nichts verloren. Eigentlich selbstverständlich, doch bei weitem nicht immer in der Realität auch vorhanden.

Wie viele Freundschaften sind schon durch das gegenseitige „Nichtgönnenwollen“ von Fischen zerbrochen oder anders gefragt: Waren es dann überhaupt echte Freundschaften ? Ich denke nicht. Gerade bei kostspieligen und aufwendigen Auslandstrips sollte man den Erfolg des Trips meiner Meinung nach als gemeinsamen Erfolg sehen. Schließlich hat man ja die selben Ziele (oder sollte sie zumindest haben), wenn man zu zweit in den Urlaub fährt. Auch erarbeitet man sich die Fische selten allein, sondern mit dem Partner zusammen. Wer dann letztlich den „Biggie“ fängt, ist oft reine Glückssache. Genial ist natürlich, wenn beide ihre erhofften Fische fangen. Leider ist dies nicht immer gewährleistet, aber man kann versuchen, eine gewisse Chancengleichheit zu schaffen. Damit meine ich z.B., dass man sich bei den Bissen abwechselt. Ich höre jetzt schon wieder Sätze wie „ So ein Quatsch, warum soll ich einem anderen meine Rute in die Hand geben ?“ oder „Ich drille lieber mit meinem eigenen Tackle!“ etc. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es der Freund ist ! Manche werden jetzt sagen, dass sie ihren Angelpartner erst seit kurzem kennen und ihm vielleicht nicht genug vertrauen. Ich persönlich gehe nicht mit irgendeinem Unbekannten zum Fischen (weder im In-, noch im Ausland) und schon gar nicht an schwierigen Gewässern, die einen engen Zusammenhalt voraussetzen. Der Zweck des Abwechselns bei Bissen dürfte ja klar sein: Der eine fängt, der andere nicht. Dies ist, wenn es nur phasenweise so geht nicht weiter schlimm, wird aber immer frustrierender, sobald dies längere Zeit so bleibt. Um dieses Ungleichgewicht von vornherein etwas auszugleichen, wechselt man sich einfach bei den Bissen ab. Ich vertraue dem Gerät meines Freundes genauso, wie er meinem. Daher hab ich oder er auch kein Problem damit. Leider praktizieren das nur wenige und wir haben da schon die krassesten Sachen erlebt: Wir fischten an einem See in France. Neben uns fischte ein befreundeter Franzose mit einem Kollegen. Eines Abends schlenderten wir zu dem Franzosen hinüber. Sein Partner lag schon im Zelt und schlief. Während wir uns unterhielten, bekam der bereits Schlafende einige Piepser auf seine Rute. Zu dieser Zeit bissen die Fische an diesem stark befischten Gewässer sehr vorsichtig und meist waren es große Fische, die lediglich einige bleeps machten. Der andere Franzose blieb einfach neben uns stehen und meinte, dass es nicht seine Rute sei und er deswegen auch nicht hinginge. Eine für uns unverständliche Situation. Gehen wir mal davon aus, dass man in einem Gewässer voller Hindernisse fischt: Es zählt jede Sekunde, in der man schneller an den Ruten ist. Der Angler, der den Biss bekommt schläft oder ist gerade mit etwas anderem (z.B. mit einem Spatengang) beschäftigt. Warum sollte man riskieren, den Fisch zu verlieren, nur weil er nicht an der eigenen Rute gebissen hat ? Für mich ein nicht nachvollziehbares Denken !

Thema Internet: Ein Medium, das auch für mich mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. So hat man doch die Möglichkeit, schnellstmöglich an irgendwelche Informationen zu gelangen und sich über unser geliebtes Hobby auszutauschen. Leider hat sich auch hier eine stellenweise bedenkliche Entwicklung ergeben. Am Anfang, als die Foren bzw. Messageboards noch Neuland waren, schien jeder froh über diese Möglichkeit des sich Austauschens und Diskutierens zu sein. Mittlerweile legen einige Leute (geschützt durch ihre Anonymität) eine derart große Arroganz und Dreistigkeit an den Tag, dass es kaum mehr zu ertragen ist. Irgendwelche „Pseudokarpfengötter“ , die teilweise in Wirklichkeit keinerlei Ahnung vom Angeln haben machen sich über Einsteiger ,nicht so erfahrene, aber auch gute Angler lustig und beschimpfen diese teilweise auf die übelste Art und Weise.

Viele User dieser Foren haben nach einigen negativen Erfahrungen deshalb schon aufgegeben und sich von dieser Art des Informationsaustausches distanziert. Auch grassieren im Internet immer häufiger Gerüchte oder üble Sprüche über vor allem bekannte Karpfenangler. Dass dahinter nur der pure Neid steckt, ist ja wohl sonnenklar ! Ich frage mich immer wieder, ob diese Störenfriede, die anderen das Leben unnötig schwer machen eigentlich nichts anderes zu tun haben außer ständig negative Stimmungen zu verursachen.

Dieses Verhalten kann meiner Meinung nach nur auf private Defizite zurückgeführt werden. Bei der Frau zu Hause nichts zu sagen, im Beruf unzufrieden und/oder mit der Angelei klappt es auch nicht so, wie man sich das vorstellt, kurz mal an den PC gesetzt und irgendjemand blöd von der Seite angemacht - muss ein tolles Gefühl sein ! Ich halte solche Situationen für mehr als daneben und die Leidtragenden sind meistens die, die es gar nicht verdient haben. Den Unruhestiftern bleibt noch zu sagen: Seid froh, dass ihr euren Senf und blöden Anmachen anonym loswerden könnt. „Auge in Auge“ mit den Betroffenen sähe es nicht so gut für euch aus !

Ich könnte ewig so fortfahren, möchte euch aber nicht unnötig langweilen. Ich wollte mit meinem Bericht lediglich einige Entwicklungen widerspiegeln, die ich für nicht so positiv halte und manche unter uns etwas zum Nachdenken anregen. Die Natur zu erleben und mit dem Partner eine schöne Zeit zu verbringen, sollte das oberste Ziel sein. Und auch, wenn die Karpfen mal nicht beißen wollen, so muss es nicht zwangsläufig ein beschissener Trip werden. Denkt manchmal einfach mal über „die guten alten Zeiten“ nach und vielleicht wird dann die ganze Angelei etwas angenehmer und man selbst zufriedener.

Der Sturm hat sich verzogen, die Sonne durchbricht mit ihren kräftigen Strahlen die graue Wolkendecke. Die Vögel beginnen zu zwitschern. Ich genieße diese geniale Atmosphäre und lasse mich in meinem Stuhl nieder.

...... Peeeeeeeeeep, ich stürze Richtung Pod, Adrenalin schießt durch meine Adern. Ein Griff und der Anhieb sitzt, die Rute biegt sich zum Halbkreis. Mein Puls rast, das Herz schlägt mir bis zum Hals.

Was für ein traumhaftes Hobby...

 

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