Auf zu neuen Ufern … Boah, is das ‘ne Hitze! Jetzt sitz ich schon seit einigen Stunden schwitzend am Ufer und malträtiere in Gedanken zum wiederholten Male meine „Kachelmann-Vodoo-Puppe“. Ab Mittags eine satte „Drei bis Vier“ aus Nord-Ost, hatte es geheißen, doch inzwischen ist meine Wathose von innen deutlich feuchter als von außen und die Luft steht förmlich über mir. Da das Wasser mit etwas über 17 Grad jedoch noch nicht wirklich Bade-Temperatur hat bleibe ich dennoch sicherheitshalber halb in Neopren gehüllt und blättere weiter in meiner Zeitung…

Drrrirrrirrrirrrirrirrirrirr… - quasi aus dem Nichts ertönt plötzlich der Schrei meiner Funkbox! Es ist genau fünf Minuten vor Zwölf, High Noon, als ich vom Rande meines kleinen am Ufer liegenden Schlauchbootes aufspringe. In feinster Hürdenspringer-Manier sprinte ich zu meinen einige Meter vor mir im Wasser stehenden Ruten und schlage an - Yes, hab ihn!!! Der erste Kontakt an einer neuen Stelle ist immer etwas ganz Besonderes!

Zu meinem eigenen Erstaunen weht mir nun auch noch eine ordentliche Brise ins Gesicht, während die Sonne weiter den Planeten aufheizt. Kachelmann hatte doch Recht und die Fische haben an meiner Wetterstrategie scheinbar Gefallen. In meiner kleinen, aber sehr dichten Schilf- und Gehölzbucht hatte ich den aufkommenden Wind zunächst gar nicht bemerkt. Die sich nun anschließenden Drillminuten sind das erste Highlight einer fantastischen vor mir liegenden Saison mit einer neuen - speziell auf die verdammt heißen Sommer der letzten Jahre abgestimmten Strategie!

Zu oft habe ich in der Vergangenheit meine Zeit, trotz guter Futter-Kampagnen, sinnlos - oder sagen wir besser: „Fischfrei“ am Wasser verbracht, denn schließlich sind es vor allem die erfolglosen Tage (und Nächte), die uns nachdenken lassen über mögliche Fehler und Ursachen unseres Misserfolgs und uns so letztlich durch Veränderung unserer Strategie und Vorgehensweise, doch wieder zurück auf die Erfolgsspur bringen.

Wege nach Rom…
Bekanntlich gibt es beim Karpfenangeln ja viele verschiedene Möglichkeiten, ans Ziel - sprich: „An den Fisch“ zu kommen. So füttern die einen eher wenig, andere dagegen gleich eimerweise. Manche zählen ihre Boilies sogar einzeln ab und wieder andere handeln, stets aufs Neue, einfach nach „Bauchgefühl“. Einige vertrauen einfach auf ihr persönliches Glück und die Perfektionisten unter uns (mir fielen dazu übrigens auch eine ganze Reihe anderer Bezeichnungen ein…) tauchen ihre Baits sogar persönlich - mal mehr, mal weniger bekleidet, zum Grund hinab, um ihre Erfolgsaussichten zu optimieren!

Dies sind die nackten Tatsachen und ich denke, fast jeder von uns hat in seiner Zeit als Karpfenangler schon mehr als nur eine der genannten Möglichkeiten selbst ausprobiert...

Ich glaube - nein, ich weiß natürlich, dass keine der genannten Vorgehensweisen eine Fanggarantie beinhaltet und der individuelle Erfolg der einzelnen Methoden sehr stark von unzähligen gewässerspezifischen Faktoren abhängig ist.

Aus Misserfolgen lernen
Schon längere Zeit reizen mich persönlich aber Erfolgsberichte, in denen zunächst, unter bestimmten Bedingungen, größere Mengen Futter eingesetzt wurden und hinterher tatsächlich gigantische Serien von Superfängen gelangen.

„Einfach rein und los!“, funktioniert dabei natürlich nicht - das ist schon klar! Aber, um es ganz kurz zu machen, in der vergangenen Saison hatte auch ich selbst mein futterintensivstes Jahr, seit ich auf Karpfen angle und ich habe es dabei mehrfach, an verschiedenen Stellen, die auch früher schon (zumindest phasenweise) Erfolg brachten, versucht. Ja, und ich habe gefangen… - und zwar so wenige Karpfen, wie in keinem Jahr jemals zuvor - bei etwa gleich bleibendem Zeiteinsatz!

Die Durchschnittsgröße war zwar absolut OK, aber 7 (in Worten: sieben!) Fische standen nun wirklich in keinem gesunden Verhältnis zu meinem Gesamteinsatz, wenn man, neben den reinen Futterkosten, auch Arbeitsaufwand, Zeit, sowie reichlich Sprit (ich meine für’s Auto) und dergleichen, berücksichtigt!

Natürlich habe ich trotzdem eine Menge Spaß gehabt und insgesamt eine wunderbare Zeit am Wasser erlebt - aber alleine 12 Blanks auf nur einen einzigen Sommerfisch - trotz kraftvoller Vorbereitung - hatte dann mit Angelspaß, wie ich ihn mir eigentlich vorstellte (oder wünschte?), doch nicht mehr allzu viel zu tun…

Klar war es super, bei meist über 25°C Wassertemperatur nebenbei baden zu gehen und die Wasserwelt mal aus Sicht eines Blässhuhns zu betrachten, aber meine Badehose wiegt halt trocken nur etwa geschätzte 150 Gramm (nein, kein String!) und ich hab dafür jedes Mal zusätzlich 80 Kilo an Angelzeugs mit ans Wasser geschleppt und teilweise kilometerweit durch den Wald gezerrt - nicht selten bei weit über 30 Grad…

Rückblickend bin ich aber trotzdem ganz froh, dass die Versuche mit der „Futter-Brechstange“ nicht

 wirklich gut funktioniert haben. Denn was wäre, wenn ich überdurchschnittlich gut gefangen hätte? Natürlich wäre ich wohl für längere Zeit davon ausgegangen: „Die Masse macht´s“. Aber nix da!

Weniger ist mehr
Im Jahr zuvor verfuhr ich noch völlig anders - wechselte des Öfteren (manchmal auch notgedrungen!) die Stellen und machte mich dabei sogar mehrfach, teilweise mit spontanem Erfolg, an komplett neuen - aus Karpfensicht fast unbeangelten Stellen, ans Werk. Mit dieser Erfahrung - „zur rechten Zeit am rechten Ort“ was reißen zu können (bitte nicht wörtlich nehmen) begann ich, zum Ende der Saison, das Ganze dann noch einmal etwas „globaler“ zu betrachten.

Die Sonneneinstrahlung am Angelplatz wirkt sich besonders bei niedrigen Wassertemperaturen positiv aus!

Da ich mich schon des Längeren auch mit den wetterspezifischen Einflüssen auf den Karpfenerfolg befasse, beschloss ich, in der neuen Saison (wieder einmal) eine komplett andere Strategie zu versuchen und mich - zunächst einmal grundsätzlich - von meinen „alteingesessenen Erfolgsangelstellen“ zu verabschieden.

Was nützt der beste Futterplatz, wenn sich die Fische - aus welchem Grund auch immer - während meiner Angelzeit in einem komplett anderen Gewässerabschnitt aufhalten?! Hier macht natürlich weder die Futtermenge oder die Köderqualität, noch das tollste Rig, auch nur irgendetwas aus!

Was den dauerhaften Fangerfolg angeht stehen meines Erachtens an allererster Stelle sowohl die viel zitierte Location, sprich die topografischen Unterwassergegebenheiten, wie Bodenbeschaffenheit, Pflanzen- und Nahrungsstrukturen etc., sowie zusätzlich die von außen wirkenden, größtenteils wetterbedingten Einflüsse, wie Wind und Sonne, die den jeweils aktuell bevorzugten Standort der Fische maßgeblich beeinflussen und uns somit, quasi auf indirektem Weg, zum Fisch führen können!

Einfluss von Sonne und Wind
Die Sonne z. B. erwärmt (zu jeder Jahreszeit) den unmittelbaren Lebensraum der Fische und erhöht dadurch über den Stoffwechsel deren Nahrungsbedarf und das Wachstum sowie die Mobilitätsbereitschaft - also auch den natürlichen Bewegungsdrang der Fische in ganz erheblichem Maße! Dies ist bei der Suche nach den Fischen ganz wichtig und auch unser Futterplatz wird natürlich umso schneller entdeckt und angenommen je aktiver sich die Fische selbst auf Futtersuche begeben.

Der Wind wiederum sorgt - vor allem durch Wellenschlag und Strömungsbildung - kurzfristig für einen lokalen, zusätzlichen Sauerstoffeintrag, welcher - insbesondere bei eh schon hohen Wassertemperaturen - ein ganz wesentlicher (Erfolgs-) Faktor sein kann, da warmes Wasser generell weniger lebensnotwendigen Sauerstoff an sich binden und somit auch zur Verfügung stellen kann als kaltes.

Ein weiterer wichtiger Faktor, insbesondere im Sommer, ist der Wind und der daraus resultierende Sauerstoffeintrag!

Heiße, aber windarme Sommerperioden stellen demzufolge eine nicht unerhebliche Belastung für viele Gewässer bzw. ihre Bewohner dar, da ein zu geringer Sauerstoffanteil die Nahrungsaufnahme und den Bewegungsdrang der Fische stark einschränkt. So entsteht - je nach Gewässerstruktur und „natürlichem Sauerstoffvorkommen“ - gerade im Sommer vielerorts eine regelrechte „Windabhängigkeit“, in Bezug auf das Wohlbefinden, den Standort und letzten Endes auch das Beißverhalten der Fische! 

Nutze die Technik
Wer sich für den Nutzen moderner Hilfsmittel beim Karpfenangeln begeistern kann, der hat heutzutage abe, zum Glück ganz andere Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren. Echolot, GPS und Internet sowie recht präzise, lokale Wetter- und vor allem Windprognosen ermöglichen uns - bei guter Vorbereitung - entsprechend der jeweils vorherrschenden Wetterlage und Windrichtung, gezielt den jeweils erfolgversprechendsten Angelplatz aufzusuchen und unsere Fangaussichten damit schon im Vorfeld deutlich zu erhöhen!

Grundlage für den dauerhaften Fangerfolg und das Anwenden bestimmter Strategien (sei es, was die reine Köderpräsentation, die Wahl der Angeltiefe, der Futtermengen oder gar der zu verwendenden Bleiform und - farbe angeht) ist die möglichst genaue Kenntnis über die jeweilige Bodenstruktur und Beschaffenheit des Untergrundes, auf dem die Montagen letztlich abgelegt werden sollen!

Wer seine kostbare Angelzeit später nicht einfach nur „am Wasser absitzen“ und mehr oder weniger auf den zufälligen Erfolg hoffen möchte, der sollte zunächst einmal etwas Zeit und Arbeit investieren, um später ganz gezielt und mit der größtmöglichen Aussicht auf Erfolg zu Werke gehen zu können.

Im Folgenden möchte ich zwei Möglichkeiten aufzeigen, wie man sich eine eigene präzise Unterwasserkarte seines Angelplatzes erstellen kann.

Eigene Unterwasserkarte erstellen!
Sinnvolles Hilfsmittel in beiden Fällen ist ein sogenanntes „Klopflot“, welches man sich mit wenig Aufwand und Kosten selbst herstellen kann. Am einfachsten ist es, eine fertige H-Boje zu modifizieren, in dem man einfach das Originalblei (ca. 150 g) gegen ein deutlich schwereres Gewicht von mind. 500 Gramm austauscht (ich selbst verwende ein 1-Kilo-Blei in Kegelform, wie es für die Tiefseeangelei in Norwegen benutzt wird) zur Not tut es aber auch ein billiger, sehr schwerer Pilker ohne Drilling. Mehrere leichtere Einzelbleie sind für unseren Zweck weniger geeignet - dann sollte man doch lieber einen einzelnen kleinen „Pflasterstein“ verwenden. Auch die zwar stabile, aber viel zu elastische Originalschnur des Markers sollte unbedingt gegen eine starke und vor allem dehnungsarme Geflochtene 0,35er oder 0,40er ausgetauscht werden, um später die Bodenhärte exakt an den „Führungsfinger“ übertragen zu können.

Das Wissen über die exakte Bodenstruktur und Beschaffenheit des Angelplatzes, ist Fang entscheidend!

Mit der so entstandenen Konstruktion lassen sich überschaubare Gebiete sehr präzise „von Hand abklopfen“, wobei einige Tiefenmarkierungen auf der Schnur, in Form von eingeknoteten Perlen, sehr hilfreich sind und das Erstellen einer exakten Tiefenkarte stark beschleunigen.

Für die „grobe Sichtung“ der Tiefenverhältnisse eines Gewässers oder eines größeren Gewässerabschnittes ist ein einfaches Echolot natürlich (fast) unverzichtbar, wobei es kurzfristig auch ein Leihgerät tut, wenn man entsprechend gut vorbereitet ist.

Das Erspüren der eigentlichen Bodenstruktur bzw. der genauen Bodenbeschaffenheit mittels des Klopflotes, ist, meines Erachtens, aber sogar wesentlich aussagekräftiger als die reine optische Anzeige zahlreicher und häufig nicht optimal ein-gestellter Echolote.

Ufernahe Angelplätze können nun „von Hand“ ausgelotet und skizziert werden - bei größeren oder vom Ufer weiter entfernten Wasserflächen ist ein einfaches elektronisches Hilfsmittel - ein GPS zum dauerhaften, virtuellen Markieren und Wiederfinden der einzelnen Messpunkte natürlich unverzichtbar!

Auch hier reicht allerdings im einfachsten Fall ein simples Handgerät (um 100,-Euro) völlig aus. Ein markanter Punkt wird mit dem Klopflot vermessen - Tiefe und Bodenhärte notiert sowie „auf der Stelle“ ein GPS-Punkt gesetzt. Auf diese Weise ergibt sich nach und nach eine „Karte“ mit den jeweiligen Tiefen- und Bodenverhältnissen des „Zielgebietes“, sowie der Entfernungsverhältnisse zueinander und vom Ufer aus, da jede Entfernung zu jedem Punkt nun auch nachträglich anhand der GPS-Wegpunkte bestimmt und notiert werden kann!

Professionelle Kartenerstellung
Die aktuellen, zugegeben nicht ganz preiswerten, modernen Echolot/GPS-Kombigeräte, wie z. B. das von mir seit zwei Jahren verwendete „Sea-Charter 500c DF“, der Firma Eagle, oder aber auch andere „kartentaugliche“ Kombigeräte eröffnen dem versierten Karpfenangler schier ungeahnte Möglichkeiten, insbesondere bei der Erstellung eigener Gewässer-Tiefenkarten.

Zunächst einmal können alle sog. Kombigeräte ihren Bildschirm sowohl zur Darstellung des Echolotbildes als auch der GPS-Karte verwenden. Dies allein ist ein Riesenvorteil gegenüber den einfachen Handgeräten mit zum Teil winzigen und dadurch nur mühsam ablesbaren Displays.

Kartentaugliche Geräte können da-rüber hinaus mit externen, digitalen Seekarten gespeist werden, welche auf dem Bildschirm im Hintergrund sämtliche verfügbaren schifffahrtsrelevanten Ereignisse, wie z. B. allgemeine Tiefenverläufe, Untiefen, Steinfelder, Fahrwassermarkierungen etc. anzeigen. Diese Anzeigen existieren allerdings nur für Gewässer, auf denen in irgendeiner Form Schifffahrt stattfindet. Kleine oder auch größere, geschlossene Seen und Wasserflächen sind in diesen recht kostspieligen Gewässerkarten leider nicht berücksichtigt. Hier erfolgt die Suche potentieller Angelstellen auf die herkömmliche Tour.

Im Gegensatz zur eingangs erwähnten, komplett manuellen Methode bieten viele kartentaugliche Geräte jedoch auch die, wie ich finde, fantastische Möglichkeit, das Echolot als „digitalen Videorecorder“ zu benutzen. Mittels einer einfachen und mittlerweile sehr preiswerten, gewöhnlichen Speicherkarte (SD, MMC) können sämtliche Daten, die sowohl der Echolotgeber als auch das GPS-Gerät empfängt, permanent aufgezeichnet werden!

Nun kann man „im großen Stil“ Wasserflächen, Tiefenlinien und Profile erkunden, ohne ständig selbst aktiv werden zu müssen. Der Clou: Man fährt (notfalls auch ohne ausgeklügeltes Raster-System und genauen „Fahrplan“) einfach auf seinem Gewässer kreuz und quer, hin und her und zeichnet dabei permanent alles digital auf.

Mittels eines kleinen, kostenlos aus dem Internet zu beziehenden Programms namens „SonarViewer“ (Quelle: eaglegps.com), können die so ermittelten Daten auf jeden herkömmlichen PC übertragen betrachtet und später ganz in Ruhe am Schreibtisch ausgewertet werden.

Vorteil Nr. 1:
Alle Gewässerdaten erscheinen auf dem heimischen Monitor ab sofort in Farbe, auch wenn es sich beim aufzeichnenden Gerät um ein Schwarz/ Weiß-Gerät gehandelt haben sollte!

Am heimischen PC werden die Daten aufbereitet!

Vorteil Nr. 2:
Es werden immer alle Original-Daten aufgezeichnet und nicht nur die (häufig falsch eingestellte) aktuelle „Bildschirmansicht“ des Echolotes. So können auch nachträglich am heimischen PC wichtige Einstellungen, wie Sensibilität und Farbwerte verändert und angepasst werden, bis z. B. die - auf dem See noch unsichtbaren Krautfelder oder Muschelbänke tatsächlich sichtbar werden!

Da jeder Computerbildschirm außerdem eine vielfach höhere Bildauflösung als das eigentliche Echolotdisplay hat werden die einzelnen Echolotaufnahmen zusammenhängend auf einer wesentlich breiteren Fläche dargestellt und somit auch geringste Tiefenunterschiede deutlich sichtbar für das Auge angezeigt. Wenn man entsprechend lange mit seinem Gerät aufzeichnet erhält man später am PC einen kompletten „Echolot-Film“, den man beliebig vor- und zurückspulen bzw. jederzeit anhalten und z. B. die Empfindlichkeit nachträglich verändern und optimieren kann.

Auf diese Art erhält man auch wesentlich schneller einen Überblick, auf welcher Tiefe sich die meisten Fische zu einer bestimmten Tages- oder Jahreszeit oder in Abhängigkeit einer bestimmten Wassertemperatur aufhalten!

So standen auch die Karpfen (!) im letzten heißen Sommerhalbjahr in vielen Gewässern bei dauerhaften Wassertemperaturen von über 25°C nicht etwa, wie zu erwarten, im Tiefen - sondern häufig knapp unter der Wasseroberfläche!

Eine Messung aller Wasserschichten in meinem Hausgewässer ergab schließlich, dass das Wasser - selbst in über fünf Metern Tiefe (!) nur 0,3°C kälter war als in allen anderen Bereichen und die Fische es scheinbar vorzogen, lieber auf etwas „Windsauerstoff“ bzw. die „Kühle der Nacht“ zu warten anstatt sich schon tagsüber zu verausgaben und am Boden zu fressen (sch*#...  Nachtangelverbot!).

Vorteil Nr. 3:
Bei Verwendung eines Kombigerätes werden - zusätzlich zu den Echolotdaten - auch alle GPS-Daten immer mit aufgezeichnet! Dies bedeutet, dass man - auch im Nachhinein - am heimischen PC jede Untiefe, jede markante Bodenstruktur und sogar ein einzelnes Fischecho oder einen zufällig überfahrenen, einzelnen, großen Stein oder versunkenen Baum mit der Maus anklicken kann und - neben Datum der Aufzeichnung, Uhrzeit, Gewässer- und Objekttiefe die exakten GPS-Koordinaten angezeigt bekommt! Diese einzelnen „Spots“ können wir nun wiederum separat als „Wegpunkte“ in das Gerät eingeben und individuell bezeichnen und somit jederzeit wieder finden.

Unbegrenzte Möglichkeiten!
Darüber hinaus können wir die angezeigten GPS-Koordinaten natürlich auch in „Google-Earth“ als „Ortsmarkierung“ eintragen und auf einem echten Satellitenbild aus beliebiger Höhe anzeigen lassen. Als Namensbezeichnung bietet sich dann z. B. einfach die zuvor ermittelte Gewäs-sertiefe in Metern mit Kommastelle an, z. B. „3,6“. Die virtuelle „Pinnadel“, die Google dabei serienmäßig auf das Satellitenbild „steckt“, verkleinern wir einfach über „Eigenschaften“ auf Minimalgröße, um den Spot nicht zu verdecken.

Ich selbst habe das System für meine Verhältnisse insofern optimiert, dass ich - je nach Veränderung der Bodenstruktur - die genannten „Meter-Zahlen-Bezeichnungen“ in verschiedenen Farben darstellen lasse, je nachdem ob es sich um einen einfachen Anstieg der Durchschnittstiefe, den Absatz auf einer Schräge, ein Loch, eine Erhebung oder ein einzelnes Hindernis handelt.

Mittels dieser Technik ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit eine komplette und sehr genaue Unterwasser-Strukturkarte zu erstellen, die ganz in Ruhe - am besten von zu Hause aus - immer weiter verfeinert werden kann, indem man nach und nach einfach zusätzliche Messpunkte einträgt. Für die genannte Vorgehensweise bietet es sich an, wenn möglich, zumindest einmalig mit einem motorisierten Boot zu arbeiten und den kompletten Angelbereich einmal systematisch abzufahren. Einzelne „Spots“ können und sollten dann später mittels des Klopflotes genauer unter die Lupe genommen werden.

Auch mittels „Google Earth“ entdeckte, interessante Stellen (z. B. Flachwasserabbruchkanten) können - in Form der jeweils angezeigten GPS-Koordinaten als Wegpunkte in jedes GPS-Gerät vorgetragen werden und lassen sich später vor Ort gezielt anfahren.

Wichtig beim Austausch der GPS-Koordinaten ist das exakt gleiche Datenformat, am besten mit Grad, Stunden, Minuten und Sekunden, z. B. 54°24`11.43“N, welches sich sowohl bei „Google Earth“ als auch am GPS-Gerät einstellen lässt.

Wie ich bereits zu Beginn des Artikels erwähnt habe spielt auch der Wind - insbesondere in den warmen Sommermonaten - eine sehr entscheidende Rolle bezüglich des jeweiligen Aufenthaltsortes der Fische. Da wir Karpfen in jedem Fall immer nur dort fangen können, wo sie sich gerade aufhalten, ist die Berücksichtigung des Windes bzw. der genauen Windrichtung ein weiterer, ganz wichtiger Punkt bei der Auswahl der jeweiligen Angelstelle.

Windausrichtung bestimmen!
Auch hier gibt es zwei gute Möglichkeiten, die genau Ausrichtung der Angelstelle in Bezug auf die Windrichtung exakt zu bestimmen.

Erstens: Ein einfacher Kompass wird am Ufer des auserwählten Angelplatzes abgelegt und die optimale Windrichtung für den jeweiligen Spot bestimmt. Idealerweise legen wir nun zukünftig neue Angelplätze nicht mehr alle in der selben Windausrichtung an (häufigste Wahl: Westwind weht genau auf den Angelplatz…) sondern suchen uns auch Angelstellen, an denen der Wind - insbesondere auch aus anderen Windrichtungen - genau auf’s jeweilige Ufer bzw. den Spot weht.

Ich erinnere mich noch, als ich vor nicht allzu langer Zeit meine absolute Topstelle (natürlich mit Westwindauslage!) befischen wollte und entsprechend mit Futter präparierte und dann, untypisch für die Jahreszeit, der Wind fast drei Wochen lang konstant aus Ost kam! Meine Stelle lag die ganze Zeit über komplett im Windschatten und brachte, über mehrere Ansitze nicht einen einzigen Fisch, während sich am gegenüberliegenden Ufer das nährstoffreiche und sauerstoffhaltige Wasser zu Schaumbergen auftürmte…

Schön, aber uneffektiv: 12x am selben Platz für nur einen Fisch...

Um zukünftig die Windauslage mehrerer Stellen, auch langfristig, vor Augen zu haben, verfahre ich wie folgt: Ich lege an der jeweiligen Angelstelle einen Kompass direkt vor meinen Füßen ans Ufer, so dass der Kompass selbst in Richtung Wasser bzw. Spot zeigt. Den Richtungs-Ring am Kompass drehe ich nun entsprechend der stets nach Norden zeigenden Nadel auf „Nord“ und lese nun die für diese Stelle perfekte Windrichtung ab. Jetzt wird das Ganze einfach von oben herab fotografiert und reiht sich auf meiner Festplatte mit einigen zusätzlichen Uferaufnahmen, die die Stelle repräsentieren, jederzeit abrufbereit ein.

Die technischere Variante bedient sich wieder unseres kostenlosen Internet-Hilfsprogrammes „Google Earth“, in dem sich die exakte Ausrichtung jeder Angelstelle „in Windeseile“ genau bestimmen und jederzeit anhand des eingeblendeten Kompasses einfach ablesen lässt.

Allein mit der Auswahl zwei, drei guter, aber in entgegengesetzter, oder zumindest stark voneinander abweichender Windrichtungsauslagen befindlicher Angelplätze, lässt es sich schon wesentlich flexibler und aussichtsreicher agieren als mit fünf reinen „Westwindstellen“.

Das Letzte, was wir jetzt zukünftig noch genauer beobachten sollten, ist die mittelfristige Entwicklung des Wetters bzw. insbesondere des Windes!

Auf der Internetseite „wetteronline.de“ gibt es z. B. neben der klassischen 3-Tage Vorhersage zusätzlich einen 3-Tage-Trend, ebenfalls mit Witterung und Windprognose. So erhält man, zumindest tendenziell, eine vorausschauende Entwicklung für die nächsten sechs Tage und kann entsprechend planen.

Auf der erwähnten „Kachelmann-Seite“ gibt es unter „meteomedia.de“ zwar „nur“ eine Vier-Tage-Prognose, welche jedoch - insbesondere, was die Windentwicklung angeht - sehr detailierten Aufschluss gibt. So lässt sich z. B. die Entwicklung der Windrichtung anhand mehrerer Richtungspfeile pro Tag und Uhrzeit, genau ablesen.

Es empfiehlt sich aber gerade bei sehr wechselhaften Wetterphasen und drehenden Winden am besten mehrere Wetterdienste zu besuchen, um sich ein etwas objektiveres Bild über die tatsächlichen und teilweise kurzfristigen Entwicklungen zu machen. Windstärken bis Zwei oder Drei sind bei der ganzen von mir bisher beschriebenen Vorgehensweise generell eher zu vernachlässigen, wohingegen mich eine bevorstehende Vier bis Fünf in absolute „Alarmbereitschaft“ versetzt. Wenn dazu noch von Böen mit 60 oder mehr Stundenkilometern die Rede ist, ist mein Zeug schon so gut wie gepackt!

Gerade bei konstanten Wetterphasen mit lang anhaltenden Windprognosen aus fast der gleichen Richtung ist die Wahl des sich „im Wind“ befindenden Ufers eigentlich immer goldrichtig, egal wie die Windrichtung nun „heißt“.

Wenn es im Hochsommer vor allem darum geht, lebensnotwendigen Sauerstoff ins Gewässer zu bekommen, dann ist es den Karpfen (und allen anderen Fischarten auch) relativ schnurz, ob der Wind nun aus Nord, Süd oder gar Ost kommt!

Ich habe in diesem Frühjahr jedenfalls eine ganze Menge Zeit in die Erkundung neuer, unbekannter Angelplätze gesteckt und wurde den ganzen bisherigen Sommer mit tollen Fängen belohnt - aber vielleicht war ja auch alles nur Zufall, genauso, wie diesem Text keine fundierten, wissenschaftlichen Kenntnisse, praktische Erfahrungen und auf Logik basierende Überlegungen zu Grunde liegen, sondern es sich ausschließlich um die zufällig zusammen gewürfelte Aneinanderreihung lateinischer Buchstaben handelt…

„Stürmische Zeiten“,
René Hupe