Diese Worte hatte ich schon oft mit Schweiß auf der Stirn von mir gegeben, wenn ich das Tackle nur 100 Meter durch den Wald oder über eine Wiese schleppen musste. Ein Trolly war im Wald nicht immer die Lösung und wegen 100 Meter Fußweg nahm ich ihn meist nicht mit. Vor etwa drei Jahren änderte sich jedoch mein Standpunkt. Ich traf einen Bekannten auf einer Feier, der mir in Partielaune von einem See erzählte, den er auf einer Wandertour entdeckt hatte. Er schwärmte: „Super Natur dort, einsam im Wald gelegen und...“ er blinzelte mir zu: „Es springen Karpfen!“ Den nicht so netten Blicken meiner Frau ausweichend - die wohl ahnte, dass es mal wieder etwas länger dauert - bugsierte ich ihn in eine ruhige Ecke. Komischerweise hat auf einer Familienfeier nie jemand Verständnis für Gespräche unter  Anglern. Es gibt Wichtigeres als Tanzen, und Infos über neue Gewässer lassen wohl den Puls eines jeden Karpfenanglers in die Höhe schnellen. Es stellte sich heraus, dass dieser See  etwa 8 Hektar hat  und nur 60 Kilometer entfernt ist und das war genau nach meinem Geschmack.

Stopp, wer jetzt schon die Landkarten rausgeholt hat, sollte sie wieder wegräumen, denn dies ist kein Gewässerbericht mit Wegbeschreibung und es geht auch nicht um große Carps. Wer aber ein Gewässer befischen will, an das er mit den Auto nicht heranfahren kann, der findet vielleicht hier eine brauchbare Lösung. Wir, das sind mein Angelpartner Michael und ich (Jörg), machten uns gleich am nächsten Tag auf den Weg. Da das Gewässer tief im Wald lag, stellten wir unser Auto am Rand eines Dorfes ab und liefen den Rest zu Fuß. Nach 20 Minuten Fußmarsch lag der See dann herrlich im Tal gelegen vor uns. Da im Einlaufbereich viele festgetretene Angelstellen waren, gingen wir weiter nach unten, wo wir mehr Ruhe hatten. Nur... wir waren jetzt mehr als 30 Minuten unterwegs, ohne Tackle. Zum Glück besaßen wir jeder einen Trolly, die hier mal zeigen können, dass sie ihr Geld wert sind. Zurück beim Auto erkundigten wir uns gleich nach den Angelkarten, die in einem Hotel in der Nähe zu bekommen waren. Am Montag Abend waren wir wieder zurück, um auszuloten und gleich zu füttern, dann wollte ich am Mittwoch noch einmal alleine füttern. Am Mittwoch hatte ich nicht viel Lust auf den langen Fußmarsch und packte einfach mein Fahrrad in meinen Polo, damit waren die Wege kurz und das Füttern kein Problem mehr. Freitagmittag, ein Bombenwetter und endlich ging es los. Das meiste Tackle hatte ich schon morgens ins Auto geladen,  jetzt schnell den Rest rein, die Boilies und ein bisschen Verpflegung nicht vergessen und nix wie los.

Am Rand des Dorfes wartete Michael bereits, schnell war der Trolly gepackt  und auf ging es. Als wir eine halbe Stunde später am Platz ankamen, waren wir Schweiß gebadet. Na toll, da graut es einem schon vor dem Rückweg. Aber die Carps entschädigten an diesen Wochenende für alles, trotzdem grübelten wir die ganze Zeit über eine Lösung. Eine Fahrgenehmigung war nicht zu bekommen, ein Fahrradanhänger wäre die Lösung, passte aber nicht mit Tackle und Fahrrad ins Auto. Der Trolly aber war schön flach, aber wie bekommt man den ans Fahrrad? Da ich vom Beruf Heizungsbauer bin, lag die Lösung nahe, ein Stück Halb-Zoll-Rohr und ein Paar Schellen hatte ich zu Hause. Das Halb-Zoll-Rohr lässt sich mit wenig Kraftaufwand biegen wenn man es in einen Schraubstock einspannt. Mann muss es dabei soweit biegen,  dass das Hauptgewicht des Tackle genau auf der Achse sitzt, wenn der Trolly hinter dem Fahrrad ist.

Um die dünnen Stangen des Trollys nicht durch bohren zu müssen, habe ich Schellen mit Gummieinlage genommen, die ein M 8 Gewinde haben. Das Halb-Zoll-Rohr wird an den Stellen, an denen es an den Schellen anliegt  mit einen 9 mm Bohrer durchbohrt und mit M 8 Flügelschrauben durch das Rohr in das Gewinde der Schelle am Trolly befestigt. Durch die Flügelschrauben lassen sich Trolly und Stange schnell trennen, um im Auto weniger Platz einzunehmen. Im Fahrradzubehör bekommt man eine Anhängerkupplung für kleines Geld. Am Fahrrad wird die Kupplung an der Schraube für die Sitzstange befestigt. Das Gegenstück wird an der Stange mit zwei Schrauben angebracht, wobei die Stange  durchbohrt werden muss.

Der Umbau ist auch für weniger geschickte Hände schnell gemacht und da es kaum ein Gewässer gibt, an dem man rund herum mit den Auto fahren kann, ist das Rad und der Trolly immer dabei. Wir befischten den See oft auch nur für eine Nacht, was jetzt kein Problem mehr war. Auch an anderen Gewässern suchten wir uns die Plätze aus, die für andere Angler zu weit entfernt waren. Das hat uns manch guten Fisch gebracht. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mein Auto nicht mehr einsam am Waldrand parken muss. Ich lasse es meist ein paar hundert Meter weiter im nächsten Ort, wo es sicherer steht. 

Die entlegensten Angelplätze sind meistens die besten und wer hat schon Lust, sein Tackle so weit zu schleppen?

Hm, also ich schon.

Jörg Preimann
(Harzer)