Hallo Karpfenfreunde,
das ist die Geschichte von vier Frankreich-Novizen, die sich als erstes Ziel in Frankreich den so genannten „Karpfenpuff“ Etang de la goutte Poinsotte ausgesucht haben. Die Wahl fiel auf den See, da wir nur ein verlängertes Wochenende Zeit hatten (Fr. bis Mo.) und wir nicht unbedingt an einem unbekannten Gewässer herum experimentieren wollten. 

Wir, Peter, Zoran, Wachsi und Ich haben bei Frau Arnold telefonisch zwei Doppelplätze mit Wohnwagen reserviert. Wie sich später herausstellte war das wohl eine falsche Entscheidung. Je näher wir dem Termin kamen, desto aufgeregter und nervöser wurden wir. Nach ca. 4 Stunden Fahrt waren wir freitags etwa 18.00 Uhr am Wasser. Nach dem Beziehen der Plätze begannen wir zu fischen. Jeder hatte sich seine eigene Taktik bereitgelegt und war sehr erwartungsvoll, da wir von vielen und vor allem auch von riesigen Karpfen gehört haben (40+). Wir fütterten sehr zurückhaltend, nur zwei Hände Boilies für jede Rute, da wir wussten dass an diesem See ein sehr hoher Angeldruck herrschte. War das war im Nachhinein vielleicht die falsche Taktik?

Es fing eigentlich ganz viel versprechend an, denn Zoran fing an dem Abend eine große Brachse mit 5kg und eine schöne Schleie mit 2kg kurz hintereinander. Wir verzogen uns recht früh in die Zelte, die wir trotz Wohnwagen aufbauten, dort fühlten wir uns einfach wohler. (die Wohnwagen benutzten wir nur für unsere Ausrüstung, ich finde auch die haben an dem See einfach nichts verloren) Wir warteten darauf was die Nacht bringen würde. Der erste der aus seinem Schlafsack musste war Zoran der den ersten und einzigen Karpfen für die nächsten 2 ½ Tage fing. Einen Spiegler mit 11,5 kg.

Alle Anderen hatten keine Aktion, bis auf Wachsi, der im Morgengrauen eine Brachse reinkurbelte. Der Fisch durfte aber nicht auf die Abhakmatte, auf der schon Cassien-Karpfen lagen, er wurde noch im Wasser vom Schonhaken befreit. Dann wurde es ruhig, verdammt ruhig für meinen Geschmack für so einen gut besetzten Pool. Mein Zeltnachbar Peter hatte so einen guten Schlaf, dass er von den nächtlichen Aktionen nichts mitgekriegt hat. Zum Glück war mein Schlaf nicht so tief so das ich auch die kurzen Piepser an seine Ruten hörte, allerdings war kein richtiger Biss dabei. Wahrscheinlich die Brassen.

Samstag:

Das Wetter machte auch nicht so richtig mit, denn immer wieder kamen Regenschauer. Was aber das schlimmere war: Keine Aktion an den Ruten! Wir versuchten an unseren Plätzen alles, verschiedene Baits, PVA Säckchen, Partikel, ufernahes Fischen, näher an die Seerosenfelder, usw. Es nützte nichts, wie gesagt wir blieben die nächsten zwei Tage und Nächte ohne jede Aktion und das an immerhin 12 Ruten. Frust machte sich breit, an so einem Pool Schneider heimzukehren gleicht einer Höchststrafe! Das Schlimmste war aber, dass auf anderen Plätzen gefangen wurde und wie dort gefangen wurde. Am Samstag kamen zwei Angler aus dem Kölner Raum, die Ihre Plätze, einen auf einer kleinen Insel und einen rechts neben unseren Plätzen am gleichen Ufer bezogen.

Als wir am Sonntag Morgen erfuhren was der Angler auf der Insel fing, trauten wir unseren Ohren nicht: 5 Fische zwischen 28 und 42 Pfd.!! Auch der Angler an dem Platz rechts neben uns, fing am Sonntagmorgen zwei Carps zwischen 20 u. 30 Pfd, das gibt’s doch nicht! Ich glaube wir hatten schlicht und einfach die falschen Plätze erwischt. Die Karpfen hielten sich wohl im flacheren Teil des Sees, nahe dem Schongebiet auf und sahen keinen Grund das wärmere Wasser zu verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Außerdem versammelten sich die Fische dort schon für das Laichgeschäft. Die waren einfach satt, kein Wunder bei dem Angeldruck. Eine Gruppe von 6 Anglern aus dem Saarland fischte vorher bei der Insel und im flachen Teil des Sees. Die fingen richtig gut und ich denke, dass die Carps sich wohl immer noch and dem  übrigen Futter der Saarländer satt fraßen.

Spaß hatten wir trotzdem, da wir vier uns echt gut verstanden und wir ja immerhin noch zwei volle Nächte vor uns hatten. Immer bevor es dunkel wurde machte jeder von uns seine Ruten scharf für die Nacht, (das kein Biss erfolgte wisst Ihr ja schon) Peter fiel wieder in seinen Komaschlaf, ich dagegen hatte immer ein Ohr für die Geräusche der Nacht. Es muss so um 04.30 Uhr gewesen sein,  plötzlich hörte ich ein Geräusch, das aus der Richtung kam wo der Rodpod von Wachsi stand, es glich einem Knarren ähnlich einem Freilauf… ich wusste das die betagten Optonics von Wachsi sehr leise waren und die Batterien schienen auch nicht mehr die Besten zu sein… das muss ein Freilauf sein… schlaftrunken, halb angezogen stürmte ich aus dem Zelt, ich sah Zoran und rief im entgegen: „Biss, Biss, der Freilauf  läuft…“ Der erschrak sich regelrecht und als wir beide merkten das das Knarren nur irgendein Vogel oder Insekt war das in den Büschen hinter dem Rodpod saß, mussten wir loslachen. Au Mann, ich hörte schon Geisterkarpfen. Resigniert kroch ich wieder in mein Zelt, wo Peter immer noch tief und fest schlief, einen Run hätte der nie und nimmer mitgekriegt.

Sonntag
Nach dem Frühstück kam unser Angelnachbar aus Köln zu uns rüber und berichtete von einem weiteren Dreißiger den er im Karpfensack hatte, voller Neugier gingen wir zu ihm rüber und halfen Ihm beim Fotografieren. Woow ... was für ein Fisch. An diesem Tag musste uns Wachsi verlassen, so dass unsere Gruppe auf drei Mann zusammenschrumpfte, das Wetter war echt super, heiter bis wolkig mit leichtem Wind. Wir dachten, wenn schon nichts beißt, dann eben das schöne Wetter und das Wochenende genießen. Die Fangmeldungen unserer Angelnachbarn aus Köln deprimierten uns schon, kann denn nicht wenigstens einer der vielen Karpfen im See zu uns rüber schwimmen …

Sollten wir moven? Einen Moment dachten wir darüber nach, es hätten aber nicht alle einen aussichtsreichen Platz gekriegt. Also blieben wir auf unseren Plätzen und lenkten uns mit Grillen und  Rotweintrinken ab. So verging ein herrlicher Sonntag der nur einen Fehler hatte: Keine Fische! Aber wir hatten ja noch eine Nacht und die meisten Fische bissen nachts. So früh gingen wir dieses mal nicht in die Zelte wir machten uns in einer großen Grillwanne ein schönes Feuer und genossen den lauen Abend. Unsere Ruten hatten wir schon lange für die Nacht vorbereitet und wie immer krochen wir erwartungsvoll in die Schlafsäcke, diese Nacht musste es einfach klappen. Es passierte was passieren musste: Nichts, das heißt fast nichts tatsächlich, an einer von Peters Ruten zwei kurze Piepser. Sofort war ich wach, ich weckte Peter der wieder mal nichts gehört hatte. Wir stürmten beide aus dem Zelt, Peter schlug an, doch der Anhieb ging ins Leere wir machten uns vor das es wohl nur eine Brachse war, wäre auch zu enttäuschend wenn man den einzigen Biss nach 3 Nächte auch noch vergeigt.

 Montag
Unser letzter Tag, wir wollten so bis 15.00 Uhr bleiben da uns ja noch die Heimfahrt bevorstand. Zoran packte schon Morgens sein Tackle da sein Platz ab 12.00 für den nächsten Angler gebucht war. Frustration machte sich breit, immerhin hatte Zoran am ersten Tag ein paar Fische, doch selbst der Karpfen mit 11.5 kg, den Zoran am Freitag, fing konnte nicht so richtig trösten wenn man bedenkt welche „Giganten“ im Pool sind. Um 11.30 fuhr Zoran ab und wünschte uns noch Glück. Immer wieder probierten wir andere Köder und legten unsere Ruten anders, um vielleicht doch noch den ersehnten Run zu kriegen. Peter fand in seiner Tacklebox uralte Vanille -Boilies eingelegt in Pistazien Flavour, sie müssen 8 Jahre alt gewesen sein. Tatsächlich hatte er ein paar kurze Piepser an der „Vanille - Rute“. Er gab mir sein letztes Vanille Boilie. „Komm probier es damit, wer weiß vielleicht stehen die drauf“ sagte er. Warum nicht ein Versuch ist es allemal wert. So genossen wir noch die letzten Stunden und packten so langsam unsere Sachen bis auf den Rodpod und den Ruten war fast alles fertig gepackt.

So um 14.00 sagte Peter zu mir: „komm wir packen den Rest ins Auto, es geht sowieso nichts mehr“! „Ok“, antworte ich „Dann wird es nicht so spät“. Als wie aus dem Nichts mein  rechter Delkim einen Ton von sich gab, wie ich ihn schon lange nicht mehr gehört hatte und der Swinger hektisch nach oben schlug. „Der geht, schnell mach jetzt bloß nichts falsch“ rief Peter, der mindestens genauso aufgeregt war wie ich. Ich spürte den Puls am Hals als ich die Rute fasste. Ich hob nur zügig die Rute nach oben und schlug nicht zu kräftig an um nicht auszuschlitzen, sofort spürte ich einen kräftigen Zug, der Fisch ging Richtung Seerosenfeld.

Jetzt nur nicht mit Gewalt, dachte ich mir, doch ich konnte den Fisch mit mäßigem Druck vor den Seerosen stoppen. Peter meinte: „Das ist aber keine Brachse, oder?“ Ich versicherte Ihm: „Sicher nicht, das ist was größeres“. Ich hielt die Schnur schön auf Spannung, da ich das erste Mal mit Schonhaken fischte, denn ich wollte diesen Fisch, unbedingt! Ich weiß nicht wie lange ich drillte, ich denke so ca. 10 min, es war wie im Traum. Peter holte sich gleich meine Kamera und half mir beim Keschern. Tatsächlich, ein schöner Spiegelkarpfen der schwer im Keschernetz lag. Die Freude war übergroß, so einen Abschluss damit hätten wir nie gerechnet! Wir freuten uns beide wie die Kinder, wogen den Fisch und machten eine ausgiebige Fotosession. Nachdem ich den Spiegler in sein Element entließ, tranken wir erstmal ein Bier und setzten uns, um dieses Ereignis zu Verdauen. Der Vanille-Boilie brachte mir tatsächlich Glück!  Auch die Ruten bis zum Schluss im Wasser zu lassen war die richtige Entscheidung. Bevor ich es vergesse der Karpfen wog genau 14.3 kg und war mein neuer PB! Das war es jetzt also, unser erstes Mal in Frankreich: Ein langes, fast zu langes Vorspiel aber ein schöner Höhepunkt.

Viele Grüße Peter Schmid (Carpfan)
 

 

© 2001-2006 by cipro.de