Mein Bericht beginnt   etwas anders als viele Berichte in der Vergangenheit. Nicht etwa nach 800 km Fahrt in Richtung Südfrankreich an ein Gewässer XY - sondern mit Ziel und Gewässerbeschreibung. Viele Autoren haben meiner Meinung nach einfach Angst, ein Gewässer preiszugeben, aus welchem Grund auch immer. Besser wäre es doch, wenn jeder in seinem Bericht das jeweilige Gewässer, um welches es sich handelt, erwähnt. Die Gewässerauswahl wäre größer und es würden nicht alle zum Cassien oder anderen bekannten Gewässern fahren.

Ich denke da auch an Karpfenangler, die mit der Szene nichts zu tun haben aber auch an Jugendliche, die ihre ersten Erfahrungen im Ausland sammeln wollen. Die Auswahl an Gewässern wäre so vielfältig, dass der Angeldruck an keinem Gewässer groß wäre. Unsere Nachbarländer, wie Frankreich, Italien, Belgien und die Niederlande gehen da mit gutem Beispiel voran. Dies soll auch keine Anspielung auf vergangene Berichte sein, sondern vielmehr eine Anregung für die Zukunft. Jetzt aber genug der Einleitung, kommen wir nun zum eigentlichen Teil meines Berichtes.

Ich bin kein Mann der großen Worte und ein Schreiber schon gar nicht! Aber nach jahrelangen Überredungskünsten meiner Freunde habe ich mir Papier und Bleistift zur Hand genommen und einfach angefangen zu schreiben. Es ist Mitte Oktober und ich bin auf dem Weg an einen See namens „Lac de la Vingeanne“. Der Stausee im Herzen Frankreichs ist mit 200 ha und bis zu 8 m Wassertiefe ein ideales Karpfengewässer, der durch seine flachen Uferzonen Nahrung in Hülle und Fülle beherbergt. Der See ist zu jeder Jahreszeit (April bis Oktober) eine Reise wert. Doch letztes Jahr sollte der trockene Sommer mir einen Strich durch die Rech-nung machen. Der See durfte nur noch mit einer Angel und ohne Boot beangelt werden. Aus 200 ha Traumsee wurden ca. 60 ha Wasser, das komplett von Schlamm umgeben war. Da musste ich an meine ersten beiden Trips zurückdenken:

Besuch im Juni
Mit dem Kauf der Angelkarten im „Cafe du Lac“ am Nahe gelegenen Dorf „Villegusien“ hatte alles begonnen - es konnte nicht schnell genug gehen, die Nachtangelzonen zu besichtigen. Nach kurzer Beratung mit meinem Angelkollegen entschlossen wir uns, den flacheren und verkrauteten Teil zu beangeln.

Diese Nachtangelzone 1 ist gut mit dem Auto anzufahren. Bei Temperaturen um die 30°C, strahlendem Sonnenschein und keinem Windhauch machten wir uns auf die Suche nach unterschiedlichen Stellen in verschiedenen Wassertiefen, um uns ein Bild über das Fressverhalten der Karpfen zu machen: Von ufernah, verkrautet und 1 m Wassertiefe bis fester Boden, krautfrei und 4,5 m Wassertiefe. So waren am Abend alle Ruten abgelegt. Wir waren gerade dabei, unsere Zelte aufzubauen, da kam auch schon Bewegung ins Wasser und der erste Bissanzeiger meldete sich.  Ein Fallbiss ließ nichts Gutes verheißen, denn die Rutenspitze wippte hin und her. Das Ergebnis war ein Brassen von ca. 4 Pfund. „Na, das kann ja heiter werden!“ dachte ich und legte die Rute erneut aus. In der ersten Nacht fingen wir noch einige Brassen, Schleien und 2 Karpfen um die 10 Kilo.

Die heißen Tage machten die Fische wohl beißfaul und so suchten auch wir Schatten unter einem Baum und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Am Abend legten wir die Ruten neu aus und die Nacht begann. Mehr Karpfen sollten es werden - und es wurden mehr! Die Brassen- und Schleienbisse blieben aus und die Karpfen machten sich über unsere Boilies und Tigernüsse her. Dabei fiel auf, dass vor allem die Uferruten mehr und größere Karpfen brachten. Am Ende der 4 Tage konnten wir 31 Karpfen mit einem Durchschnittsgewicht von ca. 12 Kilo landen. Das war ein gelungener Einstand und so beschlossen wir, diesen See ein weiteres Mal unter die Lupe zu nehmen.

Besuch im Juli
Im Juli also brachen wir erneut für 4 Tage auf, um unser Glück zu versuchen. Die Nachtangelzone 1 war aber leider besetzt und so fiel die Wahl zwangsläufig auf die tiefere Nachtangelzone 2, die in der Nähe der Staumauer liegt. Da diese Zone nicht direkt mit dem Auto anzufahren ist, beluden wir die Boote mit unserem Tackle und ruderten die 300 m bis dorthin. Am Platz angekommen, fingen wir gleich an aufzubauen und staffelten unsere Ruten erneut von ufernah bis in ca. 150 m Entfernung. Die Temperaturen glichen denen des ersten Trips, doch das ufernahe Kraut (ein Streifen von 10 m) war, mit Ausnahme von einer Kante, in 40 m Entfernung das Einzige, welches aus der Badewanne herausragte. Die Erfolge blieben aber aus. Am dritten Abend zog ein kräftiges Gewitter mit Sturm und Hagel über uns hinweg. Nachdem sich dieses Unwetter gelegt hatte, und die Nacht hereinbrach, konnten wir noch 3 Karpfen bis 16 Kilo überlisten. Die letzten zwei Tage schwiegen unsere Bissanzeiger und so konnten wir die Glückssträhne des ersten Trips nicht wiederholen.

Herbstbesuch
Also setzten wir unsere Hoffnungen auf den letzten Trip im Herbst. Zusätzlich angespornt durch gigantische Fangmeldungen deutscher Karpfenangler im September in der Nachtangelzone 2 ließen 50 Karpfen und mehr Gutes verheißen! So - und nun stehe ich hier - und der See ist gesperrt!!! So heißt es, warten auf das nächste Jahr!

Für diejenigen, die Interesse an diesem See gefunden haben, hier noch ein paar Infos: Der „Lac de la Vingeanne“ liegt ca. 60 km nördlich von Dijon direkt an der RN 74. Jahreskarten gibt es für 112,- Euro (mit Nachtangelerlaubnis) im Cafe du Lac in Villegusien (Passbild für Fischereischein nicht vergessen). Boot und Echolot sind von Vorteil, da die Spotsuche und der Drill im Kraut erleichtert werden. Fischboilies und Tigernuts haben sich bestens bewährt.

In diesem Sinne viel Erfolg

Dedde
 

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