von Detlef Leither

Der April 2003 brachte langsam aber sicher etwas besseres Wetter, doch leider wollten die Fische in meiner Region noch nicht so richtig beißen. Da die Seen, an denen ich fische recht tief sind und sich sehr langsam erwärmen. Das heißt, dass ich fast nur an Gewässern angle, an denen es etwas später los geht , zum einen, da an meinem Stammgewässer dem Main fast immer im Frühjahr Hochwasser ist und die Seen die ich befische, sind keine Frühjahrsgewässer, leider! Deshalb war ich mitten in der Vorbereitung für eine 1-wöchentliche Session, es sollte wieder einmal Richtung „Borna“ gehen. Da es mir die Gewässer in dieser Region angetan haben und ich auch mittlerweile gute Freunde dort gewonnen habe, fahre ich gerne dort in diese Gegend. Außerdem kenne ich mich mittlerweile auch ganz gut aus; dass ich dort nicht den Deutschen Rekord brechen kann, das weiß ich natürlich auch, aber was sind schon Rekorde im Verhältnis dieser schönen natur belassenen Gewässer. Industrie gibt es nicht mehr so viel in dieser Gegend, deshalb holt sich die Natur Stück für Stück das Land zurück und verwildert immer mehr. Das merke Ich jedes Jahr auf´s Neue, wenn ich zurückkehre! Der Tag der Anreise war gekommen und ich konnte die Fahrt staufrei bewältigen! Der Treffpunkt war wieder einmal der MC Donald in Borna.

Nach der Begrüßung fuhren wir erst einmal zu meinem Bekannten nach Hause um einen Kaffee zu trinken und ein Smaltalk über das Gewässer an dem wir Fischen wollten, zu halten. Um 15Uhr nahm ich den See das erste Mal in Augenschein, ich muss schon zugeben, dass ich etwas überrascht war, der See war ungefähr zur Hälfte mit Schilf bewachsen und der Wind, der zur Zeit sehr heftig war, blies mit voller Kraft gegen das Ufer wo wir unser Camp aufbauen wollten. Mit dem Boot von Ben war  es fast unmöglich, bei diesem Wellengang die Marker zu setzen. Doch gegen Abend um 20Uhr ließ der Wind etwas nach, so dass wir noch unsere Hot Spots markieren konnten. Für die erste Nach fütterten wir Partikel und ein paar Boilies. Nachdem die Fallen alle im Wasser waren, konnten wir zum gemütlichen Teil übergehen, dass heißt, für´s erste Schlafen bis zum abwinken! Wir fischten in 2m und in 2,8m Wassertiefe.

Ben hat um 3Uhr einen Vollrun, nach kurzem Drill konnte Ich ihm einen Spiegler von 15Pf keschern. Bei mir rast die rechte Rute um 5Uhr ab. Dieser Drill dauerte etwas länger, weil der Fisch sich in meiner Leuchtboje verheddert hatte. Ich  zog den Fisch und den Marker zusammen ans Ufer, so dass ich diesen keschern konnte. Es war ebenfalls ein Spiegler von knapp 20Pf. Das war es für die erste Nacht. Der Montagmorgen brachte uns keinen Fisch mehr, dafür wurde der Wind wieder stärker, so dass wir uns erstmal hinlegten und 2 Stunden schliefen und genau das war unser Fehler!

Dazu später mehr!
Gegen 17Uhr ließ der Wind wieder nach, so dass wir unsere Fallen neu bestückten und noch- mal Partikel und Boilies nachfütterten. Die Nacht zum Dienstag war windstill, außerdem hatten wir keinen Biss, dass uns noch nicht beunruhigte!

Der Dienstagmorgen war wieder stürmisch und zu unserem Glück kam auch noch ein starker Regen hinzu, trotzdem beschloss ich, die Rute in 2m Tiefe zu versetzen. Ich musste ca. 140m weit raus bis ich eine Kante mit dem Echolot fand, die auf 3.5m ging und genau da setzte ich meinen Marker. Etwas Futter hinzu und gleich die Rute abgelegt auf den Spot, die ich im Boot dabei hatte. Beim zurückrudern stellte ich fest, dass der Berufsfischer ziemlich aktiv war! Erst war er rechts von uns, dann links von uns, in einer Entfernung von ca. 350m. Wenn die Nacht zum Mittwoch wieder ohne Aktion ist, wollten wir umziehen. Genau das trat ein! Der Mittwoch war zwar wettermäßig besser, kaum Wind, aber die Fische bissen trotzdem nicht.

Mittlerweile wissen wir auch, dass wir überhaupt keine Chance hatten einen Fisch zu fangen, da der blöde Fischer von Deutzen den gesamten Bereich des Sees mit Netzen abgespannt hat. Wir glauben, dass er mitbekommen hat, dass wir Karpfen gefangen haben, denn in der ersten Nacht waren die Netze auf keinen Fall da, so mussten wir uns nicht wundern, das die Bisse ausblieben! Bevor wir uns ans umziehen machten konnte ich beobachten, wie der Berufsfischer ca. 10 Karpfen zwischen 10-25Pf aus seinen Netzen holt und sie alle schlachtete, außerdem killte er noch Barsche, Brachsen, Silberkarpfen und Zander, die noch Schonzeit hatten. Ich weiß nicht, ob der Berufsfischer von den Schonzeiten der Zander befreit ist?

Hätte ich meine Angelkarte nicht beim Fischer selbst gekauft, würde ich mich nicht einmal aufregen! Aber da es so war, muss ich noch hinzufügen: Ich finde, dass es eine absolute Frechheit ist was die „Herren Fischer“ mit uns gemacht haben, außerdem kostet die Wochenkarte 52€; mehr möchte ich über dieses Hirni nicht schreiben, der ist wohl total geldgeil, oder? Wir zogen mit unserem gesamten Gerödel zum Pumpenhaus das auf der rechten Seite von unserem alten Angelplatz liegt, im tiefen Bereich des Sees und hofften, dass dort keine Netze sind.

Um 19Uhr waren wir mit dem neuen Camp fertig und die Ruten lagen auch wieder im Wasser, so dass wir guter Hoffnung waren. Die Nacht war ruhig, bis auf ein paar Weißfische, die unseren Ködern nicht widerstehen konnten. Der Donnerstag war ohne Fisch, doch der Sturm kam mit voller Macht auf unser Ufer zurück. Nachdem wir unsere Zelte gut verzurrt hatten, überstanden wir auch die nächste Nacht. Der Freitag sollte unser letzter Tag sein, falls wieder keine Fische zu uns in den Kescher fanden, wollten wir die Session abbrechen und einen anderen See befischen. Das ist aber eine andere Geschichte, die ich ein anderes Mal schreiben werde. Die Fische wollten nicht mehr beißen oder der Fischer hat den See leer gefischt, was wir nicht glauben!

So packten wir unser Tackle zusammen und ich trat die Heimreise an, mit etwas Wut im Bauch über diesen Berufsfischer! Mittlerweile habe ich erfahren, dass die Pacht für den Berufsfischer ausläuft und er alles aus diesem Gewässer rausfängt, was er bekommen kann.

Das ist meiner Meinung nach trotzdem kein Grund uns erst Geld abzunehmen für die Angelkarte und dann den See mit Netzen zuzustellen, so dass wir keine Chance hatten einen Fisch zu fangen.

Detlef Leither
 

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