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von
Tobias Brenne
Vor
sehr, sehr langer Zeit waren sie die Karpfenköder schlecht hin, heute sind
sie zum Großteil Geschichte. Durch die Boilie-Ära verdrängt und schnell in
Vergessenheit geraten. Was ich meine, sind Massenfuttermittel wie kleine
Samen, Bohnen, Getreide, Erbsen und diverse Nüsse, auch bekannt unter der
Bezeichnung "Partikel".
Lange waren sie fast von der Bildfläche
verschwunden, doch einige Spezialisten haben sie für sich wieder entdeckt.
Sehr, sehr viele Leute benutzen heute diese Köder, um damit große
Futterteppiche anzulegen und um die Kosten einer Futteraktion zu senken. Stimmt, dagegen kann ich nicht viel einwenden… will ich auch gar nicht.
Ich möc hte den unwissenden Neulingen und einigen Interessierten lediglich
einen kleinen Einblick in die Vielfalt und Zubereitung dieser Köder geben.
Jeder geht dabei seinen eigenen Weg; und meinen möchte ich euch näher
bringen. Doch nun möchte ich zum eigentlichen Thema kommen. Es gibt
tausend verschiedene Sorten von Partikeln, aber ich werde nur auf die von
mir verwendeten Sorten eingehen. Nicht das es nachher heißt "Was erzählt
der denn für einen Sch… ". Die von mir verwendeten Partikel sind: Mais,
Erdnüsse, Hanf, Kichererbsen, Weizen, Vogelsaat und Tigernüsse. Ich werde
nun im Einzelnen auf die verschieden Sorten eingehen und meine Verwendung
und Zubereitung beschreiben.
Mais
Dabei handelt es sich um so genannten Hartmais bzw. Futtermais.
Mais ist wohl der bekannteste und am häufigsten benutzte Partikel den es
gibt. Seit Jahrzehnten benutzt und immer noch sehr beliebt bei den Karpfen
(und natürlich auch bei anderen Fischen). Er ist extrem billig (z.B. 33 kg
für ca. 8,00 €) und leicht bei jedem Bauer erhältlich. Vor der Verwendung
muss man ihn allerdings erst mindestens 12 std. (besser 24 std. und mehr)
einweichen. Diese Zeit benötigen die Körner um sich mit Wasser voll zu
saugen. Nach diesem Vorgang ist es wichtig, dass man die Körner - nach
kurzem Aufkochen - für ca. 20 min köcheln lässt. Durch den Kochvorgang
werden die Kohlenhydrate aufgeschlossen und entfalten so ihr komplettes
Aroma (Geruch und Geschmack). Kleiner Tipp: Unsere Karpfen lieben es, wenn
man den gekochten Mais fermentieren
lässt. Dabei bekommt der Mais einen extrem süßlichen Geruch und einen
unwiderstehlich Geschmack. Sehr gerne greife ich auf diesen exzellenten
Köder zurück, am liebsten in einer Kombination mit anderen Partikeln.
Erdnüsse, Hanf oder Kichererbsen (siehe weiter unten) sind sehr kompatibel
(verträglich). Bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Mais ist und
bleibt einfach ein Klassiker.
Wenn ich mit Mais als Hakenköder fische, so
präsentiere ich ihn meistens als Pop up. Für diese Art der Präsentation
verwende ich Pop-up-Foam (am liebsten in gelb). Ich habe die Erfahrung
gemacht, dass man gerade im Sommer bei hohen Wassertemperaturen mit
schwimmendem Mais erstklassige Erfolge erzielt, wenn man die komplette
Vorfachlänge aufpoppt. Die Vorfachlänge kann im Sommer dann ruhig mal
30-100cm betragen. Somit erreicht man auch die umherziehenden Fische, die
unseren Hakenköder aus Neugierde (durch die grelle Farbe!?) aufnehmen. Ein
Effekt, den Frank Warwick auch für seine neue Pop up-Serie als sehr
bedeutend einstuft. Um dem Kleinfischen eine harte Nuss zu präsentieren
binde ich eine 10 cm lange Maiskette zu einem dicken Paket (ca. 3-5 cm
lang) zusammen und befestige sie an einem mittelgroßen Rig Ring (siehe
Foto). Als Haken benutze ich einen 4er Fox Serie 3 oder einen 4er SHA-Kira
von Mika Products. Aber auch als normaler Bodenköder ist Mais eine fängige
Alternative zu unseren geliebten Boilies.
Erdnüsse
Ein Topköder, der in England stark kritisiert wird und teilweise
an einigen Gewässern verboten wurde. Grund für dieses Verbot ist die
Tatsache, dass Erdnüsse Aflatoxine beinhalten, die dem Karpfen auf Dauer
gefährlich werden können. Ich halte diese Tatsache nur bedingt für
zutreffend. Meiner Meinung nach sind unsere Gewässer nicht so stark
befischt und zugeschüttet (mit Erdnüssen), dass die Fische von dem
Giftstoff Probleme bekommen. In England werden kleine Seen von wenigen
Hektar Wasserfläche regelrecht zugepflastert, sodass die Erdnüsse dort
bald zum Großteil als natürliches Futter angesehen werden. Ich halte sie
bei dezentem Einsatz für unbedenklich und äußerst erfolgreich. Karpfen
lieben den Geschmack und den Geruch von Erdnüssen! Aus diesem Grund mische
ich gerne Erdnüsse mit anderen Partikeln, sozusagen als Booster für eine
erfolgreiche Futterstelle. Eine gute Kombination habe ich weiter oben
schon erwähnt (Mais/Erdnüsse).
Auch Erdnüsse sollten vor dem Gebrauch gut
eingeweicht (ca. 12 std.) und anschließend 20 min geköchelt werden. Wie
auch schon bei dem Mais kommt die ganze "pulling power" (Attraktivität)
erst nach dem Kochen so richtig zur Geltung. Keine Ahnung wieso, aber
Erdnüsse biete ich lieber sinkend an und in den seltensten Fällen mal als
Pop up. In meinen Augen sind Erdnüsse so leicht, dass sie sich über
abgestorbenen Kraut selbst ausbalancieren (einen nicht allzu großen Haken
vorausgesetzt, denn das Fischen mit Partikelködern ist nicht unbedingt
etwas für große, schwere Haken). Lieber verwende ich einen mittelgroßen,
leichten Haken (z.B. einen Fox Serie 3 in Größe 4).
Hanf
Ein Köder der die Fische regelrecht süchtig macht. Top-Attractor!
Schon die Stipper haben ihn sehr früh erkannt und mit großem Erfolg
eingesetzt. Bei großen Rotaugen sehr beliebt, aber bei großen Karpfen
genauso. Keine Angst, ich glaube kaum, dass Weißfische am Platz sind, wenn
ein gefräßiger Trupp unserer Freunde am Fressen ist. Kein Korn wird liegen
bleiben, das ist sicher. Sind (noch) keine Karpfen am Platz, so locken die
fressenden Weißfische unsere Freunde recht schnell an. Brassen und
Rotaugen sind oft die Vorhut der Karpfen. Fressneid! Hanf ist, egal ob als
Korn oder als Mehl, ein klasse Fischfutter. Ist er erstmal gekocht,
entfalten sich seine Öle perfekt im Wasser. Seine Zubereitung ist auch
recht einfach. Gut 6-12 Stunden einweichen und anschließend mit kochendem
Wasser überbrühen und eine Nacht lang ziehen lassen. Die zweite
Möglichkeit ist es, die aufgequollenen Körner ca. 10 min köcheln lassen.
Egal welchen Weg man geht, wichtig ist der sichtbare, weiße Keim. Ist der
Hanf so präpariert, kann man ihn perfekt einsetzen.
Rod Hutchinson hat schon früher Hanfkörner am
Haar gefischt, indem er die einzelnen Körner mit einer feinen Nähnadel auf
Bindegarn aufzog und sie dann an das Hakenöhr band. Sehr aufwendig, aber
die Arbeit macht sich beim nächsten gefangen Fisch doch schon bezahlt. Wer
sich die Arbeit sparen will, der sollte einen Partikelkleber für Montagen
verwenden (z.B. Kryston Bogey). Für mich ist das aber nicht die ideale
Lösung, denn die Körner dürfen nicht gekocht bzw. feucht sein, ansonsten
lösen sich wieder ab. Da die Körner nicht gekocht sind, fehlen ihnen auch
die attraktiven Öle. Der eigentliche Attraktor fehlt also. Dann mache ich
mir doch lieber die Arbeit mit dem Auffädeln und hole das Optimale heraus.
Kichererbsen
Ein weiterer Klassiker. Kichererbsen eignen sich hervorragend zum
Aromatisieren und Einfärben. Bei den Aromen zählen Scopex/Erdbeer oder
Tutti Frutti (Magicbaits.de) zu meinen Favoriten. Aber selbst pur scheinen
die Karpfen diese Erbsensorte g erne zu fressen. Sie eignen sich auch
hervorragend als Hakenköder, am liebsten verwende ich 2-3 Erbsen am Haar.
Bodenköder sind mir auch hier lieber als Pop ups. Keine Ahnung warum, ist
halt so eine Macke von mir! Gute Ergebnisse erzielte ich, wenn ich meine
Erbsen mit Flavour und Sweetner (z.B. Honig aus dem Glas, top!!)
versetzte. Wer sich von seinen angelnden Kollegen abheben möchte, der
sollte Salz (ja, Salz!) als Lockstoff einsetzen. Salz ist ein prima
Lockstoff, der schon seit Jahren erfolgreich bei den Stippern Verwendung
findet. Eine gute Zutat, um die Kichererbsen fängiger zu gestalten, war
Black-Magic (magicbaits.de) oder aufgelöste Betaine HCl. Kichererbsen
nehmen alle flüssigen Bestandteil optimal auf, sodass dem Experimentieren
keine Grenzen gesetzt sind. Die Zugabe von H-Milch ist ebenfalls eine
sehr, sehr gute Alternative sich "vom Rest der Welt" abzuheben. Ich weiche
meine Kichererbsen vor dem Angeln mindestens 12 Stunden ein, bevor ich sie
15-20 Minuten köcheln lasse. Möchte man mit Zusätzen arbeiten, so empfehle
ich deren Zugabe bereits beim Einweichen. Die Erbsen werden alles schön
aufsaugen und eine lange Lockwirkung wird gewährleistet. Ich stehe auf
eine 1:1 Kombination mit gekochtem Mais. Die beiden Partikel ergänzen sich
hervorragend und haben mir schon so manch gute Session beschert. Wie oben
schon erwähnt, stehe ich hier mehr auf Bodenköder, als auf Pop ups. Ein
4er SHA-Kira oder ein Fox Serie 3 Größe 4 haben mir sehr gute Ergebnisse
geliefert. Zwei bis fünf Körner am Haar haben sich als am Erfolgreichsten
erwiesen.
Weizen
Ein uralter Köder, sehr beliebt bei Stippern. Genauso wie Mais ist
er sehr, sehr günstig und deshalb kann man auch mal eine größere Menge
verkraften. Weizen nimmt ebenfalls hervorragend Aromen und Süßstoffe auf.
Wie schon bei den anderen Partikeln erzielt man die besten Erfolge mit
gekochten Körnern. Grundsätzlich gilt dasselbe wie beim Mais, deshalb
möchte ich hier nicht noch mal näher drauf eingehen. Seine Zubereitung ist
so einfach wie seine Beschaffung. Man weicht ihn 12 Stunden ein und
köchelt ihn anschließend für ca. 15 Minuten. Fertig ist ein super Köder!
Sehr verträglich mit Hanf (1:1). Möchte man ihn am Haar fischen, so
bevorzuge ich dieselbe Methode wie mit Hanf. Mehr ist eigentlich nicht zu
sagen.
Vogelsaat
Es sind Hunderte von verschiedenen Vogelsaatmischungen auf dem
Markt. Vogelsaaten sind kleinste Samen, die zum Teil auch in diversen
Eifuttersorten (ein Vogelfutter) enthalten sind. Einzelne Bestandteile
könnten z.B. Leinsam en oder Negersaat sein. Mit diesem Futtermittel können
wir einen kleinen, konzentrierten Futterteppich anlegen, auf dem die
Karpfen (einmal am Platz) in einen gigantischen Fressrausch verfallen.
Gerne mische ich eine Saatenmischung mit Hanf und Weizen. In England sind
Saatmischungen sehr beliebt, vor allem die Mischungen von Hinder´s of
Swindon (z.B. Partiblend).
Die Zubereitung ist äußerst einfach, man
mischt die gewünschte Menge Saat mit genügend Wasser in einem Topf und
kocht sie ganz kurz auf. Nach dem Aufkochen nimmt man den Topf vom Feuer
und lässt sie ein paar Stunden ziehen, fertig! Sehr erfolgreich sind
Saaten, wenn man sie zusammen mit Pellets füttert. Dadurch entsteht unter
Wasser ein gigantische Duftwolke, der sich Karpfen kaum widerstehen
können. Meine Lieblingspellets sind die Varianten von Touvit oder die
Magic Plus Carp Pellets.
Saaten verwende ich eigentlich nie als
Hakenköder sondern nur als Beifutter. Ein Aufziehen auf das Haar kann man
getrost vergessen, no way. Einzigste Lösung wäre wieder der
Partikelkleber, von dem ich persönlich aber wie gesagt nichts halte.
Tigernüsse
Ein klasse Köder, ist er einmal in einem Gewässer etabliert. Ein Köder
der nicht in jedem Gewässer so gut funktioniert, wie z.B. am Lac de St.
Cassien. Man muss ihn lange Zeit vorfüttern, bis seine Effektivität zur
Geltung kommt. Doch wie gesagt, er läuft nicht in jedem Gewässer optimal.
Tigernüsse stellen jedoch mehr als eine Alternative dar, wenn man nicht
mit Boilies fischen kann oder will. Sei es wegen eines Boilieverbotes oder
wegen einer Krebs-/Zwergwelsplage. Diese Mein ung stammt nicht nur von mir
alleine, ich habe mit mehreren Angler gesprochen, die der gleichen Meinung
waren wie ich. Bei den Tigernüssen gibt es verschiedene Qualitäten. Achtet
immer darauf, dass sie klein und süßlich sind und eine mittelbraune Farbe
aufweisen. Finger weg von dunklen, schwarzen oder keimenden Nüssen, diese
sind bereits am Vermodern bzw. Keimen und von minderer Qualität. Aber
warum klein? Große Tigernüsse sind Abfallprodukte und werden normalerweise
aussortiert. Sie werden aber für viel Geld verkauft und der Kunde verars…!!!
Die Zubereitung ist ein wenig umständlicher
als bei den bisherigen Partikeln. Ich weiche meine Nüsse (Nein, nicht
die…) mindestens 24 Stunden ein, bevor ich sie für gute 30-40 Minuten
koche. Einige Spezialisten kochen sie um einiges länger (bis über eine
Stunde…), doch ich denke nicht, dass man Tigernüsse wirklich weich kochen
kann! Der Sinn des Kochvorgangs ist es, die Bakterien und den Keim zu
töten und nicht um alle Inhaltsstoffe zu vernichten. Die angegebene Zeit
reicht vollkommen aus um dies zu gewährleisten. Außerdem lieben die
Karpfen das Aufknacken, um an den süßlichen Eigengeschmack zu gelangen.
Tigernüsse biete ich - wie sollte es anders sein - an der Haar-Montage an.
Ein bis zwei aufgezogene Nüsse arbeiten hervorragend, auch als Pop up.
Allgemein
Wichtig ers cheint
mir zu erwähnen, dass man nicht zu lange Vorfächer benutzt, denn es kommt
ansonsten schon mal vor, dass man
"abgezwickte" Vorfächer einkurbelt. In einem solchen Fall waren entweder
Krebse am Werk oder aber das Vorfach
war zu lang und wurde von den Schlundzähnen der Karpfen gekappt. Füttert
man mit Partikeln, so verfallen die Karpfen in einen wahren Fressrausch
und schwimmen wie Staubsauger über unseren Futterplatz und fahren sich
alles rein. Kein Korn bleibt mehr liegen, versprochen!
Bei meinen Montagen bin ich sehr flexibel und
passe mich der Situation an. Ich setze voll auf Safety Rigs oder
Inliner-Bleie von Mika Products. Die Bleiform ist Geschmackssache und ist
jedem selbst überlassen. Meine Vorfächer sind wie erwähnt recht kurz, so
um die 15-25 cm, um Fehlbisse zu vermeiden und als No-Knot oder Line
Aligner gebunden. Bei den Haken greife ich auf mittelgroße, nicht zu
schwere Haken zurück (siehe oben unter "Mais"). Trotz gut vorbereiteten
Partikeln und ausgeklügelten Boiliemixen steht und fällt alles mit der
Location. Sie ist und bleibt das lebenswichtige Glied an erster Stelle!
So, und jetzt wünsche euch eine erfolgreiche Zeit am Wasser, denn ich geh`
jetzt fischen… und meine Partikel sind auch wieder dabei!
Euer Tobias Brenne
www.magicbaits.de
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