Zuerst möchte ich einige grundlegende Dinge zum Thema Gewässerbericht sagen. Leider scheint es in Deutschlands Karpfenanglerszene eine Mode zu sein, ja kein Gewässer zu verraten: Es könnten schließlich vandalisch veranlagte Karpfenanglerbanden am beschriebenen Gewässer auftauchen. Das halte ich schon mal grundsätzlich für Humbuk. Ja, schwarze Schafe gibt es überall, trotzdem denke ich, dass jeder der von sich sagt, ich bin ein Karpfenangler, sich auch so verhalten sollte, und dann dürfte es auch keine Probleme geben. Des weiteren kommt doch sonst auch alles gute aus England. Nur im Punkt Gewässerbericht vergessen wir gern, dass in England jeder große Fisch nicht nur namentlich bekannt ist, sondern jeder Angler auch noch seine Anschrift kennt. Letztendlich noch ein kleines Rechenbeispiel: Wenn jeder deutsche Karpfenangler ein Gewässer empfiehlt, wie viel Karpfenangler dürften dann durchschnittlich an jedem Gewässer sitzen. Na, merkt ihr was: Erst die Empfehlungen schützen uns vor großem Andrang am Geheimtipp! Um zu beweisen wie ernst es mir ist, möchte ich meinen ersten Bericht über meinen Heimatverein verfassen. Der Breitenauer See liegt in der Nähe von Heilbronn und gehört zur Gemeinde Obersulm. Das Gewässer hat eine Wasserfläche von ca. 34 ha. Der See wird als Hochwasserrückhaltebecken genutzt und muss aus diesem Grund alle 10 bis 15 Jahre abgelassen werden. Was das bedeutet dürfte ja wohl klar sein: Der Hauptbestand der Fische hat immer nur 10 Jahre Zeit zum Abwachsen. Das ist natürlich ein gewisser Nachteil. Allerdings wird der See regelmäßig ausgesprochen gut besetzt. Dadurch ergibt sich ein gewaltig hoher Anteil von Fischen bis 15 Pfund und ein auch nicht sehr geringer Anteil von Fischen bis 20 Pfund. Von Fischen über 20 Pfund wird gemunkelt, jedoch konnte weder ich, noch mein nicht ganz unbekannter Vereinskamerad Thorsten Löw je einen solchen Fisch fangen oder betrachten. Okay, alle Karpfenangler die nach einem Gewässer suchen, welches kapitale Fische beinhaltet können jetzt weiter blättern. Allerdings sollte man bedenken, dass der Vorteil des Gewässers ein nahezu garantierter Biss ist und zwar unabhängig vom Faktor Zeit. Ich nutze den Breitenauer See gern, um nach der Arbeit noch drei Stunden ans Wasser zu gehen und ich fange immer meinen Fisch, egal ob ich angefüttert habe oder nicht. In einer längeren Session sind gut und gern mal zehn Bisse möglich, selbst wenn man in der Nacht nicht fischt.
Lange Rede kurzer Sinn: Wer darauf aus ist ein paar schöne Drills zu erleben, unabhängig von der Größe der Fische, der ist an diesem See genau richtig. Die
besten Stellen:
Ich persönlich fische direkt gegenüber vom
Behindertensteg. Hier gibt es ein Krautfeld, das ungefähr 70 Meter in den
See reicht. Direkt dahinter ist sandiger Grund. Es scheint so zu sein,
dass die Fische aus dem tiefern Teil des Sees regelmäßig in die
Flachwasserzone ziehen und an diesem Krautfeld halt machen. Ich habe an
dieser Stelle fast 90 % all meiner Fische gefan Direkt am Ufer wird es hier rasch tiefer und steigt dann wieder an. In dieser ufernahen Rinne werden sehr viele kleine Karpfen gefangen. Versucht man es weiter draußen, so um die 50 Meter kann man auch größere Exemplare erwischen. Thorsten hat hier seinen Seerekord von 19 Pfund gefangen, außerdem konnte er hier den 18-Pfünder fangen, mit dem ich vorher in der Flachwasserzone Bekanntschaft gemacht hatte. In der Nähe des Laichschutzgebietes gibt es nur wenige Angelstellen, allerdings lohnt sich hier ein Ansitz auf jeden Fall. Fische bis 17 Pfund konnten wir hier überlisten. Hier verläuft in Ufernähe ein altes Bachbett. Dieses sollte man überwerfen, denn das hat sich als am ergiebigsten erwiesen. Ein Gebiet, welches ich gerade teste ist der Bereich am Damm. Hier sind die tiefsten Stellen des Sees. Meine Hoffnung ist, dass sich hier vielleicht die wenigen Fische von über 20 Pfund aufhalten. Bisher kann ich diese Hoffnung jedoch nicht bestätigen. Trotzdem fängt man im Breitenauer See auf 10 Metern Tiefe genauso gut, wie auf 2 Metern. Erfolgversprechend ist auch die Badebucht. Hier fällt der Untergrund sehr sanft ab und besteht aus Sand. Natürlich muss man auf den Badebetrieb Rücksicht nehmen, wodurch ein effektives Fischen etwas eingeschränkt ist.
Köder: Ich muss natürlich zugeben, dass man mit fast jedem Boilie Erfolg haben kann, aber mit dem richtigen Knödel ist man eben auf der sicheren Seite. Auf jeden Fall habe ich festgestellt, dass fischige Boilies definitiv besser laufen, als fruchtige.
Nötige Hinweise: Das Nachtfischen ist verboten. Hier muss man ausgesprochen vorsichtig sein. Streckenweise scheint es mir eine Form von Neid zu sein, dass man sogar von Vereinskollegen verpfiffen wird. Ich halte es inzwischen so, dass ich zwischen 1.00 Uhr und 4.00 Uhr die Ruten aus dem Wasser nehme. Eigentlich ist auch das Verbleiben am Wasser verboten, aber auch hierbei habe ich noch keine Probleme gehabt. Es gibt ausschließlich Tageskarten zu kaufen. Ein Tag kostet 13,- Euro. Die Karten erhält man am Campingplatz. Der Breitenauer See ist ein Naherholungsgebiet. Das heißt wir teilen uns das Gewässer mit Tauchern, Seglern, Bootsfahrern, Badegästen, Joggern, Radfahrern und Spaziergängern. Wer sich mit all diesen Umständen abfinden kann, wird sich an meinem Heimatvereinsgewässer sehr wohl fühlen. Die Fische sind ausnahmslos in einem hervorragenden Gesundheitszustand und bieten für ihre durchschnittliche Größe wirklich fabelhafte Drills. Selbstverständlich reise auch ich sehr gern zu anderen Gewässern, um mich mit kapitaleren Karpfen messen zu können, aber missen möchte ich den Breitenauer See nicht und darum kann ich euch dieses Gewässer einfach nur empfehlen. Für die unter uns, die auch mal anderen Schuppenträgern nachstellen wollen, sei noch gesagt, dass der Breitenauer See kapitale Hechte, schöne Zander, durchschnittliche Schleien und viele halbstarke Waller beinhaltet. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass ein gezieltes Wallerfischen für so manche Überraschung sorgen würde.
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