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von Thorsten Löw |
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Der
Regen prasselt seit Stunden über meinem Kopf auf den kleinen Schirm. Immer
wieder lassen kleinere Windböen die Etwas später werde ich durch ein Geräusch geweckt. Nein, es ist kein Run, sondern ein seltsames nagendes Geräusch ganz in meiner Nähe. Ich öffne die Augen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Kaum einen Meter von mir weg sitzt eine kleine Feldmaus am Stoffsack mit den Boilies und hält, leicht aufgerichtet ein, im Vergleich zu dem winzigen Tier, riesengroßes, rotes Erdbeerboilie (eines meiner ersten Selbstgerollten ) zwischen ihren kleinen Händen. Mit großen Augen schaut sie mich an, um im nächsten Moment irgendwo mitsamt ihrer Beute in einem Loch zu verschwinden. „Klasse“, denk ich mir, „hast das Zelt auch noch genau über einem Mauseloch aufgebaut.“
Bei unserem ersten Trip an dieses Gewässer, bei dem wir eigentlich nur zum Stippen herkamen, fing ich zwei „Monsterkarpfen“ mit 9 und 14,5 Pfd. (mein erster über 10 Pfd.). Wir lernten dabei zwei Hunters aus Bayern kennen, die vom Tackle her schon wesentlich weiter waren wie wir. Manches an ihrer Ausrüstung verstanden wir jedoch nicht so ganz. So hatten sie z.B. schon die „richtigen“ Monkeyclimbers. Allerdings waren die Körper nicht unten auf der Stange, sondern befanden sich (auch noch mit allen drei Körpern zusammengesteckt) ganz oben an den Ruten. Wir schauten uns ungläubig an und konnten nicht verstehen, wie man so fischen kann: Das war ja ein riesen Widerstand für den Karpfen! Außerdem waren die Bremsen (bzw. schon Baitrunner) im Vergleich zu unseren relativ stark eingestellt. Zu allem Überfluss fischten die beiden auch noch mit Festblei und 80 g schweren Bleien – der pure Wahnsinn ! Trotz Tarnklamotten und etlichen bunten Stickern sämtlicher Tacklefirmen, Freilaufrollen, echten Pods und Armalites der beiden konnten wir nicht so recht an gute Angelqualitäten glauben, fischten sie doch viel zu grob für die schlauen und vorsichtigen Karpfen. Zeitsprung, ca. 15 Jahre später: Es stürmt, draußen herrscht Weltuntergangsstimmung. Windstärke 6-7 (in Böen auch stärker), der Himmel grau in Grau und immer wieder heftige Regenschauer. Ich sitze bequem in meinem Carpstuhl, eine Tasse Capuccino in der linken und die Zigarette in der rechten Hand. Im Hintergrund säuselt das Radio mit einer soften Ballade. Ich schaue aus meinem Dome auf meine Ruten. Verschwunden sind die selbstgebauten Affenkletterer. Stattdessen hängen jetzt drei bunte Swinger in meinen Schnüren unter den teuren 13 ft. Karpfenruten. Die verbogenen Banksticks sind mittlerweile durch ein Rod pod aus feinstem VA-Stahl ausgetauscht und auf den (ebenfalls aus Edelstahl) Buzzer bars befinden sich keine „Stukkas“ mehr, sondern formschöne englische (und v.a. wasserdichte !) Modelle. Die Rollen hätte ich von der Größe her vor einigen Jahren nur bei Brandungsanglern vermutet und die Endmontage besteht aus einem 120g Ballbomb als Festblei montiert (also richtig viel Widerstand !). Wenn ich mir so meine Ausrüstung anschaue, wird mir immer wieder klar, warum dies mein einziges wahres Hobby ist. Ich möchte in diesem Bericht nicht als Moralapostel mit erhobenem Zeigefinger verstanden werden, sondern lediglich auf einige teilweise negative Entwicklungen hinweisen (von denen ich mich selbst nicht absolut ausnehme) und vielleicht einige zum Nachdenken anregen. Im Laufe der Jahre haben sich sehr viele Dinge verändert, leider nicht immer zum Positiven! Wurde man vor 15 Jahren noch um seine Ausrüstung beneidet (und v.a. vom Otto-Normalangler oft als „Ding aus einer anderen Welt“ betrachtet), so ist vieles der heutigen Ausrüstung schon normal geworden. Selbst ausgesprochene „Sonntags-/Schönwetterangler“ haben teilweise ihre alten Teleruten schon gegen bessere Steckruten eingetauscht und das „komische Gestell“, auf dem die Ruten liegen, ist mittlerweile nicht mehr nur bei den Karpfenanglern zu sehen. Diese Entwicklung ist nicht unbedingt negativ, doch geht es v.a. in „Carphunterkreisen“ stellenweise schon so heftig ab, dass man regelrecht belächelt wird, wenn man noch eine Rute oder Rolle fischt, die nicht auf dem neusten Stand der Technik oder aus dem neuen, ultrateuren XY-Material ist.
Ohne Zweifel stellt eine teure Ausrüstung auch meist eine hohe Qualität dar, würde ich aber z.B. meinen Vater, der jahrelang Extremtouren auf der ganzen Welt zu fuß oder auf Langlaufskiern gemacht hat fragen, wie er die Preise des „Carptackles“ im Vergleich zu den guten Outdoorprodukten beurteilt, würde ich als erstes ein müdes Lächeln als Antwort bekommen. Natürlich erleichtert eine gute Ausrüstung enorm unser Hobby und macht es auch wesentlich angenehmer, nur kann es nicht Sinn und Zweck sein, ständig neues Tackle zu kaufen, nur um „trendy“ und „hipp“ zu bleiben. „Interessiert mich doch nicht, was manche über mein Tackle denken oder nicht !“, werden einige von euch sagen. Klar, der Meinung bin ich auch, doch nicht jeder hat soviel Selbstbewusstsein, sich nicht von irgendwelchen „Spinnern“ beeinflussen und verrückt machen zu lassen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Mr.Pseudo-Perfect mit seinen neusten High End Weitwurfruten und durchschnittlicher Wurfbegabung gegenüber einem wahren „Wurfgott“ mit einer alten XY-Rute ganz schön alt aussieht. Auch ist es nicht zwingend notwendig, seinen Schriftzug in Altdeutsch und nachts fluoreszierend und am besten blinkender Schrift auf der Rute zu haben. Da geht der Tacklefetisch meiner Meinung nach viel zu weit und dient häufig nur dem Aufpolieren des wie auch immer angekratzten Egos. Ähnliches gilt für die Entwicklung
bei den Fischgewichten. Ein häufig diskutiertes Thema und doch haben
Einige unter uns überhaupt nichts verstanden. Erst kürzlich hatte ich ein
nettes Gespräch mit einem Karpfenangler, den ich am Gewässer traf. Wir
kannten uns vorher nicht und so redeten wir einige Zeit über Gott und die
Welt. Nach einer Weile kamen wir aufs Thema Frankreich zu sprechen.
Nachdem ich ihm erzählt hatte, dass ich häufiger im Ausland fische, kam
prompt die Bemerkung, dass ich dann ja wohl schon viele 30-er und 40-er
haben müsste. Ich war im ersten Moment echt sprachlos, weil ich wieder
deutlich merkte, auf was sich bei manchen Anglern das komplette Denken zu
reduzieren scheint. Ich gab ihm Jeder von uns träumt denke ich von seinem persönlichen Traumfisch (oder von allgemein großen Fischen) und alle reden wir gern darüber (manche weniger und manche mehr). Ein Stück weit auch völlig normal und ein wenig Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Schade ist, dass nur noch wenige die wahren Qualitäten, die einen guten Angler ausmachen zu interessieren scheinen. Wichtig ist der „Endfuffi“ – wie der Angler den Fisch letztendlich behandelt hat, dass derjenige vielleicht in Deutschland jahrelang erfolglos versucht hat, einen 20-er zu fangen und seine Rute von seinem wesentlich Erfahrenären Bekannten auf den Spot gefahren wurde, der den See gut kennt, bekommt man erstens selten mit und wenn, hat es letztendlich doch keine so große Bedeutung für manche. Der „Endfuffi“ setzt sich bei manchen regelrecht in sämtlichen Gehirnwindungen fest und wenn der Fänger dann auch noch wenige Wochen später irgendwo strahlend mit dem Fisch und den Worten „Ich fing ihn auf....blablabla...“ (was natürlich nicht der Wahrheit entspricht) abgebildet ist, scheinen manche regelrecht durchzudrehen. Sicher kann so etwas super ärgerlich sein, v.a. wenn man sich selbst an einem Gewässer zum x-ten mal den A.... aufgerissen hat. Oft führt dies dann so weit, dass die Betroffenen regelrecht besessen von der Idee sind , auch einen solchen Fisch fangen zu müssen. Einigen wenigen wird das vielleicht gelingen und was ist mit den anderen ? Ein völliges Burnout-Syndrom ist schon vorprogrammiert. Tunnelblickmässig scheinen sie alles um sich herum zu vergessen und manche haben für den einen Fisch (der dann doch nicht kam) wirklich alles aufgegeben. Der größte Witz an der Sache ist, dass diese Angler meist ganz und gar nicht glücklich sind, da zum Leben eben doch noch ein wenig mehr gehört, wie ein paar dicke Fische. Und was ist, wenn es einem gelingt, endlich einen solchen Fisch zu fangen ? Sind diejenigen dann für immer zufrieden und schweben bis zum Ende ihrer Tage auf einer rosa Wolke ? Ich wage es zu bezweifeln. Nach einer bestimmten Phase der Befriedigung kommt das nächste Ziel – vielleicht einen 60-er zu fangen. Gelingt dies, so folgt vielleicht ein Endsechziger und dann ? Gezielt Gewässer befischen, in denen Fische über 70 Pfd. schwimmen ,noch mehr 60-er fangen, auf Waller umsteigen oder das Angeln ganz aufgeben ? Selbst diese armen Jungs haben irgendwann mal vermutlich auch mit einer Pose und 2 Maiskörnern ihrem ersten Karpfen entgegengefiebert, konnten die Nacht vor dem Angeln nicht schlafen und haben selbst lange Zeit von dem ersten 10, 20 oder 30-Pfünder geträumt. Ganz wenigen Glückspilzen war es vergönnt, solch einen Fisch auf Anhieb zu fangen – ich wollte jedoch nicht mit denjenigen tauschen ! Sind es nicht gerade die Session, bei denen wenig oder gar nichts läuft aus denen wir lernen ? Wie soll man den korrekten Umgang mit einem 30-er lernen, wenn man vorher nicht mal einen 3-Pfünder auf der Matte hatte ?
Gleich am Anfang einen Kracher zu fangen hat einen weiteren Nachteil – die persönliche Steigerung seines Personal best. Wie und wo soll ich (realistisch) noch einen 50-er toppen ? Ein weiteres, damit zusammenhängendes Phänomen fällt vor allem bei den Neueinsteigern auf. Die meisten von uns haben wohl (oder tun es noch immer) irgendwann einmal auf andere Fischarten gefischt. Viele fanden ihren Weg zum Karpfenfischen durchs Stipp-/Matchfischen. Bei dieser Art der Angelei lernt man wichtige grundlegende Dinge übers Friedfischangeln und viele Aspekte kommen einem beim späteren Fischen auf Karpfen zugute. Einige der Newcomer hatten in ihrem Leben noch nie einen anderen Fisch am Haken als Karpfen. Ihre Entwicklung ging sozusagen von 0 auf 100. Oft gesponsert von Daddy wurde für mehrere Tausender Tackle vom Feinsten gekauft. Fertigbaits, das richtige Gewässer und los ging es mit der Jagd auf die Monsterkarpfen ! Sie haben nie die spannende Art des Posenfischens kennen gelernt oder des Angelns mit Oberflächenködern. Festblei, Hairrig und Boilie sind das Einzige, was sie kennen. Meist kennen sie sich mit Tackle mehr aus, als irgendein „alter Hase“ unter den Karpfenanglern. Die Werte verschieben sich, bald ist der erste 20-er im Kescher und angesteckt durch die Menge an „Monsterfangmeldungen“ ist dieser bald nichts mehr wert. Ich weiß noch, wie lange ich auf Karpfen fischte, um den ersten 20-er zu fangen. Es war auf jeden Fall ziemlich lange. Das war aber auch gut so ! Ich konnte langsam und kontinuierlich meine eigene Angelei verbessern. Irgendwann kam dann der erste Auslandstrip, dem man Monate vorher schon entgegen fieberte. Auch bei mir ist das alles irgendwie schon routinierter und abgeklärter geworden, die Nächte äußerst selten, bei denen ich vor einem Trip nicht mehr richtig schlafen kann. Dennoch ist die Vorfreude geblieben, nur die früher meist viel zu hoch gesteckten Erwartungen sind etwas realistischer geworden. Heute ist es mir nicht mehr so wichtig, einen „Wahnsinnsmonsterkarpfentrip“ zu erleben – Aspekte wie Erholung, Spaß und Freundschaft stehen jetzt an erster Stelle. Dabei bin ich auch schon beim nächsten Thema: Freundschaften beim Angeln. Ich weiß nicht ob es früher genauso war, doch habe ich den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, einen richtigen Angelpartner zu finden. Das definiert natürlich jeder anders, doch sind es im Endeffekt immer dieselben wichtigen Punkte, die sich viele von uns wünschen. Die Worte Neid und Missgunst haben bei einer richtigen Freundschaft schon mal gar nichts verloren. Eigentlich selbstverständlich, doch bei weitem nicht immer in der Realität auch vorhanden. Wie viele Freundschaften sind schon
durch das gegenseitige „Nichtgönnenwollen“ von Fischen zerbrochen oder
anders gefragt: Waren es dann überhaupt echte Freundschaften ? Ich denke
nicht. Gerade bei kostspieligen und aufwendigen Auslandstrips sollte man
den Erfolg des Trips meiner Meinung na Thema Internet: Ein Medium, das auch für mich mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. So hat man doch die Möglichkeit, schnellstmöglich an irgendwelche Informationen zu gelangen und sich über unser geliebtes Hobby auszutauschen. Leider hat sich auch hier eine stellenweise bedenkliche Entwicklung ergeben. Am Anfang, als die Foren bzw. Messageboards noch Neuland waren, schien jeder froh über diese Möglichkeit des sich Austauschens und Diskutierens zu sein. Mittlerweile legen einige Leute (geschützt durch ihre Anonymität) eine derart große Arroganz und Dreistigkeit an den Tag, dass es kaum mehr zu ertragen ist. Irgendwelche „Pseudokarpfengötter“ , die teilweise in Wirklichkeit keinerlei Ahnung vom Angeln haben machen sich über Einsteiger ,nicht so erfahrene, aber auch gute Angler lustig und beschimpfen diese teilweise auf die übelste Art und Weise. Viele User dieser Foren haben nach einigen negativen Erfahrungen deshalb schon aufgegeben und sich von dieser Art des Informationsaustausches distanziert. Auch grassieren im Internet immer häufiger Gerüchte oder üble Sprüche über vor allem bekannte Karpfenangler. Dass dahinter nur der pure Neid steckt, ist ja wohl sonnenklar ! Ich frage mich immer wieder, ob diese Störenfriede, die anderen das Leben unnötig schwer machen eigentlich nichts anderes zu tun haben außer ständig negative Stimmungen zu verursachen. Dieses Verhalten kann meiner Meinung nach nur auf private Defizite zurückgeführt werden. Bei der Frau zu Hause nichts zu sagen, im Beruf unzufrieden und/oder mit der Angelei klappt es auch nicht so, wie man sich das vorstellt, kurz mal an den PC gesetzt und irgendjemand blöd von der Seite angemacht - muss ein tolles Gefühl sein ! Ich halte solche Situationen für mehr als daneben und die Leidtragenden sind meistens die, die es gar nicht verdient haben. Den Unruhestiftern bleibt noch zu sagen: Seid froh, dass ihr euren Senf und blöden Anmachen anonym loswerden könnt. „Auge in Auge“ mit den Betroffenen sähe es nicht so gut für euch aus ! Ich könnte ewig so fortfahren, möchte euch aber nicht unnötig langweilen. Ich wollte mit meinem Bericht lediglich einige Entwicklungen widerspiegeln, die ich für nicht so positiv halte und manche unter uns etwas zum Nachdenken anregen. Die Natur zu erleben und mit dem Partner eine schöne Zeit zu verbringen, sollte das oberste Ziel sein. Und auch, wenn die Karpfen mal nicht beißen wollen, so muss es nicht zwangsläufig ein beschissener Trip werden. Denkt manchmal einfach mal über „die guten alten Zeiten“ nach und vielleicht wird dann die ganze Angelei etwas angenehmer und man selbst zufriedener. Der Sturm hat sich verzogen, die Sonne durchbricht mit ihren kräftigen Strahlen die graue Wolkendecke. Die Vögel beginnen zu zwitschern. Ich genieße diese geniale Atmosphäre und lasse mich in meinem Stuhl nieder. „ ...... Peeeeeeeeeep“, ich stürze Richtung Pod, Adrenalin schießt durch meine Adern. Ein Griff und der Anhieb sitzt, die Rute biegt sich zum Halbkreis. Mein Puls rast, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Was für ein traumhaftes Hobby...
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