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Schon seit geraumer Zeit brennt mir ein Thema unter den Nägeln, zu dem ich unbedingt meine Gedanken niederschreiben möchte. Nein, nicht irgendein Tackle, ein bis dato unbekanntes Gewässer, ultramoderne Methoden oder gar neue wissenschaftliche Erkenntnisse stehen im Betrachtungsfeld, sondern eine Frage, die schon seit Urgedenken der Angelei eher stiefmütterlich und dann auch meist nur im Unterbewusstsein abgehandelt wird: Was ist eigentlich mein (Angel-)Partner für ein Mensch und wie stehe ich zu ihm? Die allermeiste Zeit am Wasser verbringen wir doch nicht allein, sondern sehr oft in Begleitung eines oder mehrerer Gleichgesinnter, was ja auch angesichts der Umstände eher sinnvoll erscheint. Doch das war bei mir nicht schon immer so. Mir fällt dabei die Zeit Mitte bis Ende der 80er Jahre ein, eine Zeit, in der ich fast ausschließlich allein unterwegs war. Es waren auch die Jahre, wo ein intensiver Karpfenangler an deutschen Gewässern noch als so eine Art neue Spezies betrachtet wurde. Ich erntete vielerorts nur Kopfschütteln und Unverständnis, getreu nach dem Motto: „Wer hockt sich schon mehrere Tage oder gar Wochen ans Wasser, nur um hier und da mal einen Karpfen zu fangen?“
Kein Einzelkämpfer mehr Meiner Ansicht nach lässt sich das Wort Freundschaft genauso schwer definieren wie das Wort Liebe. Es entstehen komplizierte Beziehungen und Verknüpfungen, die bis ganz tief in den jeweiligen Menschen hinein ragen. Gerade wenn ich also so unzählig viele Stunden am Wasser zu zweit verbringe, gewähre ich dem anderen zwangsläufig tiefe Einblicke in meine Gedanken und Gefühle. Da mich das wiederum verletzbar macht, setze ich Menschlichkeit und Aufrichtigkeit unbedingt voraus. Ganz von selbst entstehen dann die zunächst ungezwungenen Gespräche, später auch Diskussionen, die die gemeinsamen Ziele „Top-Gewässer“, „gute Fische“ und „geile“ Sessions“ näher bringen. Daraus zieht dann jeder den eigenen Nutzen, obwohl uneigennützig für die gemeinsame Sache gestritten wird. Aber ich möchte noch zwei weitere Menschen erwähnen, die in wunderbarer Weise aufzeigen, wie wertvoll eine Freundschaft beim Karpfenangeln sein kann.
Verliebt und doch
befreundet? Gibt es einen schöneren Umstand, als den Partner auch gleichzeitig zum Freund zu haben? Wohl kaum! Mit einem Freund kann man hart diskutieren und streiten, hier und da auch Schimpfworte benutzen, mit der großen Liebe sollte man da in der Regel doch schon eher vorsichtiger umgehen. Nicht so mit Tatjana: Jeder hat die Pflicht zu sagen, was er will oder nicht will. Mit ein bisschen Kompromissbereitschaft und gutem Willen bekommen wir dann jede Session immer so hin, dass jeder seinen Spaß hat.
Die perfekte Ergänzung:
Die Tour stand unter
keinem wirklich guten Stern: Seitdem hangeln wir uns von Tour zu Tour. Für den Rest bleiben uns wieder nur das Telefonieren und die Autobahn. Immerhin wohnen wir 250 Km voneinander entfernt. Dies ist wiederum Tatjanas großer Vorteil: sie wohnt nämlich ununterbrochen bei mir zu Hause. Grins. Obwohl ich schon von jeher mit der Bezeichnung „Freund“ sehr, sehr vorsichtig gewesen bin, habe ich heute das große Glück, gleich drei solch großartige Menschen in meiner Nähe zu haben. Mag auch sein, dass ich mit der Entscheidung, jemanden meinen Freund zu nennen, etwas vorschnell war, aber es obliegt doch mir selbst, diese Freundschaften auch zu pflegen. Dazu bedarf es natürlich auch der Grundtugenden Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Und sowieso Hilfsbereitschaft, auch wenn es mal ungelegen kommt. Denn sind wir doch mal ehrlich: Ein Freund braucht immer gerade dann unsere Hilfe, wenn wir gerade keine Zeit haben. Ist das nicht komisch? Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Zum wiederholten Mal muss mein Freund nachts bei Dauerregen raus, weil ein Fisch von mir sämtliche Schnüre eingesammelt hat. Also neu montieren und mit dem Boot rausfahren, hinlänglich bekannt, oder?
Morgens dann vor lauter Müdigkeit einen Hals zu schieben, kann er stecken lassen. Wenn ich gemeinsam mit einem Freund fischen gehe, dann zählt nur das gemeinsame Ergebnis, auch, oder gerade weil ich von Rutentausch nichts halte. Werner hat mal einen sehr beeindruckenden Satz gesagt: „Wer den Fisch fängt, ist völlig egal, Hauptsache er kommt raus!“ Und ich bin mir 100%ig sicher, dass er dies auch so meint. Mit anderen, aber meinen Worten, würde ich es mal so formulieren: Das Team fängt den Fisch. Es ist egal, wem welche Rute gehört und wer an welchem Spot seine Köder präsentiert hat, wirklich wichtig ist, dass zusammengearbeitet wird. Das Ergebnis einer Session kann also nur heißen – entweder: „Wir haben gefangen…“ oder: „Wir haben geblankt….“ Zumal sich an Gewicht oder Stückzahl gemessene Einzelerfolge früher oder später sowieso wieder ausgleichen. Wenn ich heute auf eine bestimmte, außergewöhnliche Session mit großer Freude zurückblicke, dann gerade weil einer der oben genannten Freunde dabei war. Das macht mich sehr glücklich. Und genau dies wünsche ich auch allen Lesern: Glück, Zufriedenheit und eine Wunderschöne Session mit einem Freund. Armin Klein
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