Endlich vier Tage am Stück frei, da wollte ich an einen See im Leipziger Raum fahren, genauer gesagt,  an den Stausee Rötha. Erstens ist der See von mir aus nicht so weit weg und zweitens habe ich an diesem Gewässer immer ganz ordentlich gefangen, da meine Zeit sehr begrenzt ist, ist dieser See für mich die erste Wahl!

Der See hat eine Größe von  ca. 80ha. und er ist sehr flach, der Wasserstand ist nur maximal 2m tief und da das Gewässer als Hochwasserauffangbecken der Pleiße dient, ist es sehr verschlammt. Dieses Gewässer befische ich schon über mehrere Jahre, meistens habe ich 2-3 Wochen im Jahr dort verbracht und es gab keinerlei Probleme, weder mit der Fischereibehörde, noch mit der Staudammmeisterei.

Ich befischte ausschließlich eine Uferseite des Sees, da die anderen Seiten mit einem geteerten Radweg umbaut wurden und dieser Weg verläuft direkt am Seeufer. Der Weg wird, wenn schönes Wetter ist, sehr stark benutzt und dadurch hat man keinerlei Ruhe, wenn man diese Uferteilstücke befischt. Zu meinem bedauern stellte ich bei der Ankunft am See fest, dass alle Wege, die an das besagte ruhige Ufer führten, zugebaut wurden. Sogar zwei kleinere Brücken die zum Damm führten wurden abgerissen, nur weil ein paar Angler die dort fischten, der Staudammmeisterei ein Dorn im Auge waren!

Die Herren von der Staudammmeisterei konnten nämlich mit dem Auto die Angelplätze sehr schlecht kontrollieren, ich glaube dies war der Hauptgrund. Nun gut, ich war nun mal hier, also entschloss ich mich, den See zu Fuß zu erkunden, um doch noch eine Stelle zu finden von der aus ich Fischen kann. Die Uferseite war für mich nicht mehr befischbar, denn ich hätte mein gesamtes Gerödel ca. 800m weit mit meinem  Trolly fahren müssen, außerdem habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich mein Tackle alleine im Gelände stehen lassen muss, da das Gelände nicht gut einsehbar ist. Leider ist die Benutzung von Booten an diesem Gewässer verboten, sodass ich auch nicht mit dem Schlauchboot übersetzen kann.

Das Wetter wurde immer schlechter, was sollte ich tun, heimfahren oder was? Ich entschied mich für eines der belebteren Ufer in Augenschein zu nehmen, um doch noch zu Fischen. Auf der Waldseite fand ich einen Platz, der vom Radweg etwas weiter weg war, ca. 10m. Ich baute zuerst mein Zelt auf, denn ich hörte es schon Donnern, der Wind war sehr stark, aber Auflandig, was an diesem See sehr gut ist. Vom Auto bis zum Camp waren es nur ca. 100m, deshalb war ich auch schnell fertig, doch ich hatte wieder mal viel zu viel dabei, was mir ein anderer Angler, an dem ich mit meinem Tackle vorbei laufen musste, bestätigte.

Nachdem fast mein gesamtes Zeug im Zelt verstaut war, fing es mal so richtig an zu kübeln, aber da der Wind sehr stark war, hielt es nicht so lange an und ich konnte weiter machen. Doch der Wind brachte andauernd neue Regenwolken, die zum Teil sehr starken Regen brachten, was mich aber wiederum nicht abhält mir 2 Stellen zu suchen. Da ich das Gewässer kenne brauche ich nicht so lange um ein paar Hotspots zu finden, die ich wiederum mit Partikel und Boilies präpariere. Um 21Uhr sind meine Fangeisen im Wasser, es kann beginnen!

Das Wetter ist die ganze Nacht gleich geblieben, starker Wind und sehr heftige Regenschauer, was zur Folge hatte, dass die Außentemperatur um 15°C zum Vortag gefallen ist. Die Nacht war natürlich ohne Aktion, was mir persönlich bei diesem Sauwetter auch recht war. Um 6Uhr bestücke ich meine Ruten neu und füttere ein paar Boilies nach, danach lege ich mich wieder hin, da die Nacht sehr unruhig, bedingt durch das Wetter, war. 

Um 10Uhr werde ich geweckt, leider nicht von einem kreischenden Bissanzeiger, sondern von einem Arbeiter der Staudammmeisterei Rötha. Er belehrte mich sogleich, dass ich mit einem Boot den See nicht befahren darf, obwohl mein Boot noch nicht einmal aufgebaut war und das mein Zelt hier laut neuer Verordnung, nicht mehr stehen darf. Er sagte mir, dass ab Mai in diesem Jahr nur noch ein Wetterschutz in Form eines Schirmes erlaubt sei.

Nach 10 Minütiger Verhandlung sagte er zu mir, dass er ein Protokoll schreibt und dass ich in Kenntnis gesetzt wurde und dass das Zelt abgebaut werden muss. Bevor der Arbeiter ins Auto stieg sagte er mit einem Grinsen im Gesicht, dass ich das Zelt ja immer kurz bevor es Dunkel wird wieder auf bauen kann, dann verschwand er wieder, was auch besser für ihn war!

Ich überlegte was soll ich tun? Der Regen der mittlerweile wieder angefangen hatte machte mir die Entscheidung etwas leichter, ich blieb erst mal wo ich war. Es regnete den ganzen Tag, sodass ich nicht befürchten musste, dass wieder einer von der Staudammmeisterei vorbeikommen könnte. Der Wind wurde immer stärker, sodass ich langsam aber sicher ein ungutes Gefühl hatte, da ich ja unter Bäumen saß, die zum Teil nicht gerade einen sehr stabilen Eindruck auf mich machten.

Um 22Uhr im strömenden Regen pfeift meine Rute ab, nach kurzem Drill kann ich den ersten Fisch von 20,3PF in dieser Session fangen. Der nächste Vollrun kommt um 23.45Uhr, wieder ein Spiegler, doch etwas größer 24,3PF, mittlerweile hat der Regen etwas nachgelassen. Ich schlafe wieder ein, doch um 3.10Uhr spielt mein Bissanzeiger erneut meine Lieblings- melodie, natürlich regnet es wieder mal, doch dieser Fisch scheint größer zu sein. Um es kurz zu machen, ich kann einen Spiegelkarpfen von 30,2PF fangen, für dieses Gewässer ist dieser Fisch schon einer der größeren. Der Rest der Nacht bleibt ruhig, gegen 8Uhr werde ich unsanft von zwei Arbeitern der Staudammmeisterei geweckt, doch bevor sie mit ihrer Moralpredigt anfangen konnten, sagte ich zu ihnen, dass ich zusammenpacke und den See verlasse werde. 

Das Wetter meinte es gut mit mir, nachdem meine zwei Freunde von Staudammmeisterei das weite gesucht haben, machte ich ein paar Fotos von den Fischen die ich in der Nacht gefangen habe. Danach baute ich mein Camp einigermaßen trocken ab und fuhr Richtung Frankfurt, auf halber Strecke klingelte mein Telefon. Meine Frau sagte zu mir, dass meine Firma angerufen hat und ich diese zurückrufen soll, was ich auch tat. Mein Kollege sagte zu mir, dass zwei meiner Termine abgesagt wurden und er, wenn ich wollte den dritten Termin übernimmt. Dadurch verlängert sich mein Urlaub um weitere 3 Tage. Also gut, ich fuhr kurz nachhause um Futter zu holen, da der Main nicht weit von meiner Wohnung weg ist, beschließe ich erstmal zu Duschen und etwas Nahrhaftes zu mir zu nehmen, denn zuhause schmeckt es am besten.

Danach fütterte ich zwei mir bekannte Stellen mit je 10Kg gekochten Mais und 5Kg Boilies. Einen Platz wollte ich am nächsten Morgen befischen, die andere Stelle füttere ich weiter ohne zu fischen, wieder die gleiche Menge an Futter 10Kg Mais und 5Kg Boilies. Nachdem ich die Futteraktion gemacht hatte, bezog ich mein neues zuhause für 2 Nächte. Meine Fallen sind schnell im Wasser, noch etwas Futter hinterher nur Boilies ca. 2Kg und es kann wieder beginnen. Nach zwei Stunden habe ich den ersten Biss, eine Barbe von 10,4PF, sie konnte meinem Boilie nicht widerstehen, dies war auch der einzige Run an diesem Tag.

Die Nacht war ruhig, 2 Barben und 1 Brachse konnte ich überlisten, doch die Karpfen wollten nicht beißen, so entschloss ich mich nach dem Mittagessen die andere Stelle zu befischen. Doch ich war gerade am Kaffee kochen da rast eine meiner Maschinen mit Vollgas ab, nach ca. 5 Minuten kann ich einen Spiegler von 22,3PF fangen. Ich fütterte ca. 3Kg Boilies nach um die Fische bei Fresslaune zuhalten. 15 Minuten später habe ich erneut einen Vollrun, ich kann es kaum glauben, es ist wieder ein Spiegler von 26,2PF. Im Main, das Teilstück, was ich befische, ist der Spiegelkarpfen Bestand sehr rar, wenn man einen Spiegelkarpfen im Monat fängt ist das gut. Das Verhältnis Schuppenkarpfen zu Spiegelkarpfen ist von 10 Fischen normalerweise 9 zu 1.

Nachfüttern war wieder angesagt, ca. 3Kg, um 12.30Uhr pfeift wieder eine Rute ab, dieses- mal kann ich einen Schuppi von 35,3PF fangen. Bis zum Nachmittag um 17Uhr bleiben meine Bissmelder ruhig, sodass ich zum anderen Platz wechselte. Das Wetter schlägt erneut um und es fängt wieder an zu regnen. Die Fische waren nicht mehr in Fresslaune, sodass ich in der Nacht keine Aktionen habe. Um 7.30Uhr habe ich den ersehnten Biss, aber was ist das! Kein Fisch zieht an der Leine, sondern ein Motorboot ist so dicht am Ufer gefahren, dass er meine Schnur erwischt hat. Ich schimpfe wie ein Rohrspatz, doch das Boot fährt weiter, zum Glück ist meine Hauptschnur schnell gerissen. Vor lauter Aufregung habe ich vergessen meine Schuhe an zuziehen, so stehe ich im nassen Gras! Ich füttere noch mal ca. 2Kg Boilies nach und platziere meine Ruten auf die Hotspots, danach kehre ich in das Land der Träume zurück. Ich träumte von großen Fischen, da rauscht die Schnur wieder von meiner Rolle, der Fisch wehrte sich recht gut, nach ca. 10 Minuten kann ich einen makellosen Schuppenkarpfen von 35,3Kg fangen. Nachdem ich wieder 2Kg Boilies verklappt habe, geht es erneut auf die Liege zurück und was glaubt ihr, ich hab noch nicht mal richtig gelegen, da habe ich den nächsten Biss. Der Fisch nimmt erst mal 50m Schnur von der Rolle bevor ich ihn einigermaßen abbremsen kann. In weiter Ferne sehe ich einen großen Schuppverband auf mich zukommen, was nicht gerade gut ist, doch bevor das Schiff bei mir ist, kann ich den Fisch keschern. Ich habe diesen Fisch sehr hart gedrillt, um ihn nicht durch Schnurbruch zu verlieren, da die Schiffe ganz dicht an dem Ufer, an dem ich sitze, vorbei- fahren. Wieder ist es ein Schuppi und er hat ein Gewicht 38,1 Pfund, es sollte auch der letzte Fisch in dieser Session sein.

Die Nacht brachte keinen Fisch mehr, doch ich packte zufrieden am nächsten Morgen gegen 10Uhr zusammen. 

Fazit: Durch bestimmte Umstände, wäre mein Kurzurlaub fast in die Hose gegangen! Doch ich glaube, ich habe das Beste daraus gemacht. Das Ergebnis kann sich wie ich meine, auf jedem Fall sehen lassen.

In diesem Sinne
Detlef Leither

 

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