Die Gewässer von Les Etangs de l’Abbaye sind auch hier in Deutschland schon seit einigen Jahren bekannt. Bekannt wegen ihrer schönen Lage, der hervorragenden Fische und vor allem aber auch wegen des beispiellosen Service, der vom Team vor Ort geleistet wird. Titi und seine Mannen sind immer zur Stelle, wann immer man danach ruft. Sei es mit gut gemeinten fundierten Tipps rund um die Angelei, sei es bei der Absprache der verheißungsvollsten Angelstellen oder der Suche nach Spots oder sei es bei der Versorgung rund um das leibliche Wohl. Nicht nur, dass man im Clubhaus morgens und abends leckere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen kann, nein, dieses oder auch Croissants und Baguettes werden fleißig morgens um ca. 9 Uhr rund um die Gewässer je nach Bestellung verteilt. Ebenso sind natürlich die sauberen sanitären Anlagen oder der Ladeservice für Batterien und Akkus erwähnenswert.

Nun gut, das war mir ja von mehreren Besuchen dieses Jahr bereits bekannt. Nur war ich immer mit meinem Freund Heinz Kersten angereist. Diesmal, Ende September, betrat ich aber Neuland. Bisher befischten wir ausschließlich den Lac de Renard, auch Fox Lake genannt. Das sollte sich ändern, denn ich reiste mit meiner Süßen (Tatjana) an und die Prioritäten wurden anders gesetzt. Es sollte nicht das übliche Hardcoreangeln werden, sondern ein doch eher entspannter Urlaub. Wir wollten beide vom selben Platz aus angeln, dafür aber mit vier Ruten. Als wir am Freitag früh anreisten, stellte sich heraus, dass Heron und Rainbow komplett besetzt waren. Eigentlich nicht schlimm für uns, saßen am Attila, ein Gewässer mit 8 ha Wasserfläche und 7 Angelstellen, nur zwei Angler. Der Attila ist bekannt dafür, dass er reichlich zauberhaft schöne Fische beherbergt. Die meisten weisen ein Gewicht zwischen 8 und 12 kg auf, es gibt aber auch deutlich größere Exemplare bis an die 40 Pfund. Bei strahlendem Sonnenschein entschieden wir uns für Stelle Nr.2. Dort war im Uferbereich nur sehr wenig Kraut und das Angeln sollte uns, also vor allem Tatjana, nicht so große Probleme bereiten. Schnell waren die Aufgaben verteilt: Ich kümmerte mich um den planmäßigen Aufbau unseres Camps und Tati erkundete mit der Kamera erst einmal die Umgebung. Wie auf Bestellung wurde sie prompt von einem Reh mit ihrem Kitz nur unweit unserer Stelle begrüßt – ist das nicht herrlich?! Damit aber nicht genug, da es noch recht früh am Morgen war, herrschte außerdem ein reger Kaninchenverkehr auf Wegen und Wiesen. Ich wusste, sie würde sich ganz sicher die nächsten Tage hier sehr wohl fühlen.

Als das gesamte Tackle aufgebaut war, machte ich mich sogleich auf die Erkundung der Unterwasserwelt. Spots lassen sich eigentlich jede Menge finden, sind es Plateaus oder Kanten mitten im See, oder auch Tiefstellen im unmittelbaren Uferbereich. Da ich, wo es erlaubt ist, mit Futterboot fische, habe ich alle Spots nur sehr spärlich, dafür aber überaus genau gefüttert und gefischt. Pro Rute wurde mit maximal 100 g Partikel und Micropellets gefüttert. Mehr ist hier absolut nicht nötig, im Gegenteil, eher contraproduktiv.

Nun, die nächsten Tage sind, rein fischtechnisch betrachtet, eigentlich sehr schnell erzählt: 48 Stunden ergaben 20 Karpfen, sie bissen rund um die Uhr sowohl auf Fischmurmeln, als auch auf Mais und andere Partikel. Wir haben sicher nicht die allergrößten des Sees gefangen, aber ein Fisch war schöner als der andere. Egal ob Spiegler, Schuppi, Fully Scaled, ja sogar ein echter Zeiler war dabei, jeder einzelne war ein Highlight.

Die Situation an Heron und Foxlake sollte sich aber auch nach dem Wochenende nicht entspannen. Es stellte sich aber zu unserer Freude heraus, dass ein weiterer See, nämlich der Grenuille, komplett frei war. Einer der großen Vorteile an den Abbeylakes ist, dass jeder nach Absprache moven kann. Also taten wir es. Innerhalb von zwei Stunden waren Camp und Tackle ab- und wieder aufgebaut. Danach die gleiche Prozedur wie vor zwei Tagen, nämlich Spots suchen. Auch hier sollte es keinem überaus schwer fallen die Fische zu finden. Es gibt einige leichte Erhebungen im Freiwasser und der gesamte Uferbereich wartet mit Kanten auf. Eigentlich an jedem der sechs Plätze kann man Tiefwasser mit um die 4m Wassertiefe ohne große Probleme erreichen. Unsere Taktik sollte die gleiche bleiben, nur fischten wir jetzt ausschließlich mit Boilies oder Popups, die mit Evaporated Milk Icecream besprüht waren. Vormittag und Nachmittag verliefen noch ruhig und in uns wuchs schon so etwas wie eine leichte Unruhe. Als es dann dunkel wurde, gesellte sich auch noch ein kreisrunder Vollmond als weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu. Es war quasi taghell – aber es biss! Der erste Fisch war dann auch mal ein richtig Guter. Ein herrlicher Spiegler mit exakt 19,9kg. Und was noch viel schöner war – er hatte richtig Dampf. Meist lassen sich an solchen Gewässern gerade die größeren Fische nahezu kampflos heranziehen, aber hier war das wohl ganz anders. Und das muntere Beißen ging weiter. Die ganze Nacht! Am Morgen, müde und hungrig, zählten wir 12 Runs bei immerhin 10 gelandeten Karpfen, wobei vier stattliche Dreißiger dabei waren. Wie schon gesagt bei Vollmond, glockenklarer Nacht und richtig kalter Luft – verrückte Welt!

Wenn das jetzt hier so weitergehen sollte, dann war’s das wohl mit entspanntem Urlaub. Und richtig, es sollte so weitergehen, es verging kaum ein Tag, an dem nicht mindestens zehnmal die Delkims ihr Licht anzündeten. Unser Platz lag direkt am Weg zwischen den anderen Gewässern und dem Clubhaus. Alle Welt schüttelte den Kopf über unser unverschämtes Glück, zumal an den anderen Gewässern nicht wirklich viel lief. Es wurden verhältnismäßig wenige Fische gefangen, dafür aber die wirklich großen, viermal sogar über 25kg! Und da im Grenuille auch Fische über 40, ja sogar über 50 Pfund schwimmen, haben wir zu keiner Sekunde mit unseren Bemühungen nachgelassen. Wir wollten einen der Giganten auf die Matte legen. Am Mittwoch dann, ich nahm mir eine kleine Auszeit für Duschen und so, kam ich nach einiger Zeit wieder zu unserem Platz und fand eine überglückliche Tati am Wasser stehend vor. Hatte sie doch tatsächlich während meiner Abwesenheit einen wunderschönen fetten Spiegler mit 16,2kg gedrillt und auf die Matte gelegt. Es war ihr erster Dreißiger und jeder kann sich wohl vorstellen, wie überaus glücklich sie war. Zumal sie die ganze Prozedere ausschließlich alleine bewältigt hat, ohne nennenswerte Probleme und obwohl weitere drei Schnüre an dem Platz ins Wasser gingen. Der nächste Fisch aber sollte mir gehören. Wir reden von einem Vollrun par exellance! Blitzschnell war meine 2,75lbs Phantom kreisrund gebogen und die Schnur bis aufs letzte gespannt.

Der Fisch zog nicht sonderlich schnell aber mit enormer Kraft immerzu von rechts nach links und wieder zurück. Tati meinte daraufhin nach fünf Minuten: „Hey, jetzt hast Du einen der großen Karpfen!“ und freute sich wie irre. Aber nach weiteren fünf Minuten schüttelte ich den Kopf mit den klärenden Worten: „Baby, das ist kein Karpfen….“ Und ich sollte Recht behalten. Soll ich jetzt vielleicht sagen „Leider“? Nach einem schier endlosen Drill konnte ich den Fisch dann mit dem allseits bekannten Griff landen. Richtig, einer der Waller wollte sich meinen Fischboilie schmecken lassen. Der Bursche war so sauber in der Lippe gehakt, dass mein Barblesshaken sauber seinen Dienst vollrichten konnte und auch mein Flourcarbonvorfach nahm erstaunlicherweise keinen Schaden. So überraschend kam der Fisch jetzt nicht, hatten wir bis dahin ja schon einige kleinere Exemplare bis 1,10m auf die Matte gelegt. Aber der war nun mal richtig gut, zumal mit einer Karpfenrute dieser Stärke gedrillt. Am Ende zeigte das Metermaß stolze 1,77m. Wir haben den Fisch nicht gewogen, aber aus vielen Sessions am Ebro weiß ich, dass er, wohlgenährt wie er war, schon etwa 40 kg auf die Waage gebracht hätte. Was für ein Erlebnis. Erst viel später erfuhren wir, dass im Grenuille sogar zwei dieser Giganten mit Gewichten jenseits der 50kg-Marke schwimmen. Bis zum Ende unseres Aufenthaltes fingen wir noch weitere Waller, die meisten zwischen 90cm und 1,10m, einer hatte noch immerhin 1,25m. Doch auch das war noch nicht alles. Insgesamt fingen wir auch noch 14 Schleien, alle zwischen 2kg und 3kg. Und wen es interessiert: in insgesamt 11 Tagen legten wir 99 Karpfen mit einem Gesamtgewicht von 940,4kg! auf die Matte. Als Köder dienten selbstgedrehte Boilies auf Basis von Fischmehlen und Zutaten der Wassersportzentrale und die bereits erwähnten Flou-Popups mit „Emic“, ebenfalls von der Wassersportzentrale in Genk.

Ich will nicht prahlen, darum geht es hier sicher auch nicht. Was mir in diesem Zusammenhang wichtig ist, ist, dass man an den Abbeys sowohl einen richtig hochwertigen Angeltrip starten kann, mit schwierigen Gewässern, gigantischen Fischen und perfektem Ambiente, als auch einen entspannten Angelurlaub, bei dem man bei allem Komfort richtige Sternstunden erleben kann. Sicher war dieses Fangergebnis nicht die Regel und bestimmt kann man auch am Grenuille eine Zeit lang blanken, aber dafür gehen wir ja Angeln. Man weiß nie im Voraus, was auf einen zukommt und man ist vor Überraschungen eigentlich nie sicher.

Wenn ich die beiden Gewässer jeweils einer Zielgruppe empfehlen sollte, dann würde ich sagen, dass der Attila ein Gewässer für Angler ist, die nicht unbedingt Jagd auf einen neuen PB machen wollen. Hier stehen schöne Landschaft und traumhaft schöne Fische mit Gewichten meist um 8 bis 12 kg im Vordergrund. Der Grenuille ist hervorragend für Gruppen bis eben sechs Angler genau das richtige. Man sitzt relativ nah beieinander und kann gut zum Nachbar Kontakt halten. Das Clubhaus ist in unmittelbarer Nähe und Vollpension ist auch buchbar. Darüber hinaus gibt es einen hervorragenden Besatz an Karpfen bis jenseits von 25kg und nebenbei immer wieder Überraschungen wie oben beschrieben.

Ich für meinen Teil werde beides im nächsten Jahr wieder in Angriff nehmen: Die Jagd auf einen der ganz Großen an Heron oder Foxlake genauso wie das doch relativ entspannte Fischen an Attila und Grenuille. Vielleicht sieht man sich ja mal …

Armin Klein
Cipro.de