Lang Lang ist es her, als wir das letzte Mal den Dauerton eines Bissanzeigers vernommen haben. Wirklich gut hatten es die Karpfen dieses Jahr noch nicht mit uns gemeint. Eine Blank Session im Frühjahr und auch die Kurztrips ins Ausland brachten nur wenig Erfolg. Jeder von euch kennt es, man beginnt an allem zu zweifeln…Man strengt sich an, versucht alles Perfekt zu machen und am Ende NICHTS. Besonders demotivierend ist es wenn man nicht einmal einen Fehler finden kann, warum es nicht funktioniert hat.
Doch zum Glück gab es da noch diesen kleinen Waldsee in der näheren Umgebung unserer Heimat (Baden-Württemberg bei Heilbronn)! Schon letztes Jahr haben wir um die gleiche Zeit dort gefischt und einige Fische fangen können. Wir waren uns sicher, dass wir an diesem See mal wieder einen Run bekommen würden. Das Problem war nur, dass der See von einem kleinen Verein bewirtschaftet wird, der jährlich Zentnerweise K2 und K3 Karpfen aussetzt um das Verkrauten des Sees gering zu halten. Daher bekommt man zwar viele Bisse, dass durchschnittst Gewicht der letzten Session lag jedoch bei ca. 6 Pfund ...

Aber genau solch ein „Aufbau-Gewässer“ war jetzt nötig um wieder Vertrauen und Spaß am Karpfenangeln zu finden. Nur wie würden wir es schaffen die großen Fische des Sees zu bekommen (es gibt Sie wirklich, die für die Gewässergröße und die Bewirtschaftung großen Fische) und um die kleinen herum zu angeln. Im letzten Jahr befischten wir die Südseite des Sees, ein sehr flacher Bereich der an einem Schongebiet grenzt. Zumal dort auch der Zulauf des Sees zu finden ist, eigentlich ideal. Aber wie gesagt, konnten wir im letzten Jahr an diesem Platz nur die kleinen Karpfen abgreifen.
 

Das Fanggebiet

Manu mit dem größten Fisch der Session 25,6 Pfund

Die Jokerrute
Der Plan war also, uns etwas anderes zu überlegen. Wir wanden uns der Nordseite zu. Dort war es deutlich tiefer aber auch schlammiger und der See hat dort seinen Auslauf. Wir fütterten also entlang der rechten Seeseite, dort tasteten wir den Grund nach harten Stellen mit der Lotrute ab und befütterten dann diese harten Plateaus im Schlamm. Als zusätzliche Sicherheit erloteten wir uns auch noch am  gegenüberliegenden Ufer Erfolgsversprechende Stellen. Ebenfalls suchten wir uns  noch einen Spot der ziemlich in der Mitte des Sees lag dieser sollte als eigentlich Jokerrute für die größeren unter unseren Freunden sein (abseits der Hauptfutterzone). Zum Vorfüttern benutzen wir die Restbestände die sich wie immer über das Jahr ansammeln, da wir es komischerweise immer und grundsätzlich schaffen einen Restbestand an den verwendeten Baits zu haben. Es wäre ja auch zu schön das man das ganze Jahr über mit dem gleichen Baits fischt und diese restlos aufbrauchen könnte. Somit lagen noch Restbestände von Mais, Nuss, Leber und Erdbeereboilies in unseren Kellern. Was an diesem Gewässer nicht fehlen durfte, waren Heilbutt Pellets die uns letztes Jahr als Top Köder dienten. Diesen Mix fütterten wir dann 3 Tage lang vor.
 
Als wir am Freitag nach der Arbeit zum See fuhren war es erleichternd zu hören, das Mario, der bereits etwas früher mit Fischen begonnen hatte, schon einen 20 Pfünder fangen konnte, nachdem er die Ruten gerade einmal eine halbe Stunde im Wasser hatte. Da aber noch andere Angler am Wasser waren und absolutes Totschlag-Gebot herrscht, wurde der Karpfen im Karpfensack getarnt. Manuel und ich  warteten dann mit fischen bis alle weg waren (Tageskarten), da wir auf keinen Fall Aufsehen erregen wollten. Jedoch verging die Wartezeit bis alle anderen Angler weg waren nicht wie im Flug, sondern eher in Zeitlupe und wir wurden immer nervöser! Nachdem auch der letzte gegangen war bauten wir unter Volldampf das Camp auf und warfen die Ruten aus. Danach wurde der 20 Pfünder fotografiert und wieder in seine nasse Heimat entlassen. Nach dem ganzen Trubel mit Camp Aufbau, nochmaligem ausloten der Stellen und füttern tat sich die ersten 2 Stunden wieder gar nichts…sollte uns die „SEUCHE“ etwa bis hier her verfolgt haben???

Neeeeeeeiiiiiiiiiiiinnnnnn . . . Biss!
 

Doppelschlag um Mitternacht. (Manu 25,6; Kevin 18,6 Pfund)

Mario mit dem ersten großen Fisch 19 Pfund

Da wir alle zusammen auf recht beschränktem Raum fischten beschlossen wir uns mit den Bissen abzuwechseln, damit jeder auf seine Kosten kommt. Zunächst lief alles wie bei der letzten Session und jeder von uns kam in den Genuss einen kleinen Karpfen zu „drillen“ alle so um die 3-6 Pfund.  Pünktlich um 23 Uhr war ich wieder an der Reihe zu drillen. Der Bissanzeiger schrillte auf und ich lief zur Rute. Schon nach dem Aufnehmen der Rute war klar, hier ist etwas Besseres am Haken. Eines muss man den Fischen lassen, für das kleine Gewässer sind sie extrem kampfstark. So gelang es mir erst nach längerem Drill den Karpfen über den Kescher gleiten zu lassen. In den Keschermaschen befand sich ein wunderschöner Zeilenkarpfen der knapp die 20 Pfundmarke überschritt. Ich war wirklich glücklich über den Fisch. Während des Wiegens bissen noch zwei weiter Kleinkarpfen. Die Fische waren also am Platz und fühlten sich durch die Drills in keinster Weise gestört.
 
Doppelschlag
Um halb 12 Uhr machte Mario kurz den Abflug, da ein Freund in seinen Geburtstag reinfeierte. Somit teilten Manu und ich uns nun die Bisse. Also let´s ROCK!! Einen ganze Weile ging gar nichts doch pünktlich um Mitternacht feierten auch die Karpfen! Die Pellet Rute am gegenüberliegenden Ufer zischte mit Volldampf ab. Da Manu an der Reihe war, hatte er das Vergnügen den schwersten Fisch der Session einen 25,6 Pfund schweren Spiegler zu bändigen. Als wir den Fisch gerade aus dem Wasser hatten, pfiff die Pelletrute im hinteren Eck los und ich war an der Reihe. Auch hier kein schlechter Fisch mit 18.6 Pfund. Als wir beide Fische an Land hatten riefen wir schnelle Mario an, damit er zum fotografieren kommt. Binnen weniger Minuten war er am Platz und wir konnten die Fische zusammen fotografieren. Happy über den Doppelschlag wurde erst mal eine Fat Lady Zigarre gedampft. Mit solchen Fischen hatten wir an diesem See wirklich nicht gerechnet! Nach der Pizza Stärkung ging es dann weiter.
 
Die Nacht brachte uns keinen Schlaf, da wirklich im 20Minuten Takt die Fische bissen. Sehr häufig gab es auch Doppelrunn´s oder die Fische bissen nachdem der Köder gerade 5 Min im Wasser lag. Es war also ständige Aktion an unseren Futterstellen. Nach Sonnenaufgang schienen dann die Schleien den Platz übernommen zu haben und wir konnten 5 schönen Fische auf Boilies und Pellets landen. Danach mussten wir den Platz räumen, da die Sonntagsangler an den See kamen und die „Topfgefahr“ für die Karpfen zu groß wurde. Alles in allem ein mehr als gelungener Trip! Endlich mal wieder ein paar Carps gefangen und zusammen fischen gewesen! Für solche Sternstunden ist man eben Karpfenangler ;-)

Heilbuttpeletts waren mal wieder der Top Köder schlecht hin und fingen über 70% aller Fische. Danach kamen die Leber und die Nuss Boilies. Klarer Verlierer waren die Testköder Erdbeereboilies die wir über eBay bestellt hatten. Diese brachten lediglich zwei Fische, aber eine wichtige Erkenntnis! Nur gute Baits fangen auch wirklich gut und wenn wir diese selber herstellen, wissen wir auch sicher was drin ist und ob dies für die Fische verträglich ist.
 

Kevin mit 20 Pfund Zeilenkarpfen

Abschließend kann ich nur jedem raten bei dem es grade nicht so läuft wie erhofft, sich eine Session an einem „leichteren“ Gewässer zu gönnen.  Schwierige Gewässer sind eine super Herausforderung und sehr spannend. Auf Dauer können sie aber auch demotivieren wirken. Und man will den Spaß an seinem Hobby ja nicht verlieren. Daher einfach mal mit Kumpels an ein bekanntes Gewässer gehen und FEIERN & FANGEN das gibt dann Kraft für neue (unbekannte) Ufer!

Tight lines,
Kevin, Mario und Manu